22. Februar 2018

Attachment Parenting – bleiben deine Bedürfnisse auf der Strecke?

Letzte Woche führte ich ein Gespräch mit meiner Schwester über das Attachment Parenting. Das ist eine bindungs- und bedürfnisorientierte Erziehungslehre. Genaueres darüber erfährst du hier.

Im Gespräch drückte ich meine ambivalenten Gefühle ungefähr so aus: „Ich finde es super, die Bindung und Bedürfnisse des Kindes in den Vordergrund zu stellen, aber manchmal – wenn ich im Internet oder in Büchern darüber lese – beschleicht mich ein komisches Gefühl, das sich vielleicht mit ´und wo bleibe ich?´ übersetzen lässt.“

Hattest du auch schon einmal das Gefühl, dass du gibst und gibst und bald nicht mehr kannst?

Ich wollte und will das Beste für meine Kinder und ich habe immer auf viel Körperkontakt geachtet und ihre Bedürfnisse – so gut ich konnte –erfüllt. Dabei machte ich jedoch die Erfahrung, dass ich mich dabei irgendwie selbst verlor.

Versteh mich nicht falsch, ich liebte es für meine Kinder da zu sein und es erfüllte mich, ihnen Liebe, Geborgenheit zu schenken und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Nach einigen Jahren jedoch war ich nicht mehr in meiner Mitte und mir schossen des Öfteren Gedanken wie: „Wo bleibe ich? Was ist mit meinen Bedürfnissen?“ durch den Kopf.

Ich musste erst wieder lernen, mich selbst genauso wichtig zu nehmen wie meine Kinder.

Das fiel mir jedoch richtig schwer. Denn sobald ich auf meine Bedürfnisse hörte und danach handelte, kamen ungebetene Gefühle hoch: Schuldgefühle.

So war ich in einem Teufelskreis gefangen: Wollte ich keine Schuldgefühle, musste ich meine Kinder in den Vordergrund stellen, so lange bis sich das „und wo bleibe ich - Gefühl“ nicht mehr unterdrücken lies. Dann handelte ich nach meinen Bedürfnissen und Wünschen und hatte wieder Schuldgefühle.

In einer Zeit als das „und wo bleibe ich“ Gefühl ziemlich stark war und ich mir einen Tag Auszeit gönnte, merkte ich plötzlich wie sehr ich diese Ich-Zeit vermisst hatte und wie gut sie mir tat. Und noch besser: Dieses gute Gefühl blieb mir erhalten, wenn ich zurück zu meinen Kindern kam und gab mir Kraft, Energie und Ausgeglichenheit für die folgende Woche.

Zu diesem Zeitpunkt habe ich gelernt: Ich brauche keine Schuldgefühle zu haben, wenn ich auf meine Bedürfnisse und Wünsche achte, weil ich dadurch sicherstelle, dass ich in meiner Mitte bleibe. Davon profitieren auch meine Kinder: Ich bin dann ausgeglichen und viel geduldiger. 

Meine Bedürfnisse versus die meiner Kinder

Seitdem achte ich im Alltag auf meine Bedürfnisse und teile diese meinen Kindern mit. Nicht immer sind meine Bedürfnisse im Einklang mit denen meiner Kinder. 

Im besten Fall sprechen wir darüber und finden Lösungen oder einen Kompromiss. 

In anderen Fällen schoss ich (leider) beim Beachten meiner Bedürfnisse über das Ziel hinaus und forderte die Erfüllung ein. 

Es ist wie immer ein Lernprozess:

Das Beachten eigener Bedürfnisse ist für mich ein ganz wichtiger Bestandteil in der Erziehung geworden, weil es mich darin unterstützt,eine liebevolle und geduldige Mutter zu sein.

Dass ich dabei manchmal über die Bedürfnisse meiner Kinder gegangen bin, tat mir leid und deshalb arbeitete ich daran, wie ich meine Bedürfnisse und gleichzeitig die meiner Kinder beachten konnte.

Die Lösung fand ich in der „Gewaltfreien Kommunikation“ und deshalb übte ich mich darin. Und das tue ich jetzt immer noch...Wenn es mir jedoch gelingt, dann bemerke ich, dass es möglich ist, beide Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen.

Wie geht es dir mit den Bedürfnissen?

Mich würde es interessieren, welche Erfahrungen du mit dem Beachten deiner Bedürfnisse gemacht hast und wie es dir dabei erging. Fällt es dir schwer oder leicht für deine Bedürfnisse einzustehen. Stellst du die Bedürfnisse deiner Kinder vor deine eigenen? Wie fühlst du dich dabei?

Ich freue mich, wenn du mir einen Einblick darüber in den Kommentaren gibst!

Ich bin überzeugt davon, dass es sehr wichtig ist, über die Bedürfnisse von Eltern zu sprechen und nicht nur über die der Kinder. Deshalb: Nimm dir ein Herz und hinterlasse einen Kommentar!

 

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Maru - 23. Februar 2018 Kommentiere

Kommt mir sehr bekannt vor. Es ist wie ein Tauziehen zwischen den Bedürfnissen der Kindern und den eigenen. Bedürfnisorientiert bedeutet aber eben ALLE Bedürfnisse zu berücksichtigen, auch die der Eltern. Und sind wir mal ehrlich: auch der Partner teilt nicht immer unsere Vorstellungen wie die Zeit verbracht werden soll. Irgendwie findet man Kompromisse. Muss so sein.

    Petra - 23. Februar 2018 Kommentiere

    Danke dir für deinen Kommentar. Das bedürfnisorientiert ALLE Bedürfnisse berücksichtigen soll – also auch meine – das musste ich erst langsam lernen. Und ja, ohne Kompromisse geht es nicht mit so vielen unterschiedlichen Bedürfnissen.

Elisa - 22. Februar 2018 Kommentiere

Ich habe tatsächlich dem 3-Jährigen auf Augenhöhe erzählt, dass Mama auch mal zum Sport oder tanzen gehen möchte. Und den Vergleich zu seinen liebsten Aktivitäten gesetzt. Klar murrte er anfangs kurz rum, hat dann aber bei Oma (nicht nebenan) nicht eine Silbe von mir gesprochen. Ich denke, ich war authentisch und das hat gewirkt.
PS. „Zu kurz“ komm ich natürlich noch immer ;)

    Petra - 23. Februar 2018 Kommentiere

    Danke dir für deinen Kommentar. Es ist wohl ein längerer Weg, bis man eine Balance mit den Bedürfnissen beider hinbekommt…LG Petra

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