15. September 2016

Interviewreihe: Tipps für Eltern von Coaches

Vor ein paar Wochen habe ich nach Coaches gesucht, die mit Eltern arbeiten, um deren Alltag zu verbessert, neu zu organisieren, freudiger zu gestalten oder ihnen bei einem Neuanfang zu helfen.

Die Idee war, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und eine Interviewreihe ins Leben zu rufen, in der jeder Coach die gleichen Fragen bekommt und dir zusätzlich ein paar Tipps aus der Praxis als Coach verrät, die du selbst sofort und selbständig anwenden kannst.

Diese Interviews werden jeden Monat einmal veröffentlicht:

1. Stelle dich, deine Webseite und deine Arbeit kurz vor

Fotografin Melanie Niesik

Mein Name ist Daniela Koster. Ich bin Führungskraft in einer Bank und nebenberuflich als ganzheitlicher Coach tätig. Ich helfe Frauen, die nach der Elternzeit wieder in das Berufsleben zurückkehren möchten. In meinem Coaching findet die Kundin heraus, was ihr wirklich wichtig ist und was ihre Ziele sind. Durch die Geburt eines Kindes verändert sich vieles, Werte verschieben sich und man setzt andere Prioritäten. Ich selbst bin nach meiner ersten Elternzeit relativ planlos an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt und war nach kurzer Zeit unzufrieden. Wenn ich mir im Vorfeld Gedanken gemacht hätte und mich strukturiert mit dem Thema beschäftigt hätte, hätte ich gemerkt, dass die Stelle nicht zu mir passt. Mehr zu mir und meiner Arbeit findest du hier.

2. KLEIN WIRD GROSS Leser/innen berichten mir oft, wie sie sich in Stresssituationen überfordert fühlen und in alte Verhaltensmuster wie Schimpfen oder Drohen zurückfallen. Wie würdest du diese Eltern dabei unterstützen, ihr Verhaltensmuster zu verändern?

Im Coaching finde ich mit meinen Kundinnen die Ursache für diese Verhaltensmuster. Durch strukturierte Fragestellungen erlangt die Kundin Klarheit und wir erarbeiten gemeinsam eine Lösung. Damit ist die Lösung passend, denn die Kundin ist ja „von selbst drauf gekommen". Gute Ratschläge bekommt man häufig von allen Seiten. Aber diese gehen oft an den eigenen Bedürfnissen vorbei.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Eine Fragestellung, die ich hierfür im Coaching gerne und mit überraschendem Ergebnis anwende ist „Stelle Dir vor, eine gute Fee kommt vorbei und das Problem/die Situation ist gelöst. Was ist anders? Woran erkennst Du, dass das Problem/die Situation gelöst ist?" Diese Frage kann man auch gut als Übung für sich schriftlich ausführlich beantworten. Dabei wird deutlich, wie man sich das Ziel vorstellt und vor allem wird das Bauchgefühl aktiviert.

3. Schuldgefühle, hohe Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus lasten schwer auf den Schultern mancher Eltern. Was ist dein bester Tipp, diese Gefühle/Einstellungen hinter sich zu lassen?

Hohe Erwartungen und Schuldgefühle kommen meist daher, weil wir uns zu viel mit anderen vergleichen. Wir wollen immer alles perfekt machen, aber wir können nicht in allen Bereichen 100% geben. Kleine Fehler und Ecken und Kanten machen uns doch erst liebenswert. Eltern sollten überlegen, was ihnen wichtig ist. In diesen Bereichen sind dann hohe Erwartungen durchaus angebracht. Aber in anderen Dingen kann man dann auch mal etwas gelassener sein.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Einen anderen Blickwinkel gerade auf diesen Perfektionismus, den ja viele Mamas haben, erreiche ich durch die Frage „Warum glaubst Du, besteht das Problem noch? Was könnte daran gut sein?" Diese Fragestellung lässt uns ganz anders mit dem Thema umgehen und man sieht doch etwas positives an den hohen Erwartungen und dem Perfektionismus. Dadurch wird der Druck rausgenommen. Auch bei dieser Frage ist eine schriftliche Beantwortung sinnvoll, wenn man es für sich macht und nicht während eines Coachings. Hierbei alles aufschreiben, was einem einfällt und nicht schon im Vorfeld bewerten. So kommen sehr nützliche Gedanken zum Vorschein, die man sich später noch einmal in Ruhe ansehen kann.

4. Wie würdest du Eltern helfen, die gelassener werden möchten und sich wieder auf das Schöne im Alltag mit Kind konzentrieren wollen, um ihr Hamsterrad aus Ungeduld, Gereiztheit, Nörgeln, Genervt sein zu durchbrechen?

Einen großen Anteil an diesem Hamsterrad hat nach meiner Erfahrung die Mehrfachbelastung der Eltern und vor allem der Frauen: Mutter sein, arbeiten, Haushalt, und noch weitere „Hüte" die die Frau auf hat (Freundin, Ehrenämter...) Da bleibt man selbst schnell auf der Strecke, ist ungeduldig und gereizt. Durch mein Coaching finden wir die Ursache für diese Anspannung. Oft erwartet die Frau zu viel von sich und stellt zu hohe Ansprüche. Wir überlegen gemeinsam, welche Lösung die passende ist. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist hier natürlich der Aspekt der beruflichen Tätigkeit. Nur ein erfüllender Job, den man gerne macht, liefert Kraft und Energie für die Familie.

5. Was ist dein bester Tipp wie Eltern wieder Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen aufnehmen können, wenn sie diese im Laufe der Jahre immer hintenan gestellt haben. Und auch wie sie für deren Erfüllung einstehen können.

Ich habe mir auch lange schwer damit getan, meine Bedürfnisse ernst zu nehmen und mir Zeit für mich zu nehmen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass es der Familie nur gut gehen kann, wenn es auch mir gut geht.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Daraufhin habe ich eine Liste mit Dingen gemacht, die mir Freude machen und bei denen ich mich entspannen kann. Da sind Kleinigkeiten dabei, wie „in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken" aber auch „Saunabesuch". Dadurch habe ich mir bewusst gemacht, wie ich wieder auftanken kann und habe die Liste griffbereit, wenn ich eine Auszeit brauche.

6. Welchen Tipp kannst du Eltern geben, wenn sie mit Familie, Haushalt und (Vollzeit)Job überlastet sind und deshalb wenig Freude im Alltag mit Kind haben. Wie kann eine (berufliche) Veränderung möglich werden?

Für eine (berufliche) Veränderung muss man erstmal wissen, was sich denn ändern soll. Ist man generell in dem Job unzufrieden? Stimmen die Rahmenbedingungen nicht mehr? Braucht man vielleicht auch eine neue Herausforderung oder wollte man schon lange was ganz anderes machen? Erst wenn man sich darüber klar geworden ist, kann man ein Ziel definieren und sich überlegen, wie man dort hinkommt. Da es vielen schwer fällt, allein darauf zu kommen, wo das Problem liegt, sollte man das im Gespräch ermitteln. Dies kann mit einer guten Freundin sein, die einfach die richtigen Fragen stellen kann oder auch in einem Coaching. Gerade im Coaching versuche ich zunächst einmal den Verstand auszuschalten und das Bauchgefühl der Kundin zu aktivieren. Unser Bauch sagt uns nämlich ziemlich oft, was wir brauchen, nur häufig hat der Kopf gleich Argumente dagegen „das geht doch nicht, weil..." „das ist unmöglich!" „willst du wirklich..."

7. Was wolltest du schon immer einmal zu Eltern sagen, um das Beste in ihnen ins Rampenlicht zu stellen, in ihr Bewusstsein zu holen?

Macht euch nicht davon abhängig, was andere von euch denken oder wie andere ihren Alltag strukturieren. Jeder muss seinen Weg finden und da wir alle einzigartig sind, sind auch unsere Wege alle unterschiedlich. Vertraut auf euch und euer Bauchgefühl!

Nr. 2 der Interviewserie findest du hier.​

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