14. Februar 2019

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 17

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. ​

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb ​gibt es diese Artikelserie.

Du kannst dir immer die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  ​Mein Kind (6) kann/will sich nicht entschuldigen. ​Die Regeln des Zusammenlebens in der Gesellschaft beinhalten jedoch das Entschuldigen​. Hast du eine Idee, wie ich mein Kind dafür sensibilisieren kann?

Im ersten Schritt - also nach unangebrachtem Verhalten - würde ich dem Kind folgendes sagen: „Ich finde es jetzt angebracht, dass du dich für (das Verhalten benennen) entschuldigst!“

Dadurch hast du Stellung bezogen, dass sein Verhalten für dich nicht akzeptabel ist und trotzdem baust du keinen Zwang auf, dass sich dein Kind unter Druck entschuldigen muss.

Auch wenn sich dein Kind dagegen entscheidet und sich nicht entschuldigt (was sehr wahrscheinlich ist), ist deine Botschaft angekommen.

Danach wendest du dich dem Geschädigten zu und entschuldigst dich ggf. für das Verhalten deines Kindes und gehst dann sofort dazu über, wie du dem Geschädigten helfen bzw. etwas wieder gutmachen kannst.

Beispiel: Hat dein Kind jemanden umgeschubst, dann hilfst du ihm auf, fragst, ob bzw. was ihm weh tut. Bietest ihm ein Pflaster an…

Das tust du, damit die Aufmerksamkeit weg geht von deinem Kind und hin zum Geschädigten.

Dafür habe ich zwei Gründe:

  • Es kann sein, dass dein Kind eine unglückliche Strategie gewählt hat, um sein Bedürfnis nach gesehen werden zu erfüllen.
  • Wenn der Fokus weg ist von deinem Kind, dann hat es Zeit deine Botschaft „Ich finde es angebracht, dass du dich entschuldigst“ zu verarbeiten und zu beobachten, wie man mit diesen Situationen umgeht und daraus zu lernen.

Am Abend oder einige Zeit später kannst du versuchen, ein Gespräch über diese Situation zu führen und zu schauen, ob du herausfindest, warum dein Kind das gemacht hat. Welches seiner Bedürfnisse ist unerfüllt geblieben und hat ihn veranlasst, sich so zu verhalten?

Wenn du fündig wirst, dann könnt ihr darüber sprechen, welche alternativen Handlungsweisen es noch gibt, um sich dieses Bedürfnis zu erfüllen.

Frage: ​​Was soll ich tun, wenn das ältere Geschwisterkind (6) das jüngere (4) zu Dummheiten anstachelt? 

​Das ältere Kind weiß oft schon, dass es für manche Dinge, die es tun möchte, Ärger bekommt. Deshalb stachelt es das jüngere Kind an, es für ihn zu tun.

Das jüngere Kind wiederum macht meistens alles mit Begeisterung, was das ältere Geschwisterkind vorschlägt.

​Wenn du das Gespräch (das Anstacheln) deiner Kinder mitbekommst, dann ​reicht es oft schon Folgendes zu sagen: "Auch wenn dein Bruder das jetzt macht, räumt ihr das danach gemeinsam auf, weil es deine Idee ist" oder "Auch der, der den Vorschlag macht, muss nachher beim Saubermachen helfen."

Dein älteres Kind merkt daran, dass es sich trotz Anstacheln nicht aus der Verantwortung ziehen kann - auch wenn sein Bruder der Ideen-Ausführer ist.

Was dir mit dieser Strategie passieren kann, ist, dass das Anstacheln dort stattfindet, wo du es nicht mehr hörst.

Wenn du das vermutest, dann könntest du darüber nachdenken, ob du nicht etwas Unkonventionelles ausprobieren möchtest: eine Dummheitenstunde bei euch zu Hause einführen. In dieser Stunde dürfen deine Kinder in einem gewissen Rahmen "Dummheiten anstellen" - also Dinge tun, die sie sonst nicht tun dürfen.

Den Rahmen musst du aber so stecken, dass du während der Stunde nicht die Händer über dem Kopf zusammenschlagen ​oder danach für zwei Stunden aufräumen musst.

Regeln könnten sein:

  • ​Niemand darf zu Schaden kommen - auch nicht Möbel oder Wände
  • Nach der Stunde räumen die Kinder alles wieder auf - egal wieviel Zeug sie herausgeholt haben (dabei darfst du natürlich helfen!)
  • Dummheiten-Vorgespräche führen. Damit es nicht ausufert oder gefährlich wird.

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: ​​Wie kann ich mein Kind (3) darin unterstützen, sich weniger zu ärgern?

​​Jedes Kind ist anders und deshalb gibt es unterschiedlich stark ausgeprägte Frustrationstoleranzen.

Es gibt Kinder, die ärgern sich unheimlich schnell und andere, die sehr entspannt mit Situationen umgehen, bei denen etwas nicht klappt.

Bei Ärger hilft es deinem Kind, wenn sein Ärger benannt und angenommen wird.

Beispiel: "Du ärgerst dich, weil dein Malbecher schon wieder umgekippt ist. Das ist jetzt schon das 4. Mal - echt ärgerlich!"

Verständnis und einfach nur da sein für dein Kind, bis der Ärger verraucht, tut ihm beim Ärgern auch gut.

Außerdem kannst du ihm entweder deine Hilfe anbieten oder gemeinsam mit deinem Kind überlegen, w​as es anders machen könnte, damit die ärgerliche Situation nicht mehr auftritt.

Darüber hinaus ist es gut, wenn du ihm in deinem Alltag auch zeigst, dass bei dir nicht immer alles sofort funktioniert  und ihn an deinem Lösungsprozess beteiligst.

Beispiel: Das Geschenkpapier ist fast zu Ende und du muss noch ein Geschenk für den Kindergeburtstag einpacken. Egal wie du das Geschenk einwickelst, das Papier reicht nicht. Zum Einkaufen fahren geht auch nicht mehr. "Das ist aber echt ärgerlich, dass das Papier nicht mehr reicht. Schau, egal wie ich es drehe, immer fehlt ein Stück. Mmm, jetzt muss ich überlegen, wie ich das Geschenk sonst noch verpacken könnte. Hast du vielleicht eine Idee?"

Frage: Wie ​schaffe ich ​die Morgenroutine bei meinem Kind (4) ohne wenn-dann-Drohungen?

​Es gibt schon ein paar Dinge, die du beachten kannst. Trotzdem wird dir sehr wahrscheinlich immer einmal wieder ein wenn-dann herausrutschen. Einfach weil der Schulbus oder der Schulbeginn nicht wartet und du sonst keine schnelle Lösung findest, dein Kind zu bewegen.

Es treffen zwei Dinge zusammen: Dein Kind das im Hier und Jetzt lebt und sich ganz schnell von Dingen oder Reizen ablenken lässt. Und die äußeren Rahmenbedingungen wie ein Schulstart.

Deshalb verurteile dich nicht, wenn dir ein ungeliebtes wenn-dann herausrutscht, das du unter anderen Bedingungen (wie z.B. am Wochenende) nicht ausgesprochen hättest.

Was du für einen etwas reibungsloseren Ablauf tun kannst, habe ich schon in anderen Artikeln beschrieben. Hier und hier findest du sie.

Frage: ​​Wie kann ich mir Freiräume schaffen im Alltag mit Kind?

​​Diese Frage möchte ich wieder an euch freigeben. ​Bitte schreibe deinen Tipp oder Anregung in das Kommentarfeld unten, sodass wir hoffentlich bald die unterschiedlichsten Strategien haben, um ​uns ein paar Freiräume zu schaffen.

P.S. Meine Antwort zu dieser Frage sind die ​13 Mini-Auszeiten..


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Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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Elisa - 14. Februar 2019 Kommentiere

Am Morgen benutze ich neuerdings Sanduhren…diese wirken echt Wunder!
An anderer Stelle gewähre ich ihm die Zeit, die er benötigt, genauso mit einer Sanduhr! Es ist der H#!

    Petra - 15. Februar 2019 Kommentiere

    Danke dir für deinen Tipp, den ich nur bestätigen kann. Ich habe auch sehr gute Erfahrungen mit Sanduhren gemacht! Auch in Bezug auf Mama-Ruhezeit. LG Petra

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