19. Mai 2016

Das Lerntempo deines Kindes akzeptieren

Es gibt die unterschiedlichsten Tabellen, was ein Kind bis wann können sollte.

Meiner Erfahrung nach entwickeln sich Kinder jedoch nicht nach diesem Plan – zumindest nicht in allen Bereichen der Entwicklung. Sie hüpfen eher von einem Entwicklungsbereich zum nächsten. Solange eine Sache geübt wird (z.B. laufen lernen) bleiben die anderen Entwicklungsbereiche öfters „stehen“ (z.B. tut sich nicht viel in der Sprachentwicklung)

Je nach dem Interesse deines Kindes wird es einen Bereich schneller meistern als einen anderen. Dadurch erklärt sich auch, warum manche Kinder schon mit 11 Monaten laufen aber erst mit 2 Jahren sprechen und andere mit 12 Monaten schon ganz viele Wörter sprechen, jedoch erst mit 18 Monaten laufen.

Das Lerntempo akzeptieren

Das ist manchmal gar nicht so einfach.

Wir vergleichen unsere Kinder bewusst oder unbewusst mit anderen Kindern – bzw. Entwicklungstabellen. Manchmal können wir es gar nicht erwarten, dass ein Entwicklungssprung geschafft ist.

Oder es fällt dir schwer, nur beobachtend daneben zu stehen, wenn dein Kind sich abmüht, etwas zu schaffen (z.B. beim Steckspiel die richtige Öffnung zu finden). Weil du als Erwachsene genau weißt, wie etwas am besten funktioniert, willst du deinem Kind das Wissen auch bereitstellen.

Für dein Kind ist es jedoch ein viel größerer Erfolg, wenn es etwas alleine geschafft hat. Die Freude und den Stolz über das Gemeisterte kannst du in seinem Gesicht ablesen.

Deshalb empfehle ich dir, dein Kind erst einmal in seinem Tun zu beobachten. Wenn es sehr frustriert ist von einer Sache, dann kannst du deine Hilfe immer noch anbieten ("soll ich dir helfen?").  Wenn das bejaht wird, dann ist die beste Hilfe die  „Hilfe zur Selbsthilfe“. Also einen Trick bzw. einen Hinweis geben, wie dein Kind etwas alleine meistern kann ("schau mal wie der Bauklotz wackelt, stell ihn so hin, dann steht er stabiler und dann kannst du den Turm noch höher bauen")

Durch dein Hinführen an die Lösung löst dein Kind sein Problem fast alleine. Weil dieses Erfolgserlebnis mit intensiven freudigen Gefühlen verbunden wird, speichert das Gehirn deines Kindes diese Erfahrung besser ab. Dadurch wird die Lernerfahrung intensiviert und das Kind ist motiviert, weiterhin mit Ausdauer, Einfallsreichtum und Selbständigkeit zu lernen.

Über den Umgang mit Fehlern

Kinder haben keine Angst vor Fehlern.

Angst oder Unbehagen bei Fehleren lernen sie erst irgendwann von uns Erwachsenen.

Kinder registrieren normalerweise Fehler, ärgern sich evtl. auch darüber und versuchen es dann einfach erneut, etwas zu schaffen.

Denn Fehler zeigen deinem Kind, dass ihm noch etwas „fehlt“, das es noch weiter üben muss, um erfolgreich zu sein. Sie wissen einfach, dass Fehler zum Lernen dazugehört und versuchen einen neuen Weg, um Erfolg zu ermöglichen.

Deshalb ist es deine Aufgabe, diese ursprüngliche Fehlerkultur ("mir fehlt noch etwas, ich muss noch mehr üben") deines Kindes solange wie möglich aufrechtzuerhalten. Das kannst du tun, indem du nicht von Fehlern sprichst, sondern darüber, dass es noch etwas Übung braucht, bevor es klappen wird.

Jetzt würde es mich noch interessieren: Fällt es dir schwer, dich beobachtend zurückzuhalten, wenn dein Kind etwas zu Schaffen versucht? Stehst du helfend zur Seite? Fällt es dir leicht, deine eigenen Fehler zu akzeptieren und die deiner Kinder oder sind dir Fehler unangenehm?

Teil 1 der Serie: "Spielerisch lernen" findest du hier.

Teile den Artikel

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentiere:

Diese Website verwendet Cookies für eine optimale Funktionalität. Außerdem gibt es die Option Inhalte zu teilen. Dabei werden ggf. Daten an die jeweiligen Netzwerke (Facebook, Twitter, Google, Pinterest) übertragen. Mit der Nutzung dieser Website (scrollen, navigieren) bzw. der Share-Buttons erklärt sich der Benutzer damit einverstanden. Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden.

Schließen