6. Februar 2015

Erziehungsratgeber / Erziehungsblogs / Erziehungstipps – 8 Tipps wie du sie wirkungsvoll für dich nutzt (ohne dich dabei unter Druck zu setzen)

„Wenn du das genauso machst, wie du es hier liest – dann benimmt sich dein Kind tadellos.“

„Wenn du dieses jedoch sein lässt, dann wird sich dein Kind besonders gut entwickeln.“

Mach mal hier, tue das, lass das mal lieber sein oder mach doch lieber das – ja was nun?

Bist du leicht verwirrt von meinem Einstieg? Gut! Denn so geht es mir öfters, wenn ich Erziehungstipps,

Erziehungsratgeber oder auch manchmal auf anderen Blogs über Kinder/Erziehung etwas lese. Es passiert mir nicht selten, dass sich die Summe des Gelesenen widerspricht und ich nachher nicht schlauer bin als vorher.

Während ich einen Erziehungsratgeber lese, der mich anspricht oder einen Artikel auf einem Blog lese, dem ich zustimme – bin ich erst mal fasziniert, angetan und motiviert, das alles umzusetzen. Es klingt immer so logisch und auch für mein Kind wäre es das Beste, wenn ich es so wie im Erziehungsratgeber/auf Blog beschrieben machen würde.

Warum also schaffe ICH ES NICHT, diese Tipps umzusetzen, so dass MEIN und das Leben MEINER Kinder auch so super verläuft, wie im Erziehungsratgeber/auf Blog beschrieben?

Bin ich unfähig, mache ich was falsch? Liegt es an meinem Kind, lässt es sich nicht so erziehen wie andere? Ich muss mich einfach mehr anstrengen! Ich muss mich mehr kontrollieren – warum habe ich nur so wenig gute Nerven bzw. Geduld?

Ich bin mir sicher, dass es dir auch schon so ergangen ist bzw. du solche oder ähnliche Gedanken gedacht hast, ODER?

Und sehr wahrscheinlich ist es dir auch schon beim Lesen auf meinem Blog passiert – obwohl ich in der besten Absicht geschrieben habe, damit das NICHT der Fall ist! (Ich erwähne ja öfters, dass ich mich einschließe oder dass das bei uns auch nicht ständig klappt) Und TROTZDEM wird es dir passieren – hier oder woanders – da bin ich mir sicher!

Was also kannst du tun, damit du das Wissen in Ratgebern oder Blogs (oder sonstwo) für dich nutzen kannst, ohne dich dabei unter Druck zu setzen.

  • suche Dir nur EINE Sache aus dem Erziehungsratgeber/Blog aus, die du im Moment verändern möchtest und konzentriere dich ausschließlich darauf.Du willst dein Kind wertschätzender behandeln, immer ruhig mit ihm Reden, selbst ausgeglichen, freundlich und fröhlich sein? Guter Vorsatz!ABER wenn du dich nicht sofort von heute auf morgen total verändern kannst (und wer kann das schon???),wird dich das wahrscheinlich überfordern. Ein Tag mit Kind ist lange und wenn du dein Verhalten ständig kontrollieren musst/willst; wird das ziemlich anstrengend werden. Frustration und das Aufgeben der Veränderung werden bald folgen!Deshalb nimm z.B. nur einen Tagesabschnitt wie z.B. das Frühstück, indem du auf deine Worte achtest und ruhig bleibst. Das Fröhlich sein schon am Frühstückstisch – könnte vielleicht unrealistisch sein, also erst mal weglassen
  • Sei dir bewusst, dass das Geschriebene Wort in einem Artikel bzw. Erziehungsratgeber ein Idealzustand-bzw. eine Momentaufnahme ist.

    So sehe ich das zumindest. Ich sehe Erziehungsratgeber und Erziehungblogs als Inspiration, wie es sein könnte, wenn alles genau nach Plan verläuft (wir wissen aber beide, dass mit Kindern selten was nach Plan läuft – trotzdem planen wir weiter, stimmts?)

    Genauso handhabe ich Erziehungsratgeber/Blogs. Sie sollen mich zum Nachdenken bringen und evtl. einen Anstoß zur Veränderung geben.

    Wenn ich es mit dieser Einstellung lese, dann hilft es mir, dass ich mir keinen Druck mache. Auch beim Lesen meiner Tipps solltest du das immer im HInterkopf haben.

    Das habe ich auf meiner „Über“-Seite auch so geschrieben: „In meinen Artikeln möchte ich Euch an meiner Erfahrung teilhaben lassen, zum Nachdenken anregen und zum Ausprobieren motivieren, was für Euch und Eure Kinder funktioniert. Denn wie ich schon geschrieben habe: jedes Kind ist anders. Und ich kann nur von dem Schreiben, was ich erlebt habe, was für mich funktionierte und was meine Erfahrung bzw. Meinung ist.“

  • Sei dir bewusst, dass alle Kinder und Erwachsene unterschiedlich sind und es somit KEINE EINZIG WAHRE Art und Weise geben kann, wie Eltern ihre Kinder erziehen müssen, damit sie zu „Engeln“ werden!

    Was bei dem einen Autor prima funktioniert, muss bei deinem Kind noch lange nicht klappen. Entweder weil du anders bist oder weil dein Kind etwas anderes braucht. Nicht verzagen oder die Schuld bei dir suchen, sondern es ist dann wohl besser, dieses Buch zur Seite zu legen und entweder ein Neues zu lesen oder eine Lesepause zu machen.
  • Lass dich von Erziehungsratgebern/Blogartikel nur inspirieren – anstatt alles genau so zu machen, wie du es gelesen hast.

    Wenn du nicht alles Gelesene perfekt umsetzen musst, sondern es als Inspiration siehst, kannst du dir viel Druck nehmen und trotzdem das Beste aus dem Buch/Artikel mitnehmen: Ein positives Gefühl, eine neue Perspektive oder eine Idee, was du machen könntest.
  • Wandle das Gelesene so um, dass es auf dich, deine Umstände, deine Kinder, deine Familie passt.

    Nicht alle Tipps kannst du so anwenden, wie du es gelesen hast. Du solltest auch Dich und deine Kinder/Familie anschauen, ob euch das Gut tun würde, ob Du es gutheißen kannst oder ob es zu dem Lebensstil deiner Familie passt.

    Manche Tipps kannst du umwandeln oder nur Teile davon anwenden, was für dich halt stimmig ist. Andere Tipps wirst du gleich verwerfen, weil es für dich bzw. deine Kinder nicht passt.

  • Nütze die Erziehungsratgeber/Erziehungsblogs, um über dich und dein Verhalten nachzudenken – aber gehe nicht ins Gericht mit Dir!

    Es ist bestimmt von Vorteil wenn du dich ab und zu mal selbst hinterfrägst, was du vielleicht zu einer schwierigen Situation beigetragen hast. Aber dich selbst verurteilen musst du deswegen nicht (ich kann das leider sehr gut bei mir…)

  • Nutze Erziehungsratgeber um deine Perspektive zu verändern und deinen Horizont zu erweitern-nicht als das EINZIG WAHRE!

    Dann kannst du eine BEWUSSTE Entscheidung treffen – ob oder was du davon umsetzen magst – was für dich stimmig UND machbar ist.

  • Du musst nicht alles Gelesene perfekt umsetzen! Anfangen, ausprobieren, kleine Veränderungen vornehmen ist gut genug!

    Alles perfekt machen wollen (oh ja, das möchte ich sooo gerne!) ist ein Hindernis. Entweder ist das, was ich tue, nicht gut genug. ODER Ich fange erst gar nicht an, weil ich es ja sowieso nicht perfekt machen kann.

Ich habe Sandra vom Mama Revolution gefragt, ob sie aus ihrer Sicht als Coach UND Mama zu diesem Thema etwas schreiben bzw. hinzufügen möchte. Hier ihre Antwort:

„Ich finde Deine Anleitung klasse, denn was für das eine Kind und die eine Familie funktioniert, kann bei der anderen Familie ganz anders wirken. Du hast das sehr einfühlsam und gekonnt zusammengefasst! Gerade als Coach kann ich Deine Einstellung total unterstreichen, denn Experte im eigenen Leben ist immer der Mensch selbst. Letztendlich weiß niemand so gut wie Du selbst, was richtig für Dich oder für Deine Kinder ist. Deine Tipps für den Umgang mit Erziehungsratgebern sind deshalb eine sehr hilfreiche Unterstützung!“

Fazit:

Du kannst Erziehungsratgeber/Blogs wirkungsvoll für dich nützen, wenn du 8 Punkte beachtest:

  1. Konzentriere dich auf eine Veränderung zu einem bestimmten Tagesabschnitt
  2. Denke über das Gelesene nach, lass dich inspirieren, ABER nicht dazu verleiten 1000 Sachen auf einmal und jetzt gleich zu verändern!
  3. Es gibt nicht die Einzig-Wahre-Methode. Es ist immer Versuch-und-Irrtum, was für dich und dein Kind passt, da jeder Mensch einzigartig ist.
  4. Du musst nicht perfekt sein und somit musst du auch NICHT das Gelesene perfekt umsetzen können.
  5. Wandle das Gelesene so um, dass es für dich und deine Kinder/Familie stimmig ist.
  6. Erziehungsratgeber/Blogs sind nicht dazu da, dass du dich danach schlecht oder schuldig fühlst. Sehe sie einfach als EINE Art und Weise, etwas zu machen.
  7. Nutze sie, um deinen Horizont zu erweitern (neue Methoden kennen zu lernen) oder deine Perspektive zu ändern (so schlimm ist es eigentlich gar nicht)
  8. Anfangen, Ausprobieren und kleine Veränderungen vornehmen ist gut genug! DU MUSST NICHT PERFEKT SEIN!

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Anja Knieh - 30. April 2016 Kommentiere

Hallo Petra,
Danke für die wertvollen Tips. Das ist so entlastend und nimmt soviel Druck, wenn man Deine Sichtweise kennt.
Ich hatte als Kind keine vorbildlichen Eltern und möchte bei der Erziehung meiner Kinder vieles anders machen als meine Eltern. Also war ich ständig auf der Suche nach Tips und Methoden und habe viele Ratgeber und Bücher gelesen. Auch Betatungsstellen habe ich aufgesucht.
Aber das einzige, was mich wirklich weiter bringt, ist Dein Erziehungskompas!
Vielen Dank dafür. Endlich etwas, was individuell auf mich (und auf jeden anderen, der ihn selbst erarbeitet) passt.
Herzliche Grüße
Anja

    Petra - 30. April 2016 Kommentiere

    Liebe Anja,
    vielen herzlichen Dank für deine Worte! Sie haben mich sehr berührt und ich habe mich natürlich auch riesig darüber gefreut, dass der ElternKompass dich so weiterbringt!

    LG
    Petra

NathalieK - 7. Februar 2015 Kommentiere

Danke für die schönen Tipps. Mir geht es insbesondere oft so, wenn ich in der Eltern etwas über Kindererziehung lese. Tipps, wie man das Kind ohne Schimpfen erzieht. Wie man richtig konsequent ist, usw. Nur oft wird dort die perfekte Mutter propagiert – und ich frage mich, wie man das Ganze eigentlich in der Realität umsetzen soll. Es wird in Ratgebern halt oft von einer Modellumgebung und -situation ausgegangen, die so aber eigentlich nie besteht. Ich finde, oft setzen einen solche Ratgeber auch noch unter einen gewissen Druck, weil man es selbst nicht so schafft, wie dort beschrieben. Ich denke, man muss diese Ratgeber einfach entspannter lesen und sich davon befreien, dass man nur dann eine gute Mutter ist, wenn man es immer genau wie im Ratgeber macht.

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