11. Januar 2017

Artikelserie: Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 2

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. Ich freue mich darüber und beantworte diese Fragen, solange sie in meinem Erfahrungsbereich liegen.

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb habe ich mich entschlossen, diese Artikelserie ins Leben zu rufen, die einmal im Monat erscheinen wird. So hast auch du Zugang zu meinen Antworten!

Du kannst dir die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage: Mein Großer (3) nimmt dem Kleinen ständig das Spielzeug weg. Wie soll ich damit umgehen?

​Für die Kleinkinder dreht sich die Welt nur um sie. Das heißt, wenn sie mit dem Auto des Geschwisterchens spielen möchten, nehmen sie es einfach weg. Gerade bei jüngeren Geschwistern, die es noch nicht verteidigen können, sind sie mit dieser Strategie sehr erfolgreich.

Es ist keine böswillige Absicht, sondern nur ein Beachten der eigenen Bedürfnisse. ("Ich will mit dem Auto spielen").

Manchmal kann noch ein wenig Konkurrenz dahinter stecken, wenn das Geschwisterkind für das Spielen mit einem Gegenstand gelobt wurde z.B. "dein Becherturm ist ganz schön hoch geworden!" Es könnte sein, dass dann das große Kind auch zeigen möchte, dass es einen ebenso hohen oder noch höheren Turm bauen kann.

Wenn Kinder Spielsachen wegnehmen, versuche ich, sie auf die Reaktion des anderen Kindes aufmerksam zu machen - es für die Gefühle des Gegenübers zu sensibilisieren.

Je nach Alter des Kindes muss das Einfühlungsvermögen in einen anderen erst noch reifen. Reaktionen wie Weinen, Gesicht verziehen, trauriger Blick werden jedoch sofort verstanden - auch von Kleinkindern - wenn sie wahrgenommen werden. Dabei helfe ich:

  • "Schau in das Gesicht deines Bruders, er ist richtig traurig (wütend, verzweifelt...), weil er das Auto nicht mehr zum Spielen hat" oder
  • "Schau mal in das Gesicht deines Bruders, was meinst du, wie geht es ihm damit, dass du ihm das Auto weggenommen hast?" oder
  • "Dein Bruder findet es super, wenn er mit deinen Autos spielen darf und jetzt schau mal in seine Augen. Er ist traurig, weil er keine Autos mehr zum Spielen hat. Ich habe eine Idee: Geh zu deiner Autokiste und suche dir ein paar Autos aus, mit denen dein Bruder spielen darf. Die anderen Autos räumen wir einfach in ein höheres Regal in deinem Zimmer. Ist das o.k. für dich?"

Wenn es schon zum richtigen Geschwisterstreit kommt - also der Kleine sich zu wehren beginnt und die Gefühle überlaufen, dann kann dir meine Geschwisterstreit-Artikelserie weiterhelfen.

Frage: Meine beiden Jungs sind wie Hund und Katz. Beide kämpfen um meine Aufmerksamkeit. Was kann ich tun?​

Auch wenn es mit zwei Kleinkindern manchmal sehr schwierig ist umzusetzen: Meine besten Erfahrungen habe ich damit gemacht, konsequent jeden Nachmittag eine 1:1 Zeit mit beiden Kindern zu haben.

Diese muss nicht lange sein. Z.B. 10 Minuten pro Kind.​

Ich spreche mit meinen Kindern ab, dass ich mit beiden etwas alleine mache werd und frage, was sie gerne mit mir machen möchten. Wir sprechen ab, was zuerst gemacht wird (entweder bestimmst du, wer anfängt, dass es nicht darüber zum Streit kommt oder du besprichst es mit deinen Kindern) Ich betone, dass jeder an die Reihe kommt und gleich viel Zeit mit mir verbringt.

Damit das Kind, das warten muss, es leichter hat, schaust du gemeinsam mit ihm, was es in dieser Zeit selbständig spielen könnte und bestätigst ihm immer wieder, dass er danach auch ganz alleine und genauso lange mit dir spielen darf.​

Auch wenn das wartende Kind immer wieder zu eurem 1:1 Spiel hinzukommt (was immer wieder geschieht), bleibst du im Spiel mit deinem Kind und sagst evtl. "Du kannst gerne zuschauen. Jetzt spiele ich noch mit deinem Bruder. Wenn wir das Spiel zu Ende gespielt haben, bist du dran!" (Oder: "Wenn der Wecker klingelt, bist du dran"

Gerade bei jüngeren Geschwister kommt es auch schon einmal vor, dass sie das Spiel des anderen massiv stören. Dann kannst du ihm Folgendes anbieten: "Magst du dich neben mich hinlegen und deinen Kopf auf meinen Schoß legen?"

Irgendetwas, dass es deinem Kind ermöglicht, es auszuhalten, dass es jetzt nicht im Fokus deiner Aufmerksamkeit steht und dir trotzdem nahe ist. Trotz Ankuscheln spielst du weiter und interagierst mit dem spielenden Kind.

Frage: Mein Baby will nicht im Kinderwagen liegen. Was kann ich tun, wenn ich mal länger spazieren gehen möchte?

Meine Kinder waren als Babys auch nicht die größten Fans vom Geschoben werden. Ich hatte immer einen Tragegurt dabei und wenn es im Kinderwagen nicht mehr klappte, dann wurden sie getragen. Oft sind sie im Tragegurt wieder eingeschlafen, dann konnte ich sie vorsichtig zurück in den Kinderwagen legen.​

Wenn es mir körperlich möglich gewesen wäre, hätte ich auch öfters nur den Tragegurt für Spaziergänge (bei dem keine große Wickeltasche mitgeschleppt werden muss) genutzt - weil das eine wunderschöne Erfahrung ist.​

Dem war leider nicht so und deshalb habe ich zwischen Kinderwagen und Tragegurt hin und her gewechselt und so für mich einen Kompromiss gefunden, mit dem es uns beiden gut ging.

Frage: Meine Tochter (5) tickt gerade öfters aus, sie schlägt um sich oder beschimpft uns.

Wann immer ich eine schwierige Phase mit meiner Tochter habe, dann versuche ich in ruhiger Atmosphäre ein Gespräch zu führen, wie es mir bzw. anderen in dieser bestimmten Situation geht und was sie braucht oder sich von mir wünscht, wenn sie "austickt" bzw. davor.

Manchmal haben mich die Gespräche echt überrascht, was ich erfahren habe oder wie tiefgründig wir gesprochen haben.

Im Grunde ist das Verhalten deiner Tochter ein Hilferuf, dass sie mit einer Situation selbständig nicht mehr klar kommt und deine Hilfe braucht - ich weiß, es wäre so schön, wenn sie sich einfach nicht wegen Kleinigkeiten so aufregen würde oder es dir ruhig mitteilen würde.

Das schafft dein Kind jedoch noch nicht, wenn der Trigger/der Reiz/der Auslöser für es zu groß ist. Je nach Alter, Kind und Temperament ist die Frustrationstoleranz unterschiedlich.

Dein Kind wird die ganze Kindheit und Jugendjahre dafür brauchen, Strategien zu finden, um mit immer größer werdenden Frustrationen fertig zu werden. Selbst im Erwachsenenalter sind wir nicht frei von Ärger und Wut, wenn wir Frustrationen ausgesetzt sind!

Ich muss mir das immer wieder bewusst machen, dass ich es nicht von meinen Kindern erwarten kann, dass sie ihre Gefühle immer selbständig regulieren und im Griff haben.

Am besten gelingt mir das "mir bewusst machen" wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, dass ich auch mal vor mich hin schimpfe oder schlecht gelaunt bin, wenn mich etwas frustriert. Es gehört zum Leben dazu, dass man unterschiedliche Stimmungen hat.

Tickt dein Kind jedoch häufig aus, dann lohnt es sich genauer hinzuschauen:

  • ist es immer die gleiche Situation? Welche?
  • Was ist der Auslöser des "Austickens"?
  • Wie könntest du sie vorab in diesen Situationen unterstützen?
  • Was braucht dein Kind, um sich zu beruhigen? Zuhören, in Arm nehmen?

Frage: Ich bin kein Morgenmensch und das Schlimmste ist, wenn meine Kinder am morgen nicht fertig werden und dann, wenn es allerhöchste Zeit ist, anfangen zu jammern oder zu weinen.

Ich bin auch kein Morgenmensch. Ich manage ihn ganz gut, solange es KEIN Geschrei gibt :-). Geschrei am Morgen ist echt die schlimmste Tageszeit für mich, dieses zu ertragen...

Es gibt schon einen Artikel  zum Thema Morgenroutine, der dir helfen kann, die Morgenroutine in den Griff zu bekommen.

Ich spreche auch immer wieder am Nachmittag in entspannter Atmosphäre mit meinen Kindern, wenn mir etwas auffällt, was nicht so gut läuft. Dann überlegen wir gemeinsam, welche Lösungen es geben könnte und entscheiden uns für eine Lösung.

Ich habe schon oft erfahren, dass Kinder viel besser mitmachen, wenn sie an der Lösungsfindung beteiligt waren. Sie übernehmen dann mit die Verantwortung, dass die Umsetzung klappt, bzw. die Situation sich verbessert.​

Wenn du an deiner eigenen schlechten Stimmung am Morgen arbeiten möchtest, dann empfehle ich dir mit Dankbarkeit zu arbeiten. Fokussiere dich ein paar Minuten darauf, was gut in deinem Leben läuft. Näheres kannst du hier nachlesen.

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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