2. Februar 2018

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 11

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. Ich freue mich darüber und beantworte diese Fragen, solange sie in meinem Erfahrungsbereich liegen.

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb habe ich mich entschlossen, diese Artikelserie ins Leben zu rufen, die einmal im Monat erscheinen wird. So hast auch du Zugang zu meinen Antworten!

Du kannst dir die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  Ist es o.k. mein Kind zu  Hause zu betreuen bis es knapp 4 Jahre alt ist, weil ich finde, es ist noch nicht bereit, mit knapp 3 Jahren in den Kindergarten zu gehen? Oder bekommt mein Kind von mir nicht mehr das, was es in diesem Alter braucht?

Ich würde immer vom Kind ausgehen. Wenn du durch Beobachtung zu dem Schluss gekommen bist, es ist noch nicht bereit (oder dein Kind äußert selbst den Wunsch, dass es nicht in den Kindergarten möchte), dann finde ich das absolut o.k., es mit 3 Jahren weiterhin zu Hause zu betreuen. 

Das Spiel mit dir, befreundeten Kindern oder alleine, das Mithelfen im Haushalt und die Bewegung in der Natur bieten deinem Kind genügend Impulse für seine altersgerecht Entwicklung, sodass es deswegen nicht mit 3 Jahren in einen Kindergarten gehen muss. 

Alternativ gibt es in vielen Orten jetzt auch Vorkindergartengruppen oder Eltern-Kind-Gruppen, die dein Kind besuchen könnte. Dort trifft es auf andere Kinder und kann erste Erfahrungen in einer kleineren, geschützeren Kindergruppe machen. Dies erleichtert deinem Kind später den Übergang in einen Kindergarten, die meistens größere Kindergruppen haben.

Die Vorkindergartengruppe trifft sich normalerweise 1-3 Mal die Woche für ein paar Stunden am Vormittag in einer kleinen Kindergruppe. (Meine Vorkindergartengruppe trifft sich z. B. zwei Mal die Woche für je 3 Stunden - nach einer sanften Eingewöhnung ohne Eltern). 

Die Eltern-Kind-Gruppe trifft sich einmal wöchentlich und ihr geht gemeinsam hin. Auch hier hat dein Kind die Chance, neue Spielfreunde kennenzulernen, die ihr z. B. auch zum Spielen zu Hause einladen könnt.

Frage:  Ich habe das Gefühl, dass ich den "Draht" zu meinem Erstgeborenen verloren habe, nachdem unser 2. Kind auf die Welt kam. Das macht mich sehr traurig. Was kann ich gegen meine Schuldgefühle tun, dass ich es nicht schaffe, beiden Kindern so gerecht zu werden, wie es ihnen zusteht?

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Sei geduldig und nachsichtig mit dir. Auch für dich ist es eine riesengroße Umstellung von einem Kind auf zwei Kinder.

Die Belastung ist um ein Vielfaches höher - gerade im ersten Jahr mit zwei Kindern, wenn es viele Nächte mit wenig Schlaf gibt und auch die Tage mit zwei Kindern neue Herausforderungen stellen.

Da ist es ganz normal, dass du nicht immer "richtig" reagieren kannst. Trotz meines Wissens und meiner Erfahrung habe ich es nicht geschafft, eine perfekte Mutter zu sein und all meine Tipps 100%ig umzusetzen. 

Auch ich hatte das Gefühl, den Draht verloren zu haben und hatte Schuldgefühle, dass ich es nicht schaffte, meinem zweiten Kind genausoviel Aufmerksamkeit angedeihen zu lassen, wie dem ersten Kind.

Es fiel mir schwer zu akzeptieren, dass sich Beziehungen im Laufe der Zeit verändern und weiterentwickeln. 

Sehr oft kommt das zweite Kind zu einer Zeit, in der das erste Kind anfängt sich abzunabeln und seinen eigenen Willen entdeckt und somit nicht mehr in der Symbiose mit seiner Mutter lebt. 

Was wir als "Draht verloren" interpretieren, kann auch dieser ganz normale Abnabelungsprozess sein, der auch ohne zweites Kind geschehen wäre.

Darüber hinaus musste ich lernen, dass es nicht zwingend erforderlich ist, mit dem zweiten Kind genau die gleichen Dinge zu machen wie mit dem ersten. Das zweite Kind hat dafür ein Geschwisterchen, dass ihm ganz viele Lernimpulse gibt.

Den Draht wieder zu finden, kann etwas dauern! Im Normalfall kommt die nahe Verbindung zurück, jedoch nicht unbedingt in der gleichen Form, wie vor der Geburt des zweiten Kindes. Ein zweites Kind bringt Entwicklung für alle.

Die Karten werden neu gemischt, dein erstgeborenes Kind wird älter und unabhängiger und so "eng" wie die Beziehung vorher war, wird sie wahrscheinlich nicht mehr werden, einfach weil die Entwicklung voranschreitet und dein Kind ein Individium ist, das immer selbstständiger wird.

Frage: Meine Kinder sind im Kindergartenalter und machen täglich eine Sauerei bei Tisch. Muss das in dem Alter noch sein? Was kann ich dagegen tun?

Die Sauerei mit dem Essen, die kenne ich auch. Das wollte ich auch immer ändern.

Ich habe es mit Gesprächen über unsere Esssituation versucht, mit Erinnerungen, dass sie über ihrem Teller essen sollen und auch dass ich beginne abzuräumen, wenn es mir zu viel wurde.

Diese Strategien haben keine nachhaltigen Änderungen gebracht - es sah immer noch wild aus - auf und unter unserem Tisch.

Ich habe es irgendwann akzeptiert, dass meine Kinder noch nicht soweit sind, ordentlich zu essen. Deshalb bin ich dazu übergegangen, meine Kinder in die Säuberung des Tisches und des Bodens mit einzubeziehen. 

Zumindest nach dem Essen sah es wieder ordentlich auf und unter dem Tisch aus und es war nicht mehr meine Aufgabe alleine, für Sauberkeit zu sorgen.

Das hat die Spannung aus diesemThema herausgenommen und ich kann die Krümel gelassener akzeptieren.

Frage: Im Laufe des Tages, während ich die vielen kleinen Kleinigkeiten im Alltag mit Kindern erledige, merke ich wie mein Stresspegel steigt und ich viel schneller Schimpfe oder Laut werde. Danach plagen mich die Schuldgefühle. Hast du  mir einen Rat?

Das kann ich gut verstehen - gerade Abends ist bei mir auch öfter die Batterie leer nach so vielen Kleinigkeiten, die ich für meine Kinder und Familie gemacht habe. (Ganz zu schweigen von meinem Job.)

Ich glaube, wir Eltern müssen da weniger harsch mit uns sein, wenn es uns passiert, dass wir schimpfen oder laut werden. Und zugleich mehr darauf achten, dass wir irgendwie zu Pausen in unserem Alltag kommen. 

Diese Pausen können unsere Batterien schon unter Tags wieder etwas füllen, sodass es dann abends nicht zum erschöpften Schimpfen kommen muss.

Ich übe mich selbst immer wieder darin, mir kurze Pausen freizuschaufeln und nicht dann noch schnell die Spülmaschine auszuräumen...

Ich wünsche dir, dass du es auch schaffst, dir Pausen im Alltag zu schaffen! Dann ist es leichter, nicht gleich auf die Palme gebracht zu werden 🙂

Ich arbeite gerade an einem kostenlosen Mini-E-Buch zum Thema: "Auszeiten im Alltag mit Kind." Das könnte dir dann dabei helfen, Pausen in deinen Alltag einzubauen!

Frage: Mein Kind (3) läuft auf dem Gehweg weg und will gefangen werden. Das ist mir zu gefährlich. Wie kann ich damit umgehen?

Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Da würde ich ein Gespräch mit deinem Kind führen, wie man sich an Straßen verhält und auch warum es so gefährlich ist, auf dem Gehweg fangen zu spielen.

Du könntest ein paar Straßenregeln festlegen und diese mit deinem Kind auf ein Papier malen, welches ihr in der Nähe der Haustüre aufhängt. Vor dem Hinausgehen könnt ihr nochmal einen Blick auf eure Straßenregeln werfen.

Dann vereinbarst du mit deinem Kind, dass, wenn es sich nicht an diese Straßenregeln hält, es entweder im Buggy sitzen oder an deiner Hand gehen muss, weil du auf es aufpassen willst, sodass ihm nichts passiert.

Das Verhalten an Straßen muss für deine Kinder klar definiert sein, ansonsten lebst du unter ständiger Anspannungen sobald du mit deinem Kind in die Nähe einer Straße kommst.

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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