Babyzeichensprache: Der Schlüssel für eine effektivere Kommunikation mit deinem Baby / Kleinkind – Für Eltern deren Kinder noch nicht sprechen

„Ich will mehr davon!“
„Ich habe Hunger!“
„Hilf mir!“
Stell Dir vor du sitzt mit deinem 11 Monate alten Baby beim Spielen und es verwendet die oben gelisteten Sätze. Sehr unwahrscheinlich höre ich Dich sagen. Stimmt. Aber wäre es nicht schön, wenn sich dein Baby genauer mitteilen könnte – mehr als Jammern, Weinen, darauf zeigen, wütend sein?

Es gibt eine Methode, mit der sich dein Baby effektiver und genauer mitteilen kann – die Babyzeichensprache. Das Baby zeigt Dir, was es möchte bzw. was es gesehen/gehört hat.

Als Nanny habe ich einen Babyzeichensprachekurs besucht und hatte anfangs so meine Zweifel inwieweit diese Zeichensprache etwas bringen soll. Wochen später waren diese Zweifel wie weggeblasen – von meinem Schützling (12 Monate alt), der mir mit ein paar wenigen Zeichen viel über seine Bedürfnisse sagte.

Bei meinen eigenen Kindern habe ich die Babyzeichensprache auch eingeführt – ab dem Beikostalter. (Man kann auch noch früher anfangen – mit dem Zeichen „Milch“ – aber da Babys meistens viel länger brauchen, um die Zeichen nachmachen zu können, habe ich erst im 6. Monat angefangen.)

Was ist Babyzeichensprache?

Die Babyzeichensprache nützt Hand- bzw. Fingerbewegungen, um ein Wort (z.B. Sonne, Blume, Flugzeug) bzw. eine Handlung („ich bin fertig“, „du musst noch warten“, „ich brauche Hilfe“ )darzustellen.

Die Babyzeichensprache, die ich damals im Kurs lernte, ist von der deutschen Gebärdensprache abgeleitet. Man kann jedoch auch eigene Zeichen hernehmen, denn es müssen sich ja nur Elternteil und Kind verstehen.

Dieses Handzeichen verbindet das Kind nach VIELEN Wiederholungen mit dem Wort bzw. der Handlung. (Je nach Alter des Kindes, kann dieser Zeitraum stark variieren).

Und irgendwann überrascht dich dein Kind mit einem bekannten Zeichen. Dieses verstehst du. (Achtung: das Zeichen des Kindes kann unserer Handbewegung manchmal nur ähnlich sehen, weil es dieses Zeichen noch nicht ganz genau nachmachen kann)

Wie wendet man sie an?

  • Ich habe mit einem Wort angefangen „essen“ (Hand zum Mund führen). Als ich die Beikost einführte, machte ich immer (na gut, so oft ich dran dachte, was aber schon sehr oft war) vor dem Essen dieses Zeichen.
  • Der Trick ist, dass man Zeichen immer und immer wieder wiederholt. Im Alltag. Das Zeichen immer dann machen, wenn man auch das Wort benutzt.
  • Man fängt mit einem Wort über ein paar Tage an und steigert so langsam die Zeichen, die man macht. Je nach Alter des Kindes. Bei einem 6 Monate alten Baby reichen „essen“, „trinken“, „mehr“ und ein paar interessante Dinge wie „Licht“, „Blume“, „Flugzeug“ erst mal aus. Nach z.B. einem Monat kann man wieder neue Wörter einführen. Dabei aber trotzdem die „alten“ Zeichen weiterhin machen! Danach kann man auch wöchentlich neue Zeichen einführen. Irgendwann kommt es ganz automatisch, dass man ein Babyzeichen zu einer Sache macht, die das eigene Kind fasziniert.
  • Wichtig ist, die Zeichen einfach in den Alltag einzubauen. Wenn man dem Baby eine Blume zeigt, das Zeichen immer dazu machen, wenn ich ihm eine Blume zeige. Wenn das Kind staunend das Licht betrachtet, das Zeichen für „Licht“ machen. Erst mal nur für einige das Baby interessierende Dinge – bis es sich an Babyzeichen gewöhnt hat. Diese wenigen Babyzeichen dann aber auch konsequent machen! Später kann man dann alles was man dem Baby zeigt auch mit einem Zeichen untermalen.

Wie lange dauert es, bis mein Baby erste Zeichen macht?

Das kann wirklich stark variieren. Bei meinem Schützling damals (Nannyzeit) ging es recht flott. Wenn ich mich richtig erinnere, waren das so 4-6 Wochen. Bei Beginn war es schon 12 Monate alt – was die Lernkurve anhebt.

Bei meiner Tochter habe ich ab Beikostalter angefangen (wie oben beschrieben) und sie hat mit 9 Monaten ihre ersten Zeichen gemacht und im Alter von einem Jahr hatte sie schon einen „Zeichenschatz“ von 15 Wörtern bzw. Handlungen und danach stieg es sehr stark an.

Mein Sohn ließ sich etwas mehr Zeit. Bevor er 1 Jahr alt wurde hat er nur das „Zeichen“ für essen gemacht. (Dieses hat er aber abgewandelt. Bei meinem „Hand zum Mund führen“ habe ich automatisch Schmatzgeräusche dazu gemacht. Nur diese Schmatzgeräusche hat er übernommen :-). So zeigte er mir, dass er Hunger hatte. Oder, dass er jemanden sah, der etwas aß). Er hat erst im Alter von 12 Monaten sein erstes Zeichen gemacht („mehr“) und jetzt mit 14 Monaten benützt er 2 Zeichen sicher und mit sichtlicher Freude :-). Nachdem er bis jetzt nur „Mama“ sagt, wird das mit dem Sprechen lernen noch dauern, da können wir die Zeichensprache bestimmt noch ausbauen und nutzen!

Hindert die Babyzeichensprache das Kind nicht daran,
sprechen zu lernen?

Meiner Erfahrung nach unterstützt es das Sprechen lernen sogar. Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Schützling damals sein erstes Wort (außer Mama, Papa…)sagte (welches ich nicht verstanden hatte). Zum Glück hat er zusätzlich das Handzeichen gemacht, welches ich sofort verstanden hatte. Ich nickte und wiederholte das Wort. Ein Strahlen ging über das Gesicht – er wurde verstanden! Das motivierte, um Wörter immer öfters zu gebrauchen – denke ich zumindest.

Erfahrungen aus meinem Nanny- und Mama-Alltag:

  • Kinder teilen sich gerne mit und freuen sich, wenn sie gleich verstanden werden
  • Die Babyzeichensprache gibt neue Möglichkeiten der Kommunikation. Oft haben die Kinder ein Zeichen gemacht wie z.B. „Flugzeug“ und ich merkte erst, dass im Hintergrund eines zu hören war! Dann konnten wir über das Sprechen, was das Interesse des Kindes geweckt hatte
  • Das Kind machte beim Essen das Zeichen für „Sonne“. Ich wunderte mich und bemerkte erst dann, das die Sonne in ihr Gesicht schien!
  • Immer wenn ich meiner Tochter Lieder vorsang, machte sie das Zeichen für „mehr“, bis ich irgendwann das Zeichen für „noch ein letztes Mal“ einführte 🙂
  • Manchmal stand ihr schon die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, weil etwas nicht so funktionierte, wie sie es wollte. Zum Glück machte sie das Zeichen für „helfen“ und die Situation war gerettet.
  • Wenn mein Sohn fertig mit dem Essen ist, zeigt er „runter/raus“ aus dem Hochstuhl, wenn er mehr essen möchte, macht er „mehr“ (bzw. quengelt erst, ich frage ihn „Magst Du mehr?“ mit dem entsprechenden Zeichen dazu und er grinst mich an und macht das Mehr-Zeichen. Er freut sich riesig dabei, dass er das Zeichen jetzt kann UND das er mehr bekommt)
  • Mir blieben viele Wutanfälle erspart, weil ich das Bedürfnis des Kindes – mit Hilfe der Zeichen – schnell verstanden habe
  • Meine Lieblingszeichen sind „mehr/noch einmal“, „helfen“ und „warten“

Wie schauen die Babyzeichen aus?

  • Bilder, wie Kleinkinder die Zeichen machen findest du hier und hier

Fazit:

Ich bin überzeugte Babyzeichensprachlerin. Meine Kinder können/konnten sich (in einem gewissen Rahmen) mitteilen, bevor sie Sprechen konnten.

Was ich dafür tun musste? Die Zeichen konsequent im Alltag einsetzen. Dadurch werden die Babyzeichen gefestigt.

Wenn das Baby/Kleinkind dann anfängt, die Zeichen zu machen, ist die Kommunikation effektiver. Ich muss weniger raten, was mein Kind mir jetzt gerade mitteilen möchte.

Die Kinder haben große Freude daran, Zeichen zu machen, verstanden zu werden UND auch noch die erwartete Reaktion zu bekommen!

Außerdem werden Wutanfälle vermieden, weil das Kind gleich verstanden wird.

Man kann einen Kurs besuchen, muss es aber nicht. Man kann sich entweder ein Buch zum Thema kaufen oder sich einfach selbst Zeichen überlegen. Wie würdest du z.B. „kochen“ zeigen? Viele Menschen greifen intuitiv zum richtigen Zeichen (Bewegung wie wenn ich mit einem Kochlöffel umrühre)

 

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