23. November 2016

Was du tun kannst, um Hausaufgaben machen zu entspannen

Hausaufgaben - eine Herausforderung in einigen Familien.

Da meine Kinder noch nicht in die Schule gehen und ich erst über Themen auf KLEIN WIRD GROSS schreibe, die ich nicht nur als Erzieherin sondern auch als Mutter erlebt habe, kam das Thema Hausaufgaben (noch) nicht dran.

Nachdem mich jedoch viele Leserinnen um Hausaufgabentipps gebeten haben, machte ich mich auf die Suche: Eine Fachfrau, die sich beruflich mit dem Thema Hausaufgaben beschäftigt und auch als Mutter schon Hausaufgaben gemacht hat.

Ich habe diese Frau gefunden, sie heißt Silke Karsten und sie hat sich bereit erklärt, einen Gastartikel über Hausaufgaben zu schreiben. Nun übegebe ich das Wort an Silke:

Gibt es in Deiner Familie immer wieder Diskussionen darüber, wann denn nun endlich mit den Hausaufgaben angefangen werden soll?

Zieht sich die Zeit um die Hausaufgaben bei dir auch wie Kaugummi?
Der Nachwuchs wird einfach nicht fertig - du hast aber noch andere Termine?

Gibt es Situationen, in denen selbst du als Mutter die Aufgabenstellung nicht verstehst?

Ich möchte dir hier ein paar Impulse und Tipps aus dem Kinder- und Jugendcoaching geben, die ich selbst erfolgreich bei meinen Jungs angewendet habe und die ich auch in meinen Coachings den Familien mitgebe.

Zunächst zu uns Müttern: Was können wir denn dazu beitragen, dass die Kids ihre Hausaufgaben machen? Und zwar ohne Streit und Stress in der Familie.

Sei mal ganz ehrlich: Hast du schon mal „zufällig“ die Frage beim Mittagessen gestellt: "Na, wie war es denn in der Schule? Erzähl doch mal!" Um dann ein knappes "gut", "war ok" oder sogar Schweigen und Augenverdrehen entgegnet zu bekommen?

Kennst du das vielleicht noch aus deiner eigenen Schulzeit? Mich hat es als Schülerin immer genervt diese Frage zu hören und ja, das wird auch hartnäckig über Generationen hinweg so bleiben. Ich gebe aber auch zu, dass es mich als Mutter immer brennend interessiert, was denn in der Schule los war und erwische mich dann selbst, wenn ich diese Frage aus meinem Mund höre.

Ok, wie können wir es denn nun anders machen? Jedenfalls dann, wenn ihr zu den Familien gehört, in denen die Kids nicht immer freiwillig erzählen, was denn nun los war.

1

Sorge für eine schöne Atmosphäre & gute Stimmung

Mein Vorschlag: Stell doch einfach mal andere Fragen, z.B.

  • Worüber hast du heute in der Schule gelacht?
  • Was hat denn heute am meisten Spaß gemacht?
  • Was hast du heute gelernt, was dich neugierig gemacht hat?
  • Worauf bist du stolz?

So habt ihr direkt schon beim Essen eine ganz andere Atmosphäre - lacht zusammen und habt Spaß.

Auch die Kids müssen erst einmal abschalten dürfen - sie haben fast den ganzen Vormittag still sitzen müssen, kaum Zeit gehabt sich zu bewegen und ja, sie haben sich konzentriert und angestrengt.

Ganz ehrlich: ich habe eine Zeit lang in einer Grundschule gearbeitet - nur 2 Stunden pro Tag und ich muss zugeben, dass ich anschließend immer müde war. Den Kindern geht es doch nicht anders, sie müssen so unglaublich viele Eindrücke verarbeiten, dass der Körper danach erst einmal Ruhe braucht.

2

Wann sollen die Hausaufgaben gemacht werden

Vereinbart an einem Wochenende, wie ihr die Zeiten für die Hausaufgaben in der Woche regeln wollt.

Überlege dir, mit welchen Regelungen du leben kannst.
Was passt in deinen Tagesablauf?

Welche Regelungen sind sinnvoll?

Frag dein Kind zunächst nach seinen Vorstellungen - wann möchte es am liebsten die Hausaufgaben machen - z.B. direkt nach dem Essen oder nach einer halben Stunde Pause.
Die Option gar keine Hausaufgaben zu machen - schade, die gibt es leider nicht :-).

Überlegt euch verschiedene Möglichkeiten und dann lass dein Kind entscheiden.

3

Ab jetzt hat dein Kind die Verantwortung

Du darfst es - je nach Alter - gerne daran erinnern oder ihm vielleicht einen Wecker stellen, wann die Hausaufgaben begonnen werden sollen. Wirklich, wirklich wichtig ist, dass du als Mutter die Verantwortung abgibst. Je eher die Kinder lernen, dass sie für ihre Arbeit eigenverantwortlich sind, umso besser läuft es später, wenn sie in das Alter kommen, in dem wir soooo peinlich sind.

Wenn dein Kind trotz Vereinbarung und Erinnerung mit den Hausaufgaben nicht anfängt, was dann?

Überlege dir vorher einen Zeitrahmen (z.B. eine Stunde) innerhalb dieser Stunde sollte dein Kind angefangen und bestenfalls fertig sein. Danach geht es zum normalen Tagesablauf über - auf keinen Fall sollten deine Termine darunter leiden. Verantworten muss sich dein Kind vor dem/der Lehrer/in.

Wenn du dabei ein schlechtes Gewissen hast, sprich es mit dem/der Lehrer/in ab. Und ganz wichtig: Vereinbare diese Regel zuvor mit deinem Kind. Sei dabei klar, bestimmt und liebevoll, dass du ihm die Verantwortung übergibst und es ihm zutraust.

Vereinbare weiterhin mit deinem Kind auch ganz klar die Konsequenz:
Werden die Hausaufgaben in der Woche nicht gemacht, müssen alle fehlenden Hausaufgen am Wochenende erledigt werden - egal, ob dann ein Fußballspiel, eine Geburtstagsparty oder sonst etwas Schönes ansteht.

Mir hat das immer in der Seele weh getan - alleine der Gedanken, meine Jungs dürfen nicht auf die Geburtstagsparty. Wenn ich aber reflektiere, haben sie es immer noch gerade rechtzeitig geschafft.

Sollte deinem Kind abends einfallen, die Hausaufgaben doch noch machen zu wollen, schaust du, wie spät es schon ist und beantwortest dir die beiden Fragen:

  • leidet euer Abendritual darunter?
  • willst du deinem Kind doch noch eine Chance geben?
  • Probiere aus, was sich gut anfühlt - um einerseits die Verantwortung abzugeben und andererseits doch noch die Chance zu geben

In jedem Fall ist es wichtig, die Regeln vorher festzulegen und zu bespechen. Ein Jusitieren der Regeln ist jederzeit möglich - nur bitte nach einem angemessenen Zeitrahmen. Nicht Täglich dir Regeln ändern!

4

"Wir müssen noch Englisch-Vokabeln lernen"

Hast du diesen Satz aus deinem Mund schon mal gehört? Wobei du die Sprache bzw. das Fach jetzt gerne beliebig austauschen darfst. Mich lassen genau zwei Wörter aufhorchen: WIR und MÜSSEN.

Musst du wirklich noch Vokabeln lernen? Nein, deine Schulzeit ist vorbei!!

Und wenn ich etwas tun MUSS, ja, habe ich dann wirklich richtig Lust darauf. Deshalb formuliere es anders:

  • Kannst du schon deine Vokabeln?
  • Willst du noch Vokabeln lernen oder hast es schon erledigt?
  • Wie viel Zeit brauchst du noch, um deine Vokabeln zu lernen?
5

Unterstützung bei den Hausaufgaben

Für mich ist es ganz wichtig, dass ich als Mutter (oder Vater) mein eigenes Verhalten reflektiere. Mach dir bitte zu folgende Fragen Gedanken:

  • Welches Verhalten meiner Eltern hat mich total genervt und mich in den Widerstand getrieben?
  • Welches Verhalten meiner Eltern habe ich unterstützend empfunden?
  • Habe ich selbst die Verantwortung für meine Hausaufgaben und mein Lernen übernommen / übernehmen dürfen?
  • Wann, wo & wie habe ich meine Hausaufgaben gemacht?

Habe ich z.B. lieber auf dem Boden liegend geschrieben?
Habe ich bei den Hausaufgaben Musik gehört?
War es für mich wichtig, dass meine Mutter in der Nähe war?

Aus eigener Erfahrung mit meinen Kindern klappt es am besten, seitdem ich mich total raushalte und sie machen lasse. Sie sind für ihre Aufgaben und ihren Erfolg selbst verantwortlich.

Ich habe ihnen immer angeboten, wenn sie nicht weiterkommen, Fragen haben & einfach auf dem Schlauch stehen, dann zu mir zu kommen. Was ich allerdings nie tue - nie, nie, nie - ich löse ihnen nicht die Aufgaben.

6

Löse niemals die Aufgaben !!!

Ich stelle Fragen und lasse mir das Problem erklären. Glaub mir, die Kids sind schlau. Sie möchten schnell fertig werden und sagen einfach "verstehe ich nicht". Deine Antwort könnte also lauten:

  • Was genau verstehst du nicht?
  • Was sollst du denn in dieser Aufgabe machen?
  • Hast du ein Beispiel aus der Schule?
  • Erklär mir doch mal, worum es hier geht.

Aus meiner Erfahrung in der Grundschule: 99% der Kinder haben die Aufgabenstellung NICHT gelesen. Es ist ja so viel bequemer einfach zu fragen und es sich erklären zu lassen.

7

Motiviere dein Kind

Wir alle brauchen Anerkennung und Erfolge, um motiviert zu sein. Auch unsere Kinder.

Wenn du dich erinnerst, wie es war, als dein Kind laufen gelernt hat - jeden noch so kleinen Erfolg hast du gewürdigt und warst von jedem kleinen Schritt begeistert. Was macht das Kind? Es strahlt uns an, steht wieder auf und probiert es aufs Neue - angefeuert von Mama.

Mach es beim Lernen für die Schule ganz genau so,

  • lass dein Kind spüren, dass es in der Lage ist, eine Aufgabe selbst zu lösen
  • lass dein Kind spüren, wie unglaublich stolz du bist und das du an sie / ihn glaubst
  • lass dein Kind spüren, dass du es immer liebst, unabhängig von Noten
  • ermögliche ihm Erfolge und Fortschritte

Fazit:

Denk darüber nach, welches Verhalten deiner Eltern dich unterstützt hat - und lass deinem Kind Freiheit.

Überlege dir verschiedene Regelungen zur Hausaufgabenzeit - und lass dein Kind auswählen, für welche Regelung es sich entscheidet - nimm seine Vorschläge ernst.

Sorge für eine angenehme Atmosphäre und eine gute Stimmung bevor die Hausaufgaben beginnen.

Sei in der Nähe und bereit, wenn dein Kind dich braucht, Fragen zu beantworten und zu unterstützen.

Lobe dein Kind für seine Bemühungen, für jede eingehaltene Regel, für seine Ideen, seine Konzentration - immer wieder.

Mache dir diese Überlegungen, stelle Regeln auf und halte dich raus (auch wenn es schwer fällt). Schau dir genau an, was funktioniert gut, was noch nicht - da gilt es dann immer wieder ein wenig zu justieren.

Lass dich auf gar keinen Fall auf einen Machtkampf ein - im Zweifel sind die Nerven der Kleinen stärker, als die von uns Eltern.

Im 2. Teil des Gastartikels, der Mitte Dezember erscheinen wird, gebe ich dir noch Tipps für die Konzentration und Ideen, wie du den Lernstoff unterstützen kannst.

Schreibe mir gerne in den Kommentaren, wenn du nicht weiterkommst oder Fragen zum Thema Hausaufgaben hast - oder auch, wenn es erste Erfolge gibt.

Über die Autorin


Silke Karsten von Erfolgsteam Familie bietet Coachings, Workshops, Vorträge – um Blockaden zu lösen, Selbstvertrauen zu stärken und Ressourcen sichtbar zu machen – sei es bei Kindern & Jugendlichen, bei denen es sich oft um Schulthemen handelt oder bei den Eltern, die aus Ihrer Familie ein einzigartiges Team schaffen wollen, in dem sich alle kraftvoll unterstützen und dabei jedem einzelnen Freiraum für die Weiterentwicklung bieten.

Bei Bedarf werden (Lern)Coachings mit dem ReflexIntegrationsTraining kombiniert, um das (Lern-)Verhalten zu verbessern – für Kinder ab 5 Jahre, auch unterstützend bei LRS & ADHS.

Auf ihrer Homepage gibt es ein Dokument "Hausaugaben OHNE Streit & Stress", das du dir gerne herunterladen kannst.

Teile den Artikel

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentiere:

Diese Website verwendet Cookies für eine optimale Funktionalität. Außerdem gibt es die Option Inhalte zu teilen. Dabei werden ggf. Daten an die jeweiligen Netzwerke (Facebook, Twitter, Google, Pinterest) übertragen. Mit der Nutzung dieser Website (scrollen, navigieren) bzw. der Share-Buttons erklärt sich der Benutzer damit einverstanden. Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden.

Schließen