30. November 2018

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 15

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. ​

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb ​gibt es diese Artikelserie.

Du kannst dir immer die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  Wie ​​kann ich geduldiger werden mit meinem Kind(4)?

​Meiner Erfahrung nach ist der beste Weg, um wieder mehr Geduld mit deinem Kind zu haben, Zeit für dich alleine zu haben.

Zeit ohne Kinder,

  • die du zum Entspannen und Energie tanken nutzt
  • ​in der du nicht Mutter bist, sondern du selbst
  • in der du das machst, was dir wichtig ist und worauf du Lust hast

Diese Alleinzeiten sind wichtig und laden deine Batterien auf und stärken dich emotional. Du hast dich wieder mit dir selbst verbunden und du ruhst in dir. Das gibt dir im Alltag wieder mehr Geduld und Freude.

Ist eine Alleinzeit gerade nicht möglich, können dir auch ​eine der 13 Mini-Auszeiten helfen, um kurz zu Entspannen und deine Batterien aufzuladen.

Frage: ​Mein Kind (5) ​kann sich nicht alleine beschäftigen. Es langweilt sich lieber als alleine zu spielen. Was kann ich tun?

​Ich finde Langeweile ist keine schlechte Sache. Wenn sich ein Kind nämlich lange genug gelangweilt hat, ​steigt im Normalfall eine kreative Idee oder Spielimpuls im Kind hoch, welche dein Kind dann voller Begeisterung umsetzt.

Manchmal greifen Eltern in diesen Prozess wohlmeinend ein, weil sie die Langeweile ihres Kindes als negativ empfinden. Dadurch ​hindern sie ihr Kind daran zu erfahren, dass ​es aus eigener Kraft und mit einer neuen Idee aus dem Gefühl der Langeweile herausfinden ​kann.

​Beim nächsten Mal wenn deinem Kind langweilig ist, lehne dich zurück und beobachte es:

  • Kommt es selbst aus der Langeweile heraus mit einer neuen Spielidee?
  • Kommt es zu dir gelaufen und erwartet Unterhaltung oder Ablenkung durch dich?

Im zweiten Fall kannst du deinem Kind sein Gefühl der Langeweile widerspiegeln und es gleichzeitig in die Eigenverantwortung zurück führen: "Dir ist ​langweilig. Ich bin noch eine halbe Stunde beschäftigt. Was könntest du jetzt alleine tun?"

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: ​Mein Kind (6) will nicht ​teilen. Wie gehe ich damit um?

​Wenn Teilen ein schwieriges Thema für dein Kind ist, dann fange ganz klein an. Damit meine ich, dass du von deinem Kind nicht sofort verlangen solltest, dass es all seine (Lieblings-)Spielzeuge oder seine Geburtstagsschokolade mit Freunden teilen soll.

Fange mit ein paar Spielsachen an, zu denen dein Kind keine große emotionale Bindung hat.

Frage dein Kind, mit welchen Spielsachen andere Kinder spielen dürfen und sammelt sie in einer oder mehreren "Besucherboxen".

Diese Spielsachen stellst du bereit, wenn das nächste Mal Besuch kommt. Die Lieblingsspielsachen räum​t ihr am besten gemeinsam ​weg, damit das Besucherkind sie erst gar nicht finden kann.

Wenn das mit dem Besucherbox-Spielzeug gut klappt, dann kannst du nochmal mit deinem Kind besprechen, ob es nun ​noch mehr Spielsachen gibt, mit denen die Besuchskinder spielen dürfen?

​Am Ende dieses Prozesses wird dein Kind andere Kinder mit allen Dingen spielen lassen - außer ein paar ganz wichtige Spielsachen, die es lieber wegräumt, bevor der Besuch kommt. Es gibt Dinge, die will man eben für sich alleine haben.

Beim Teilen von Essen bzw. Süßem könntest du so vorgehen:

  1. ​Beim nächsten Besuch, wenn nur noch ein Stück Keks übrig ist: "Wir haben nur noch diesen einen Keks. Den kannst du entweder mit deinem Freund teilen oder ich esse ihn auf. (Sehr wahrscheinlich will dein Kind lieber einen halben Keks als gar keinen). Dein Kind darf den Keks mit einem Messer teilen und sich für eine Hälfte entscheiden.
  2. Nach mehreren Malen Teilen wie unter 1. beschrieben, kannst du eine neue Regel des Teilens einführen: Einer teilt das Essen, der andere jedoch darf sich als erstes aussuchen, welches Teil er nimmt. (Dadurch wird das Teilen automatisch gerechter)

Frage: Wie ​​kann ich meinem Kind (2) Höflichkeit ohne Druck beibringen?

​Ich halte auch nichts davon, ein Kind zum Bitte oder Danke sagen zu zwingen.

Die beste Möglichkeit, Höflichkeit ohne Druck beizubringen, ist es, diese selbst vorzuleben - gegenüber deinem Kind und gegenüber anderen Menschen.

Gegenüber deinem Kind kannst du Bitten aussprechen und dich bedanken. Aber Bedenke eine Sache: Bitten sind Bitten und müssen NICHT befolgt werden. Deshalb sprich nur mit "bitte", wenn du es auch so meinst (und es keine versteckte Aufforderung ist).

Beispiel: "Kannst du mir bitte die Butter reichen?" (Wenn dein Kind keine Lust hat, dann holst du sie dir selbst). Wenn du jedoch sagst "Kannst du dich bitte anziehen?" und musst in fünf Minuten los, dann ist das keine Bitte, sondern eine versteckte Aufforderung. ​In diesem Fall ist es besser, diese Aufforderung auch sprachlich auszudrücken: "Ich will, dass du jetzt deine Jacke anziehst."

Bedanke dich auch immer wieder bei deinem Kind, wenn es einer Bitte nachkommt, aber auch, wenn es Dinge für dich tut oder gut mitmacht.

Gegenüber anderen Menschen ist es manchmal nicht leicht zu ertragen, nur Höflichkeit vorzuleben und nicht ein "Danke" von Seiten deines Kindes zu erzwingen. Z.B. wenn dein Kind beim Bäcker eine Kleinigkeit geschenkt bekommt.

Ich empfehle in diesen Augenblicken, wenn kein Danke von deinem Kind kommt, mit einem Lächeln und einem von Herzen kommenden "Danke für..." zu reagieren. Das besänftigt die Erwartungshaltung anderer Menschen, die ein Danke von deinem Kind erwarten und sie lebt deinem Kind Höflichkeit vor. Wenn du Glück hast, spricht dein Kind sogar das "danke" nach.

​Willst du, dass dein Kind häufiger "bitte" sagt, wenn es etwas haben möchte, dann kannst du ganz nebenbei den Satz deines Kindes mit "bitte" wiederholen.

Frage: ​Wie ​soll ich reagieren, wenn mein Kind nur noch ein paar Lebensmittel isst und den Rest verweigert? 

​​Dieses Problem ist mir bei meinen Kindern und den von mir betreuten Kindern erspart geblieben. Deshalb fehlt mir die Erfahrung, dir dazu praktische Tipps zu geben.

​Deshalb möchte ich diese Frage an dich und alle Leser/innen freigeben.

​Bitte schreibe deinen Tipp oder Anregung in das Kommentarfeld unten, sodass wir hoffentlich bald die unterschiedlichsten Strategien haben, um mit dieser Situation umzugehen.

Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

Hinterlasse einen Kommentar

Kristin - 30. November 2018 Kommentiere

Hallo!

Als Kind habe ich selbst bis ich ca. 2 Jahre wurde, alles gegessen. Von heute auf Morgen waren es dann nur noch Nudeln, Kartoffelbrei ohne Soße oder gekochten Gemüse. Fleisch war lange Zeit auch nicht mehr drin, nur Salami und dazu rohes Gemüse.
Das zog sich bis ich ca. 13 Jahre alt war.
Mit der Zeit kamen mal hier mal da ein paar Sachen dazu.
Meine Eltern waren sehr entspannt, haben mich damit in Ruhe gelassen.
Wenn mir was nicht schmeckt, sollte ich es aussortieren. Hatte dadurch natürlich auch immer die Möglichkeit zu probieren.
Das finde ich im Nachhinein sehr wichtig und positiv, das mein Essverhalten nicht zu einem riesigen Thema wurde und ich trotzdem die Möglichkeit hatte zu probieren.
Ich weiß noch, das ich häufig die Konsistenz nicht mochte.
Also als Tipp, einfach ausprobieren und entspannt bleiben.
Mir hat nie was gefehlt, Blutwerte, Wachstum etc alles im super Bereich.
Kinder nehmen sich schon was sie brauchen, wir dürfen ihnen gern mehr zutrauen. :-)

    Petra - 30. November 2018 Kommentiere

    Danke dir für deinen ausführlichen Kommentar und die Einsicht in dein Essverhalten als Kind und das Verhalten deiner Eltern. Auch deine Bestätigung, dass du super gesund warst und die Überzeugung, dass Kinder brauchen, was sie nehmen, finde ich klasse.

Kommentiere:

Diese Website verwendet Cookies für eine optimale Funktionalität. Die Nutzer können auf den Einsatz der Cookies Einfluss nehmen - siehe Datenschutzerklärung. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen