31. Januar 2017

„Blöde Schule“ – was du tun kannst, um dein Kind zu unterstützen

Hat dein Kind Schwierigkeiten in der Schule bzw. mit den Hausaufgaben?

Ich habe heute einen Gastbeitrag für dich von Riki Wunderer, der dir von ihrer Erfahrung mit ihrem Sohn berichtet, der trotz Intelligenz, Wissbegierigkeit, großem Sprachschatz und Auffassungsgabe, Schwierigkeiten in der Schule hatte.

Du erfährst auch, was du tun kannst, wenn dein Kind (unerwartet) Probleme mit der Grundschule hat. (Diese Tipps könntest du auch vorbereitend auf die Schule beachten )

Nun lasse ich Riki zu Wort kommen:

Es war drei Tage nach dem Schulstart. Ich stand in der Küche und war gerade dabei, die letzten Handgriffe für unser Mittagessen zu erledigen. Da hörte ich mit einem lauten Knall die Haustür ins Schloss fallen.

Die Wand vibrierte und ich sah förmlich wie der Verputz aus den Fugen bröckelte. Und ich dachte: „Meine Güte, was ist denn jetzt passiert?“

Als ich in das Zimmer unseres Sohnes kam, sah ich gerade noch die Schultasche in die Ecke fliegen - ja, jene Tasche die er vor kurzer Zeit noch voller Stolz getragen hatte.

Junior saß mit bösem Gesicht und verschränkten Armen auf dem Bett. Mit einem wütenden „das mach ich nicht“ Blick, starrte er auf den Zettel neben sich, der schon deutliche Spuren seines Gefühlsausbruchs trug.

Voller Vorfreude auf die Schule - und trotzdem Schwierigkeiten

Dabei hatte es so gut begonnen. Im letzten Kindergartenjahr erzählte er jedem, der es wissen wollte oder nur halbwegs interessiert schien, dass er nun ein Vorschulkind sei und im nächsten Herbst in die Schule käme.

Voll Vorfreude wählte er seine Schultasche und war stolz, dass er schon ein paar Buchstaben schreiben konnte.

Er war intelligent, wissbegierig, hatte einen großen aktiven Sprachschatz und konnte vor allem in Technik und Natur rasch Zusammenhänge erfassen.

Und bei der Einschulung wurde ihm die Schulreife bestätigt.

​Wutanfälle wegen Hausaufgaben

Nun, was das Blatt Papier betraf - es war seine erste Hausaufgabe. Er sollte ein Porträt von sich zeichnen, ein paar Kringel nachmalen und seinen Namen darauf schreiben.

Ich kann mich noch erinnern, dass ich vollkommen perplex war. Was um Himmels willen kann an dieser Aufgabe so einen Wutanfall auslösen, dachte ich…

Die Antwort kam erst nach und nach. Denn es blieb natürlich nicht bei dieser einen Aufgabe, sondern es folgten noch weitere, für unseren Sohn scheinbar unüberwindliche Hindernisse. Alle dazu angetan, die Schule in der Folge weder schön noch interessant zu finden. Ganz oben auf der Liste stand das Schreiben lernen.

Was Fähigkeiten und Kompetenzen mit Erfolg in der Schule zu tun haben

Heute weiß ich, ein Kind kann noch so klug und wissbegierig sein, die Schule tollen pädagogischen Richtlinien folgen, und es kann der wunderbarste Lehrer oder Lehrerin ever sein.

Ob ein Kind in der Schule erfolgreich sein wird und ob es mit Interesse und Freude lernen kann, ist auch eine Frage der zuvor entwickelten Fähigkeiten und Kompetenzen.

Wenn zum Beispiel die Handmotorik oder die Hand-Auge Koordination noch nicht bereit ist, dann wird Schreiben lernen höchstwahrscheinlich zur Quelle von Frustration, Entmutigung und Qual.

Mittlerweile bin ich schon vielen Kindern, wie unserem Sohn begegnet. Solchen, die einen wachen Verstand haben, mit einem umfangreichen Allgemein- und Spezialwissen überraschen und oft mit sehr kreativen Einfällen aufwarten.

Aber an der Schule und den damit verbundenen Aufgaben schier verzweifeln.

Denn sie sollen etwas leisten, was sie aus ihrem persönlichen Entwicklungsprofil heraus noch nicht leisten können.

Manche Kinder werden dann auffällig, machen den Klassenkasper oder werden mürrisch und wütend oder verweigern oder ziehen sich in sich zurück.

Je nach Temperament versucht das Kind mehr oder weniger lange mitzumachen und verliert schließlich unter viel zu hohem Stressniveau den Anschluss.

Da es in solchen Fällen um Entwicklungsunterschiede in Fähigkeiten von plus/minus 3 bis 4 Jahren geht, kann ihnen unser Schulsystem nicht gerecht werden:

  • So kann ein Kind zum Beispiel in Windeseile lesen lernen, quält sich aber unendlich mit den Schreibaufgaben.
  • Ein anderes ist ein Rechengenie und erfasst komplexe Zusammenhänge, aber die sozialen Spielregeln sind ihm ein Rätsel.
  • Wieder andere sind sehr einfühlsam und kreativ, geraten aber in größte Aufregung und Not, wenn sie ihr Wissen preisgeben oder einfach mit anderen kommunizieren sollen.

Sicher ist - die Entwicklung von Fähigkeiten und Kompetenzen bei Kindern kann sehr weit auseinander liegen.

Dabei geht es auch um die Frage wie sie die Welt wahrnehmen, wie sie diese Informationen verarbeiten und ob die zur Verfügung stehenden Lernfelder ihren Entwicklungsbedürfnissen entsprechen.

​In welchem Bereich tut sich dein Kind schwer?

Wenn du erkennst, in welchem Bereich dein Kind Schwierigkeiten hat und wo es in der Entwicklung dieser Kompetenz gerade steht, ist schon viel gewonnen. Denn dann kannst du ihm auf dieser Ebene Möglichkeiten bieten, an welchen es lernen kann.

Mit der Checkliste Fit für die Schule kannst du herausfinden, wo dein Kind gerade steht und wobei es für einen gelungenen Schulstart vielleicht noch etwas Unterstützung braucht.

Mein Tipp: warte nicht bis es schief läuft. Denn für dein Kind sind ein paar Monate oder Jahre der Frustration eine halbe Ewigkeit, in welcher es das Vertrauen in sich selbst verliert. Und aus Erfahrung kann ich sagen, es dauert lange um dieses Selbstvertrauen zu nähren und zu stärken.

Wenn du nun aus dem Alltag mit deinem Kind oder anhand der Checkliste feststellst, dass es in einem Bereich noch Entwicklungslücken gibt, dann will ich dir hier keine maßgeschneiderte Empfehlung geben, denn jedes Kind und jede Familie unterscheidet sich von anderen. Aber ganz allgemeine Richtungshinweise wären diese:

​Wie du dein Kind in seiner Entwicklung für die Schule unterstützen kannst

Schwierigkeiten beim Schreiben

Wenn du ein Kind hast, das nicht gerne zeichnet, dann ist es wahrscheinlich, dass es auch mit dem Schreiben Schwierigkeiten hat. Du wirst dann vielleicht auch feststellen, dass sich dein Kind (mit den Händen) lieber mit Dingen beschäftigt die auch viel jüngeren Kindern Spaß machen.

Das kannst du gerne unterstützen. Verzichte möglichst auf zusätzliche Schreibübungen.

Lass dein Kind nicht mehr von dem machen was schwierig ist, sondern ermögliche ihm Beschäftigung in seiner aktuellen Entwicklungszone.

Das könnte z.B. Kneten, fädeln, falten, basteln, graben, zupfen usw. sein. Wichtig ist, dass es deinem Kind Freude macht, dann passiert Entwicklung - wenn auch gefühlt langsamer - von selbst.

​Schwierigkeiten beim Lesen

Zur Voraussetzung um gerne zu Lesen, gibt es zwei Aspekte: Zum einen lieben alle Kinder spannende Geschichten. Und zum anderen gibt es bei jedem Kind den Punkt, an dem es diese Buchstaben und Zeichen gerne selbst lesen können will.

Oft stelle ich fest, dass Kinder mit Leseaufgaben eingedeckt werden, die eine Beleidigung für ihre Intelligenz sind.

Ich bin sicher, solcherart langweiliger Lesestoff würde bei dir selbst nicht mal die erste Seite überleben. Achte also darauf, dass Lesestoff ganz speziell im Interessengebiet deines Kindes liegt.

​Schwierigkeiten beim Rechnen

Um Rechnen zu lernen, braucht es davor die Fähigkeit Mengen, Zeit, Maße, Strecken usw. gut einschätzen zu können und das erwächst aus körperlichen Erfahrungen.

Es gibt viele Kinder die zum Schuleintritt für den Schritt zum Rechnen noch nicht bereit sind.

Du kannst deinem Kind helfen, indem du körperliche Erfahrungen unterstützt. Wie weit ist es zum Beispiel von hier bis da? Wie viel brauche ich wovon zum Kuchen backen? Wie lange ist gefühlt eine Stunde oder so ähnlich?

Wenn du mit deinem Kind Rechenaufgaben machst, dann stelle ihm Material zur Verfügung um die Zahlen auch „begreifen“ zu können.

Und mach lieber zwei kurze, kleine Einheiten als eine lange. Wenn du seine Konzentrationsmöglichkeiten nicht überforderst, wird dein Kind mit der Zeit immer mehr Ausdauer zeigen.

Wenn dein Kind schüchtern ist

Wenn dein Kind in fremden Situationen sehr schüchtern ist und sich außerhalb der Familie kaum zu einem Wort durchringen kann, dann sei behutsam.

Denn dann kann selbst nur ein einziger Satz der von anderen erwartet wird, den Stresslevel auf Anschlag bringen.

Helfen kannst du ihm, indem du deinem Kind signalisierst, dass du da bist und dass es nichts beweisen muss, um ein wunderbares Kind zu sein.

In entspannten Zeiten kannst du dein Kind unterstützen, indem du benennst, was du tust oder vor hast oder was dein Kind gerade tut oder fühlt. Das gibt deinem Kind erstens die Gewissheit - Mama/Papa ist da, sieht mich - und schafft somit auch Sicherheit.

Und zweitens, schenkst du deinem Kind viele Modelle, was es in fremden Situationen sagen kann. Wenn dein Kind selbst benennt was es tut oder wie es ihm gerade geht, weißt du, dass es auf einem guten Weg ist.

​Schwierigkeiten im sozialen Miteinander

Eine nicht mehr zu übersehende Anzahl von Kindern, haben auch Schwierigkeiten sich im sozialen Miteinander zurecht zu finden.

Die Folge sind dann häufige Auseinandersetzungen, Missverständnisse, Aggression, Streit, Rückzug usw.

Wenn du dann nachfragst, wie sich dein Kind oder andere Beteiligte gefühlt haben, dann wirst du häufig „ich weiß nicht…“ zur Antwort erhalten.

Wenn man diese Kinder beobachtet, fällt auf, dass sie sehr selten, flüchtig oder indirekt Blickkontakt halten.

​Im Blickkontakt erkennen wir aber nicht nur den anderen, sondern erhalten auch ein Bild über uns selbst. Einem Kind das Blickkontakt vermeidet, entgeht, was den anderen gerade beschäftigt, was er vorhat oder fühlt.

Das hat weitreichende Folgen, sowohl für die Entwicklung des eigenen Ich, als auch für die soziale Entwicklung.

Du kannst deinem Kind helfen, indem du nicht nur Blickkontakt anbietest, sondern auch wartest bis der Blick deines Kindes in deinem „gelandet“ ist. Wenn dein Kind von sich aus häufiger Blickkontakt sucht, ist bereits ein wichtiger Schritt getan.

​Jedes Kind entwickelt sich anders

Gleichgültig wo dein Kind in der Entwicklung seiner Kompetenzen und Fähigkeiten gerade steht, mach dir immer wieder bewusst, dass es für manche Schritte vielleicht viel mehr Zeit braucht als ein anderes Kind.

Mach dir keine Vorwürfe, dass du etwas falsch gemacht oder versäumt hast, denn so wie du keine zwei Schneekristalle finden wirst, die einander gleichen, sind auch Kinder und ihre Entwicklung sehr unterschiedlich.

Wenn du Hilfe brauchst oder Fragen zu Lernen und Entwicklung hast, dann schreib mir bitte einfach oder hinterlasse einen Kommentar unter dem Artikel. Ich freue mich auf dich!

Über die Autorin


Riki Wunderer begleitet Eltern in schwierigen und anstrengenden Erziehungsaufgaben. Eltern die für ihr Kind eine Diagnose haben oder keine wollen.

Mit dem BIG little STEPs Videocoaching, findet sie jene Beziehungsmomente, welche die Entwicklung des Kindes nachhaltig und ganzheitlich voranbringen. Durch die Videobilder zeigt sie Eltern, dass sie alles haben, um ihrem aussergewöhnlichen Kind beizustehen. So verwandeln sie in kleinen Schritten, Stress und Selbstzweifel im Familienalltag, in mehr Freude und Gelassenheit mit ihrem Kind.

Hier findest du ihre Webseite.

Teile den Artikel

Hinterlasse einen Kommentar

Kommentiere:

Diese Website verwendet Cookies für eine optimale Funktionalität. Außerdem gibt es die Option Inhalte zu teilen. Dabei werden ggf. Daten an die jeweiligen Netzwerke (Facebook, Twitter, Google, Pinterest) übertragen. Mit der Nutzung dieser Website (scrollen, navigieren) bzw. der Share-Buttons erklärt sich der Benutzer damit einverstanden. Weitere Informationen

Cookies sind kleine Dateien, die es ermöglichen, auf dem Zugriffsgerät der Nutzer (PC, Smartphone o.ä.) spezifische, auf das Gerät bezogene Informationen zu speichern. Sie dienen zum einem der Benutzerfreundlichkeit von Webseiten und damit den Nutzern (z.B. Speicherung von Logindaten). Zum anderen dienen sie, um die statistische Daten der Webseitennutzung zu erfassen und sie zwecks Verbesserung des Angebotes analysieren zu können. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen. Die meisten Browser verfügen eine Option mit der das Speichern von Cookies eingeschränkt oder komplett verhindert wird. Allerdings wird darauf hingewiesen, dass die Nutzung und insbesondere der Nutzungskomfort ohne Cookies eingeschränkt werden.

Schließen