13. Juli 2016

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fängt im Kopf an

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein großes Thema. Deshalb habe ich auch meine Beruf-und-Familie-Serie ins Leben gerufen. Heute hat Katja Fröchtenicht einen Gastbeitrag für dich geschrieben. Diese 3 Tipps helfen dir dabei, wie du den Spagat zwischen Arbeit und Zuhause vor allem in deinen Gedanken schaffst, um dich nicht ständig gehetzt oder unter Druck zu fühlen:

In meiner Arbeit mit Klientinnen spielt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine große Rolle. Irritierenderweise sind es zu fast 100 Prozent die Mütter, die diese Herausforderung zu meistern haben. Von Gleichberechtigung ist hier wenig zu spüren.

Hier nun meine 3 Top-Tipps für arbeitende Mütter:

1. Gedanken bewusst wahrnehmen

Häufig, wenn wir uns bei der Arbeit befinden, dann sind unsere Gedanken zuhause. Zuhause, bei unseren Liebsten. Aber nicht diese glücklichen „Alles-ist-in-bester-Ordnung-Gedanken“, sondern die „Hoffentlich-klappt-alles-Zuhause-Gedanken“. Die dafür sorgen, dass wir ein schlechtes Gefühl und eventuell auch ein schlechtes Gewissen bekommen. Der erste Schritt aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen ist, dass ich mir bewusst mache, was ich denke. Häufig sind es immer die selben, wiederkehrenden, unangenehmen Gedanken, die mir durch den Kopf schießen. Die dafür sorgen, dass ich mich nicht richtig auf meine Arbeit konzentrieren kann und dieses Flowgefühl zerstören, das sich einstellt, wenn ich so richtig in meiner Arbeit versinke.

Aber wie kann man gegensteuern? Eine Möglichkeit wäre sich ein eigenes beruhigendes Mantra zuzulegen. Etwas in der Art von „Zuhause ist alles in bester Ordnung“ oder „meinem Kind geht es gut“. Zum einen um den Gedanken ein Gegenstück anzubieten, zum anderen, weil von dieser Art Affirmation eine innere Beruhigung ausgeht, die tatsächlich hilft.

Übrigens auch für den umgekehrten Fall: wenn wir zuhause immer über unsere Arbeit nachdenken. Denn das passiert leider auch sehr häufig. Wir sitzen mit unserem Kind zuhause (an das wir den ganzen Tag gedacht haben) und anstatt uns voll darauf einlassen zu können, driften unsere Gedanken zurück zur Arbeit die nicht fertig geworden ist, einem Missverständnis mit einem Kollegen oder unangenehmen Kunden. Der erste und wichtigste Schritt überhaupt: auf die Gedanken achten. Und dann: ihnen mit einem geeigneten Gedanken begegnen.

Lässt man diese belastenden Gedanken einfach unbeantwortet, stellt sich nämlich schnell das schlechte Gewissen ein. Und dadurch wirst du zu einem Spielball für die Anderen. Ob Kind, Mann oder Chef, sobald jemand diese Karte zieht, wirst du manipulierbar. Aussagen wie „nie hast du Zeit für mich“(Kind) oder „die Frau von Manfred hält ihm so toll den Rücken frei“ (Partner) oder „wir haben für Sie das meeting extra eine Stunde vorverlegt“ (Chef) bringen dich dazu, dass du Zugeständnisse für Sachen machst, die du eigentlich nicht machen wolltest. Es sei denn, du merkst, wie virtuos da gerade jemand mit deinem schlechten Gewissen spielt. Dann kannst du Grenzen setzen und die anderen in ihre Schranken weisen. Solange du aber in deinem schlechten Gewissen feststeckst, bemerkst du nicht mal, was hier passiert.

Deswegen ist es doch viel besser, einfach kein schlechtes Gewissen zu haben.

Stattdessen die Gedanken, die es verursachen könnten, bewusst wahrnehmen und gekonnt antworten.

2. Versuch nicht überall die Beste zu sein

Damit hatte ich lange echt Schwierigkeiten. Ich wäre nun mal am liebsten perfekt. Wonder-Woman. Keine Makel, die eine Angriffsfläche bieten. Dabei hat selbst Superman sein Kryptonit .Und erst diese Schwäche macht ihn sympathisch. Aber seitdem wir Mütter geworden sind, versuchen wir in jeder Kategorie eine 1+ zu bekommen. Die Entspannung setzt dann ein, wenn ich zu meinen Schwächen stehen kann. Es ist ein Irrglaube, dass wir sicher sind, wenn wir perfekt sind. Unsere Kinder lieben uns dann auch nicht mehr. Was uns unwiderstehlich für unsere Kinder macht, ist unsere Liebe für sie und ein bestimmter Grad an Entspanntheit. Diese Kombination ist unschlagbar. Entspanntheit entsteht aber häufig erst dann, wenn ich loslassen kann. Auch meinen eigenen Erwartungsdruck an mich selbst.

Unglaublich geholfen hat mir hier das Pareto-Prinzip, auch 20-80 Prinzip. Es besagt, dass zwischen Einsatz und Ergebnis oft ein 20-80 Zusammenhang besteht. 20 Prozent der Kunden machen 80 Prozent des Umsatzes, für eine gute 3 (80 Prozent) reicht es aus, wenn ich nur 20 Prozent der Zeit zum Lernen investiere. Es gibt soviele Bereiche, in denen der 20prozentige Arbeitseinsatz, der 80 Prozent des Ergebnisses bringt, absolut ausreichend sind. Wesentlich ist nur, dass du für dich herausfindest, welche Bereiche deines Lebens nur zu 80 Prozent erledigt sein dürfen. Bei mir war das sicherlich mein Haushalt! Meine Küche sieht in 15 Minuten zu 80 Prozent aufgeräumt aus. Wenn ich allerdings auch noch die Besteckschublade von den Krümeln säubern will, dann bräuchte ich sicher viiiel länger. Du verstehst das Prinzip.

3. Abläufe neu betrachten

Menschen sind Gewohnheitstiere. Wenn wir erstmal einen bestimmten Ablauf gewöhnt sind, dann hinterfragen wir oft nicht mehr, ob uns das dienlich ist, oder ob es vielleicht eine bessere oder elegantere Lösung geben könnte. Stattdessen versuchen wir unser jetziges Leben in Abläufe zu pressen, die aus einem früheren Leben stammen. Ich habe eine Klientin die früher halbtags gearbeitet hat. Dann ist sie nachhause gefahren und hat für ihre Kinder gekocht. Das machte sie bis vor kurzem noch genauso wie vor fünf Jahren. Und das hat sie ordentlich gestresst. Trotzdem hat es lange gedauert, bis sie überhaupt in Erwägung gezogen hat diesen Ablauf zu ändern. Heute kochen an zwei Tagen ihre mittlerweise 15 und 12jährigen Kinder. Oft gibt es an diesen Tagen Nudeln oder Pizza. Aber es ist trotzdem eine Erleichterung für sie. Und ein Schritt für die Kinder in Richtung Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein.

Eine andere Möglichkeit wäre gewesen die neu eingerichtete Cafeteria in der Schule, die auch Mittagessen anbietet, in Anspruch zu nehmen.

Als meine Kinder noch klein waren, war es für mich oft unheimlich stressig sie an bestimmten Tagen pünktlich vom Kindergarten abzuholen. Erst eine „Abhol-Kooperation“ mit einer anderen Kindergartenmutter hat das Ganze sehr entspannt. Oft sehen wir solche Lösungen nicht, weil wir der Meinung sind, dass wir alles allein schaffen müssen. Wie entspannend ist es stattdessen Unterstützung zu spüren.

Manchmal hindern uns unsere eingefahrenen Muster und Glaubenssätze daran, die Abläufe in unserem Leben so zu gestalten, dass sie in unser Leben passen. Hier lohnt es sich kreativ zu sein und auch mal neue Wege zu gehen.

Welche Abläufe hast du schon verändert, sodass sie in dein Leben passen. Oder welche Abläufe würdest du gerne verändern, weil sie nicht mehr zu dir passen? Verrate es uns doch im Kommentar!


Über die Autorin


Katja Fröchtenicht hat eine klare Meinung über Erziehungsrichtlinien: Finde deine eigenen. Und eine feste Überzeugung: Glückliche Mütter haben glückliche Kinder. Der Rest darf frei fließen. Alles gehört dazu, das Glück und die Verzweiflung, Entspannung und Stress, Selbstliebe und schlechtes Gewissen – kurz das Leben. Ihre unterhaltsamen Vorträge geben Impulse für neue Sichtweisen und jede Menge praktische Tipps.

Ihre Webseite findest du hier.​

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