16. Oktober 2018

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 14

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. ​

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb ​gibt es diese Artikelserie.

Du kannst dir immer die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  Wie ​gehe ich mit der Wut meines Kindes (4) um?

Das Wichtigste, um dein Kind in seiner Wut begleiten zu können, ist zugleich auch das Schwierigste: Selbst ruhig zu bleiben. Wenn du hektisch, laut oder genervt reagierst, dann kann dies dem Wutanfall deines Kindes noch mehr Kraft geben.

Es entsteht eine Abwärtsspirale. Beide Parteien werden noch aufgeregter, wütender oder lauter. Es gibt natürlich Tage, da kannst du (und ich) nicht anders als laut oder genervt zu reagieren.

Wenn du merkst, dass dein Kind wütend wird, dann spiegle ihm das wider, was du siehst und was es fühlt.

Dein Kind fühlt sich durch dein Spiegeln nicht mehr ganz so alleine mit seiner Wut, weil du da bist, seine Gefühle ernst nimmst und ihm deine Aufmerksamkeit schenkst.

Es fühlt sich verstanden und in seiner Wut angenommen. Dein Kind merkt, dass solche Gefühle ​ganz normal und o.k. sein müssen, wenn du sie so ruhig benennst. Manchmal reicht schon diese kurze Anteilnahme, dass dein Kind nicht weiter in einen Wutanfall hinein gleitet.

Wenn du die Gefühle deines Kindes wiedergegeben hast und dein Kind noch wütend ist, kannst du auch dein Verständnis ausdrücken: „Ich verstehe, dass du wütend bist!“ Verständnis kann sehr tröstlich für dein Kind sein, obwohl die Situation deshalb nicht anders wird.

Bricht die Wut deines Kindes trotzdem weiter hervor, ist es wichtig, dass du für dein Kind da bist, während es seine Wut rausschreit. Du kannst dein Kind umarmen, ihm über den Rücken streicheln oder einfach bei ihm sitzen. Du kannst ruhig mit ihm sprechen, seine Gefühle ab und zu widerspiegeln oder annehmend schweigen. All das ist möglich – du musst herausfinden, was deinem Kind in diesem Moment der Wut hilft, wieder zu sich selbst zu finden.

Nach dem Wutanfall haben viele Kinder ein großes Bedürfnis nach Halt und Geborgenheit. Nimm dir einen Moment, um dich wieder mit deinem Kind zu verbinden und kuschle mit ihm.

Frage: ​Mein Kind (2) weint und versteckt sich, wenn Besuch kommt. Wie soll ich reagieren?

​Da kommen Erinnerungen bei mir hoch. Ich habe mich als Kind in der Garderobe versteckt, wenn meine Tante zu Besuch kam.

​Die Lösung für mein Verstecken war: Meine Tante hat mir einen lieben Brief geschrieben und mit der Post versandt. Ich weiß heute noch, dass ich mich über diesen bunten Brief sehr gefreut habe. Mit Hilfe von meiner Mutter schrieb ich zurück bzw. malte Bilder. Danach habe ich mich nie mehr vor meiner Tante versteckt.

Was ich damit sagen will: Nicht immer liegt die Lösung des Versteckens in deiner Hand.

Was du tun kannst:

  • zu dem Versteck deines Kindes gehen und fragen, ob es auf deinem Schoß sitzen mag oder fragen was es braucht
  • ​will sich dein Kind nicht von der Stelle rühren, dann kannst du ihm an diesem Platz ein paar Spielsachen stationieren
  • ​​du solltest trotzdem Besuch empfangen, jedoch mit deinem Besuch im Vorfeld schon absprechen, dass es entweder ein kurzer Besuch wird oder du immer wieder mal eine Zeitlang bei deinem Kind bist
  • check
    bereite dein Kind immer auf anstehenden Besuch ​vor und richtet gemeinsam etwas für den Besuch her (z.B. Gläser und Trinken) sodass sich dein Kind emotional auf Besuch einstellen kann.
  • check
    vielleicht hilft deinem Kind ein Besuch-kommt-Kuscheltier, das ihm die nötige Kraft gibt, Besuch auszuhalten
  • check
    besprich mit deinem Kind im Vorfeld, was es von dir braucht, wenn Besuch kommt und versuch die Bedürfnisse deines Kindes zu erfüllen. So gibtst du deinem Kind Sicherheit
  • check
    wenn es an der Tür klingelt, dann kannst du dein Kind auf den Arm oder an die Hand nehmen und den Besuch gemeinsam begrüßen (nur wenn sich dein Kind nicht dagegen sträubt!)
  • check
    ihr könnt eine Höhle bauen und diese mit Taschenlampe und Büchern ausstatten, in das sich dein Kind im Bedarfsfall zurückziehen kann

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: ​Mein Kind (4) will nicht alleine einschlafen, sondern mit mir Kuscheln, bis es einschläft. Hast du einen Tipp, wie ich mein Kind sanft dazu heranführen kann, auch alleine einschlafen zu können?

​Kinder lieben Routinen, sie geben ihnen Sicherheit. Deshalb will dein Kind seine gewohnte Routine nicht aufgeben und sträubt sich gegen Veränderung.

Und natürlich auch deswegen, weil es einfach schön ist, in deinem Arm zu liegen und dort einzuschlafen.

​Wenn es nun jedoch an der Zeit ​ist, etwas zu verändern, weil das Einschlafritual für dich nicht mehr stimmig ist, dann ​ist das ein längerer Prozess. Nur so kannst du dein Kind sanft an eine Veränderung heranführen.

Zuerst besprich mit deinem Kind, dass du ​dir eine Veränderung der Einschlafsituation wünscht. Du kannst mit ihm ausmachen, dass ihr jetzt noch 3 Abende zum Einschlafen kuschelt und du danach nur noch auf seinem Bett sitzt und deine Hand auf seinen Rücken legst.

Gib deinem Kind Zeit und zeig Verständnis wenn es traurig oder wütend wird, wenn du nur noch auf dem Bett sitzt und die Hand auf seinen Rücken legst. Streichel sanft seinen Rücken, wenn es dein Kind beruhigt.

​Hat sich dein Kind an diese neue Einschlafsituation gewöhnt, kannst du zum nächsten Schritt übergehen. Besprich mit deinem Kind, dass du noch 3 Mal auf dem Bett sitzt zum Einschlafen und danach nur noch auf einem Stuhl neben dem Bett. Dass du da bist, aber es alleine im Bett einschlafen darf.

​Weitere Schritte in diesem Prozess könnten sein:

  • 1
    ​du rutscht mit deinem Stuhl immer weiter in Richtung Türe bis du vor der Türe bist und die Tür offen bleibt
  • 2
    ​damit es dir nicht zu lange dauert und du ungeduldig wirst, kannst du dir gerne etwas zum Lesen mitnehmen, wenn dein Kind nicht absolute Dunkelheit zum Einschlafen braucht. Je näher du mit deinem Stuhl zur Türe wanderst, desto mehr Licht kann vom Flur durch die halboffene Türe fallen.
  • 3
    Hat sich dein Kind daran gewöhnt mit dir vor der Türe einzuschlafen, kannst du mit ihm ausmachen, dass du immer 10 Minuten dort liest, dann z.B. den Abendbrottisch abräumst und dich dann nochmal auf den Stuhl sitzt. Diese ich-bin-kurz-weg-Phasen dehnst du dann langsam immer länger aus. Irgendwann schläft dein Kind in dieser Phase ein und dein Kind hat es zum ersten Mal geschafft!

Frage: Wie ​schaffe ich es, eine Balance hinzubekommen zwischen schöner Bett-geh-Routine und Kinder zu einem vernünftigen Zeitpunkt im Bett zu haben, bevor ich genervt werde?

​Diese Balance kann sehr schnell ins Wanken geraten. Das kenne ich und die meisten Eltern ​bestimmt auch.

Mein Weg, eine bessere Balance hinzubekommen, ist, viel früher mit der Bett-geh-Routine zu beginnen, sodass ich auch für das Vorlesen, Kuscheln und vom schönen Tag erzählen noch Zeit habe, ohne ständig auf die Uhr zu schauen.

Es gibt ​Tage, da schaffe ich es aus zeitlichen Gründen nicht früher anzufangen. An diesen Tagen beobachte ich jedoch bei mir, dass ich tendenziell schneller genervt reagiere.

​Wenn ich es voraussehen kann, dass ich an einem Abend erst später mit der Abendroutine beginnen ​kann, dann bereite ich meine Kinder darauf vor:

Ich teile ihnen mit, dass die Bett-geh-Routine heute kürzer ausfallen muss, weil es ​sonst zu spät ​wird, bis sie schlafen. Ich sage ihnen, welcher Teil der Routine heute wegfällt, damit sich ​die Kinder darauf einstellen können.

​Ich gebe meinen Kindern auch die Möglichkeit, dass ​sie die gesamte Bett-geh-Routine mit Vorlesen, Kuscheln und Erzählen ​noch machen ​können, wenn sie superschnell mit dem ​Umziehen, Waschen und Zähne putzen ​und bis 19.30 Uhr fertig sind (mit Wecker oder Sanduhr arbeiten!).

Frage: ​Wie unterstütze ich mein sensibles Kind, nein zu anderen Kindern zu sagen, sich zu wehren oder auch nicht alles so persönlich zu nehmen? 

​Heute möchte ich ein neues Format in der Artikelserie ausprobieren.

Da jedes Kind so unterschiedlich ist, gibt es auch die verschiedensten Herangehensweisen. Deshalb möchte ich diese Frage an dich und alle Leser/innen freigeben.

​Bitte schreibe deinen Tipp oder Anregung in das Kommentarfeld unten, sodass wir hoffentlich bald die unterschiedlichsten Strategien haben, um unsere sensiblen Kinder zu unterstützen.

Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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Anke - 17. Oktober 2018 Kommentiere

Ich habe gemerkt, dass mein sensibles Kind unheimlich viel Lob braucht und diesen sehr anschaulich und kleinschrittig! Wenn er etwas erzählt von anderen Kindern dann lobe ich ihn sofort wenn er etwas erwähnt, dass in die richtige Richtung geht!

    Petra - 19. Oktober 2018 Kommentiere

    Liebe Anke, danke für deinen Tipp und dass du den Anfang gemacht hast, bei diesem neuen Format :-) LG Petra

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