23. März 2018

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 12

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. Ich freue mich darüber und beantworte diese Fragen, solange sie in meinem Erfahrungsbereich liegen.

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb habe ich mich entschlossen, diese Artikelserie ins Leben zu rufen, die einmal im Monat erscheinen wird. So hast auch du Zugang zu meinen Antworten!

Du kannst dir die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  Ich schaffe es nicht, auf die Wutausbrüche meines Kindes (6) ruhig zu reagieren. Was kann ich tun?

Zuerst einmal möchte ich dir sagen, dass es absolut okay ist, wenn du es nicht immer schaffst, ruhig zu bleiben. Du bist auch nur ein Mensch - und sobald du selbst unter Strom stehst, ist es sehr schwierig bei einem lauten Wutausbruch deines Kindes, gelassen zu bleiben.

Wenn du selbst gestresst oder schlecht gelaunt bist, brauchst du viel Erfahrung im Umgang mit deiner Wut, um dich zu stoppen und zu beruhigen, bevor du dich von der Wut deines Kindes anstecken lässt.

Deshalb gibt es kein Patentrezept für Gelassenheit bei einem Wutausbruch deines Kindes, sondern ich empfehle dir, vermehrt auf dich und deine Bedürfnisse zu achten! Sobald du ausgeglichener bist, kannst du wieder viel ruhiger auf die Wutausbrüche deines Kindes reagieren.

Lege am besten immer wieder kleine Verschnaufspausen im Alltag mit Kind ein oder gönne dir am Wochenende einmal einen Tag oder ein paar Stunden für dich, wenn dein Partner oder die Großeltern auf die Kinder aufpassen. 

Außerdem ist es wichtig, diese Verschnaufspausen regelmäßig zu machen - als eine Art Prophylaxe, um in dem Moment des Wutausbruchs deines Kindes auch eine gewisse innere Ruhe zu haben. Diese hilft dir dann im Akutfall, ruhiger zu reagieren.

Frage: Mein Kind (fast 4) fängt zu Lügen an. Wie reagiere ich am besten darauf?  

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

In diesem Alter ist "das Lügen" noch sehr verwickelt mit der "magischen Phase" und es können die skurrillsten Geschichten herauskommen, an die die Kinder selbst glauben.

Deshalb würde ich in dem Alter kein großes Ding darum machen.

Beispiel:

Dein Kind behauptet, dass das Spielzeug von ganz alleine kaputt gegangen ist, obwohl du gehört hast, wie dein Kind das Spielzeug auf den Boden geworfen hat. Jetzt kannst du ruhig sagen, dass du nicht glaubst, dass ein Spielzeug von alleine kaputt gehen kann. ​

Du musst niemandem die  "Schuld" geben. Du kannst jedoch deine Gefühle und Gedanken mitteilen:  "Schade, dass deine schöne Feuerwehr jetzt kaputt ist, die du von der Oma geschenkt bekommen hast."

Wie du üben kannst, dass dein Kind dir die Wahrheit sagt, wenn ihm etwas kaputt gegangen ist: 

Vorleben!

Wenn du z.B. im Vorbeigehen eine Spielzeugeisenbahn verrutschst oder kaputt gemacht hast, dann sagst du: "Hoppla, das war ich. Es tut mir leid, das wollte ich nicht. Ich repariere es wieder."

So sieht dein Kind, wie es mit Situationen umgehen kann, in denen es etwas kaputt gemacht hat. 

Dabei ist auch wichtig, dass du ruhig bleibst, wenn deinem Kind etwas runtergefallen ist und du nicht lautstark mit ihm schimpfst. 

Sonst könnte deine starke Reaktion auf längere Sicht dein Kind darin bestärken, lieber eine Geschichte zu erzählen, als was wirklich passiert ist, nur um nicht geschimpft zu werden.

Frage: Mein Kind (1) ist extrem anhänglich. Ich brauche aber auch kurze Pausen. Wenn ich diese nehme, dann weint mein Kind. Ich fühle mich zerrissen. Wie soll ich reagieren? 

Höre auf dein Herz! Wenn dir das Herz schwer wird, wenn du dein Kind weinen hörst, dann ist das für mich ein klares Zeichen, dass dein Kind dich jetzt braucht - aus welchem Grund auch immer. 

Damit du jedoch auch zu deinen Pausen kommst, könnte es für dich hilfreich sein, täglich ein kleines Ritual in deinen Alltag mit Kind einzubauen, das immer gleich abläuft. Am gleichen Ablauf erkennt es dein Kind dann wieder:

Du kannst z.B. mit deinem Kind deinen Kaffee zubereiten und ihm dabei sagen, dass du jetzt eine kleine Pause am Tisch machst und den Kaffee trinkst (und die Zeitung liest). Erkläre deinem Kind, dass du in dieser Zeit nicht mit ihm spielen wirst. Dann hole mit deinem Kind etwas zum Spielen heraus, mit dem es sich in deiner Pause alleine beschäftigen kann.

Das klappt vielleicht nicht beim ersten Mal, aber du wirst sehen, wenn du es täglich machst, dass dein Kind es mehr und mehr akzeptieren wird. 

Frage: Meine Kinder bremsen, bzw. machen ein Erledigen meiner Aufgaben unmöglich. Das stresst mich. Wie kann ich damit besser umgehen?

Deine Kinder brauchen dich, lenken dich ab, halten dich von deinen Aufgaben ab und fordern deine Aufmerksamkeit. Das wird sich auch in naher Zukunft nicht ändern.

Deshalb hilft in diesem Fall nur noch ein Perspektivenwechsel: 

Deine Kinder zwingen dich manchmal, einen Gang zurückzuschalten. Übe dich darin, dies als Geschenk zu sehen - auch wenn es sich im Moment nicht nach einem Geschenk anfühlt, gezwungener Maßen langsamer als gedacht voranzukommen.

Dieses Geschenk gibt dir die Chance, wieder im Moment anzukommen. Du hast die Möglichkeit im Hier und Jetzt zu landen und indem du den Moment so annimmst wie er ist, innere Ruhe zu gewinnen. 

Klar, willst du auch Haushalt und Verpflichtungen schaffen - aber eine entspannte Zeit mit Kindern ist auch wichtig.

Vielleicht hilft dir diese neue Einstellung:

Wenn du deine Aufgaben gerade nicht erledigen kannst, weil deine Kinder sich ständig streiten oder an deinem Bein hängen, dann kannst du - anstatt dich darüber zu ärgern und trotzdem nichts zu schaffen - deine Zeit auch in ein gemeinsam Spiel oder ein Vorlesen investieren.

So hast du zwar nicht deine Aufgaben erledigt, aber zumindest hattest du noch eine angenehme Zeit mit deinen Kindern (im Gegensatz zu viel Schimpfen und danach ein schlechtes Gewissen zu haben)

Frage: Es stürzt zu viel auf mich ein. Alle wollen gleichzeitig etwas von mir. Das Resultat: Ich kann nichts zu Ende bringen. Wie kann ich das ändern? 

Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Hier würde ich dir folgendes Mantra empfehlen: Eines nach dem anderen.

Bespreche es mit deinen Kindern, dass du immer eine Sache zu Ende bringen willst, bevor du etwas neues anfängst. Zeige ihnen eine paar Beispiele wie: "Zuerst will ich fertig abspülen und dann spiele ich mit dir."

Immer, wenn mehr als eine Sache von dir verlangt wird, kannst du deine Kinder mit dem Satz "Eines nach dem anderen" daran erinnern, dass du deine Tätigkeit zu Ende bringen willst.

Mit einem zweiten Satz bestätigst du deinem Kind, dass du seinen Wunsch trotzdem wahrgenommen hast.

Beispiel: 

1. Satz: "Eines nach dem anderen."
2. Satz: "Erst spiele ich mit deinem Bruder das Spiel fertig und dann lese ich dir dieses Buch vor."

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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