14. November 2013

Worte können verletzen. Oder: Die Sehnsucht nach Liebe

Vor Kurzem habe ich wieder mal erfahren, wie verletzend Worte sein können. Als ich so darüber nachdachte, wie sehr Worte doch weh tun können, wurde mir Folgendes bewusst:

Ohne es zu wollen, verletze ich meine Kinder öfters mit meinen Worten.

Z.B.:

„Bist du jetzt endlich fertig?“ (genervter Tonfall)
“Habe ich dir das nicht schon … mal gesagt?“ (wütend)
“Du sollst aufpassen, habe ich gesagt!“ (laut)

Worte bzw. Sätze werden verletzend, wenn sie – meiner Meinung nach – 3 Komponenten haben.

  1. Negatives Gedankenkarussell in meinem Kopf, bevor ich etwas zu meinem Kind sage
  2. Die Wahl meiner Worte, die den Satz formen
  3. Mein Tonfall

Im Alltag – vor allem, wenn etwas schneller gehen oder fertig werden soll – ertappe ich mich dabei, dass sich meine Gedanken um Negatives drehen wie z.B.

  • „muss das denn so lange dauern,
  • wenn ich doch schon fertig wäre,
  • ich habe jetzt echt keine Lust mehr“.

Das führt dann dazu, dass meine Worte nicht mehr wertschätzend sind und „immer“ oder „ständig“ als Verstärker im Satz haben, was so ja überhaupt nicht stimmt. Z.B. „dass du immer so langsam bist“ oder „ständig muss ich dir aufräumen helfen“. Wenn ich diese Sätze sage, dann ist mein Tonfall auch nicht mehr freundlich und so schließt sich der Kreis der verletzenden Worte.

Die Folgen:

Ich will nicht durch Worte verletzt werden, sondern ich will geschätzt – und im weitesten Sinne – geliebt werden.

Wieviel mehr müssen dann unsere Kinder, die von uns abhängig sind, unter verletzenden Worten leiden und sich nach Liebe sehnen?

Wieviel mehr muss ihr noch wachsendes Selbstbewusstsein nach abwertenden Sätzen geknickt sein?

Nach verletzenden Sätzen habe ich folgende Reaktionen bei Kindern beobachten können: traurige nach unten gerichtete Augen, Kinderkörper macht sich kleiner, Augen gefüllt mit Tränen oder auch ein Schreien oder Weinen.

Deshalb ist mein Vorsatz meinen Kindern das zu schenken, was ich mir wünsche:

  • Worte, die wertschätzend der Person des Kindes gegenüber ausgesprochen werden (Wortwahl, Tonfall)
  • Worte, die sich nicht an meine negativen Gedanken anlehnen sondern daran, wie sehr ich mein Kind doch liebe
  • Worte, die Liebe und Wertschätzung vermitteln, auch wenn ich Grenzen setzen muss (ruhig bleiben, freundlichen aber bestimmten Tonfall haben)
  • Worte, die sich an das Hier und Jetzt anlehnen und nicht „immer“ oder „ständig“

Was mir ungemein geholfen hat, wertschätzender in Konfliktsituationen zu bleiben:

Ich habe an einem genialen online Kurs zur positiven Konfliktbewältigung mit Kindern teilgenommen. Ich war und bin so begeistert davon, dass ich mir fast ein Jahr später immer mal wieder diese Videos anschaue, um das Gelernte noch weiter zu vertiefen und es weiterhin im Alltag umzusetzen.

​Ich bin ein begeisterter Fan geworden, weil dieser Kurs meine Einstellung zu Konflikten nachhaltig und positv verändert hat.

Fazit:

Wenn ich mit diesen Worten zu meinem Kind spreche, dann schätze ich es als Person und stärke beim Kind zusätzlich noch sein Selbstbewusstsein.


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Selbstbewusstsein deines Kindes: Mit diesen 8 Gewohnheiten stärkst du es - KLEIN WIRD GROSS - 29. August 2015 Kommentiere

[…] Manche Worte können dein Kind verletzen und seinem Selbstbewusstsein einen Knick geben. Gehe so oft wie möglich bewusst mit deinen Worten um. Wenn du mehr über die Macht der Worte lesen willst, lies hier weiter. […]

Mit diesen 8 Gewohnheiten stärkst du das Selbstbewusstsein deines Kindes | klein wird GROSS - 23. November 2014 Kommentiere

[…] Manche Worte können dein Kind verletzen und seinem Selbstbewusstsein einen Knick geben. Gehe so oft wie möglich bewusst mit deinen Worten um. Wenn du mehr über die Macht der Worte lesen willst, lies hier weiter. […]

erziehungsluecke - 14. November 2013 Kommentiere

Das ist ein toller Gedankengang!
Ich finde, es geht dabei noch zusätzlich um die innere Haltung. Vorsätze sind immer gut, aber das bisherige Verhalten hatte ja auch einen guten Grund: Wir waren genervt, wir waren sauer, wir waren ungeduldig. Diese Gefühle verschwinden nicht einfach, weil ich nun den Vorsatz habe, anders mit meinem Kind zu sprechen. Ändere ich nur meine Wortwahl und achte auf meine Tonlage, wird mein Kind es dennoch heraushören, wenn mein Gefühl dahinter nicht dazu passt. Worum es also geht, ist auch, sich seiner Gefühle bewusst zu werden und zu überlegen, woraus die Gefühle resultieren, wie man sinnvoll mit ihnen umgehen kann und ob sie notwendig sind oder nur aus selbstgemachten Zwängen entstehen.

http://erziehungsluecke.de

    kleinwirdgross - 14. November 2013 Kommentiere

    Das stimmt, dass Kinder das heraushören können, was für ein Gefühl dahinter steht. Deshalb auch mein Vorsatz, Worte zu finden, die sich daran anlehnen, wie sehr ich mein Kind doch liebe ;-). Um diese Worte zu finden, muss ich in mich gehen und das negative Gedankenkarussel in mir unterbrechen. Ich muss mir all die wundervollen Eigenschaften meines Kindes ins Gedächtnis rufen, um überhaupt Worte finden zu können, die meine Liebe trotz Grenzen-setzen-wollen ausdrücken können. Und während ich über die wundervollen Eigenschaften nachdenke verändern sich meine Gefühle von Ärger oder Wut hin zur Liebe.

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