13. Juni 2016

Doppelbelastung: Beruf und Familie unter einen Hut bekommen

Fühlst du dich hin- und hergerissen zwischen Beruf und Familie?

Einige Leser/innen kämpfen mit ihrer Doppelbelastung und den Fragen: Wie werde ich meinen Kindern gerecht und kann mich trotzdem beruflich weiterentwickeln? Wie schaffe ich die Organisation ohne im Burn-out zu landen? Soll ich meinen Job nicht lieber hintenan stellen?

Wenn du auch ein berufstätiger Elternteil bist, dann ist der folgende Artikel (und noch 3 weitere Artikel zu diesem Thema im Laufe der nächsten beiden Monate) auf jeden Fall für dich.

Ich lasse andere Blogger-Kolleginnen zu Wort kommen, die über die Doppelbelastung "Beruf und Familie" und ihren Umgang damit berichten. Deshalb übergebe ich jetzt an Anja von "Praxis Zukunftschancen":

Beruf und Familie = stressig?

Dein Tag hat 24 Stunden. Das ist erstmal keine sonderlich neue oder überraschende Feststellung. Aber hast Du Dir eigentlich schonmal überlegt, wie sich diese Zeit auf deine verschiedenen Tätigkeiten aufteilt? Bei mir sah das vor ein paar Jahren noch so aus:

Morgens nach dem Aufstehen die Kinder wecken, Brote machen, Frühstück richten, Kleider rauslegen. Alles bereitstellen, was jeder so mitnehmen muss. Gemeinsam mit den Kindern ein schnelles Frühstück essen.

Dann schnell ins Bad, ein paar Sachen überwerfen und immerhin die Zähne putzen. Ausführlichere Sachen wie Duschen oder Schminken müssen aus Zeitgründen leider ausfallen. Noch schnell die Waschmaschine einschalten. Kinder schnappen und ins Auto bringen.

In die Betreuung fahren, natürlich wegen des Altersunterschiedes in 2 verschiedene Einrichtungen. Dann im Verkehr anstellen um selbst einigermaßen pünktlich auf der Arbeit zu sein. Dort in der Mittagspause noch schnell 2 Telefonate führen, um die Termine für die Woche zu regeln.

Nach Feierabend zurück zu den Kitas, um die Kinder wieder abzuholen. Dann entweder schnell nach Hause, um das Abendessen zu machen oder zu einem anstehenden Termin. Dabei kurz noch den Einkauf erledigen.

Zu Hause die Taschen der Kinder ausräumen, nebenher das Abendessen vorbereiten und die Kinder beschäftigen. Immer wieder Streit schlichten. Diskussionen darüber führen, warum ich am Vormittag nicht beim gemeinsamen Backen in der Kita war. Tisch decken und gemeinsames Abendessen.

Kinder auffordern, sich fürs Bett fertig zu machen, nebenher den Tisch abdecken und schonmal ein wenig aufräumen. Gemeinsam ins Bad zum Duschen und Zähne putzen, dann eine Gute Nacht-Geschichte lesen. Erst das eine, dann das andere Kind ins Bett bringen.

Endlich Zeit für den Haushalt. Aufräumen, Geschirrspüler anschalten und die Wäsche aufhängen. Dann eine schnelle Dusche, weil es schon spät ist. Kurze Absprache mit meinem Mann, um die Termine für die Woche zu klären. Und endlich todmüde ins Bett fallen.

Klingt nach Stress, oder? Das war es auch! Okay, zugegeben, nicht alle Tage waren so stressig. Aber sie waren doch eher die Regel als die Ausnahme. Was ich an solchen Tagen nicht geschafft habe?

- Zeit für mich haben
- Zeit für meine Beziehung haben
- Qualitätszeit mit meinen Kindern verbringen

Was der Stress mit mir machte

Und wie Du Dir denken kannst, hat es nicht lange gedauert und ich war ausgebrannt. Ich war so müde und schlapp, dass ich morgens kaum noch aus dem Bett gekommen bin, hatte chronische Schmerzen im Rücken und meine Ernährung war alles andere als gesund.

Irgendwann war ich öfter krankgeschrieben als auf Arbeit und ich habe gemerkt, dass ich dringend die Notbremse ziehen muss. Dazu kam noch, dass meine Kleine richtig krank wurde und wir ein paar Tage in einem Krankenhaus verbringen mussten.

Dort habe ich dann auf Rat der Ärzte beschlossen, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen. Und das war mein Lebensretter.

Denn in den 3 Wochen, die ich mit meinen Mädels allein am anderen Ende von Deutschland verbrachte, ist mir so vieles klar geworden. Es gab keinen Handyempfang und auch keinen Fernseher auf den Zimmern. Dafür viel frische Luft, Bewegung und gesundes Essen. Ich hatte plötzlich Zeit zum Nachdenken. Und ich hatte viele andere Mamas um mich, mit denen ich reden konnte.

Und mir sind dabei einige Dinge ganz klar geworden:

  • Ich bin nicht allein für das Wohlergehen der gesamten Familie verantwortlich
  • Meine Arbeit raubt mir neben dem stressigen Familienalltag das letzte bisschen Energie, das ich noch in mir habe
  • Ich brauche dringend jemand, der mich unterstützt und an den ich auch mal Aufgaben abgeben kann

Eines der ersten Dinge, die ich nach der Kur gemacht habe, war ein Gespräch mit meinem Chef. Ich habe ihn gebeten meine Arbeitszeit zu reduzieren. So bin ich von der vollzeitarbeitenden Mama zur teilzeitarbeitenden Mama geworden. Und damit geht es mir viel besser. Inzwischen lebe ich nach dem Motto:

Lieber bewusste und achtsame Momente mit meiner Familie als mehr Geld durch einen Vollzeitjob.

Was kannst Du also tun, um aus der ständigen Zerissenheit zwischen Arbeit-Haushalt-Kind auszusteigen?

Setze Prioritäten

Achte unbedingt darauf, welche Dinge wirklich wichtig sind und welche nicht so sehr.

Gib Aufgaben ab

Schau Dir an, welche Dinge Du wirklich selbst erledigen musst und welche vielleicht jemand anders machen kann.

Plane voraus

Fange an Routineaufgaben schon im Voraus zu erledigen. Ich habe zum Beispiel immer schon abends den Tisch fürs Frühstück gedeckt und die Kleidung für den nächsten Tag rausgelegt. Das hat meinen Tagesstart schon entlastet.

Hol deine Familie mit ins Boot

Fühl Dich nicht verpflichtet für alles und jeden. Auch deine Kinder können schon Aufgaben wie das Tischdecken oder das Ausräumen des Geschirrspülers übernehmen. Und dein Mann ist genauso verantwortlich für die ordentliche Haushaltsführung wie Du.

Schaffe Dir Puffer

Plane deine Tage so, dass Du auf jeden Fall Pufferzeiten zwischen 2 Terminen hast. Gerade mit Kindern kann sich schnell mal eine Verzögerung einstellen. Oder der Verkehr spielt nicht so mit. Da ist es immer gut, noch ein wenig Zeit zu haben, um nicht in Stress zu geraten.

Nimm Dir bewusst Auszeiten

In meinem Terminkalender gibt es einmal die Woche eine Ich-Zeit. Denn auch Du brauchst einfach mal Ruhe, Zeit zum Luftholen oder ein Hobby. Kein Mensch kann ständig alles managen, ohne zwischendurch auch mal die Batterien wieder aufzuladen.

Überprüfe deine Arbeitsbedingungen

Auch das ist etwas, was sich nur wenige Menschen bewusst machen. Nimm doch mal deine Arbeit unter die Lupe und prüfe, ob sie Dich glücklich macht. Oder ob sie Dir Energie zieht. Kannst Du deine Arbeitszeiten vielleicht anders legen? Oder beim Arbeitspensum kürzer treten?

Für mich war es zum Beispiel eine Riesenentlastung als ich angefangen habe, nicht mehr jeden Tag zur Arbeit zu fahren, sondern die Arbeitszeit als Wochenarbeitszeit auf einzelne Tage aufzuteilen. Das bedeutet, dass ich ganze Tage arbeite und auch ganze Tage komplett frei habe. So kann ich Haushalt, Termine und Kinder viel flexibler organisieren. Und es bleibt für alles mehr Zeit.

Schaffe das schlechte Gewissen ab

Wenn Du mal wieder meinst, Du wärst eine schlechte Mutter, weil Du dieses oder jenes nicht geschafft hast oder das noch hättest erledigen müssen, dann mach Dir klar: Eine gestresste Mutter ist nie eine gute Mutter. Weil Du vor lauter Stress und Terminen keine Aufmerksamkeit für deine Kinder und ihre Bedürfnisse aufbringst.

Und lies dir diesen Artikel durch, wenn du mal wieder an dir selbst zweifelst. (Anmerkung von Petra)

Fazit:

Ein Gefühl von ständigem Stress lässt sich schon durch kleine Umstellungen im Alltag reduzieren. Und für langfristige Veränderungen mache Dir bewusst, welche Werte Dir (und nur Dir) wirklich wichtig sind. Wenn Du dein Leben daran ausrichtest, wirst Du viel zufriedener sein.

Über die Autorin


Anja Riemer-Grobe ist konsequent-liebevolle Mädchenmama, Elternbegleiterin und Befürworterin eines wertschätzenden Miteinanders. Sie schreibt auf ihrem Blog unter www.praxis-zukunftschancen.de über die Themen Familie, Beziehung und Bindung und hilft anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen.

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