15. Januar 2019

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 16

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. ​

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb ​gibt es diese Artikelserie.

Du kannst dir immer die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  ​Was mache ich, wenn mein Kind keinen Mittagsschlaf mehr machen will, aber am späten Nachmittag schlecht gelaunt ist?

​Das ist wirklich eine anstrengende Zeit. Du kannst dein Kind nicht dazu zwingen, einen Mittagsschlaf zu halten.

Du kannst zwar versuchen, ​dein Kind mittags hinzulegen, was jedoch meistens mit einem hohen Zeitaufwand verbunden ist. Du muss erst mal dein Kind zur Ruhe bringen, sodass es sich überhaupt hinlegt und sich nicht gegen das Schlafen sträubt.

Dann kann es passieren, dass dein Kind entweder zu spät einschläft oder zu lange schlafen will, um abends wieder zu einer vernünftigen Zeit müde zu sein.

Die Alternative dazu ist, diese Übergangsphase einfach bewusst hinzunehmen. Zu akzeptieren, dass es jetzt mehrere Wochen dauern wird, bis dein Kind am späten Nachmittag wieder besser gelaunt ist und seine Müdigkeit besser handhaben kann.

Für diese Übergangszeit empfehle ich dir mit deinem Kind zusammen eine Mittagsruhe zu halten. Das heißt jeder beschäftigt sich alleine mit einer ruhigen Sache.

Beispiel: Du könntest eine Tasse Tee trinken und etwas lesen und dein Kind könnte am Tisch neben dir selbständig ein Puzzle machen.

Diese Ruhezeit soll dir Kraft geben und deine Batterien für den bevorstehenden (anstrengenden) Spätnachmittag auftanken.

In der Übergangszeit empfiehlt es sich, nachmittags nicht zu viel Programm zu haben, denn das trägt dazu bei, dein müdes Kind zu überreizen und somit zu einem Wutanfall beizutragen.

Frage: ​Mein Kind (​3) ​​gibt sofort auf, wenn etwas nicht klappt - wie kann ich es unterstützen?

​Ich würde seine Erfahrung in eigenen Worten widergeben.

Beispiel: "Du wolltest den Stift spitzen und es klappt einfach nicht. Das hat dich so geärgert, dass du den Spitzer weggeschubst hast."

Danach kannst du deinem Kind deine Hilfe anbieten oder den Vorschlag machen, es gemeinsam zu tun. Damit führst du dein Kind zurück zu seiner Tätigkeit und es erfährt, dass es mit Hilfe Dinge schaffen kann, die es allein (nocht) nicht schafft.

Du kannst deinem Kind auch von deiner Erfahrung erzählen, wenn einmal etwas nicht klappen will:

  • du drückst deinen Ärger aus, dass etwas nicht klappt
  • du versuchst es nochmal
  • wenn es nicht geht, überlegst du laut, wie du es auf eine andere Art und Weise schaffen kannst
  • du versuchst es auf eine andere Art und bist erfolgreich

Dein Kind kann miterleben, wie du mit Frustrationen umgehst und an deinem Vorbild lernen.

Dein Kind lernt von dir, dass Dinge manchmal nicht so klappen, wie man sich das vorstellt und dass es auch andere Wege gibt, erfolgreich zu sein. Ob man nun um Hilfe bittet, eine andere Art und Weise ausprobiert oder im Internet nach Lösungen sucht, ist egal - es zeigt einfach den Weg aus Frustration heraus und hin zur Eigenverantwortung.

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: ​​Wie führe ich Taschengeld und den Umgang damit ein?

​Bevor du Taschengeld einführst, machst du dir grundlegende Gedanken:

  • Wieviel Geld soll dein Kind bekommen
  • Wann willst du damit anfangen? Zum Schulstart?
  • Willst du es wöchentlich oder monatlich geben
  • ​Was darf dein Kind vom Taschengeld kaufen
  • Willst du eine Ausgabegrenze einführen
  • ​Willst du ein "nein" gegen bestimmte Käufe aussprechen
  • Für später, wenn dein Kind mehr Taschengeld bekommt: Was soll es sich davon kaufen?

Wenn die Grundlagen geklärt sind für dich, dann besprichst du diese Punkte mit deinem Kind und nennst ein Startdatum und schon geht es los.

​Beim Einkaufen: Hat dein Kind einen Wunsch, den du ihm nicht erfüllen willst, kannst du auf sein Taschengeld hinweisen.

Für Kinder in der ersten und zweiten Klasse empfehle ich dir, den Preis des Wunschgegenstandes in Taschengeldeinheiten ​umzurechnen.

Beispiel: "Das kostet 5€. Das ist 5x Taschengeld bekommen."

Das hilft deinem Kind einzuschätzen, ob ihm der Gegenstand so viel Taschengeld wert ist.

Frage: ​Bei uns gibt es täglich Stress wegen Süßigkeiten. Wie ​kann der Umgang mit  Süßigkeiten stressfrei geregelt werden?

​Es gibt dazu mehrere ​Strategien. Diese müssen zuerst eingeführt werden und es kann einige Zeit dauern, bis sie von deinem Kind akzeptiert wurde.

Ist ​die Vorgehensweise jedoch einmal akzeptiert worden, dann ist der Umgang mit Süßigkeiten wieder stressfrei.

Die 3 Strategien:

  1. Es gibt nur noch 1x die Woche Süßigkeiten - dafür eine größere Menge als die tägliche Ration von früher. Beispiel: Jeden Samstag von 14-16 Uhr ​steht eine Schüssel mit Süßigkeiten​ auf einem Tisch ​und jeder kann sich bedienen, wann und wie oft er will. Es kann passieren, dass deine Kinder das ungerecht finden oder es Streitereien gibt wegen der Süßigkeiten. Dann solltest du jedem ein kleines Schüsselchen auf den Tisch stellen und man darf sich nur aus seinem eigenen Schüsselchen bedienen.
  2. Es gibt täglich nur ein einziges Mal Süßigkeiten und dann nichts mehr. Wenn du willst, kannst du auch den Zeitpunkt festlegen. Beispiel: Immer nach dem Mittagessen.
  3. Du gibst jedem Kind in einer kleinen Box seine Süßigkeiten für eine Woche. Du erklärst deinem Kind, dass diese Box erst wieder in einer Woche aufgefüllt wird und es selbst entscheiden kann, wann es diese Süßigkeiten isst. Ob alles auf einmal oder jeden Tag ein bisschen ist egal. Aber weise dein Kind darauf hin, dass die Box wirklich nicht vor dem festgelegten Wochentag wieder aufgefüllt wird und es auch sonst keine extra Süßigkeiten von dir bekommt.

Es wird und soll auch Ausnahmen zu dieser Regel geben. Zum Beispiel wenn Besuch kommt oder dein Kind bei einem anderen Kind zu Hause ist.

Frage: ​​Mein Kind (6) bringt eine Sprechweise von der Schule mit nach Hause, die ich nicht akzeptieren kann. Wie kann ich damit umgehen? 

​​​Dieses Phänomen kennen wahrscheinlich die meisten Eltern. Ob vom Kindergarten oder Schule - es kommt eine neue Sprechweise nach Hause.

​Deshalb möchte ich diese Frage an dich und alle Leser/innen freigeben, sodass wir unterschiedliche Herangehensweisen sehen und nachmachen können.

​Bitte schreibe deinen Tipp oder Anregung in das Kommentarfeld unten, ​

Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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Jasmin - 16. Januar 2019 Kommentiere

Danke für die HIlfreichen Antworten

    Petra - 17. Januar 2019 Kommentiere

    Sehr gerne! LG Petra

Sabrina - 16. Januar 2019 Kommentiere

Das Problem mit den Schimpfwörtern gibt es mit meinem Sohn seit er so 4/4,5 Jahre alt ist. Dazu kommen Wörter, die entweder erfunden sind oder aus Fremdsprachen sind.

Wenn er diese nutzt um Frust abzubauen, sage ich mittlerweile nichts. Schimpft er einfach wild, soll er un sein Zimmer gehen. Wir reden auch über die Bedeutung – zum Beispiel wenn eins eigentlich Kinderzeugen ist. (Das F Wort). Das nimmt total das Spannende aus dem Wort! Es wurde auch nicht mehr genutzt.

Bei dem Fremdworten schaute uns auf der Straße mal ein älteres Ehepaar so schockiert an, dass mein Sohn es nicht mehr nutzte.

Ich merke, je nach Altersstufe brauche ich andere Herangehensweisen. Je weniger mich das Schimpfwort aber stört, desto weniger wird es zu Hause genutzt.

    Petra - 17. Januar 2019 Kommentiere

    Vielen Dank, dass du mit uns deinen Umgang mit Schimpfwörter geteilt hast! Die Erfahrung habe ich auch gemacht, dass unterschiedliche Altersstufen andere Herangehensweisen brauchen. LG Petra

Laura - 15. Januar 2019 Kommentiere

Diese Reihe von Schimpfwörtern nennen wir „Klo-Wörter“. Wenn die Kinder das Bedürfnis haben, sie auszusprechen, dann sollen sie ins Bad gehen, Tür zu machen, und sie da vor sich hinsagen und mit dem Klo schimpfen. Aber nicht vor – und vorallem nicht zu uns.

    Petra - 17. Januar 2019 Kommentiere

    Hallo Laura! Danke für deinen Kommentar. Das habe ich eine Zeit lang auch so gemacht, als das Bedürfnis meiner Kinder sehr groß war, diese Worte häufig auszusprechen :-). LG Petra

Katharina - 15. Januar 2019 Kommentiere

Wir haben einen Blechgeldesel, der pro Schimpfwort, schlechtes Wort, 5cent bekommt. Davon gehen wir dann einmal im Jahr Eis essen. Die Worte, die wir nicht hören wollen besprechen wir mit den Kindern separat und erklären die Bedeutung. Falls mal jemand partout kein Geld abgeben will greift Regel Nr. 2: Dienst oder Geld. Das heißt, man kann statt Geld zahlen auch eine kleine Dienstleistung im Haushalt machen (Tischdecken ….) Klappt ganz gut, bis jetzt. Sollte es nicht mehr machen, machen wir dazu eine neue Familienkonferenz.

    Petra - 17. Januar 2019 Kommentiere

    Vielen Dank für deinen Tipp! Ab welchem Alter der Kinder hast du das umgesetzt? LG Petra

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