27. Oktober 2016

Interviewreihe: Tipps für Eltern von Coaches Nr.2

Vor ein paar Wochen habe ich nach Coaches gesucht, die mit Eltern arbeiten, um deren Alltag zu verbessert, neu zu organisieren, freudiger zu gestalten oder ihnen bei einem Neuanfang zu helfen.

Die Idee war, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und eine Interviewreihe ins Leben zu rufen, in der jeder Coach die gleichen Fragen bekommt und dir zusätzlich ein paar Tipps aus der Praxis als Coach verrät, die du selbst sofort und selbständig anwenden kannst.

Das ist nun das 2. Interview:

1. Stelle dich, deine Webseite und deine Arbeit kurz vor

Ich bin Anja Riemer-Grobe von Praxis Zukunftschancen und ich begleite Mütter dabei von einem stressigen Familienalltag mit täglichem Kleinkrieg, Streitereien und Diskussionen zu einer gelasseneren und entspannteren Haltung zu finden, damit wieder mehr Mamafreude in ihr Leben einkehrt. Auf meinem Blog dreht sich alles rund um die Themen Familie, Beziehung und Bindung. Ich helfe anderen Eltern dabei sich selbst zu helfen, indem sie ihren ganz eigenen Familienlebensraum entwickeln. Ohne Druck und Stress von außen, dafür mit viel Liebe und Wertschätzung auf Basis von echten Beziehungen. Mehr zu mir und meiner Arbeit findest du hier.

2. Auf KLEIN WIRD GROSS geht es um einen entspannten und freudigen Alltag mit Kind. Wie hilfst du Eltern, die erschöpft, gestresst, gereizt und genervt von ihrem Alltag mit Kind, Haushalt und Jobs sind? Was ist deine inspirierendste Methode, um wieder mehr Freude im Alltag zu verspüren?

Ich hole gemeinsam mit den Mamas die Freude ins Familienleben zurück. Dazu entrümpeln wir als erstes den Terminkalender, um mehr Freiraum für alle zu schaffen. Dann stellen wir klare Regeln auf, damit jeder zu seinem Recht aber keiner zu kurz kommt. Und zum Schluss füllen wir den Raum mit tollen Dingen auf, die richtig Spaß machen. Denn mit Spaß geht alles viel besser.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Nimm deinen Kalender zur Hand und schreibe alle Termine von einer typischen Woche untereinander. Jetzt vergib für jeden Termin einen Smiley: Lachend, wenn Du mit dem Termin Positives verbindest und traurig, wenn es einer von den Terminen ist, bei denen Du denkst: Hoffentlich ist der bald rum. Bei diesen Terminen kannst Du Dir dann die Fragen stellen: Muss wirklich ich diese Termine wahrnehmen? Was kann ich tun, damit mir der Termin mehr Spaß macht? Mit diesen 2 Ansätzen fällt es Dir bestimmt leichter wieder mehr Freiräume und Spaß in deinen Kalender zu bringen.

3. KLEIN WIRD GROSS Leser/innen berichten mir oft, wie sie sich in Stresssituationen überfordert fühlen und in alte Verhaltensmuster wie Schimpfen oder Drohen zurückfallen. Wie würdest du diese Eltern dabei unterstützen, ihr Verhaltensmuster zu verändern?

Der Mut und die Bereitschaft zur Veränderung sind schon einmal super Voraussetzungen, damit etwas anders werden kann. Und alte Verhaltensmuster legt man nunmal nicht von heute auf morgen ab.

Ich finde dafür immer eine Erfolgskontrolle ganz hilfreich. Das heißt ich schaue als Mutter: Wie oft habe ich in den letzten Tagen das alte Verhalten gezeigt und wie oft das neue? Was hat sich dadurch verändert? Diese positive Bestätigung macht oft einen Riesenunterschied dabei, ob ich weiter den neuen Weg gehe oder doch lieber in alte Muster flüchte.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Führe eine Art Tagebuch ein, in dem Du Dir jeden Tag notierst, ob Du mit deinem Kind geschimpft hast und warum. So erkennst Du schneller, in welchen Situationen Du in das alte Muster flüchtest und kannst im Alltag noch stärker darauf achten.

4. Schuldgefühle, hohe Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus lasten schwer auf den Schultern mancher Eltern. Was ist dein bester Tipp, diese Gefühle/Einstellungen hinter sich zu lassen?

Obwohl jetzt bestimmt viele Kollegen aufstöhnen werden, rate ich den Müttern immer dazu sich bewusst zu vergleichen. Allerdings in einem positiven und konstruktiven Sinne. Wenn sie einfach mal hinter die Kulissen der scheinbar perfekten Familien schauen, wird den meisten schnell klar, dass zum einen nicht alles immer nach außen hin gezeigt wird und zum anderen auch dort Fehler und schlechte Gefühle herrschen können. Und dafür laufen in der eigenen Familie immer einige Dinge besser als bei den anderen.

Denn nichts und niemand auf der Welt ist nunmal perfekt. Also lohnt es sich doch sich auf die Dinge zu konzentrieren, die schon toll laufen. Und daraus dann Kraft zu schöpfen für die Dinge, die noch nicht so gut funktionieren.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Notiere Dir 3 Dinge, die in eurer Familie super laufen. Diesen Zettel hängst Du Dir groß an die Wand und wann immer Du daran vorbeigehst, wirst Du dadurch erinnert, wie toll ihr diese Sachen schon gemeistert habt.

5. Wie würdest du Eltern helfen, die gelassener werden möchten und sich wieder auf das Schöne im Alltag mit Kind konzentrieren wollen, um ihr Hamsterrad aus Ungeduld, Gereiztheit, Nörgeln, Genervt sein zu durchbrechen?

Als Allererstes würde ich diesen Müttern gratulieren - dazu, dass sie ihre Gefühle wie Gereiztheit überhaupt wahrnehmen. Damit sind sie anderen Eltern schon einen großen Schritt voraus.

Und dann ist es wichtig, diese Gefühle auch zuzulassen. Wer sagt denn, dass eine Mutter immer gute Laune haben muss? Wer sagt, dass sie nicht nörgeln oder genervt sein darf? Sich das auch mal bewusst zuzugestehen ist meiner Meinung nach ein sehr wichtiger Schritt, um die Gefühle dann auch loslassen zu können. Dann können an die Stelle der schlechten Gefühle die guten Dinge treten, die man im Zusammensein mit der Familie so erlebt

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Sobald Du merkst, dass Du nörgelst oder gereizt bist, fühle einfach mal in Dich hinein. Welches Gefühl bemerkst Du und wo sitzt es genau? Dadurch wirst Du aufmerksamer auf das, was deine Gefühle Dir sagen wollen und kannst Dir Wege überlegen, wie Du aus diesem Gefühl wieder herauskommst

6. Was ist dein bester Tipp wie Eltern wieder Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen aufnehmen können, wenn sie diese im Laufe der Jahre immer hintenan gestellt haben. Und auch wie sie für deren Erfüllung einstehen können.

Auch hier ist es wichtig sich nicht zu viel auf einmal vorzunehmen. Es ist utopisch zu denken, dass ich mich selbst jahrelang hinter allen zurückstellen kann und sich das dann von jetzt auf gleich ändern lässt.

Der Schlüssel liegt dabei eher in den kleinen Schritten. Das lässt sich gut im Alltag üben, zum Beispiel bei der Frage, was es zu Essen geben soll. Muss es wirklich das dritte Mal Nudeln in dieser Woche sein, nur weil die Kinder das so furchtbar gern essen? Oder habe ich vielleicht Appetit auf etwas, was außer mir keiner in der Familie gerne mag? Dann darf ich mir das durchaus zugestehen und bewusst etwas anderes essen als der Rest der Familie.

Mit diesen kleinen Schritten lernen Mütter wieder mehr auf sich selbst zu hören und entdecken nach und nach die eigenen Bedürfnisse neu.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Tue einmal die Woche ganz bewusst Etwas, das Dir Spaß macht. Ganz egal, ob deine Familie das auch gern mag. Blocke Dir dafür eine bestimmte feste Zeit im Kalender und probiere auch ruhig ein bisschen rum. So entdeckst Du bald deine Bedürfnisse und sogar neue Dinge, die Dir Spaß ins Leben bringen

7. Welchen Tipp kannst du Eltern geben, wenn sie mit Familie, Haushalt und (Vollzeit)Job überlastet sind und deshalb wenig Freude im Alltag mit Kind haben. Wie kann eine (berufliche) Veränderung möglich werden?

Die Grundlage jeder Veränderung ist für mich erst einmal Klarheit. Das heißt ich muss mir bewusst werden, was ich denn eigentlich will. Muss es wirklich unbedingt ein (Vollzeit)Job sein oder kann ich die Arbeitszeit vielleicht reduzieren?

Und wo kann ich sonst Unterstützung herbekommen? Viele Mütter trauen sich nicht nach Hilfe zu fragen oder angebotene Hilfe einfach mal anzunehmen. Dabei spricht doch nichts dagegen wenn mir die Nachbarin zum Beispiel anbietet mal die Kinder zu hüten. Oder meine Einkäufe aus der Stadt mitzubringen. Wenn ich mich traue, das dankbar anzunehmen kann ich in der Zeit, die ich dabei spare etwas Tolles unternehmen.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Suche Dir eine Sache aus, bei der Du gerne die Unterstützung von jemand anderem hättest. Und dann überlege Dir, wer Dir helfen kann und wie Du Dir diese Hilfe vorstellst. Bitte denjenigen darum und halte Dich dann bewusst zurück. So lernst Du nach und nach Dir Unterstützung und Entlastung in den Alltag zu holen.

8. Was wolltest du schon immer einmal zu Eltern sagen, um das Beste in ihnen ins Rampenlicht zu stellen, in ihr Bewusstsein zu holen?

Was ich jeder Mutter mitgebe ist der Satz: Du bist toll, so wie Du bist - und deine Kinder auch.

Click to Tweet

Denn ich bin überzeugt davon, dass jede Mutter jeden Tag ihr Bestmöglichstes gibt. Und sich das jeden Tag selbst zu sagen hilft dabei auch in schwierigen Alltagssituationen mehr bei sich zu bleiben und auf die eigene Intuition zu vertrauen. Egal was das Umfeld oder der eigene innere Kritiker sagt. Denn jede Mutter ist einzigartig und darf es auch sein.

Anja hat dir 6 unterschiedliche Praxistipps mit auf den Weg gegeben, welchen davon setzt du um? Schreibe uns in den Kommentaren.

Teile den Artikel

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentiere:

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden.

Schließen