17. Juli 2018

Wie du die gewaltfreie Kommunikation im Alltag mit Kind anwendest

Nachdem ich schon des Öfteren die gewaltfreie Kommunikation auf diesem Blog erwähnt habe, freue ich mich besonders, dass ich nun eine Gastautorin zu diesem Thema finden konnte, die dir Einblicke in die gewaltfreie Kommunikation im Alltag mit Kind gibt:

Mein Name ist Mareike Lange und ich habe eine Mission in diesem Leben: Ich will die Beziehungen von Eltern zu ihren Kindern dahingehend verbessern, dass diese liebevoll(er) und harmonisch(er) verlaufen. Ich will, dass Kinder im Familienalltag wirklich gesehen werden und ihre Bedürfnisse genauso wichtig und ernst genommen werden, wie die der Erwachsenen um sie herum. Das ist m.E. nach die wichtigste Komponente für eine belastbare Beziehung zwischen Eltern und Kindern, um die oft zitierten „Wurzeln und Flügel“ für eine eigenständige Lebensweise zu vermitteln.

Dazu braucht es für uns Eltern eigentlich nicht viel. Es braucht Bewusstsein, Wissen und eine liebevolle Haltung – uns selbst gegenüber genauso wie unseren Kindern.

Ich bin lange vor der Geburt meines Sohnes mit der Gewaltfreien Kommunikation in Kontakt gekommen. Im Jahr 2011 arbeitete ich noch als Personalentwicklerin und lernte diesen Ansatz als Methode für Konfliktbewältigung im Unternehmenskontext kennen.

Schnell erkannte ich das Potenzial hinter dieser „Methode“. Heute weiß ich, dass es vielmehr um die Haltung hinter der Methode geht, aber dazu später mehr.

Ich begriff im Verlauf meines ersten Besuchs in einem Seminar für Gewaltfreie Kommunikation sofort, dass die vier Schritte, die in dem Modell der Gewaltfreien Kommunikation nachvollzogen werden, einen wundervollen Zugang zu jedem Menschen um uns herum eröffnen.

Der Wert der Gewaltfreien Kommunikation liegt für mich in seinem Ansatz, sich zunächst mit sich selbst in einem klaren und geführten Reflexionsprozess zu beschäftigen. Dann erst können wir auch mit anderen nach dem Prinzip der Gewaltfreien Kommunikation (abgekürzt GFK) agieren.

Ich möchte die vier Schritte des GFK-Modells gern anhand einer klassischen Konfliktsituation im Familienalltag erläutern:

Gewaltfreie Kommunikation - erster Schritt

Viele Eltern kennen das. Es geht um das morgendliche „aus dem Haus kommen“, im Berufsalltag.

Häufig erleben Eltern am Morgen zahlreiche Widerstände seitens der Kinder. Manchmal geht es schon beim Aufstehen los, manchmal klemmt es beim Anziehen kurz bevor man das Haus verlässt und es gibt noch unzählige Etappen dazwischen (Frühstück, Zähne putzen, etc.), bei denen es eskalieren kann.

Da sind wir schnell dabei, Vorwürfe und Anschuldigungen an die Kinder zu richten, wie z.B.

„Jeden Morgen das gleiche Theater!“

„Nie machst du, was man dir sagt!“

„Kann es nicht ein einziges Mal so laufen, wie ich das will.“

Und so weiter…

Wenn wir solche Situationen liebevoll und gewaltfrei händeln wollen, ist es wichtig, im ersten Schritt bei den jeweils wahrnehmbaren FAKTEN zu bleiben.

Das bedeutet, dass wir bei dem bleiben, was wir sehen und hören können. Das ist für viele Menschen gar nicht so leicht, denn häufig sind wir sofort dabei, die Geschehnisse in Situation zu bewerten oder zu interpretieren.

Um Druck, Ärger und Streit zu vermeiden, ist es jedoch wichtig, bei dem zu bleiben, was man wirklich wahrnehmen kann. Ich sehe z.B., dass mein Kind am Frühstückstisch sitzt und isst. Dabei fällt etwas Essen vom Tisch nach unten. Das ist eine Beobachtung. All dies kann ich mit meinen Augen beobachten.

Was dann häufig passiert ist, dass wir unsere eigenen Wertungen und Interpretationen hinzu tun:

„Was für eine Sauerei!“

„Das machst du doch mit Absicht!“

„Du kannst doch ordentlich essen, was soll das denn?“

Wenn wir mit solchen Gedanken in die Situation einsteigen, werden wir schneller ärgerlich oder wütend, als wenn wir einfach nur wahrnehmen, „aha, da ist Essen nach unten gefallen“.

Bei den Fakten zu bleiben ist wichtig, um im zweiten Schritt wahrzunehmen, wie es uns damit geht.

Gewaltfreie Kommunikation - zweiter Schritt

Was empfindest du, wenn du diese Szene beobachtest? Unruhe? Ärger? Oder bleibst du gar gelassen?

Die Wahrnehmung unserer Gefühle ist deshalb so wichtig, weil Gefühle uns vermitteln, was wir brauchen, welche Bedürfnisse in uns lebendig sind.

Bedürfnisse sind in der GFK der „Dreh- und Angelpunkt“. Wir wollen, dass wir uns wohl fühlen. Das funktioniert nur, wenn wir unsere Bedürfnisse ernst nehmen und sie möglichst immer befriedigen.

Die Bedürfnisse hinter dem Gefühl wahrzunehmen erfolgt im dritten Schritt des GFK-Modells.

Gewaltfreie Kommunikation - dritter Schritt

Dann nehmen wir z.B. wahr, dass es uns, wenn dem Kind Essen herunter fällt vielleicht um Leichtigkeit geht, dass wir selbst in Ruhe frühstücken wollen. Oder geht es um Ordnung? Fühlst du dich mit dem Schmutz am Boden einfach unwohl?

Was auch immer du in der Situation wahr nimmst, es ist wichtig, dass du dir bewusst machst, dass es dabei immer um dich selbst und deine Bedürfnisse geht.

Mit dieser Klarheit kannst du im vierten Schritt eine Bitte an Dein Kind richten, die z.B. folgendermaßen lauten kann:

Gewaltfreie Kommunikation - vierter Schritt

„Ich sehe, dir ist ein Stück Brot herunter gefallen. Das ärgert mich, weil ich gern möchte, dass der Fußboden sauber bleibt. Kannst du bitte deinen Teller so hinstellen, dass nicht noch mehr herunter fällt?“

Diese Art Ansprache erhöht die Bereitschaft des anderen, zur Erfüllung unserer Bedürfnisse beizutragen.

Wir geben eine klare Information, wie es uns mit der Situation geht, was die meisten Menschen gut nachvollziehen können.

Wenn wir unsere Bitten so gestalten, dass sie nachvollziehbar, klar, mit konkreten Handlungsbitten versehen sind, tragen andere meist gern dazu bei, uns zu unterstützen.

Allerdings ist das auch keine Garantie, dass das Kind bereitwilliger etwas tut! Es ist kein Rezept, das garantiert, dass dadurch der Alltag leichter läuft, es erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit!

Wenn du dich jetzt fragst, wie du das in der Kürze der Zeit am Morgen und in vielen anderen Alltagssituationen umsetzten kannst, so reflektiert zu kommunizieren, dann lies weiter!

Die liebe Petra hat mir ein paar Fragen zur Handhabung der Gewaltfreien Kommunikation zukommen lassen, die ich gern beantworte

1) Wie kann ich die GFK Sätze für meine Kinder so formulieren, dass die Kinder sie verstehen, sie nicht zu lange werden und es nicht so gestelzt klingt?

Je nach Alter verstehen Kinder die Bedürfnisse natürlich am besten in ihrer Sprache. Es ist also sinnvoll für die häufig abstrakt wirkenden Bedürfniswörter Formulierungen zu finden, die dem Alter des Kindes gerecht werden.

Ich erinnere mich gut an eine Szene, als mein Sohn ungefähr ein Jahr und ein Dreiviertel alt war. Er wollte sich sein Bedürfnis nach Autonomie/ Selbstbestimmtheit erfüllen, indem er allein über die Straße läuft. Das konnte ich aber nicht zulassen, weil die Straße vierspurig und stark befahren war.

Er wurde unglaublich wütend, als ich ihn auf den Arm nahm, um ihn herüber zu tragen. Ich sagte dann zu ihm: „Bist du wütend, weil du allein über die Straße laufen willst?“ Er beruhigte sich augenblicklich, weil er sich sofort gesehen erlebt hat.

GFK ist meines Empfindens nach auch mit einfachen Worten möglich. Wir können uns im Alltag an der jeweiligen Situation orientieren. Worum geht es dem Kind gerade? Was brauche ich gerade?

Ich glaube, der Reflexionsprozess, das wirklich hinschauen, was beide Parteien brauchen ist die größere Herausforderung. Wenn wir klar haben, worum es geht, finden sich die Worte schon häufig von selbst.

Beispiele für kindgerechte Formulierungen von Bedürfnissen können sein:

Wenn es um Selbstbestimmtheit/Autonomie geht…

… Ist dir wichtig, dass du … selbst sagen/tun kannst?

… Ist dir wichtig, dass du gefragt wirst, bevor ich … tue?

… Ist dir wichtig, dass ich dir zuhöre /ich dich höre?

… Ist dir wichtig, dass alle sehen, wie wichtig das gerade für dich ist?

Sicherheit/ Geborgenheit/ Vertrauen…

… Willst du dir sicher sein können, dass ich dich mag, auch wenn ich mal mit dir schimpfe/ wenn du Quatsch gemacht hast/ was gemacht hast, was für andere nicht so toll war?

… Willst du, dass ich dich in den Arm nehme, dich festhalte und dir zuhöre?

Zugehörigkeit/ Wohlwollen…

… Und es ist dir wichtig, dass du mitspielen darfst/ dazu gehörst/ mir wichtig bist?

Ruhe/ Erholung…

… Ist es dir wichtig, dass du jetzt eine Pause machen kannst, um dich mal richtig auszuruhen?

… Willst du für dich alleine spielen ohne dass dich jemand stört?

Unterstützung…

… brauchst du Hilfe, weil du … gern schaffen möchtest?

… Fändest du es schön, wenn dir jemand hilft und dich unterstützt?

Spaß/ Spiel…

… Ist dir wichtig, dass du gesehen wirst, wenn du dich freust und wir uns mit dir freuen?

… Und du willst spielen und Spaß haben und fröhlich sein?

Das alles sind Beispiele. Es gibt unzählig viele Bedürfnisse und Möglichkeiten, diese kindgerecht zu formulieren.

Ich empfehle, dabei wirklich auf die Situation zu achten und aus dieser heraus die Worte zu finden. Das ist der beste Weg für mich, um zu vermeiden, dass es „gestelzt“ klingt.

2) Nach GFK zu sprechen ist wirklich toll, nur was tue ich, wenn mein Kind überhaupt nicht reagiert, wenn ich von meinen Bedürfnissen oder Gefühlen spreche? Es also alles so bleibt wie es war, obwohl ich eine Bitte am Ende hervorgebracht habe?

Das kann passieren und ist für mich gelebter Alltag. Kinder sind häufig (noch) wesentlich authentischer, als wir und sagen Nein, wenn sie es meinen.

Um darüber nicht zu verzweifeln, mache ich mir immer wieder bewusst, dass die GFK-Sprache keine Garantie dafür ist, dass der andere bereitwillig zur Erfüllung meiner Bedürfnisse beiträgt. Sie erhöht lediglich die Chance, dass der andere kooperiert.

Das ist eine Einladung an mich selbst, zu überprüfen, wie wohlwollend ich sein kann, auch wenn der andere nicht bereit ist, zur Erfüllung meiner Bedürfnisse beizutragen.

Marshall B. Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, sagte dazu einmal:

"Tue nichts aus Angst, Schuld, Scham, Pflicht oder um mehr geliebt zu werden und erwarte auch nicht von anderen, dass sie etwas aus Angst, Schuld Scham oder Pflicht für dich tun. Unser Leben ist viel zu kurz und zu wertvoll, für den Preis, den ihr dafür bezahlen werdet. Tue alles nur mit der Freude eines kleinen Kindes, das eine hungrige Ente füttert."

Und darin sind unsere Kinder noch sehr viel ehrlicher als wir, weil sie diese authentische Freude am Beitragen haben. Wenn mein Sohn Widerstand zeigt, bin ich zwar nicht immer begeistert, aber ich habe im Hinterkopf, dass er ehrlich ist, sich mir zumutet und vor allem keine Angst vor mir hat. Dann bin ich herausgefordert, neu in Kontakt zu treten und neu zu verhandeln.

Wenn ich mich dann meinem Kind widme, es sehe und seinen guten Grund sehe, etwas nicht zu wollen, dann kann das schon ein neuer Zugang zu ihm sein. Heute Morgen z.B. wollte er nicht mit in die Kita kommen, weil er unbedingt noch spielen wollte.

Ich habe ihm erklärt, dass ich möchte, dass wir los gehen, weil ich zugesagt habe um 9 Uhr pünktlich bei einem Termin zu sein. Ich habe ihm erklärt, dass es mir wichtig ist, meine Versprechen zu halten. Das hat er verstanden und gut sehen können.

Ich habe ihn ebenfalls gut sehen können, mit seinem Bedürfnis nach Spiel. Ich sagte zu ihm: „Möchtest du noch spielen?“ als er dies bejahte, sagte ich:

 „Ich sehe, dass dir das Lego bauen gerade viel Spaß macht. Wollen wir es so machen, dass du den Roboter noch fertig baust und wir dann los gehen?“. Dem hat er zugestimmt und wir sind ohne Streit und Stress aus dem Haus gekommen. Das wäre jedoch deutlich anders verlaufen, wenn ich darauf gepocht hätte, jetzt sofort los zu wollen.

Seine Seele braucht diese Räume, in denen er selbstbestimmt sein darf. Und darum geht es häufig! Es ist sehr heilsam für die Kleinen, wenn wir ihnen zugestehen, dass sie auch anders wollen dürfen als wir es wollen.

Wenn sie sehen, dass wir uns bemühen, Dinge zu ermöglichen und uns mit unseren Guten gründen für unser Verhalten zeigen, werden sie automatisch kooperativer. Das ist ein gegenseitiger Lernprozess. Ich weiß um die Lego Leidenschaft meines Sohnes aus dem Beispiel und wecke ihn zeitig genug, dass es morgens noch Spielzeiten gibt.

3) Nach GFK zu sprechen wenn ich ruhig bin und viel Zeit habe, ist leicht. Wie aber kann man es im Ärger oder unter Stress schaffen, GFK anzuwenden?

Wenn wir unter Druck stehen und Stress haben, fällt es uns automatisch schwerer, die GFK anzuwenden, weil wir dann in die Sprach- und Verhaltens-Muster fallen, die wir als Kinder gelernt haben.

Die sitzen einfach tief im System verwurzelt und springen aus dem Limbischen System (Sitz unseres Unterbewusstseins) heraus an, sobald es brenzlig wird. Solche automatischen Reaktionen „umzuprogrammieren“ und die GFK auch im Stress anzuwenden, gelingt uns meist nur mit viel Übung.

Je häufiger wir GFK im Alltag anwenden, wenn alles „ruhig“ ist, desto leichter bleiben wir dabei, wenn Druck, Stress, Ärger und Wut dazu kommen.

Wenn wir unangenehme Gefühle wahrnehmen hilft es auch immer, tief durchzuatmen. Sobald die Aufmerksamkeit auf dem Atem liegt, frag dich, wie es dir gerade geht und was du brauchst.

Meist entspannt sich dann im System schon etwas, wenn wir unsere eigenen Bedürfnisse wahrnehmen können.

Mit dem Bewusstsein für unseren Zustand, können wir eigentlich sofort weiter machen und GFK auch auf unsere Umgebung anwenden. Es ist auch nicht so sehr das Problem, dass wir solche Gefühle haben. Denn jedes unangenehme Gefühl weist uns auf ein unerfülltes Bedürfnis hin.

Mit dem vier Schritte Modell gibt uns die GFK einen Reflexionsprozess an die Hand, den wir faktisch IMMER anwenden können, um uns dieser Bedürfnisse bewusst zu werden.

Ich nutze meine eigene Wut beispielsweise wie einen Wecker. Ich weiß, dass Wut mit einem hungernden Bedürfnis einher geht. Und ich mache mir dies bewusst, wenn ich Ärger oder Wut spüre. Ich frage mich dann immer:

„Was brauchst du so dringend, dass du solche intensiven Gefühle hast?“

Dann kommen die Antworten aus mir heraus fast von allein:

Unterstützung, Leichtigkeit, Anerkennung, Zuversicht usw.

4) Wie kann ich GFK im Alltag mit Kindern am besten üben?

Kindern muss man GFK nicht extra beibringen, wenn man sie selbst regelmäßig anwendet. Kinder lernen zu 80% durch Nachahmung. Mein Sohn ist quasi in die GFK Sprechweise hinein geboren und wendet es dadurch, dass ich mich so ausdrücke, automatisch an. Er sagt sehr klar, wenn ihn etwas ärgert, er etwas will oder nicht will usw.

Wenn man jedoch üben will, um selbst zu lernen (z.B. Gefühlsbegriffe), dann ist es natürlich nicht schädlich, die Kinder mit einzubeziehen. Es gibt viele großartige Werkzeuge dafür. Der Markt ist voll von GFK-Übungsmaterialien.

Ich persönlich arbeite sehr gerne mit Gefühlsmonsterkarten. Das sind Karten, auf denen niedliche Monster abgebildet sind, die durch ihre Posen und Gesichtsausdrücke, Gefühle darstellen.

Ich spiele damit manchmal mit meinem Sohn zusammen und wir überlegen, welches Gefühl das jeweilige Monster hat. Manchmal frage ich ihn auch, welches Gefühlsmonster er gerade ist und dann beschreibt er, die Farbe und den Gesichtsausdruck und was sonst noch auf dem Bild ist.

Mit größeren Kindern, so ab 6 Jahren ist es auch eine gute Übung, mit ihnen gemeinsam zu überlegen, was ihnen am jeweiligen Tag gefallen hat und was nicht. Über diesen Austausch kann man gut trainieren und hinterfragen, welche Gefühle in den Situationen da waren und welche Bedürfnisse dahinter stecken und was man getan hat oder hätte tun können, um sie zu befriedigen.

Jedes genaue Hinsehen, wie es dem Kind und uns selbst geht und was wir brauchen, ist letztendlich eine Übung in GFK! Es geht nämlich weniger um die korrekte Nutzung von Wörtern, als vielmehr um eine aufrichtige Hinwendung zum anderen.

Ich empfehle Erwachsenen, wenn sie GFK lernen und in die Familie einbringen wollen, zunächst bei sich zu beginnen.

Sich zu üben, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse wahr und auch ernst zu nehmen ist die Voraussetzung, um es den Kindern klar vermitteln zu können. Kinder lernen viel schneller als wir und sie nehmen unsere Impulse dankbar auf, wenn sie spüren, dass das die Beziehung zueinander verbessert.

5) Wie kann ich Grundschulkinder an GFK heranführen?

Ich glaube, dass wir mit Schulkindern und auch Kindergartenkindern am besten GFK üben, wenn wir mit ihnen zusammen ihren Tag im Sinne der GFK reflektieren, wie bereits oben erwähnt.

Ich frage meinen Sohn z.B., was er in der Kita erlebt hat. Wie es ihm damit ging und was er sich wünscht. Er erzählt mir häufig, wenn es Streit gab und dass er traurig ist, wenn sein bester Freund ihm die Freundschaft kündigt, um ihn damit zu erpressen.

Dann gebe ich ihm Rückmeldung, dass alle seine Gefühle zu der Situation okay sind, spreche mit ihm darüber, was er sich wünscht, wie die zwei miteinander spielen.

Ich rede mit ihm auch darüber, dass es nicht in Ordnung ist, dass sein Freund sowas macht. Dann bespreche ich mit meinem 4-Jährigen schon, was er sagen und tun kann, wenn es wieder so weit kommt.

Das gelingt natürlich am Besten, wenn ihr euch selbst auch immer wieder reflektiert! Im Grunde ist es immer wieder das gleiche Zusammenspiel aus Gefühlen und Bedürfnissen, das euch und euren Kindern hilft, die Situationen klar zu sehen.

6) Gibt es irgendwelche vorbereitenden Übungen, die ich machen kann, die mir dann bei der Umsetzung im Alltag mit Kind helfen, die GFK anzuwenden?

Es gibt eine Menge Übungen, die helfen, die GFK im Alltag anzuwenden. Das ist ein bisschen auch Geschmackssache und Ausprobieren. Was ich für mich am wichtigsten finde, ist dass ich selbst klar und bei mir bin.

Dadurch habe ich direkten Zugang zu meinen Gefühlen, die wiederum meine Bedürfnisse vermitteln. Das gelingt mir durch ein bewusst gewähltes Achtsamkeitstraining. Ich meditiere jeden Morgen zwischen 9 bis 30 Minuten je nach Situation.

Dafür stehe ich sogar früher auf! Die Klarheit, die ich dadurch für mich gewinne, ist es allemal wert. Ich nehme wahr, dass ich dadurch meine Gefühle und Bedürfnisse viel besser spüren kann.

Durch dieses Bewusstsein sorge ich auch automatisch besser für mich und das wiederum strahlt zu 100% auf meinen Sohn ab. Wenn ich z.B. in der Meditation spüre, dass ich mich heute nicht so fit fühle, schaue ich, wie ich ggf. in meiner Tagesplanung dem gerecht werden kann.

Vielleicht nehme ich mir dann vor, nur die wichtigsten Punkte zu erledigen oder schaue, ob irgendwann im Laufe des Tages eine ausgiebige Pause drin ist. Dadurch bin ich entspannter und automatisch auch geduldiger und liebevoller im Umgang mit meiner Umwelt, speziell mit meinem Sohn.

7) Was immer du noch wichtig findest, um die GFK im Familienalltag praktisch zu leben.

Vielleicht ist es an der Stelle wichtig zu sagen, dass ich die GFK vordergründig als persönlichen Entwicklungsprozess sehe, der mir hilft, liebevolle und friedvolle Beziehungen zu führen – vor allem zu mir selbst!

Die Sprache, die ich angeregt durch die GFK mit den Menschen um mich herum anwende, ist ein wichtiger Aspekt der GFK. Der wesentlichere Bestandteil ist für mich jedoch die Klarheit darüber, welche alten Wunden, Glaubenssätze und in der Kindheit verursachte emotionale Schmerzen in mir welche Verhaltensmuster auslösen.

Viele Konflikte, die wir als Erwachsene erleben, haben mit diesem alten Schmerz zu tun. Der lässt uns aus der Haut fahren und uns ohnmächtig im Angesicht unserer eigenen Wut erleben. Wenn wir die unerfüllten Bedürfnisse aus unserer eigenen Kindheit anerkennen, dann entsteht Heilung und wir sind gelassener und liebevoller, weil dies vielmehr unserem Wesen entspricht.

Über die Autorin


Ich bin Mareike Lange und lebe mit meinem Sohn in der schönen Stadt Erfurt.

www.liebevollefamilie.de

Vor 6 Jahren lernte ich die Gewaltfreie Kommunikation als Methode und Haltung/ innere Einstellung kennen. Als Personalentwicklerin war ich sofort überzeugt von diesem Ansatz und absolvierte eine Ausbildung zur Trainerin für Gewaltfreie Kommunikation (kurz GFK). Seither übe ich mich, inspiriert durch die Grundideen der GFK, in einem wohlwollenden und wertschätzenden Umgang mit mir selbst und meinen Mitmenschen. Als 2014 mein Sohn zur Welt kam und er mich mit seinem Sein immer wieder herausforderte genau hin zu sehen und mich zu entwickeln, fasste ich den Entschluss, den Ansatz der GFK noch mehr in die Familien zu tragen.

Mein Herzensthema ist die Gestaltung von liebevollen und gewaltfreien Beziehungen zu Kindern. Motiviert durch meine eigenen Kindheitserfahrungen und meine Erfahrungen mit der Überforderung als junge Mutter möchte ich dazu beitragen, dass Kinder heute fernab von Strafen, Drohungen, Manipulationen und emotionaler sowie physischer Gewalt aufwachsen.

Im letzten Jahr erlebte ich durch den Tod meines Mannes einen herben Schicksalsschlag. Ich kann sagen, dass ich dank der Selbstreflexion, die mir die Gewaltfreie Kommunikation an die Hand gibt, gut durch die erste Trauerzeit hindurch gekommen bin und auch gestärkt aus dieser Krise hervor gehe. Diese Erfahrung hinterlässt in mir das Bewusstsein, wie schnell alles vorbei sein kann. Das motiviert mich, mein Leben auf eine belastbare und von Wertschätzung geprägte Beziehung zu meinem Kind auszurichten und die schönen Momente mit ihm voll auszukosten.

Das bedeutet nicht, dass es unserem Zusammenleben keine Konflikte mehr gibt und ich keine Wut mehr spüre. Ich habe dank der GFK jedoch gelernt, meine Wut als Weckruf wahrzunehmen und sie vollständig auszudrücken, ohne mein Kind oder jemand anderes zu verletzen.

Aus tiefer Überzeugung möchte ich mit anderen Eltern teilen, dass unser Zusammenleben so ungemein verschönert werden kann, wenn wir und ausrichten auf unsere Bedürfnisse im Familienleben und ablassen von alten Denkmustern hinsichtlich Erziehung. Das ist ein Schlüssel zu mehr Frieden im Zusammenleben mit unseren Kindern.

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