28. November 2016

Interviewreihe: Tipps für Eltern von Coaches Nr.3

Vor ein paar Monaten habe ich nach Coaches gesucht, die mit Eltern arbeiten, um deren Alltag zu verbessert, neu zu organisieren, freudiger zu gestalten oder ihnen bei einem Neuanfang zu helfen.

Die Idee war, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und eine Interviewreihe ins Leben zu rufen, in der jeder Coach die gleichen Fragen bekommt und dir zusätzlich ein paar Tipps aus der Praxis als Coach verrät, die du selbst sofort und selbständig anwenden kannst.

Das ist nun das 3. Interview:

1. Stelle dich, deine Webseite und deine Arbeit kurz vor

Mein Name ist Lena Busch, ich betreibe die Seite familienleicht.de, den freilern-blog.de, habe in diesem Jahr den 1. Internationalen Online-Bildungskongress für freies Lernen und selbstbestimmte Bildung veranstaltet und bereite gerade zwei weitere Kongresse vor: den familienleicht-Kongress und den Familien-Online-Business-Kongress.

Ich unterstütze Familien auf ihrem Weg zu einem familienleichten, für alle bedürfnisorientierten und selbstbestimmten Leben. Ich biete Begleitung dieser oft sowohl auf privater als auch beruflicher Ebene stattfindenden Veränderungs- und Transformationsprozesse: bedürfnisorientiertes Miteinander mit Kind ohne Lösungen „am Kind", mehr Zeit füreinander und für sich, Wege zu einer „neuen Vereinbarkeit" vorrangig durch Schaffung einer Selbständigkeit nach eigenem Standard oder „Online-gehen" einer bestehenden Selbständigkeit.

Hier findest du die Webseiten:
Familien online business kongress
familienleichtkongress
Bildungskongress
freilern-blog
familienleicht.de​

2. Auf KLEIN WIRD GROSS geht es um einen entspannten und freudigen Alltag mit Kind. Wie hilfst du Eltern, die erschöpft, gestresst, gereizt und genervt von ihrem Alltag mit Kind, Haushalt und Jobs sind? Was ist deine inspirierendste Methode, um wieder mehr Freude im Alltag zu verspüren?

Ich stehe für ein bedürfnisorientiertes Miteinander. Attachment Parenting und unerzogen sind für mich zwei Bausteine davon. Viele Eltern erleben es -obgleich anstrengend- als sehr bereichernd und befreiend, in der Familie selbstbestimmt und auf Augenhöhe miteinander umzugehen.

Das ist ein Prozess - und grundsätzlich meine ich: wenn der Alltag nervt, ist es meist an der Zeit, den Alltag oder etwas Wesentliches darin zu ändern.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Attention goes where energy flows - die Aufmerksamkeit geht dorthin, wohin Du Deine Energie richtest. Schreib Dir morgens oder abends 3 Dinge auf, die in Deinem Leben oder in Deiner Familie oder an diesen wunderbaren Menschen, die Deine Familie sind, großartig sind.

3. KLEIN WIRD GROSS Leser/innen berichten mir oft, wie sie sich in Stresssituationen überfordert fühlen und in alte Verhaltensmuster wie Schimpfen oder Drohen zurückfallen. Wie würdest du diese Eltern dabei unterstützen, ihr Verhaltensmuster zu verändern?

Kinder wollen mit uns zusammenarbeiten/kooperieren. Immer. Es ist sinnvoll, sich (evtl.auch mantraartig) daran zu erinnern, dass das so ist und dass sie nie etwas „Böses" wollen. Erinnere Dich außerdem an das erste Kennenlernen mit Deinem Kind, Deinem Baby,an dieses Gefühl. Und versuchen, sich auf sich zu konzentrieren: was brauchst DU gerade, damit es Dir besser geht? Dein Kind ist nur der Auslöser.

Mach Dir in ruhigen Momenten bewußt: schimpfen und drohen ändert nichts, es beschämt nur Dein Kind. Es bietet daher für Dein Kind auch keinerlei Handlungsalternative, denn durch diesen Schmerz und diese Scham kann Dein Kind auf die Botschaft dahinter überhaupt nicht mehr achten, sie kommt nicht an (vgl. Brene Brown) - und vermutlich kennst auch Du diesen Schmerz aus Deiner Kindheit, deswegen kommt er so hoch.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Willst du dein Verhalten verändern?
Manchmal helfen Klebezettel hier und da in der Wohnung wie eine kleine Erinnerung oder Affirmation. Probier es aus. Und: sei nachsichtig mit Dir. Über Jahre und Jahrzehnte oft unbewußt verinnerlichte Muster ändern sich nicht automatisch von heute auf morgen. Bleib dran. Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitermachen gilt auch hier.

4. Schuldgefühle, hohe Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus lasten schwer auf den Schultern mancher Eltern. Was ist dein bester Tipp, diese Gefühle/Einstellungen hinter sich zu lassen?

Unsere Kinder spiegeln uns und zeigen uns unsere Baustellen ganz deutlich auf. Durch sie kommen wir wieder zurück in unsere durch Erziehung erlernten Themen, oft kommen wir als Mütter und Väter wieder in Verbindung mit unserer eigenen Kindheit.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Wir dürfen uns fragen: was davon nützt uns heute noch? Was ist noch sinnvoll, oder was ist inzwischen eher hinderlich? Was ist wirklich Deins - und welche Sätze beginnst Du mit „man", welche Einstellungen oder Gefühle kommen ursprünglich gar nicht von Dir? Wenn Du feststellst, etwas gehört eigentlich gar nicht zu Dir und es ist Dir auch eher Last als Nutzen, ist's leichter, es gehen zu lassen.

5. Wie würdest du Eltern helfen, die gelassener werden möchten und sich wieder auf das Schöne im Alltag mit Kind konzentrieren wollen, um ihr Hamsterrad aus Ungeduld, Gereiztheit, Nörgeln, Genervt sein zu durchbrechen?

Positionswechsel. Situationsveränderung. Mach etwas anders. Oft sind wir Eltern in einer Art Endlosschleife gefangen: ein bestimmtes Tun des Kindes ruft eine bestimmte Reaktion der Eltern hervor, das wird dann schon fast automatisch gemacht oder erwidert. Wenn wir darauf achten, können wir es oft schon selbst nicht mehr hören - wie soll es unserem Kind gehen?

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Überrasche Dich und Dein Kind mit etwas: schaltet Musik an, fangt an zu tanzen, geht raus, holt ein Eis - was auch immer. Auch hier hilft manchmal so etwas wie Klebezettel oder ähnliche „Reminder".

6. Was ist dein bester Tipp wie Eltern wieder Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen aufnehmen können, wenn sie diese im Laufe der Jahre immer hintenan gestellt haben. Und auch wie sie für deren Erfüllung einstehen können.

Schaut Euch Eure Kinder an. Heutige Erwachsene haben meist deshalb keinen guten Kontakt zu ihren Bedürfnissen und übergehen sie lange, weil ihnen durch Erziehung abtrainiert wurde, auf diese zu achten und weil über ihre eigenen Bedürfnisse hinweggegangen wurde, als sie klein waren.

Kinder können das noch, wenn wir sie lassen. Der Schlüssel zu den eigenen Bedürfnissen zurück ist Achtsamkeit und ein in-sich-Hineinspüren. Und so wie Du Deinem Kind hilfst, seine Bedürfnisse zu äußern, so äußerst Du auch Deine.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Wie du deine Bedürfnisse am besten äußerst:
In Ich-Botschaften und bei Dir bleibend, wenn möglich biete Alternativen oder Zeitangaben an. Tatsächlich versteht so auch ein unter Zweijähriges, dass Du jetzt nicht auf dem Boden hocken und Autos spielen möchtest, weil Du müde bist und Schmerzen im Knie hast - Du aber vielleicht nach einer gewissen Ruhephase auf dem Sofa etwas vorlesen kannst.

7. Welchen Tipp kannst du Eltern geben, wenn sie mit Familie, Haushalt und (Vollzeit)Job überlastet sind und deshalb wenig Freude im Alltag mit Kind haben. Wie kann eine (berufliche) Veränderung möglich werden?

Üblicherweise entsteht die Überlastung dadurch, dass die Aufgaben, Projekte etc. eben schlicht und ergreifend zuviel für eine Person/Kleinfamilie ist. Tätigkeiten, die 50 plus 80 plus 30 Prozent meiner Zeit in Anspruch nehmen, ergeben nun mal schon rein rechnerisch über 100 Prozent- zusätzlich verfallen viele ja auch „gerne" in den (inneren oder äußeren) Anspruch an sich, das jede Arbeit zu 100% (gerne auch noch mehr) gemacht werden soll.

Das Bild ist geprägt von SuperMom mit dem perfekten Haushalt, die, nachdem sie perfekt gestylt von ihrem fantastischen und anspruchsvollen Job nach Hause kommt, nur selbstgekochtes Bioessen auf die selbstgeklöppelten Tischdeckchen stellt - und natürlich macht sie das alles völlig alleine.

D.h. der erste/wichtigste Weg wäre, zu schauen, wo und wie kann ich mir möglich schnell und effektiv/umfangreich Entlastung schaffen? Und das individuell - so ist für die Eine die Putzhilfe eine prima Entlastung, für die Andere aber ein zusätzlicher Streßfaktor, weil sie meint, zu einem fixen Termin entsprechend komplett aufgeräumt haben zu müssen o.ä.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:


Für die (berufliche) Veränderung stell Dir die Frage: wo soll es hingehen? Fühlst Du Dich in Deinem Beruf und ggf. Deiner Firma grundsätzlich wohl, nur manche Umstände und Bedingungen passen nicht? OK - was kannst Du ändern, und mit welchen Argumenten kannst Du eine Win-win-Situation schaffen, um Deine Vorgesetzten davon zu überzeugen?

Oder merkst Du immer mehr (vielleicht auch durch eine „Auszeit aus dem Hamsterrad" wie die Elternzeit): hm, eigentlich passt Dein Job oder der ganze Beruf gar nicht mehr für Dich oder hat es gar noch nie wirklich, war vielleicht eine Vernunftentscheidung? Willst Du die Elternzeit für eine Neuorientierung nutzen? Soll es denn wieder ein Angestelltenverhältnis sein ? Es gibt heute unglaubliche Möglichkeiten und neue „Vereinbarkeit" gerade auch für Eltern im Rahmen einer Selbständigkeit in Deinem Tempo und nach Deinem Standard. Think outside the box und habe Mut auch zu unkonventionellen Lösungen.

8. Was wolltest du schon immer einmal zu Eltern sagen, um das Beste in ihnen ins Rampenlicht zu stellen, in ihr Bewusstsein zu holen?

Sei Du selbst. Frage Dich: wer bist Du, wie willst Du sein, was willst Du wirklich? Wie willst Du leben mit Deiner Familie ? Wenn Du mal alle Konventionen, Erwartungen, Vorstellungen anderer etc. beiseite läßt - wie soll Euer Leben sein ? Und dann mach Dich, macht Euch auf den Weg. Es ist EUER Leben und nicht das der anderen.

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