20. Dezember 2017

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 10

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. Ich freue mich darüber und beantworte diese Fragen, solange sie in meinem Erfahrungsbereich liegen.

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb habe ich mich entschlossen, diese Artikelserie ins Leben zu rufen, die einmal im Monat erscheinen wird. So hast auch du Zugang zu meinen Antworten!

Du kannst dir die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  Ich habe das Gefühl, nur noch zu geben und nicht mehr wirklich ich selbst zu sein. Ich möchte wieder ausgeglichener sein, wie mache ich das?

Du gibst und gibst und dass bestimmt auch gerne und von Herzen, bis du an einen Punkt kommst, an dem du spürst, dass deine Kraft und innere Ruhe schwinden und du unzufrieden oder schlecht gelaunt wirst.

Ich empfehle dir spätestens dann, dir Zeiten für dich alleine zu gönnen. Zeit, wieder du selbst zu sein, Zeit, ein Hobby wieder aufzunehmen. 

Eine halbe Stunde in der Badewanne liegen oder spazieren zu gehen, können Wunder wirken und dir helfen, wieder zurück in deine eigene Mitte zu finden.

Ich habe leider viel zu spät damit begonnen, mir Zeiten ohne Kind zu gönnen und es zehrte an meiner Energie - außerdem war es danach schwieriger, aus der "nur gebenden" Mutterrolle wieder herauszukommen.

Du musst nichts Großes oder Zeitintensives unternehmen! Es reicht in der Anfangszeit mit Baby oft schon, wenn du einmal ungestört und in Ruhe duschen darfst. Und wenn das Baby schon älter ist, wenn du dich zwischen zwei Stillmahlzeiten mit einer Freundin triffst. Wenn du dann ein Kleinkind hast, kannst du schon einen ganzen Tag alleine etwas unternehmen.

Du wirst sehen, wenn du wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht ausschließlich um dein Kind drehen und du etwas für dich machst, dass du dann wieder in deine Mitte finden wirst.

Frage:  Meine Kinder wollen immer "Erster" sein. Das ist anstrengend, weil sie untereinander oder um meine Aufmerksamkeit konkurrieren. Wie soll ich damit umgehen?

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwistern ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch.

Ich versuche meinen Kindern so ganz nebenher zu vermitteln,

  • dass als erster das Frühstücksbrot (oder irgendetwas anderes) von mir zu bekommen nicht heißt, dass ich dieses Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich das Brot als erstes dorthin gelegt habe. 
  • dass erster sein nicht unbedingt heißt, dass man der beste ist - sondern dass man auch Würfelglück oder einen guten Tag haben und morgen schon wieder alles anders aussehen kann.
  • dass sie sich als Gewinner eines Spiels auch ohne ein "Hähä, ich habe gewonnnen und du nicht!!" freuen können und z.B folgendes sagen könnten: "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt. (Nächstes Mal gewinnst vielleicht du)."
Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: Mein Kind (4) will niemanden Begrüßen oder Verabschieden und es antwortet nicht auf Fragen und will niemandem die Hand geben. Was soll ich tun?

Meine Tochter hat das auch nicht gemacht. Ich habe damals mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich zu unsicher, um auf Kontaktangebote eingehen zu können.

So habe ich in diesen Situationen, in denen sie sich überfordert an mich gedrückt und zu Boden geschaut hat, die Begrüßung/Verabschiedung oder das Fragen beantworten übernommen.  (Ich habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat.) Ich setzte ganz einfach auf die Wirkung meiner Vorbildfunktion. 

Außerdem habe wir ein anderes Verabschiedungsritual als "Tschüss sagen" oder "die Hand geben" eingeführt. Das kannst du hier nachlesen.

Mit 5 Jahren war sie plötzlich so weit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagte und auch auf deren Mütter reagierte, indem sie Fragen beantwortete.

Es hat dann aber nochmal eine ganze Weile gedauert bis sie sich bei weniger bekannten Menschen oder gar Fremden getraut hat, auf eine Frage zu antworten.  

Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

Frage:  Mein  Kind (1) ist wahnsinnig ungeduldig, sobald es nicht sofort das bekommt, was es will und dann kann man es kaum noch beruhigen. Hast du dafür Tipps?

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, dann denkt es, es bekommt die Sache, die es haben möchte, gar nicht mehr.

Deshalb setzt sich dein Kind so vehement für seine Wünsche ein.

Was ich dir empfehle: Sprich mit deinem Kind darüber, was du noch tun musst, bis sein Wunsch erfüllt werden kann.

In etwa so, wenn dein Kind hungrig ist und voller Unmut darauf wartet, etwas zu Essen zu bekommen:

"Jetzt schneide ich eine Scheibe Brot ab. Nun hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergessen hast. 

Bei noch nicht sprechenden Kindern habe ich zusätzlich das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

Frage:  Ich erwische mich oft dabei, dass ich das Wort "Nein" zu oft ​gebrauche. Hast du einen Tipp, wie man ein "Nein" vermeiden kann?

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfter vermeiden, wenn du anstatt Nein gleich das sagst, was du von deinem Kind möchtest. 

Das hilft deinem Kind auch, sich auf deinen Wunsch hin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, es jedoch nicht weiß, was es anstatt dessen tun sollte.

Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass Menschen allgemein bei einem "nicht" trotzdem das Bild von dem vor Augen haben, was sie nicht tun sollen. Wie z. B. in diesem Satz: "Nein, gehe nicht an den heißen Ofen ran und berühre ihn nicht" oder "Nein, nicht den Turm kaputt machen!"

Was siehst du vor deinem inneren Auge? Genau - dass das Kind den heißen Ofen berührt bzw. den Turm kaputt macht. Deshalb ist es sehr wichtig, dass du deinem Kind ein anderes Bild zur Verfügung stellst. Von dem, was du gerne möchtest.

Beispiel:

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  wird zu: "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (Wenn dieser einige Meter von der Steckdose entfernt ist.)

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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