28. Juni 2016

Wie Du als berufstätige Mutter selber nicht zu kurz kommst – und was Angst und Wut damit zu tun haben

​Meine Beruf und Familie Artikelserie geht in die zweite Runde. Heute geht es um berufstätige Mütter und wie sie es schaffen, sich selbst und ihre Bedürfnisse nicht aus dem Blick zu verlieren (und was dahinter steckt, dass es soweit kommen konnte).

Somit übergebe ich nun das Wort an Stefanie Heidtmann:

Ich habe vor einiger Zeit eine Umfrage bei Müttern gemacht und gefragt, was sie gerne vorher gewusst hätten, bevor sie ein Kind bekommen haben. Es kamen viele verschiedene Antworten. Aber die Antwort die JEDE Mutter gegeben hat war:

„Ich hätte gerne gewusst, wie wenig man nur noch Zeit für sicher selber hat.“

Nachdem ich also wusste, was “meine“ Mütter beschäftigt, habe ich Ursachenforschung betrieben und analysiert: Was haben diese Mütter gemeinsam?

Ich habe einige Hauptprobleme entdeckt.

Eines davon möchte ich heute mit Dir teilen, damit Du trotz Beruf und Familie wieder mehr Zeit für Dich selber hast.

Woher rührt denn jetzt der Eindruck, dass man selber zu kurz kommt?

Die Antwort: Die Ursache dafür ist Angst.

Dieser Zusammenhang erschließt sich jetzt vielleicht nicht gleich auf den ersten Blick. Daher lass' mich Dir zum Einen erläutern, wie ich zu dieser Aussage komme und zum Zweiten gebe ich Dir ein paar handfeste Tipps, was Du dagegen tun kannst.

Beginnen wir mit dem Ausgangsszenario:

Jeder zerrt an Dir: Chef, Business, Freundinnen, eigene Eltern, Schule, Kindergarten, Vereine, Partner, Behörden, Ehrenämter und natürlich die Kinder selber auch. Du bist selbstverständlich für alle da, regelst, organisierst und funktionierst. Damit kommen alle auf Ihre Kosten, nur Du bleibst dabei auf der Strecke.

Gefühl: Ich falle hinten runter, für meine Bedürfnisse ist keine Zeit und kein Raum.

Woher kommt dieses Problem bei berufstätigen Müttern?

Gerne schieben wir die Ursache dafür auf die äußeren Umstände. Doch die Lösung liegt wo anders. Denn:

Das Problem bist Du selber, bzw. Deine mangelnde Abgrenzung. Wie oft höre ich Klientinnen sagen:

  • „Wenn ich es nicht mache, macht es keiner.“
  • „Wenn ich es nicht selber mache, dann wird es nicht gut genug.“
  • „Wenn ich es nicht mache, dann regiert das Chaos.“

Was hier passiert ist ein sehr bekanntes psychologisches Phänomen*). Diese Frauen befinden sich in einer Retter-Position.

Das bedeutet, dass Du

  • Dich nicht genug von den Problemen anderer Leute abgrenzt
  • zu oft „Ja.“ sagst, obwohl Du „Nein!“ meinst
  • gerne alles kontrollieren willst oder im Griff haben willst
  • es gerne zu 100% perfekt hättest
  • es lieber anderen recht machst, als für Dich selber zu sorgen

Du spielst den Retter der Nation.

*) Quelle / Info: Die meiste Zeit spielen wir Menschen ein Drama-Spiel und nehmen dabei eine bevorzugte Rolle ein. Mütter wählen sehr häufig die Retter-Rolle.Die beiden anderen Rollen sind der Täter und das Opfer. Vgl. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Dramadreiecke.


Warum spielen berufstätige Mütter oft den Retter?

DASS das so ist, dürfte Dir ja nicht neu sein. Aber hast Du Dich schon mal ganz ehrlich gefragt, WARUM das so ist?

Die Antwort lautet: Weil da Angst ist.

Angst,

  • ohne mich läuft es nicht gut oder noch schlimmer, es läuft gar nichts
  • ohne mich läuft es jedenfalls nicht so, wie ich es mir vorstelle
  • alles fällt auseinander, Vollchaos
  • vor Getratsche und Verurteilung
  • vor der Meinung der anderen, wenn Du es anders machst

Und da sind wir auch schon beim Kern dieses Angst-Problems:

Woher kommt diese Angst bei berufstätigen Müttern?

Ganz viel unseres Verhaltens kommt entweder daher, dass wir vorwegnehmen, was passieren KÖNNTE oder daher, dass wir uns vor den (Vor-) Urteilen anderer fürchten.

Angst = Ablenkungsmanöver

Angst ist tatsächlich ein sehr trickreiches Gefühl und hat mindestens drei Hauptqualitäten.

Diese sind:

1. echte, Leib und Leben schützende Angst = Achtsamkeit

2. Freudige Aufregung, ein Tschakka-Gefühl, davon, dass was Tolles passieren kann oder eine neue Möglichkeit da ist = Excitement

3. Ablenkung davon, dass etwas zu tun ist, was ich nicht tun will = z.B. mich abgrenzen

Wenn Du Dir die Liste anschaust, dann erkennst Du, dass Deine Angst, dass die Nachbarn tratschen oder Dein Chef sauer mit Dir ist, weder unter Nr. 1 fällt, noch unter Nr. 2. Dieses Gefühl, das Du Angst nennst, ist ein Ablenkungsmanöver! Dieses Gefühl hält Dich regelmäßig davon ab, Dinge zu tun, die überfällig aber unpopulär sind.

Wie z.B. endlich mit Deinem Partner klare Regelungen zu treffen, wer welche Arbeiten im Haushalt übernimmt bzw. dass eine Putzfrau eingestellt wird.

Oder Deinen Kindern viel mehr Aufgaben zu übertragen, als Du Dir hast je einfallen lassen. Nur weil Du sie liebst, heißt das nicht, dass Du alles für sie tun musst!

Selbstverständlich gehören dazu auch unangenehme Gespräche mit Deinem Chef oder unpopuläre Entscheidungen in Deiner Firma.

Siehst Du, wie die sogenannte Angst Dich davon abhält, für Dich enorm wichtige Schritte zu tun?

Das bedeutet, wenn Du etwas an diesem Zustand ändern willst, dann solltest du Deine Achtsamkeit darauf richten, Dich viel mehr und deutlicher abzugrenzen.

Dafür gebe ich Dir jetzt 4 Tipps. Kurz und knackig.

Wie berufstätige Mütter sich besser abgrenzen können:

Tipp Nr. 1: Grenzen früh setzen

Ich beobachte oft, dass insbesondere Frauen viel zu spät eine Grenze ziehen. Da ist die Angst, dass man nicht mehr als die Nette, Liebe gesehen wird. Aber wer zahlt die Zeche dafür? Genau! Du!

Mein Tipp: Ziehe die Grenze schon ganz früh, wenn Du merkst „Oh lala, ich werde gerade genervt, ärgerlich, angefressen.“ Sobald Dein System meldet: Es beginnt gerade eine Schieflage, wirst Du aktiv und nicht erst wenn Du meeega-genervt bist.

Das ist übrigens genau das Gegenteil von “dieses eine Mal noch“.

Tipp Nr. 2: Frage Dich: Wessen Problem liegt eigentlich vor?

Meins? Deins? Wenn es nicht meines ist, will ich es haben? Oder will ich an der Lösung mitarbeiten? Ja oder Nein?

Den Mut aufbringen, jemand anderem auch seine Probleme zu lassen ist klare Abgrenzung!

Bewusst jemandem Deine Hilfe anzubieten ist das Gegenteil von retten (oben)! Und frage Dich auch an dieser Stelle:

Habe ich den Mut, entgegen der Konvention meinen Weg zu gehen? Wer hat denn das Problem, wenn Dein Kind 4x in der Woche die gleiche Kleidung trägt? Du? Wirklich?

Tipp Nr. 3: Vereinbare sog. Deals& Delivers:

Kläre mit Deinem Umfeld ab: Was leiste ich und was möchte ich im Gegenzug dafür haben?

Wenn Du einen Arbeitsvertrag hast, dann lies ihn Dir mal durch. Da steht drin, was Du leistest und was Du dafür bekommst. Das funktioniert auch mit Deiner Familie. Nimm z.B. Deine Kinder in die, ihrem Alter angemessene, Verantwortung. Mache klare Ansagen, was für Dich nicht bzw. was für Dich gut funktioniert.

Tipp Nr. 4 (Das dürfte der schwerste sein): Lasse Hilfe zu und bitte um Hilfe.

Warum fällt uns das so schwer? Meine Erfahrung ist, dass es da eine Stimme in uns gibt, die uns dann als schwach, unperfekt, unfähig usw hinstellt. Womit wir wieder bei der Angst angelangt sind. Wir haben Angst davor, dass uns die anderen so sehen. Frage Dich wieder: Welches der drei Felder der Angst ist das? Und, Bingo! genau, es ist wieder Feld Nummer 3. Es ist ein Ablenkungsmanöver davon, dass wir für uns sorgen.

Wie viel ist es Dir wert, diese Form der Selbstsabotage endlich zu beenden?

Sei stark: sei schwach!

Viel Erfolg bei Deinem weiteren Weg zu Dir und danke, dass Du offen dafür bist, bei Dir selber anzufangen.

Wenn Du mehr dazu wissen willst, wie Du mit Deinen gemischten Muttergefühlen umgehen kannst, dann schau doch mal auf meiner Website vorbei!

Alles Gute

Stefanie

Über die Autorin


Stefanie Heidtmann ist Osteopathin, Autorin und Mama-Coach. Seit 15 Jahren begleitet sie insbesondere Mütter durch Situationen des Wandels und auch Krisen.

Als Mutter von 2 eigenen und 2 Patchwork-Söhnen mit voller Selbständigkeit in eigener Praxis kennt sie die Sorgen und Nöte von berufstätigen Müttern genau.

Einfach glücklich und lebensfroh – das ist ihre Devise.

Auf der Homepage clever-parenting gibt es mehr Informationen zu den Themen des Artikels und unter stressclevermanagen bloggt sie in unregelmäßigen Abständen zu den bunten Themen des Lebens.

Teile den Artikel

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentiere:

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden.

Schließen