14. November 2017

Liebevolle Führung der Kinder – ist das möglich?

Viele meiner Leser/innen beantworten mir die Frage nach der größten Herausforderung im Alltag mit Kind oder nehmen an meiner Klein wir GROSS Umfrage teil zu Themen- bzw. Lösungswünschen.

Ein Thema, das immer wieder genannt wird, ist der Umgang mit Grenzen setzen, Konsequenz und „wenn-dann´s“ und ob es einen Weg der liebevollen Führung gibt.

Grenzen setzen ist für mich wichtig, wenn es um die Sicherheit des Kindes geht, aber auch dann, wenn die persönliche Grenze eines anderen überschritten wird.

Konsequenz ist ein zweischneidiges Schwert für mich

Zu Konsequenz habe ich ein zwiespältiges Gefühl:

Einerseits weiß ich als berufstätige Mutter mit zwei Kindern, die pünklich in der Schule und dem Kindergarten erscheinen sollen, dass es nicht immer ohne Konsequenz geht und dass in Stresssituationen ganz schnell ein „wenn…dann…“ herausrutschen kann.

Andererseits möchte ich nicht die Macht des Stärkeren/Älteren missbrauchen, um meinen Willen durchzusetzen.

Aus Erfahrung als Nanny und Mutter kann ich sagen, dass Kinder mit klaren Ansagen ​umgehen können, solange ​diese ruhig, bestimmt und ohne „Rachegefühle“ gesagt ​werden.

Aber je nach eigenem ​Stresslevel kann Konsequenz ganz schnell ein Machtmittel werden, mit dem sich die Kinder starkt unter Druck gesetzt fühlen und lernen, dass der Größere/Stärkere das Sagen hat und dies dann wiederum an jüngere (Geschwister)Kinder weitergeben.

Welche Gefühle kommen bei dir hoch, wenn du an Grenzen setzen und Konsequenz denkst? Schaffst du es, den Alltag ohne „wenn…dann´s…“ zu meistern? ​Nutze die Kommentarfunktion ​und ​teile mir mit, ob oder wie du es schaffst, ohne wenn-dann´s den Alltag zu organisieren.

Auf der Suche nach Lösungen, wie die Bedürfnisse von Eltern und Kindern berücksichtigt werden können

Ich stelle mir schon länger die Frage:
Wie kann man den Alltag mit Kindern bewältigen, sich selbst und die Bedürfnisse aller Familienangehörigen achten - ohne auf ein Machtmittel zurückzugreifen?

Ich frage mich: Wie kann liebevolle Führung in der Praxis aussehen? Nicht nur theoretisch im stressfreien Raum, sondern praktisch -im oft hektischen Alltag mit Kindern, ​die zur Schule müssen, mit ihren Geschwistern streiten und abends nicht ins Bett gehen wollen.

Mit diesen Fragen bin ich wahrscheinlich nicht alleine – denn wie zu Beginn erwähnt, habe ich einige Emails und Umfragebeantwortungen zu diesem Thema bekommen – und vielleicht bist du genauso wie ich auf der Suche nach Lösungen?

Seit ​langer Zeit interessiert mich dieses Thema und ich suche nach einem Weg, der nicht nur die Kinder berücksichtigt (bedürfnis- und bindungsorientiert) sondern auch die Bedürfnisse und Grenzen von Eltern im Blick hat, sodass die Eltern ihr Kind liebevoll führen und zugleich in ihrer Mitte ruhen können.

Bis jetzt habe ich in Teilbereichen des Alltags mit Kindern Wege gefunden, um die gegensätzlichen Bedürfnisse von Eltern und Kindern unter einen Hut zu bekommen ohne mit Konsequenzen drohen zu müssen:

  • Wie du deinem Bedürfnis nach Sauberkeit ​im Haushalt mit dem Bedürfnis deiner Kinder nach Aufmerksamkeit von dir verbinden kannst, habe ich ​​hier zusammen gefasst.
  • Wie du deinem Bedüfnis nach Ordnung mit dem Bedüfnis deiner Kinder nach Spielen unter einen Hut bekommst, habe ich ​​hier zusammen gefasst.
  • Und wie du ganz viele alltäglichen Herausforderungen mit deinem Kind meisterst ohne Konsequenzen androhen zu müssen, erfährst du in meinem neuen Buch. (Ich weiß, dieses Buch sollte schon längst erhältlich sein - aber jetzt dauert es wirklich nicht mehr lange! Ich muss noch eine letzte technische Hürde nehmen, dann kann ich auf den Veröffentlichen-Knopf drücken)

​Was mir hilft, um meine Bedürfnisse mit denen meiner Kinder unter einen Hut zu bekommen:

  • ​Wenn ich noch ganz ruhig bin (bevor ich mich zu ärgern ​beginne), ​habe ich sehr gute Erfahrungen mit der Gewaltfeien Kommunikation nach Marshall Rosenberg gemacht, in der du erst einmal sagst:
     
    was genau dich stört (sichtbares Verhalten!),
    dann welche Gefühle du ​hast ​
    danach dein Bedürfnis mitteilst und
    anschließend mit einer Bitte, was du gerne möchtest abschließt

    Entweder meine Kinder entsprechen der Bitte oder es startet ein interessantes Gespräch und wir schaffen es, eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten passt.

  • Oder ich stelle die Bedürfnisse meiner Kinder und die meinigen in Gegenwart meiner Kinder verbal gegenüber und frage in die Runde, was wir jetzt machen können.
marshall rosenberg

Ich habe zwei anderen Bloggerinnen die Frage gestellt, welche Strategien sie haben, um die Bedürfnisse von Eltern und Kinder unter einen Hut zu bekommen und wie liebevolle Führung gelingen kann

​​​Hier ist die Antwort von Silvia Streifel

Nach meiner Erfahrung können wir Situationen, in denen die Bedürfnisse von Kindern und Eltern (scheinbar!) entgegen laufen immer einer von 3 Kategorien zuordnen:

  • ​Die Eltern lehnen die vom Kind gewählte Strategie zur Befriedigung des Bedürfnisses aus Gewohnheit ab (entweder weil sie es eben schon immer so machen oder weil "man" es eben so macht). Zum Beispiel die Befriedigung des Bedürfnisses nach Spiel mit der Strategie der Breimalerei 😉
  • Die Ablehnung der kindlichen Strategie hat mit etwas ganz anderem zu tun als mit der eigentlichen Situation. Zum Beispiel Toben und Schreien des Kindes, wenn die Eltern schon viel früher auf ihr Bedürfnis nach Ruhe hätten achten sollen
  • Situationen in denen die Strategie des Kindes TATSÄCHLICH dem Bedürfnis eines Elternteils widerspricht. Zum Beispiel wenn
    ​die ​Tochter ihr Bedürfnis nach Zugehörigkeit durch eine Übernachtungsparty befriedigen will und ein Elternteil kurz vor dem Burnout steht und dringend Ruhe braucht.

​In Situationen der Kategorie 3
ist es meist recht gut möglich im Gespräch eine gute Lösung zu finden. Denn in solchen Situationen sind wir authentisch und präsent, die Kinder können dann genau spüren, wie wichtig es uns ist. Sie sind normalerweise offen für Lösungen.

In Situationen der Kategorien 1 und 2
empfehle ich mittlerweile ganz klar nachzugeben.

Bei Kategorie 1
braucht es dafür meist nur die Bewusstheit dafür, dass das Bedürfnis des Kindes einfach wichtiger ist.

Bei Kategorie 2
bedarf es oft intensiver Selbstreflektion bei den Eltern. Ihr Bedürfnis in der Situation selbst durchzuboxen, wird allerdings ganz bestimmt nicht helfen.

​​​Hier ist die Antwort von Vera Rosenauer

​Ich vergleiche gerne meine Führungsrolle als Mama mit meinem früheren Beruf als Reiseleiterin:

Als ​Reiseleiterin begleitet man eine Gruppe in ein fremdes Land, begleitet sie vor Ort, erklärt Sehenswürdigkeiten und fremde Lebensgewohnheiten - aber nie ohne Respekt vor den einzelnen Personen.

Dazu braucht es eine gute Beobachtungsgabe, wer von deinen Reisegästen gerade was von dir braucht.

Sie sind ja oft mit unterschiedlichem Vorwissen unterwegs. Eine gute Vorbereitung ist unabdingbar, dazu braucht es den Austausch mit Kollegen.

Um die Reiseroute und Besichtigungen ordnungsgemäß durchführen zu können, ist ein strukturierter Plan nötig - und das bei vollem Bewusstsein, dass der aufgrund unvorhersehbarer Umstände geändert werden muss.

All das hilft mir auch in meinem Mama-Alltag:
Vorbereitung, Austausch und Planung ohne Anspruch auf Perfektion - und ganz viel Respekt für meine "Reisegruppe" 

http://ponyhofpodcast.de/2017/07/02/verdammt-kind-ich-kann-nicht-mehr-loesungen-jenseits-von-gewinnen-und-verlieren/

​Frage an dich:

​Welche Wege hast du gefunden, um deine Bedürfnisse mit denen deiner Kinder zu vereinbaren? Lass es mich und die Leser bitte in den Kommentaren wissen - wir profitieren alle davon.


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