22. Mai 2017

Interviewreihe: Tipps für Eltern von Coaches Nr.8

Vor Monaten habe ich nach Coaches gesucht, die mit Eltern arbeiten, um deren Alltag zu verbessert, neu zu organisieren, freudiger zu gestalten oder ihnen bei einem Neuanfang zu helfen.

Die Idee war, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und eine Interviewreihe ins Leben zu rufen, in der jeder Coach die gleichen Fragen bekommt und dir zusätzlich ein paar Tipps aus der Praxis als Coach verrät, die du selbst sofort und selbständig anwenden kannst.

Das ist nun das 8. Interview:

1. Stelle dich, deine Webseite und deine Arbeit kurz vor

Mein Name ist Ilse Maria Lechner und auf meiner Seite findest du Informationen rund um einen gelassenen und ausgeglichenen Familienalltag. Eine meiner Stärken ist es, dir als Mutter den Druck zu nehmen. Ich erkläre dir, warum dein Kind reagiert, wie es reagiert, in welcher Entwicklungsphase es gerade steckt und wie du es am besten unterstützen kannst.

2. Auf KLEIN WIRD GROSS geht es um einen entspannten und freudigen Alltag mit Kind. Wie hilfst du Eltern, die erschöpft, gestresst, gereizt und genervt von ihrem Alltag mit Kind, Haushalt und Jobs sind? Was ist deine inspirierendste Methode, um wieder mehr Freude im Alltag zu verspüren?

Wie schon erwähnt, schaffe ich es, dir als Mutter den Druck zu nehmen. Du erkennst, dass du nicht für alles verantwortlich bist und auch nicht jedes Verhalten deines Kindes beeinflussen kannst. Oft fühlen sich Mütter schuldig, wenn ihre Kinder frech oder ungestüm sind. Wir wünschen uns alle ausgeglichene und glückliche Kinder, doch nicht immer können wir das als Mütter beeinflussen. Viele Erfahrungen machen die Kinder in Kindergarten und Schule und die sollen und müssen sie auch alleine machen. Da fällt es oft schwer zuzusehen.

Wenn du als Mama weißt, in welcher Entwicklungsphase dein Kind gerade steckt und die Zusammenhänge kennst, dann bleibst du in Kontakt mit deinem Kind. Schwierigkeiten nimmst du nicht persönlich und kannst so überlegen, wie du dein Kind am besten unterstützen kannst.



Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Ich bin überzeugt, die eigene Einstellung macht den Unterschied. Ich halte es daher mit Mark Twain: „Gib jedem Tag die Chance zum besten deines Lebens zu werden.“

Ich versuche immer offen und ohne Erwartungen in den Tag zu gehen. So lenke ich den Fokus zu den schönen Dingen, die mir begegnen und ich nehme die unangenehmen Erlebnisse nicht so schwer.

3. KLEIN WIRD GROSS Leser/innen berichten mir oft, wie sie sich in Stresssituationen überfordert fühlen und in alte Verhaltensmuster wie Schimpfen oder Drohen zurückfallen. Wie würdest du diese Eltern dabei unterstützen, ihr Verhaltensmuster zu verändern?

Ich arbeite mit Müttern ganz viel an ihren eigenen Kindheitserfahrungen und den Glaubenssätzen, die sie damals entwickelt haben. Es ist ja so: Jedes Mal, wenn du dich über dein Kind ärgerst, wirst du gleichzeitig auch mit deinen eigenen Kindheitserlebnissen konfrontiert. Du erinnerst dich, wie das bei dir war und vergleichst. Ob du es willst oder nicht – alte Gefühle kommen hoch. Genau das führt zu diesen Überreaktionen, die du nicht möchtest. Das ist das, was du kennst und erlebt hast. Dabei ist es egal, ob du es so machen willst, wie deine Eltern, oder ganz anders.


Daher unterstütze ich die Mamas, die ich begleite mit verschiedenen Methoden alte negative Emotionen wie Ärger, Traurigkeit, Furcht und Schuld loszulassen. Somit ist die emotionale Ladung aus der Erinnerung weg und du kannst ohne Ärger und Bauchschmerzen daran zurückdenken.

4. Schuldgefühle, hohe Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus lasten schwer auf den Schultern mancher Eltern. Was ist dein bester Tipp, diese Gefühle/Einstellungen hinter sich zu lassen?

Das ist eine herausfordernde Frage. Ich glaube, dass die Tipps so zahlreich sind, wie die Ursachen dieser Gefühle.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Eine gute Möglichkeit ist es, sich zu überlegen, was man als Eltern dem Kind mitgeben will. Wir alle lernen am Vorbild; und Kinder ganz besonders. Möchtest du als Mutter oder Vater, dass dein Kind glaubt, nur wenn es perfekt ist, kann und darf es in dieser Welt bestehen? Eben! Dann zeig ihm, dass nichts dabei ist, Fehler zu machen und aus diesen Fehlern zu lernen. Steh dazu, dass du ein Mensch bist und deine Grenzen hast. So hilfst du deinem Kind seine Grenzen zu erkennen und respektieren. Meiner Erfahrung nach hilft diese Erkenntnis vielen Müttern die Veränderung ihrer Persönlichkeit in Angriff zu nehmen und sich ihren „Dämonen“ zu stellen.

5. Wie würdest du Eltern helfen, die gelassener werden möchten und sich wieder auf das Schöne im Alltag mit Kind konzentrieren wollen, um ihr Hamsterrad aus Ungeduld, Gereiztheit, Nörgeln, Genervt sein zu durchbrechen?

Das ist ein einfacher 7 Punkte Plan
1. Druck heraus nehmen
2. Fehler zulassen
3. Einplanen, dass Kinder mehr Zeit brauchen
4. die Kinder einbeziehen und ihnen Aufgaben zutrauen
5. es auch einmal gut genug sein lassen und entspannen   
6. gemeinsame Erlebnisse schaffen und genießen

6. Was ist dein bester Tipp wie Eltern wieder Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen aufnehmen können, wenn sie diese im Laufe der Jahre immer hintenan gestellt haben. Und auch wie sie für deren Erfüllung einstehen können.

Oh das ist mein Lieblingsthema.

Ich rate oft dazu, sich erst einmal wirklich ein paar Stunden Zeit für sich selbst freizuschaufeln. Gib die Kinder zur Oma oder bring sie bei einer Freundin unter. Dann mach eine kleine Entspannungsübung und fühle wirklich in dich hinein. Was willst du wirklich? Wo zieht es dich hin?

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Und dann mache einen Plan, wie du diese Bedürfnisse Schritt für Schritt erfüllen kannst. Plane kleine Schritte und freue dich auch über die Babyschritte. Wenn du dich selbst immer hintenan gestellt hast, dann hast du den Kontakt zu dir selbst vielleicht schon fast verloren und musst erst wieder lernen auf dich zu hören. Nimm die Termine mit dir selbst genauso wichtig, wie einen Arztermin deines Kindes. Es gibt hier keine Ausnahmen. Du bist genauso wichtig, wie alle anderen Familienmitglieder! Nur wenn es dir gut geht, sind deine Batterien aufgeladen und du kannst du für alle sorgen. Nur so gelingt es dir eine ruhige und ausgeglichene Atmosphäre zu schaffen und alle ihrem Stärken gemäß zu fördern.

7. Welchen Tipp kannst du Eltern geben, wenn sie mit Familie, Haushalt und (Vollzeit)Job überlastet sind und deshalb wenig Freude im Alltag mit Kind haben. Wie kann eine (berufliche) Veränderung möglich werden?

Das ist nicht mein Spezialgebiet. Dafür gibt es andere Coaches und Berater (z. B. Sandra Heim und Elisabeth Kollmann). Ich kann dir aber aus Erfahrung sagen, es gibt immer einen Weg. Vielleicht bist du jetzt an einer Stelle in deinem Leben, wo du ihn nicht siehst. Dann wird es Zeit, dir professionelle Unterstützung zu suchen. Du würdest auch nicht den Mont Blanc ohne Bergführer besteigen 😉

8. Was wolltest du schon immer einmal zu Eltern sagen, um das Beste in ihnen ins Rampenlicht zu stellen, in ihr Bewusstsein zu holen?

Vertraue auf dich selbst und hab auch Vertrauen in die Entwicklungsfähigkeit deines Kindes.

Wir wissen als Eltern oft nicht, welche Erfahrungen unsere Kinder im Laufe ihres Lebens sammeln sollen, um zu einer Persönlichkeit zu werden. Es gibt im Leben fast jeden Kindes Phasen, wo es das Kind mit sich selbst schwer hat und wo es für Eltern schwer ist zuzusehen.

Nicht immer können wir als Eltern lenkend und helfend eingreifen. Manchmal haben wir nur eine Möglichkeit: Da zu sein und unserem Kind zu zeigen, dass wir es bedingungslos lieben, so wie es ist und dass wir ihm zutrauen auch diese Krise erfolgreich zu meistern.

Dieses Vertrauen wird dem Kind Kraft geben und ihm helfen gestärkt aus dieser Krise herauszugehen. Ich spreche da von kleinen Krisen im Kindergarten („Ich bin nicht mehr dein Freund.“) und größere in der Pubertät („Welchen Sinn hat das Leben?“)

Diese Aussage mag für die Eltern von Kleinkindern befremdlich sein. Meine Kinder sind schon 18 und 21 und zwei großartige junge Erwachsene auf die ich sehr stolz bin. Sie hatten einige dieser Krisen zu bewältigen und sind daran immer gewachsen. Es waren jedoch nicht nur für sie selbst, sondern auch für mich als Mutter schwere Zeiten, weil ich ihnen ihre Zweifel und ihr Herzeleid am liebsten abgenommen hätte.

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