27. Juni 2017

Interviewreihe: Tipps für Eltern von Coaches Nr.9

Vor Monaten habe ich nach Coaches gesucht, die mit Eltern arbeiten, um deren Alltag zu verbessert, neu zu organisieren, freudiger zu gestalten oder ihnen bei einem Neuanfang zu helfen.

Die Idee war, über meinen eigenen Tellerrand hinauszuschauen und eine Interviewreihe ins Leben zu rufen, in der jeder Coach die gleichen Fragen bekommt und dir zusätzlich ein paar Tipps aus der Praxis als Coach verrät, die du selbst sofort und selbständig anwenden kannst.

Das ist nun das 9. und letzte Interview:

1. Stelle dich, deine Webseite und deine Arbeit kurz vor

Mein Name ist Sabine Machowski von Ressourcenfokus aus Bad Homburg bei Frankfurt. Als Diplom-Psychologin und systemischer Coach unterstütze ich Führungskräfte und Projektleiter sowie berufstätige Mütter und Väter in Coachings sowie Trainings dabei, ihr Stressmanagement zu verbessern, ihre Resilienz zu stärken und dadurch aktiv eine Burnout-Prävention zu betreiben. Dabei geht es darum, für sie wichtige Veränderungsprozesse zu erkennen, die individuellen Lösungswege zu erarbeiten und die Umsetzung dieser zu ermöglichen.

Am Herzen liegen mir hier vor allem die Ressourcen und eigenen Stärken, die in meinen Klienten schlummern und oftmals gar nicht von diesen erkannt werden, sowie die Ressourcen, die sie in ihrem Umfeld haben und öfters aktivieren und nutzen können. Diese Ressourcen zunächst herauszuarbeiten, zu stärken und dann regelmäßig bei Bedarf zu nutzen, ist meines Erachtens ein großer Gewinn für das eigene Wohlbefinden und eine große Unterstützung gerade bei einer Mehrfachbelastung als Eltern.

Durch die Geburt meiner Tochter und die neue Rolle als Mutter hat sich einiges bei mir und meinen Bedürfnissen verändert, sowie die Zeit nur für mich selbst reduziert. Auch als Psychologin und systemischer Coach muss ich selbst immer wieder auf mich und meine diversen Rollenerwartungen und meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse achten und mich neu fokussieren. Deshalb ist mir dieser Schwerpunkt meiner Arbeit mit meinen Klienten umso wichtiger, welcher mich auch zu meiner Tätigkeit in eigener Praxis geführt hat. Ich möchte meine Klienten dabei unterstützen, ihr eigenes Leben aktiv zu gestalten und in ihrem eigenen Sinne gesund und glücklich zu leben.

Mehr zu mir und meiner Arbeit findest Du hier.
Mein spezielles Angebot für Mütter findest Du hier.


2. Auf KLEIN WIRD GROSS geht es um einen entspannten und freudigen Alltag mit Kind. Wie hilfst du Eltern, die erschöpft, gestresst, gereizt und genervt von ihrem Alltag mit Kind, Haushalt und Jobs sind? Was ist deine inspirierendste Methode, um wieder mehr Freude im Alltag zu verspüren?

Als berufstätige Eltern passiert es sehr schnell, dass man vielfältige Verpflichtungen und Erwartungen zu erfüllen hat. Dabei wird die Zeit immer knapper und es findet wenig Selbstfürsorge für das eigene Wohlbefinden statt. So kann es passieren, dass der Fokus auf den Dingen liegt, die nicht gut laufen oder die anstrengend sind. Kleinigkeiten im Familienalltag, die sonst mit Leichtigkeit gestemmt und bewältigt werden, sind dann oftmals viel anstrengender. Leider verlieren wir in solchen Momenten häufig den Fokus und die Wahrnehmung all der – weiterhin – positiv laufenden Dinge und Momente.

Mit meinen Klienten und Trainingsteilnehmern erarbeite ich hier oftmals zwei Strategien. Zum einen empfehle ich die Entzerrung der Termine im Kalender sowie Zeit für eigene Erholung und schöne Erlebnisse zu schaffen. Zum anderen führe ich hier das Erfolgstagebuch (auch Positivtagebuch genannt) ein, das ich weiter unten noch ausführlich erläutere. Dadurch wird der Fokus auf die schönen und gut laufenden sowie erfolgreichen Dinge im Alltag gerichtet.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Nimm Dir Deinen Kalender und Deine Todo-Listen zur Hand sowie einen farbigen Stift. Nun gehe durch Deine Termine und Deine Todos – beruflich wie privat – und streiche das raus, was unnötig Zeit frisst und keine hohe Priorität hat oder mehr Hetze als Freude bedeutet.

Nutze die freigewordene Zeit dafür, Puffer für spontane schöne Momente freizuhalten oder für einen Termin nur mit Dir. So gewinnst und nutzt Du Zeit für konkrete Erholung und Auftanken Deiner Akkus.

Die Umsetzung klappt oftmals besser, wenn der Termin nur mit Dir im Kalender steht. Oder wie wäre es mit einem schönen Ausflug in den Zoo oder ins Museum gemeinsam mit Deiner Familie statt einer lästigen und unnötigen Verpflichtung?

3. Schuldgefühle, hohe Erwartungen an sich selbst, Perfektionismus lasten schwer auf den Schultern mancher Eltern. Was ist dein bester Tipp, diese Gefühle/Einstellungen hinter sich zu lassen?

Diese Einstellungen erlebe ich regelmäßig in Coachings und Trainings. Oftmals ist es schon erleichternd, zu merken, dass man nicht alleine damit ist, sondern andere Mütter und Väter das gleiche Dilemma erleben und sich eine Veränderung wünschen.

Zur Veränderung motivieren kann die Erkenntnis, dass zu hohe Erwartungen und ein stark ausgeprägter Perfektionismus das eigene Stresserleben im Beruf und Privatleben nur noch mehr erhöhen. Das Erleben von Erschöpfung, negativen Gefühlen oder Schlaflosigkeit wird noch intensiver. Es ist absolut lohnenswert, an den eigenen Einstellungen zu arbeiten.

Es geht nicht darum, gleich alles zu ändern. Sondern es ist oftmals hilfreich, herauszufinden, in welchen Situationen oder bei welchen Aufgaben ich meine Erwartungen oder meinen Perfektionismus getrost reduzieren kann. Und dann in kleinen Schritten es mal anders auszuprobieren und loszulassen mit den zu großen Erwartungen.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Um herauszufinden, was Du streichen oder ändern kannst, helfen Dir folgende Fragen:

  • Was passiert schlimmstenfalls, wenn ich dies nicht (sofort) erledige?
  • Wer wird bemerken, wenn ich dies nicht oder anders erledige?
  • Was würde mir eine gute Freundin hier raten?
  • Was kann ich alternativ tun, damit der Aufwand geringer ist?
  • Wo könnte ich leicht anfangen, etwas anders zu machen?
  • Wo könnte ich etwas auslagern, statt es selbst zu erledigen?
  • Wo könnte ich etwas sein lassen, statt es weiter zu tun?
  • Was ist hierbei wirklich wichtig und nötig und was ist eher nebensächlich oder Luxus?

4. Wie würdest du Eltern helfen, die gelassener werden möchten und sich wieder auf das Schöne im Alltag mit Kind konzentrieren wollen, um ihr Hamsterrad aus Ungeduld, Gereiztheit, Nörgeln, Genervt sein zu durchbrechen?

Immer wieder stelle ich selbst als Mutter fest, dass die Familienzeit bedeutend entspannter und fröhlicher ist, wenn ich mir oder wir uns als Eltern Zeit nehmen, und unserer Tochter die volle Aufmerksamkeit widmen und mit ihr etwas gemeinsam erleben. Dann ist zum einen die Stimmung viel besser bei uns allen und danach bleibt oftmals Zeit für die nötigen Erledigungen in Haushalt und Co, während sie zufrieden für sich spielt oder malt.

In meinen Coachings frage ich vor allem, was schon gut läuft, worüber sich meine Klienten freuen. Ich gebe als Idee für den Alltag, sich als Eltern und mit Freunden vor allem darüber auszutauschen, was gut klappt, worüber sich meine Klienten bei ihren Kindern und im Miteinander freuen, welche schönen Momente es gibt und welche Dinge rund laufen. Die Ausrichtung auf das Positive hilft oftmals, die Einstellung und auch das tatsächliche Verhalten und Erleben aller Beteiligter zu verändern. Und die Kinder freuen sich sehr, wenn sie positive Aufmerksamkeit und gemeinsame Zeit erleben.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Neben dem Reden über die positiven und erfolgreichen Dinge, schätze ich sehr die positive Wirkung eines Erfolgstagebuchs. Hier geht es darum, möglichst jeden Tag kurz aufzuschreiben, was erfolgreich und gut gelaufen ist, worüber man sich gefreut hat. Dabei geht es auch um die kleinen schönen Erlebnisse im Tag, die sonst oftmals vergessen werden. Der tägliche Einsatz eines Positivtagebuchs hilft Dir, wieder zu erkennen, was alles gut und rund läuft in Deinem beruflichen und privaten Alltag. Was Du gut hinbekommst, worüber Du Dich freust.

Und damit Du gleich damit starten kannst, findest Du eine Vorlage des Erfolgstagebuch zum kostenlosen Download auf meiner Homepage unter Ressourcen

5. Was ist dein bester Tipp wie Eltern wieder Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen aufnehmen können, wenn sie diese im Laufe der Jahre immer hintenan gestellt haben. Und auch wie sie für deren Erfüllung einstehen können.

In meinen Coachings und Trainings versuchen wir vor allem über die Bedeutsamkeit der eigenen Bedürfnisse und Wahrnehmungen zu sprechen. Kleine Reflexions- und Achtsamkeitsübungen helfen Eltern, sich selbst als Person und Individuum wieder zu spüren und ihre eigenen Gefühle, Gedanken, ihr Wohlbefinden und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen. Das heißt, als ersten Schritt ist es notwendig, zunächst einmal wahrzunehmen, was da ist. Und dies möglichst regelmäßig zu tun.

Wenn die Bedürfnisse und Wünsche wieder wahrgenommen werden, ist es oftmals hilfreich mit ersten kleinen Veränderungen zu beginnen. Zum Beispiel kann man einen Entspannungs- oder Meditationskurs für sich zu buchen, um eine regelmäßige feste Zeit in der Woche nur für sich und sein Wohlbefinden zu haben.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Führe regelmäßig eine kleine Atemübung durch. Dadurch spürst Du Dich selbst wieder besser und kannst mehr Abstand zu Deinem Alltag und möglicher Fremdsteuerung gewinnen.

Und horche mal nach Innen, was Dir an Bedürfnissen und Wünschen auffällt.

6. Welchen Tipp kannst du Eltern geben, wenn sie mit Familie, Haushalt und (Vollzeit)Job überlastet sind und deshalb wenig Freude im Alltag mit Kind haben. Wie kann eine (berufliche) Veränderung möglich werden?

Wenn Eltern merken, dass sie durch die Mehrfachbelastung überbelastet sind und ihr Elternsein und den Alltag mit ihrem Kind nicht genießen können, empfehle ich, sich Zeit für ein Coaching zu nehmen. Dies ermöglicht ihnen, mal ganz individuell hinzuschauen, wie sie zu dieser momentanen Situation gekommen sind und was sie sich wirklich wünschen. Neben Veränderungsmöglichkeiten, die ich zuvor vorgestellt habe, kann es auch hilfreich sein, beruflich etwas zu verändern. Dies kann in einem Coaching gut herausgearbeitet werden anhand einer Bestandsaufnahme und dem Herausfinden der eigenen Kompetenzen und Interessen.

Dein Praxistipp, den du sofort und selbständig umsetzen kannst:

Um erste Anregungen für eine mögliche berufliche Veränderung zu bekommen, ist eine Bestandsaufnahme hilfreich:

  • Was gefällt mir an meinem Beruf?
  • Was fällt mir leicht bei meiner Arbeit?
  • Was möchte ich beibehalten?
  • Und was sind die großen Herausforderungen?
  • Was ist in meiner Rolle als Mutter oder Vater in meinem (bisherigen) Beruf schwierig?
  • Was hat sich durch mein Mutter-Sein oder Vater-Sein verändert an meinen beruflichen Zielen und Erwartungen?
  • Was möchte ich verändern?

Des Weiteren hilft es, sich einen idealen Alltags-Tag in der Zukunft zu visualisieren und in kleinen Schritten und mit allen Sinnen wahrzunehmen und dies auch schriftlich festzuhalten.

7. Was wolltest du schon immer einmal zu Eltern sagen, um das Beste in ihnen ins Rampenlicht zu stellen, in ihr Bewusstsein zu holen?

Wie wäre es mit einem kleinen Notizbuch, das Ihr immer dabei habt. Hier könnt Ihr immer mal etwas notieren oder reinschauen, um Euch an den schönen, gut laufenden Dingen im Alltag zu erfreuen oder Eure Wünsche und Ideen festzuhalten. Und schönes Feedback von Euren Kindern auch festzuhalten wie „Mama & Papa, Ihr seid die Besten!“

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