16. November 2015

Was dir dein schlechtes Gewissen zeigen kann

Manchmal liege ich nachts wach im Bett und kann nicht einschlafen. Ich bin traurig und habe ein schlechtes Gewissen, weil es einer der Tage war, an denen ich absolut nicht so auf meine Kinder reagiert habe, wie ich es tun möchte.

Ich erinnere mich daran, wie ich meine Tochter angemotzt habe, weil ich unter Strom stand oder wie ich den Haushalt fertig machen wollte und dabei ungeduldig mit meinem Sohn war. Einfach viele Kleinigkeiten, die mich in ihrer Gesamtheit einfach traurig machen und mein schlechtes Gewissen aktivieren.

„Du als Erzieherin und Nanny weißt natürlich, was du machen musst“

Ich wüsste es doch eigentlich besser, bin schließlich „vom Fach“! Ich denke über die Situationen nach, reflektiere mich und weiß meistens sofort, was ich hätte anders machen können.

Sätze anderer Mütter schießen mir durch den Kopf: „Du als Erzieherin und Nanny weißt natürlich, was du machen musst“ oder „ das passiert dir bestimmt nie“.

Geständnis:

Tja, was soll ich sagen, ich weiß es besser, ich hätte viele Methode im Hinterkopf, ich habe als Erzieherin und Nanny so gut wie immer souverän gehandelt und trotzdem gibt es Tage wie diesen, an dem ich in vielen Situationen nicht so reagierte, wie ich es hätte tun wollen.

Meine Vernunft versucht meine aufgebrachten Gefühle dann zu beschwichtigen: „Du bist auch nur ein Mensch. Fehler machen ist gut und wichtig. Du kannst und musst nicht perfekt sein.“

Mein schlechtes Gewissen ist beschwichtigt, die Traurigkeit bleibt. Ich bin traurig darüber:

  • dass ich einen Tag vergeudet habe, die wertvolle Zeit mit meinen Kindern zu genießen
  • weil ich die Uhr nicht zurückdrehen kann, um in den Situationen des vergangenen Tages anders zu reagieren
  • weil ich meine Kinder liebe und ich das Gefühl habe, dass ich ihnen das heute überhaupt nicht gezeigt habe.

Neuer Tag, neues Glück

Am nächsten Morgen schaut meine Welt schon wieder fröhlicher aus:

Ein „Mami?“ ertönt aus dem Kinderzimmer – mein Sohn ist aufgewacht. Ich gehe zu ihm und er streckt mir seine Arme lächelnd entgegen, dass ich ihn aus dem Bett hebe. Vertrauensvoll kuschelt er sich an mich und legt seinen Kopf in die Beuge zwischen Hals und Schultern.

Kurze Zeit später tappt meine Tochter zu uns in die Küche – noch ganz verstrubbelt vom Schlaf und holt sich ihre Kuscheleinheit nach dem Aufwachen bei mir ab.

Ich sehe strahlende Kinderaugen hier und ein zauberhaftes Lächeln dort.

Mein Herz schwillt über mit Liebe zu meinen Kindern und ich bin unendlich dankbar, dass ich diese zwei wundervollen Kinder habe. Ich liebe sie und sie lieben mich und meine Kinder haben mir meine Unzulänglichkeiten des Vortags ohne wenn und aber schon längst verziehen.

Ein neuer Tag hat begonnen, den möchte ich heute dazu nutzen ganz bewusst (die Gefühle des letzten Abends schwingen noch in mir) folgendes zu tun:

  • Ich nehme ich mir heute mehr Zeit für meine Kinder
  • Ich lasse mich auf meine Kinder ein und genieße die Zeit mit ihnen
  • Ich mache vermehrt lustige und schöne Sachen wie Kitzeln und Kuscheln

Mein schlechtes Gewissen erreichte einen Perspektivenwechsel

In diesem Sinne hatte mein schlechtes Gewissen vom Vorabend etwas Positives erreicht, weil ich mich erinnerte:

  • dass meine Priorität bei den Kindern liegt und ich möchte, dass sie an meinem Verhalten erkennen können, dass ich sie liebe
  • dass ich die Zeit, die ich mit meinen Kindern habe auch genießen möchte und deswegen auch mal ein Auge zuzudrücken kann
  • dass die Zeit mit kleinen Kindern so schnell vergeht und es passieren kann, dass ich mich an diese intensive Kleinkindzeit bald mit einem wehmütigen Lächeln zurückerinnere.

Mich als Mutter akzeptieren

Letztendlich muss ich noch lernen zu akzeptieren, dass auch wenn ich Erzieherin gelernt habe, eine professionelle Nanny war, ich nun eine Mutter bin, die ihren Kindern so Nahe ist und so mit der Familiendynamik verstrickt ist, dass die Professionalität manchmal oder auch öfters auf der Strecke bleibt.

Trotzdem bin ich eine Mutter, die ihre Kinder von Herzen liebt und

  • auf sie eingeht und ihr Bedürfnisse beachtet
  • mit ihnen spielt
  • mit ihnen redet
  • ihnen Bücher vorliest
  • sie tröstet, wenn sie traurig sind oder sich weh getan haben
  • mit ihnen kuschelt

Gut genug ist gut genug - das schlechte Gewissen loslassen

Ich habe einmal irgendwo gelesen, dass Kinder keine perfekten Eltern brauchen, dass es reicht, gut genug zu sein.

Ich bin gut genug

  • wenn ich versuche herauszufinden, warum etwas nicht so rund läuft und mit Versuch und Irrtum erst zur Lösung finde
  • wenn ich mich bemühe, ruhig zu bleiben
  • wenn ich abends trotz eigener Müdigkeit oder Erschöpfung - so geduldig es noch geht - die Kinder ins Bett bringe

Und oft bin ich sogar mehr als gut genug, ich bin supergut, wenn:

  • ich es schaffe, einen Wutanfall liebevoll zu begleiten
  • ich trotz emotionaler Beteiligung geduldig bleibe
  • ich Stärke zeige und mich bei einem meiner Kinder für eine Verhaltensweise entschuldige

Wann bist du gut genug (oder supergut) für deine Kinder? Hinterlasse mir und den anderen Lesern doch einen kurzen Kommentar!


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Beatrice - 14. Januar 2016 Kommentiere

Hallo Petra,

ich glaube ich bin gut genug für meine Kinder, wenn ich sehe und fühle, dass meine Kinder glücklich sind. Wenn sie selbstständig und aufgeschlossen durchs Leben gehen, sie viel lachen. Wenn sie sie selbst sein dürfen, genau wie ich ich selbst sein darf. Wir sind ehrlich und offen zueinander. Wir vertrauen uns und zeigen unsere Gefühle.
Dann ist alles gut, auch wenn man mal nicht so optimal reagiert hat.
LG
Beatrice

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