Kindliche Entwicklung: Schwankt dein Kind auch zwischen Groß und Klein sein wollen?

Meine Tochter wird im September 5 Jahre alt und ich habe das Gefühl, dass mich der Sprung zwischen Kleinkind und “Großkind” irgendwie überrumpelt hat.

Mir kommt es noch vor wie gestern, als ich meine kleine Maus auf dem Arm gehalten habe und sie mir beim Bäuerchen machen zeigte, was in ihr steckte :-). Genauso gut kann ich mich an die innige Zeit, an die Verbundenheit mit ihr erinnern, die wir hatten als sie 2,5 Jahre alt war und ihr Bruder noch in meinem Bauch heranwuchs.

Und dann ging plötzlich alles so schnell. Ihr Bruder kam auf die Welt. Die Wochen gingen in Monate über, in denen ich vollkommen damit beschäftigt war, den Alltag mit absolutem Schlafdefizit zu managen und weitere Alltagsprobleme zu wälzen.

Dann tauche ich aus dieser stressigen, mich voll einnehmenden Phase auf und sehe meine Tochter, die kein Kleinkind mehr ist, die sich so sehr weiterentwickelt hat und die ich nun erneut „kennenlernen“ musste. Die kindliche Entwicklung ist fortgeschritten.

Sie will groß sein:

  • Sie will die Große sein. Sie zeigt mir andauernd, was sie jetzt schon alles kann. Sie vergleicht sich mit anderen Kindern und mit ihrem Bruder.
  • Sie drückt sich redegewandt aus, erste Schimpfworte aus dem Kindergarten werden lautstark verwendet und sie hat einen richtigen starken Willen entwickelt und setzt sich für deren Umsetzung ein.
  • Sie spielt jetzt am liebsten Rollenspiele und sie ahmt die Welt der Erwachsenen nach, dass es mir manchmal vor Rührung das Herz umdreht oder ein Lächeln auf meine Lippen zaubert oder sich kleine Gewissensbisse melden, weil ich mich ertappt fühle in einer meiner Schwächen.

Aber dann kommen wieder Momente, in denen sie wieder ganz klein sein will:

  • Ich soll sie anziehen.
  • „Mama, ich will immer bei dir sein!“
  • Sie kommt zum Kuscheln
  • Sie kommt in unser Bett
  • Sie hat sich weh getan und ich soll den Schmerz wegpusten

Es ist ein ständiges Schwanken zwischen “Ich will groß sein” und “Ich will ein Kleinkind wie mein Bruder sein”.

Nicht immer fällt es mir leicht mit diesem Groß und Klein sein wollen umzugehen:

  • Gerade wenn es schnell gehen muss und sie von mir angezogen werden will (ich könnte in der Zeit doch schon ihren Bruder fertig anziehen)
  • Wenn sie selbständig entscheidet, dass sie jetzt aber unbedingt noch etwas basteln muss und es wirklich nicht geht, dass sie jetzt ins Bett gehen soll – nein auf gar keinen Fall möglich – und ich eigentlich endlich meinen verdienten Feierabend machen möchte
  • Wenn ich wehmütig daran denke, dass sie jeden Tag erwachsener wird (was natürlich gleichzeitig wunderschön ist) und ich sie ihren Weg gehen lassen muss
  • Wenn ich die Zähne zusammenpressen muss, um nicht laut aufzustöhnen, wenn sie anfängt, in Babysprache zu sprechen (normalerweise spricht sie sehr deutlich und ist redegewandt…)

Trotzdem weiß ich, dass dieses Schwanken ganz normal ist. Das Zurückfallen in „ich will wieder klein“ sein, gibt meinem Kind die Sicherheit, Geborgenheit und Liebe, die es braucht, um dann wieder als „Große“ in die Welt hinaus zu gehen und die Welt im Sturm zu erobern.

Ich versuche, diese Augenblicke des „ich will wieder klein sein“ und “Mama soll helfen” zu genießen anstatt zu “verdammen”. Denn seien wir mal ehrlich: wie lange werde ich diese Nähe noch haben, bevor sie in die nächste Selbständigkeitsphase geht und sie nicht mehr klein sein will?

Und in Augenblicken, in denen sie „groß sein will“, versuche ich mein bestes, ihr Freiräume zuzugestehen und sie immer mehr ihren Weg gehen zu lassen und trotzdem begleitend an ihrer Seite zu stehen.

Schwankt dein Kind auch zwischen Groß und Klein sein wollen? Wie gehst du damit um? Schreibe schnell einen kurzen Kommentar – ich und die Leser des Blogs freuen sich, noch andere Sichtweisen zu lesen!

 

Bildquelle: Pixabay

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