15. April 2019

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 18

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. ​

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb ​gibt es diese Artikelserie.

Du kannst dir immer die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  ​Was kann ich tun, wenn mein Kind (1) ständig weint beim Anziehen?

​Zuerst einmal ist es wichtig, dass du herausfindest, warum dein Kind beim Anziehen weint.

Liegt es daran,

  • dass es lieber was anderes tun würde?
  • dass es nicht ruhig ​liegen mag?
  • weil die Kleidung einengt?
  • etc.

Das ist vielleicht nicht einfach, hilft dir aber enorm, diese Situation zu entspannen.

Du kannst es durch Versuch und Irrtum herausfinden. ​Gestalte die Anzieh-Situation jeden Tag anders und notiere dir, wann es mehr bzw. weniger oder gar nicht geweint hat.

Nach einer Weile wird dir das einen Anhaltspunkt geben über die Vorlieben und Abneigungen deines Kindes.

Dann kannst du daran arbeiten, die Dinge, die dein Kind nicht leiden kann, geringer werden zu lassen und die anderen Dinge, die dein Kind beruhigen, vermehrt einzusetzen.

Beispiel: Dein Kind weint mehr im Liegen als im Stehen (in der Anzieh-Situation) und mehr wenn du mit ihm sprichst als wenn du ihm etwas vorsingst. Dann kannst du jetzt so oft wie möglich dein Kind im Stehen umziehen und ihm dabei etwas vorsingen.

Generell helfen bei Kleinkindern sehr oft Anziehspiele (z. B. : komm, wir verstecken jetzt deine Hand im Ärmel und schauen, wann sie unten wieder rauskommt).

Aber auch die Körperteile benennen beim Anziehprozess und das Kind beim Anziehen mithelfen lassen, steht bei Kleinkindern hoch im Kurs.

Frage: ​​​Wenn mein größeres Kind das kleinere ärgert und ich eingreife, dann streckt mir mein Kind (4) die Zunge raus. Wie soll ich reagieren?

​Dein Kind ist wahrscheinlich wütend auf dich, wenn du schützend für das jüngere Geschwisterkind eingreifst.

Den Ärger darüber will es irgendwie abreagieren und streckt dir deshalb vielleicht die Zunge raus.

Desweiteren will dein Kind wahrscheinlich mit dem Ärgern und Zunge rausstrecken auf sich aufmerksam machen. Jeder Mensch handelt, um sich Bedürfnisse zu befriedigen. Welches Bedürfnis mag sich dein Kind damit erfüllen?

Vielleicht möchte es mehr gesehen werden?

Deshalb empfehle ich dir, wenn dir dein Kind die Zunge herausstreckt, zuerst einmal die vermuteten Gefühle deine Kindes widerspiegeln. So kann sich ein Gespräch entwickeln.

Beispiel: "​Streckst du mir deine Zunge raus, weil du dich über mich ärgerst?"

Dann beobachtest du die Reaktion deines Kindes, ob du mit deiner Vermutung richtig liegst. Oft nickt es oder dein Kind sagt dir etwas über seine wahren Gefühle und du kannst daran anknüpfen. Versuche im Gespräch herauszufinden, was die Ursache dieser Konflikte ist.

Beispiel: Was ärgert dich denn am meisten? Dass du nicht ärgern darfst oder dass ich deinen Bruder schützend auf den Arm nehme?

Wenn du die Ursache entdeckt hast, kannst du im Gespräch darauf ​eingehen, was ​sich denn dein Kind wünschen würde, damit seine Bedürfnisse erfüllt werden.

​Erst wenn sich dein Kind verstanden und von dir angenommen fühlt, kannst du mit ihm über sein Verhalten sprechen: Teile ihm mit, dass es für dich nicht in Ordnung ist, wenn es das Geschwisterkind ärgert und dir die Zunge rausstreckt und danach sucht ihr gemeinsam nach Lösungen.

Sammelt Ideen, wie dein Kind anders reagieren kann und es trotzdem seine Bedürfnisse erfüllt bekommt, aber auch Ideen, was du schon im Vorfeld tun könntest, damit es erst gar nicht zu dieser Situation kommt.

​Ein gutes Hilfsmittel für die Lösungsfindung ist die vorherige Beobachtung, in welchen Situationen dein Kind ärgert und die Zunge rausstreckt. Was ist ​ diesem Moment vorrausgegangen? An diese Momente kannst du im Gespräch anknüpfen und fragen, was es sich denn in dem Moment gewünscht hätte.

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: ​​Wie ​gehe ich mit Vereinbarungen um, die von meinem Kind (8) nicht eingehalten werden?

​Mit 8 Jahren möchten Kinder viel über sich selbst und ihren Alltag bestimmen. Sie wollen eine gewisse Kontrolle über ihr Leben haben.

Deshalb empfehle ich dir, dich mit deinem Kind zusammenzusetzen und ihm mitzuteilen, dass es für dich nicht okay ist, wenn es sich nicht an Abmachungen hält. (Ein guter Weg ist es, dabei die Haltung der gewaltfreien Kommunikation einzunehmen - wenn du dich damit auskennst)

Dabei nennst du 1-3 Situationen, die in den letzten Tagen aufgetreten sind, in denen es sich nicht an Abmachungen gehalten hat.

Vermeide Sätze mit "immer" und "nie". Beispiel: "Immer machst du deine Hausaufgaben nach der Bett-geh-Routine, obwohl wir die Regel haben, dass sie davor erledigt sein muss" oder "nie hältst du dich an Vereinbarungen!" - das sind Generalisierungen, die so bestimmt nicht stimmen und deshalb dein Kind emotional verletzen würden.

Dann ​fragst du dein Kind: "Was denkst du über die Abmachungen? Wie geht es dir in diesen Situationen?"

Höre deinem Kind zu - am besten ohne es zu unterbrechen. Danach kannst du Fragen stellen.

​Auf dieser Grundlage (du willst, dass Abmachungen eingehalten werden und dein Kind hat klar gemacht, warum das für es nicht geht) könnt ihr nach Alternativen suchen, wie ihr die Vereinbarungen so gestalten könnt, dass es auch einhaltbar für dein Kind ist und auch deinen Bedürfnissen entspricht.

Meiner Erfahrung nach werden Vereinbarungen mit Grundschulkindern viel eher angenommen, wenn der Lösungsvorschlag vom Kind selbst kam.

Du kannst dabei eine Lösungsrichtung vorschlagen, welche dein Kind dann zur endgültigen Lösung ausbauen kann.

In ​diesem Prozess der Lösungsfindung gibst du deinem Kind die Chance, über sein Leben mitzubestimmen und dabei zu lernen, die Bedürfnisse aller im Blick zu haben.

Frage: Wie ​bekomme ich mehr Struktur in die Morgenroutine, damit meine Kinder besser mitmachen?

​Für die Struktur in der Morgenroutine empfehle ich dir den Ablauf der Routine auf Bildern festzuhalten, sodass dein Kind selbst sehen kann, was als nächstes dran ist.

Das kannst du mit Bildern machen, die du untereinander - in der richtigen Reihenfolge - aufmalst oder mit einer Magnetwand, an der dein Kind das ​Bildchen abnimmt, sobald es diesen Punkt erledigt hat. (Wenn du diese Bilder nicht selbst gestalten möchtest, dann habe ich die fertige Lösung schon ​für dich)

Das gibt deinen Kind einen Anreiz, bei der Sache zu bleiben.

Desweiteren haben sich bei uns Sanduhren mit unterschiedlicher Dauer bewährt (10 Min., 5 Min., 3 Min. und 1 Min.). Damit kannst du deinem Kind die Zeit besser aufzeigen, die es für die Ausführung des Plans zur Verfügung hat.

Frage: ​​Wie ​gehe ich mit meinen Kindern um, wenn sie immer sagen: "Das ist meins - damit darfst du nicht spielen? Ich kann doch nicht alles in zweifacher Ausführung kaufen!

​​Diese Frage möchte ich wieder an euch freigeben. ​Bitte schreibe deinen Tipp oder Anregung in das Kommentarfeld unten, sodass wir hoffentlich bald die unterschiedlichsten Strategien haben, um ​​mit dieser Situation besser umzugehen.



Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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