10. Oktober 2017

Hausaufgaben ohne Stress: Wie du dein Kind gut bei den Hausaufgaben begleitest

​Hausaufgaben ohne Stress zu machen - dieser Wunsch wird immer wieder von meinen Leserinnen in der Themenumfrage angegeben. ​Ich habe gerade einmal 4 Wochen Erfahrung mit dem Hausaufgaben begleiten, deshalb habe ich ​ Ilse Lechner von Entfaltungsparadies gebeten, mir einen Artikel zur stressfreien Begleitung der Hausaufgaben zu schreiben. Ich übergebe nun das Wort an Ilse:

​Hausaufgaben, sind die Aufgabe des Kindes

​Mit den Hausaufgaben oder Hausübungen, wie es bei uns in Österreich heißt, ist das so eine Sache. Eltern wissen genau: Sie sind die Aufgabe des Kindes. Hausübung drückt es meiner Ansicht nach noch schöner aus: etwas, das zu Hause geübt wird.

Genau das ist der Sinn dieser Hausaufgaben!

Es geht nicht darum, eine fehlerlose Arbeit abzugeben. Es geht auch nicht darum perfekt zu sein.

Sinn der Hausübung ist es, dass Schüler (in erster Linie) und Lehrer ebenso wie Eltern (in zweiter Linie) ein Gefühl für den Wissensstand bekommen.

Was macht eine gute Hausübungsbegleitung aus?

Oft ist es ja so: In der Schule scheint alles klar und logisch. Zu Hause, wenn das Kind allein vor der Aufgabe sitzt, tauchen dann die Fragen auf.
Wie war das nochmal?
Was haben wir da in der Schule gemacht?

„Mama, ich kenne mich da überhaupt nicht aus!“; diesen Aufschrei kennen viele Mütter.
Wie reagierst du darauf am besten? Und wie kannst du dein Kind bestmöglich unterstützen?

Geh der Sache auf den Grund

Ich nenne dir hier die vier Hauptgründe für Stress bei der Hausaufgabe und werde danach die passenden Maßnahmen erklären.

1. Dein Kind weiß nicht, was es aufhat oder vergisst Arbeitsmaterialien in der     Schule

2. Dein Kind ist unwillig

3. Dein Kind ist überfordert von der Menge und weiß nicht, wie es beginnen soll

4. Dein Kind kennt sich nicht aus

5. Dein Kind trödelt elendslang herum

Eine gute Hausübungsbegleitung ist gleichzeitig eine Begleitung in eine eigenständige Arbeitsorganisation. Sie hilft deinem Kind, sich selbst zu organisieren.

1. Dein Kind weiß nicht, was es aufhat

Hier hilft nur eine gute Struktur.

Aufgabenheft

Leg gemeinsam mit deinem Kind ein Notizheft für Hausaufgaben an. Dort notiert es in 5 Spalten:

  • Das Datum, wann es die Hausübung bekommen hat
  • Den Gegenstand (das Fach) in dem die Aufgabe auf ist
  • Eine Beschreibung der Aufgabe z. B.: Buchseite und Aufgabennummer oder auch Aufsatz mit dem Thema: Was hast du in den Ferien erlebt?
  • Das Fälligkeitsdatum der Aufgabe
  • Eine Spalte für den Check, die abgehakt werden kann, wenn die Aufgabe erledigt ist

Bei der Gestaltung des Heftes seid ihr völlig frei. Es tut eine einfache Excel-Liste. Es kann aber auch ein besonders hübsches Heft sein, das dein Kind gerne in die Hand nimmt.
Manche Kinder sind auch über Sticker gut zu motivieren. Besorg dir einfach hübsche Sticker, die dann bei Erledigung in die Check-Spalte eingeklebt werden können. Übrigens: Es gibt auch fertige Hausaufgabenhefte zu kaufen 😉

Aufgabenmappe

In diese Mappe kommen alle für die Aufgabe benötigten Unterlagen: Also die Bücher, Hefte, Arbeitsblätter, die gebraucht werden.

2. Dein Kind ist unwillig

Meistens ist der Unwille darin begründet, dass das Kind müde ist, nicht die richtige Organisation hat, oder vom Berg der Arbeiten überfordert ist.

Die beste Hausaufgabenzeit herausfinden

Ist dein Kind eine Eule oder eine Lerche? Lerchen arbeiten besser morgens, Eulen abends. Kinder sind verschieden! Ich selbst hatte nur zwei, aber ihr Zugang zur Hausübung war gänzlich verschieden.

Unser Sohn setzte sich oft gleich nach der Schule, noch bevor ich das Essen auf den Tisch stellte zu seinen Hausübungen, denn er wollte alles hinter sich haben.

Die Tochter brauchte unbedingt vorher etwas zu essen. In der warmen Jahreszeit stellte sie sich Tisch und Sessel ins Freie und arbeitete im Garten. Im Herbst und im Winter machte sie nach dem Essen eine halbe Stunde Pause und begann dann zu arbeiten. Danach ging es wieder ab in den Garten.

Eine liebe Freundin erzählte mir, dass ihr Kind nach der Schule unendlich müde war. Ihre Tochter brauchte endlos lange mit den Aufgaben. Bis zu dem Tag, wo sie ihr eine wirklich lange Pause gönnte. Die Tochter setzte sich um 17:30 zu den Aufgaben und war superschnell fertig.

Fazit: Es gibt keine allgemein gültige günstige Hausübungszeit. Da hilft nur, das eigene Kind zu beobachten, auszuprobieren und die günstigste Zeit herauszufinden.

Motivation von außen

Manchmal macht das Lernen allein einfach keinen Spaß. Ladet doch mal Schulfreunde ein. Gemeinsam macht es oft mehr Freude. Gleichzeitig können sich die Kinder dann untereinander messen und vergleichen. Das ist für wettbewerbsorientierte Kinder ein guter Motivator.

Für andere hilft es oft, wenn sie sehen, der Freund oder die Freundin ist zwar in Mathe gut, aber in Englisch eine Niete. So erkennt dein Kind seine Stärken und kann sich auch in einer Gruppe selbst einordnen.

3. Dein Kind ist überfordert und weiß nicht, wie es beginnen soll

Hier ist ganz viel liebevolle Begleitung angesagt. Schließlich willst du die Aufgaben nicht für dein Kind machen, sondern ihm zeigen, wie es sich organisieren soll.

Aufgabenplan

Wie die Stunden in der Schule könnt ihr die wiederkehrenden Aufgaben in kleine Häppchen teilen und eine Art Aufgabenplan machen. In diesen Plan können auch Zusatzaufgaben wie z. B. das Üben eines Instruments eingefügt werden. Gleichzeitig berücksichtigt ihr auf dem Plan, ob das Kind am Nachmittag noch andere Verpflichtungen wie z. B. Sportverein, Musikschule, Tanzunterricht hat.

So ein Plan öffnet auch Eltern manchmal die Augen, dass sich die vielen Verpflichtungen der Kinder und die Hausübungen nicht vereinbaren lassen. Da hilft dann nur: Alles Unnötige streichen.

Lerntechniken

Zeige deinem Kind Lerntechniken und bring ihm bei, wie es den Lernstoff strukturieren kann.

Meine sieben liebsten Lern- und Merktechniken habe ich in diesem Artikel beschrieben. Dort findest du auch weiterführende Links.

4. Dein Kind kennt sich nicht aus

Hier ist Vorsicht geboten. Manche Kinder haben ganz schnell den Bogen raus, wie sie ihre Eltern dazu bringen die Hausaufgaben an ihrer Stelle zu machen.

Wenn dein Kind sich nicht auskennt, dann könntest du etwa so vorgehen:

  • Seht euch gemeinsam die Unterlagen aus der Schule durch.
  • Lass dir von deinem Kind erklären, was es in der Schule gemacht hat.
  • Lass dir von deinem Kind auch den Weg zum Ergebnis zeigen und erklären.

Meistens wird dein Kind auf diese Art selbst schnell zur Lösung kommen. Wenn nicht, dann hast du sicher jetzt eine Idee. Versuche nun durch gezieltes Fragen und Tipps dein Kind selbst auf die Lösung kommen zu lassen. So hat es ein Erfolgserlebnis.

5. Dein Kind trödelt elendslang rum

Kennst du die Pomodoro-Technik? Es ist eine Arbeitstechnik, die es ermöglicht sehr konzentriert zu arbeiten. Eine Abwandlung dieser Technik hilft auch bei trödelnden Kindern.

Pomodoro für Kids

Du vereinbarst mit deinem Kind eine bestimmte Zeit, in der es konzentriert arbeitet. Wähle die Zeit so, dass sie für dein Kind bestimmt zu schaffen ist. Eine Arbeitszeit von 10 Minuten ist für die meisten Kinder (auch mit ADHS) problemlos einzuhalten.

Du stellst einen Timer auf 10 Minuten. Während dieser Zeit wird konzentriert gearbeitet. Es gibt kein Glas Wasser, keinen Toilettengang (den gibt es vorher oder nachher), kein Gespräch.

Danach hat dein Kind für 5 Minuten Pause. In dieser Pause soll es sich bewegen. Also rumlaufen, springen, ein paar Hampelmänner machen, Wasser trinken, auf die Toilette gehen … was auch immer.

Danach wird wieder für 10 Minuten gearbeitet. Es folgen wieder 5 Minuten Pause.

Nach jeweils 3 solcher Zyklen 10 – 5 – 10 – 5 – 10 – 5 gibt es eine 10 Minuten Pause.
Danach geht es von vorne los.

Du wirst merken, dass in diesen 10 Minuten Einheiten sehr viel weiter geht. Vielleicht wird dein Kind von sich aus nach einiger Zeit auch sagen: „Den einen Satz schreibe ich noch fertig.“ Oder „Diese paar Rechnungen mache ich noch.“

Mit der Zeit kannst du die Arbeitszeiten auf 30 Minuten ausdehnen. Wenn du das machst dann ist die Abfolge: 30 – 5 - 30 – 5 – 30 – 5 – und 15-20 Minuten Pause.

Über die Autorin


Ilse Maria Lechner unterstützt Familien dabei, den Alltag gelassen zu gestalten. Ihr liebevoller Blick gilt dabei den Müttern, die viele verschiedene Aufgaben managen. Durch ihre Erfahrung als Lebens- und Sozialberaterin, Montessori-Pädagogin und Kinesiologin hat sie viele Anregungen parat, wie sich diese Last auf alle aufteilen lässt, sodass am Schluss alle davon profitieren. So werden auch die Kinder stark und selbstbewusst.

Wenn du dich für meinen Newsletter einträgst, dann hast du auch Zugang zum umfangreichen Downloadbereich. Dort findest du auch ein Plakat mit den 10 besten Tipps, wie du dein Kind beim Lernen und Hausübung unterstützen kannst.

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