13. Mai 2019

Wie du das Selbstwertgefühl von Grundschulkindern stärkst

​"Endlich bin ich ein Schulkind. Ich bin groß und kann schon so vieles und darf jetzt noch mehr lernen!"

​So ähnlich könnte es klingen, wenn man die stolzen Gefühle der Kinder am ersten Schultag in Sätze fasst.

​Die Kinder freuen sich jeden Tag auf die Schule und saugen alles Neue mit Begeisterung auf.

Solange bis sich die ersten Zweifel einschleichen:

  • Mama, ich kann das einfach nicht
  • Mama, die Klara ist viel besser im Lesen als ich
  • Mama, die anderen rechnen alle viel schneller als ich
  • Mama, ich bin so langsam im Schreiben, dass ich heute noch mehr Hausaufgabe habe, weil ich das nach​schreiben muss
  • Mama, ich habe im Test 5 Fehler gemacht

Plötzlich nimmt die Begeisterung ein Wenig ab und die Zweifel, ob man gut genug in der Schule ist, ​nehmen zu.

Das ist so schade, weil es das Kind daran hindert, sich freudig und neugierig mit einem Thema zu beschäftigen.

​Du kannst als Mutter keinen direkten Einfluss auf den Lernprozess deines Kindes in der Schule nehmen, jedoch kannst du den Nachmittag und insbesondere die Hausaufgabenzeit dafür nutzen, den Selbstwert deines Kindes zu stärken.

Wie du das Selbstwertgefühl deines Schulkindes ​stärkst:

​Nicht ungefragt helfen

"Mache es doch lieber so, das geht viel einfacher!"
"Schau mal her, du musst das so machen, sonst kommst du nicht auf die Lösung."

Schnell kann es dir passieren, dass dir so ein ähnlicher Satz herausrutscht, wenn du siehst, wie sich dein Kind abmüht - ohne Aussicht auf Erfolg.

Aber auch dabei lernt dein Kind etwas: Es lernt einen Weg kennen, wie es nicht funktioniert - dann kann es einen neuen Weg wählen, der evtl. ​ zum Erfolg führt.

​Das ist wichtig für das Selbstwertgefühl deines Kindes, weil es:

  • ​​​​selbst auf die Suche nach Lösungen gehen darf und dabei erlebt, dass es etwas alleine schaffen kann
  • sich nicht unwissend fühlen muss, wenn es von dir keine fertige Lösung vorgeschlagen bekommt

Es kommt natürlich vor, dass die Suche nach der Lösung die Frustrationstoleranz deines Kindes überstrapaziert und es sich ärgert.

Dann ist es wichtig, für dein Kind da zu sein. Den Ärger wahrzunehmen und den Frust, den es spürt, zu benennen.

Hat dein Kind sich wieder beruhigt, kannst du ihm ​versichern: "Ich bin da für dich, wenn du beim Hausaufgaben machen Hilfe benötigst. Wenn es ​nicht klappt und du ​Ärger spürst, dann komm das nächste Mal zu mir und bitte mich um Hilfe. Ich helfe dir sehr gerne, wenn du nicht weiterkommst. Brauchst du jetzt etwas von mir, damit du weiter an deinen Hausaufgaben arbeiten kannst?"

Du stärkst also das Selbstwertgefühl deines Kindes immer dann, wenn du ihm zutraust, eine Lösung zu finden oder nach Hilfe zu fragen, wenn es nicht weiterkommt.

​Erwartungshaltung über Leistungen loslassen

Das ist etwas, ​an dem du selbst arbeiten kannst. Deine Erwartungen an die Leistungen deines Kindes übertragen sich auf dein Kind - dabei müssen die Erwartungen nicht einmal laut ausgesprochen werden. 

Wenn dein Kind es dann nicht schafft, deinen Erwartungen gerecht zu werden, fühlt es sich schlecht und nicht gut genug für dich.

Das wurde mir erst vor Kurzem schmerzlich von meinem Kind ​gespiegelt und dabei wurde mir bewusst, dass ich mich als Kind ​auch manchmal hilflos den Erwartungen meiner Eltern ausgesetzt gefühlt habe und wie lange das Wissen, nicht gut genug für meine Eltern gewesen zu sein, an mir genagt hat.

​Deshalb stärkst du das Selbstwertgefühl deines Kindes jedes Mal, wenn du es in seinen Leistungen so annimmst, wie es ist.

Das bringt uns gleich zum nächsten Punkt:

Nicht mit Leistungen anderer Kinder vergleichen

Jedes Kind ist einzigartig, hat bestimmte Fähigkeiten und tut sein Bestes - seinen Umständen entsprechend. Deshalb ist es nicht fair, es mit den Leistungen anderer Kinder zu vergleichen, 

Dem einen Kind fällt Lesen lernen leicht, beim anderen Kind tanzen die Buchstaben vor den Augen und ergeben keinen Sinn. Dafür fällt es diesem Kind leicht, Rechenaufgaben zu lösen, was dem ersten Kind schwerer fällt.

Somit stärkst du das Selbstwertgefühl deines Kindes immer dann, wenn du ​nicht nach den Noten oder dem Können anderer Kinder fragst.

Der Umgang mit Fehlern

​Beim Umgang mit Fehlern - an denen man im normalen Schulsystem leider nicht vorbei kommt - sind mir zwei Dinge wichtig, meinen Kindern mitzugeben:

  1. Ein Fehler ist nur ein Hinweis, der dem Kind zeigt, dass ihm noch etwas fehlt in diesem Thema
  2. Auch wenn in jedem Test die Fehler rot angestrichen sind, die mein Kind nach Hause bringt, lege ich meinen Fokus auf das Richtige.

    Beispiel:
    Als mein Kind ​sagte: "Mama, ich habe in der Nachschrift 5 Fehler gemacht" antwortete ich:
    "Schau mal auf dein Blatt hier. Siehst du wie viele Wörter hier stehen, die du alle richtig geschrieben hast?"
    Mein Kind darauf: "Wow, das sind ja richtig viele!"
    Daraufhin ich: "Genau, sehr viel mehr als die paar wenigen Wörter, die du noch lernen musst, richtig zu schreiben."

Du stärkst das Selbstwertgefühl deines Kindes immer dann, wenn du deinen Fokus auf das legst, was dein Kind richtig gemacht hat!

​Der Weg ist das Ziel

​Man könnte denken, dass gute Leistungen zu loben, das Selbstwertgefühl stärkt. 

Klar ist es schön und fühlt sich gut an, gelobt zu werden, aber was dein Kind noch viel mehr in seinem Selbstwertgefühl stärkt, ist dein Wahrnehmen und Benennen seiner Bemühungen. Gerade auch in Situationen, in denen die Bemühungen nicht zum Erfolg geführt haben!

Das etwas nicht Schaffen oder eine schlechte Noten geben dem Selbstwertgefühl deines Kindes schon einen Dämpfer, da braucht es von dir das Wertschätzen seiner Bemühungen.

In den folgenden Beispielen kommt erst die Wertschätzung der Bemühungen und in Klammern steht der fehlende Erfolg:

  • Ich habe gesehen, wie du 30 Minuten ganz konzentriert an deinen Hausaufgaben gearbeitet hast (auch wenn dein Kind in der Zeit nicht fertig geworden ist)​​​
  • Ich habe gesehen, wie du 3 Nachmittage für diesen Test gelernt hast und dich voll angestrengt hast (wenn dein Kind im Test eine schlechte Note bekommen hat)

​Nun habe ich dir 5 Wege aufgezeigt, wie du das Selbstwertgefühl deines Schulkindes stärken kannst.

Welche Wege gehst du mit deinem Schulkind, um sein Selbstwertgefühl zu stärken oder aufrechtzuerhalten? Ich freue mich über deine Tipps in den Kommentaren!


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