19. August 2015

„Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin!“

Heute geht die Kleinwirdgross-Gastbeitrag-Serie in die letzte Runde. Mirjam vom Blog: „Perfektwir“ schreibt heute über das Gefühl, alles hinschmeißen zu wollen, wenn der Alltag (in diesem Fall: der Urlaubstag) nervig und anstrengend wird. Ich übergebe nun Mirjam das Wort:

„Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin!“

Ich stand in einem hübschen Dekorationsgeschäft in einer norddeutschen Kleinstadt und schaute auf das Wandbild mit diesem Spruch. Draußen ging ein Gewitter mit heftigsten Regengüssen nieder.

Innerhalb unserer Familie war auch gerade ein Gewitter niedergegangen. Ich weiß nicht, ob unsere deutschen Mitgäste im Restaurant verstanden hatten, was unser Sohn meinte, als er seinem Papi „Dummi Chue!“ an den Kopf warf, aber Tonfall und Körpersprache hatten sie sicher verstanden.

Zudem hatte er vorher schon rumgeschrien und tat es auch nachher noch ausführlich. Der Papi, die „dumme Kuh“, reagierte zwar gefasst, hielt seinen Sohn allerdings danach auf Distanz, was diesen erneut in Rage versetzte.

Ich saß da und ärgerte mich über die Wutanfälle unseres Sohnes, die leider in den Ferien häufiger vorkamen als im gewohnten Umfeld zuhause. Ist das wirklich nötig? Ist er mit seinen bald sechs Jahren nicht alt genug, um sich besser im Griff zu haben? Warum gehorcht er nicht einfach?

Und die altbekannte, wenig hilfreiche Frage: Was machen wir Eltern falsch, dass es zu solchen Szenen kommt?

Nun waren wir vor dem äußeren Gewitter in das großflächige Geschäft geflüchtet, wo wir uns in verschiedene Ecken verteilten, aufgewühlt durch das familieninterne Gewitter.

„Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin!“

Genau. Schmeiß ich doch die ganze Erziehungssache hin und werd Prinzessin! Passt. Ich erlaubte mir ein Lächeln. Erst ein grimmiges, dann wurde es langsam gelöster.

Plötzlich spürte ich, wie mein Sohn sich an mich drückte.

„Mami, wo ist Papi?“

„Ich weiß nicht. Irgendwo hier drin.“

Er wartete einen Moment. „Weißt du, ich will mit ihm Frieden machen.“ Ich nahm ihn in den Arm und erklärte ihm, dass auch ich gern mit ihm Frieden machen würde. Wir hielten uns eine Weile fest, dann schauten wir uns nach Papi um. Als wir ihn entdeckt hatten, lief der Bub zu ihm.

Ich blieb stehen und schaute zu, wie mein Mann sich zu unserem Sohn hinunter beugte, ihm zuhörte, sich dann niederkniete und ihn ganz fest in die Arme nahm.

„Ich schmeiß alles hin und werd Prinzessin!“

Ich schnitt dem Bild eine Grimasse. Vergiss es, ich schmeiße gar nichts hin! Wer will schon Prinzessin sein, wenn man stattdessen Mami und Ehefrau von so tollen Jungs sein kann?!

 

 

Über Mirjam und ihren Blog: Perfektwir

2015-07-20 20.52.58

„Das Familienleben von Mirjam (39, Mami von zwei Kindern) ist nicht perfekt – aber perfekt geeignet, um ihr Leben spannend, herausfordernd und reich zu machen! Darüber schreibt sie auf ihrem Blog „Perfektwir“ – ehrlich, ungeschönt und mit dem Blick auf das Gute und Schöne. Da sie auch Pädagogin ist, liegt ein weiterer Fokus ihres Blogs auf den Themen Bildung und Erziehung.“

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