27. Juni 2019

Leser fragen – ich antworte zum Thema „Alltag mit Kind“ Nr. 19

Jede Woche landen einige Emails von KLEIN WIRD GROSS Leser/innen in meiner Inbox mit Fragen zu bestimmten Alltagsthemen mit Kindern. ​

Mir ist bewusst geworden, dass sehr viele Eltern die gleichen Fragen haben und dazu Antworten suchen. Deshalb ​gibt es diese Artikelserie.

Du kannst dir immer die Fragen herauspicken, die gerade für dein Leben relevant sind.

Frage:  ​​Wie stärke ich mein Kind  (8) dass es nicht jeden Trend mitmachen muss?

​Schaue zuerst einmal auf dein eigenes Komsumverhalten

  • Machst du jeden Trend mit?
  • Fällt es dir schwer, dich beim Shoppen zurückzuhalten?

​Danach kannst du die überlegen, was du in deinem Verhalten ändern kannst, um deinem Kind ein gutes Vorbild im Hinblick auf "nicht jeden Trend mitmachen müssen" zu sein.

Wie du dein Kind stärken kannst:

  • Kaufe deinem Kind nicht jedes Spielzeug, das es gerne haben möchte oder seine Freunde haben. Erkläre ihm, dass es so viele Spielzeuge gibt, dass es unmöglich ist, alle zu besitzen. Vielleicht magst du erwähnen, dass es auch schön ist, wenn man seine Freunde besucht und dort andere und somit interessante Spielsachen vorfindet.
  • Du beziehst Stellung, indem du klar sagst, dass du nicht das neueste Pausenhof-Spielzeug für es kaufst und erklärst kurz warum. Du kannst deinem Kind jedoch die Option geben, es sich von seinem Taschengeld zu kaufen bzw. zusammenzusparen, wenn es ihm so wichtig ist. Bei vielen Kindern reduziert diese Strategie den Wunsch, dem Trend zu folgen dramatisch.
  • Du kannst - wenn es sich gerade ergibt - ein Gespräch über Gruppenzwang in der Peer-Group anstupsen und mit deinem Kind über Strategien nachdenken, wie man damit umgehen kann und dauch diesem Zwang widersteht.
  • Finde mit deinem Kind heraus, warum es einen Trend mitmachen möchte. Was ist es, das ihm so wichtig erscheint? Welches seiner Bedürfnisse mag es damit erfüllen? Vielleicht findet ihr einen anderen Weg, diese Bedürfnisse zu erfüllen?

Frage: ​​​​Mein Kind (7) albert abends viel herum, ist laut, ärgert und lässt sich nur schwer beruhigen. Was kann ich tun?

​Dein Kind ​erlebt ganz viel Neues in der Schule - gerade wenn es noch in der ersten Klasse ist. 

Es muss ruhig sitzen, bekommt sehr viele Lernimpulse und muss sich auch noch mit den Mitschülern auf dem Pausenhof auseinandersetzen.

​Es ist oft eine Zeit der Überforderung und Verunsicherung, aber auch eine Zeit des sich neu Endeckens und zu merken, was man schon alles kann.

Diese Gefühle stauen sich den Tag über in deinem Kind ​an und müssen sich irgendwann entladen.

Das kann entweder schon am Nachmittag sein und äußert sich dann in Wutausbrüchen oder der Druck entlädt sich am Abend und Albern, Lautstärke, Ärgern und nicht hören wollen sind die Folge.

Um den Prozess des Entladens anders zu gestalten, braucht dein Kind deine Hilfe:

  • Frage dein Kind, ob es etwas weiß, dass es abends beruhigen könnte. Wenn ihm das schwer fällt, kannst du Vermutungen aussprechen, die du aus deinen Beobachtungen hast. Z. B. ein Buch vorlesen, Spiel spielen, kuscheln...
  • Du kannst die Abendsituation über 2 Wochen beobachten und schriftlich festhalten, an welchen Tagen es besonders schlimm war am Abend und was dein Kind den Tag über gemacht hat. So findest du wahrscheinlich heraus, was das Entladen verstärkt und kannst daraus deine Konsequenzen ziehen.
    Beispiel: Nach Nachmittagsaktivitäten ist es abends viel schlimmer. Für die nächsten 4 Wochen verringerst du die Aktivitäten auf ein Minimum.
  • Auch Versuch und Irrtum ist eine gute Herangehensweise. Du veränderst den Abend jeden Tag ein wenig und notierst dir in Stichpunkten, was du anders gemacht hast und ob es das Albern und Laut sein verringert hat oder nicht. Daraus kannst du nach einer Weile deine Konsequenzen ziehen und die Abendroutine so verändern, dass du die Punkte, die deinem Kind gut getan haben, in die Routine einbaust.

Ich kenne das Gefühl, nicht mehr ich selbst zu sein sehr gut. Man gibt und gibt und das auch sehr gerne, bis man an dem Punkt kommt und keine Energie und Freude mehr hat. Ich empfehle dir dann, dir Zeiten für dich wieder einfzufordern - natürlich in Abstimmung mit dem Partner. Eine halbe Stunde Badewanne oder spazieren gehen. Ich habe das VIEL zu spät wieder angefangen zu machen und musste mich erst viel später aus dieser "nur gebenden Mutterrolle" herauskämpfen :-). Muss ja nichts Großes oder Zeitintensives sein! Du wirst sehen, wenn du mal wieder für dich bist und deine Gedanken sich nicht um das nächste Stillen oder Windeln wechseln dreht (was zu Beginn auch ohne Kind passieren wird :-), dann findest du dich und deine Freude wieder und deine Tochter kann ihre Mamazeit wieder genießen.

Unter Geschwister ist der Konkurrenzkampf oft allgegenwärtig. Bei uns auch :-). Ich versuche ihnen so ganz nebenher zu vermitteln, dass das als erster das Frühstücksbrot zu bekommen nicht heißt, dass ich das Kind lieber hätte, sondern einfach nur, dass ich es als erstes dorthin gelegt habe. Oder dass erster sein nicht heißt, dass man der beste ist. Wir spielen auch viele Tischspiele und ich vermittle nebenher, wie man gewinnt ohne "Hähä, ich habe gewonnne, gewonnen" sondern "Ich freue mich, dass ich gewonnen habe, und du hast auch prima mitgespielt - nächstes Mal gewinnst vielleicht du".

Frage: ​​​Mein Kind (5) hört nicht zu. Ich muss alles 10x sagen. Was kann ich tun?

Kinder haben noch die Fähigkeit, sich voll und ganz auf ihr Spiel einzulassen. Deshalb sind sie oft so vertieft in ihr Spiel, dass sie dich nicht hören können, wenn du ihnen aus zwei Meter Entfernung etwas sagst.

Bevor du deinem spielenden Kind etwas mitteilst, gehst du am besten zu deinem Kind hin, berührst es leicht (legst deine Hand auf die Schulter des Kindes), gehst auf Augenhöhe und wartest bis es ​dich anschaut und du seine volle Aufmerksamkeit hast. Dann erst sprichst du zu deinem Kind.

Wenn deine an das Kind gerichtete Sätze zu lange sind, bzw. zu viele Informationen darin enthalten sind, dann kann das dein Kind überfordern.

Bevor es sich auf zu viele Dinge gleichzeitig konzentrieren muss, schweift seine Aufmerksamkeit ab.

Es ist deshalb besser, einen Satz zu sagen, bzw. eine Information zu geben, ohne viel Drumherum zu sprechen.

Beispiel: „Nimm bitte die Tasche und stelle sie ins Regal.“ Anstatt zu sagen: „Deine Tasche liegt im Weg herum, da kann ich darüber stolpern und mir richtig weh tun. Das willst du doch nicht, oder? Räum sie weg.“ (Die Aufforderung kommt so spät, dass die Gefahr groß ist, dass das Kind bis dahin gedanklich bereits woanders ist).​

Frage: Wie ​​kann ich meinem Kind (2) helfen, seine Gefühle besser wahrzumehmen​ und zu verarbeiten?

​Wie du deinem Kind hilfst, seine Gefühle wahrzunehmen:

  • Benenne die Gefühle deines Kindes, indem du ihm sie widerspiegelst. Beispiel: Der Freund deines Kindes hat deinem Kind ein Spielzeug weggenommen. Dein Kind weint traurig. "Peter hat dir die Schaufel aus der Hand gerissen, jetzt bist du traurig und weinst."
  • ​Gib deinen Gefühlen einen Namen, die dein Kind intuitiv spürt oder an deinem Gesichtsausdruck ablesen kann.
  • Beschreibe, wie sich ein Gefühl bei dir im Körper anfühlt.
  • Wenn ihr auf dem Spielplatz seid, kannst du dein Kind auf Gefühle der anderen Kinder aufmerksam machen und auch auf die Körperhaltung und Gesichtsausdruck hinweisen, die das Gefühl begleiten.

Wie du deinem Kind hilfst, starke Gefühle zu verabeiten - sie loszulassen:

  • Biete deinem Kind verschiedene Möglichkeiten an, ​seine Gefühle auszudrücken. Gefühle malen lassen oder ​auf einer Gefühle-Schau-Tafel eine Wäscheklammer an das Gefühl klammern sind nur zwei Möglichkeiten dafür.
  • Biete deinem Kind unterschiedliche Möglichkeiten an, seine starken unangenehmen Gefühle wieder loszuwerden. Körperkontakt oder
    die Wut aus dem Zimmer durch ein geöffnetes Fenster pusten, sind zwei Möglichkeiten dafür.

Frage: ​​​Ich möchte mein Kind gerne bedingungslos lieben, aber Erziehung muss doch auch sein. Wie bekomme ich diese beiden zusammen?

​​Diese Frage möchte ich wieder an euch freigeben. ​Bitte schreibe deinen Tipp oder Anregung wie beides gelingen kann in das Kommentarfeld unten, ​


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Meine Tochter hat das generell so gemacht mit allen Leuten klein und groß - ob gut bekannt oder unbekannt und sie gab auch keine Hand. Ich habe auch mehrere Dinge versucht aber letztendlich war sie nicht soweit, fühlte sich irgendwo zu unsicher, sodass ich es einfach für sie gemacht habe (habe mich für sie bedankt, habe Hallo und Tschüss zu Freunden gesagt, habe Hände geschüttelt, die ihr zugestreckt worden sind und sie nicht genommen hat :-). Sie hat auch die Menschen nicht angeschaut. Jetzt mit 6 Jahren ist sie soweit, dass sie Freunden gerne Hallo und Tschüss sagt und auch auf deren Mütter gut reagiert und mit ihnen spricht. Bei Fremden kommt es darauf an, ob sie ihr sympathisch sind - dann antwortet sie, wenn sie was gefragt worden ist, ansonsten schaut sie auf den Boden.

Ich glaube, da kannst du nicht viel machen außer ein Vorbild für ihn sein und die Zeit für dich arbeiten lassen...

ist wahnsinnig ungeduldig, sobald er mal nicht sofort das bekommt was er will (das geht schon beim Essen, trinken, etc. los) dann kann man ihn kaum noch beruhigen.

Dein Kind lebt im Hier und Jetzt und wenn es etwas nicht gleich bekommt, denkt es, es bekommt es gar nicht mehr. Deshalb setzt er sich so vehement dafür ein. Ist also wie du schon sagst, ganz normal. Was ich getan habe, war mit meinen Kindern während dem Warten zu sprechen, was ich noch alles Tue, bis ich seinen Wunsch erfüllen kann:

etwa so: "Jetzt muss ich eine Scheibe Brot abschneiden, sie mit Butter beschmieren und dann kannst du sie essen. Schau, hier ist das Brot (vielleicht kurz anfassen lassen). Jetzt hole ich ein Messer. Siehst du, hier ist die Scheibe Brot. Jetzt hole ich die Butter aus dem Kühlschrank, mache die Verpackung weg (immer in dem Tempo sprechen, wie du die Schitte machst!), schneide Butter ab und verstreiche sie auf dem Brot. Fertig, schau, jetzt kannst du es essen."

Dieser Prozess "Tun und sagen, was du gerade tust" mit vorheriger Ankündigung kann deinem Kind helfen, die Zeit zu überbrücken und zu sehen, dass du für die Erfüllung seiner Bedürfnisse arbeitest und ihn nicht vergisst. Es wird wahrscheinlich nicht beim ersten Mal klappen - aber vielleicht lernt er schneller als du denkst :-).

Zusätzlich habe ich noch das Babyzeichensprache-Zeichen für Warten eingesetzt. Hier habe ich einmal einen Artikel über Babyzeichensprache geschrieben:

ich erwische mich sehr oft dabei, dass ich das Wort "Nein" oft bis sehr oft sage, LEIDER!

Vielleicht hast du dazu auch Tipps, mich anders zu deuten um das Nein vielleicht zu meiden,

Nein sagen lässt sich öfters vermeiden, wenn du anstatt Nein sagen gleich sagst, was du von ihm möchtest. Das hilft deinem Kind auch gleich, sich daraufhin auszurichten, anstatt nur ein Nein zu hören, aber danach nicht wissend, was er anstatt dessen tun könnte.

Beispiel

"Nein, gehe nicht an die Steckdose"  --> "Ich will, dass du hier auf dem Teppich spielst" (der weiter weg ist von der Steckdose...)

Das waren die Fragen und Antworten für diesen Beitrag - weitere werden folgen. Brennen dir Fragen zum Alltag mit deinem Kind auf deinen Lippen? Dann stelle sie mir doch in den Kommentaren oder über die Kontaktseite meiner Webseite und ich werde mein bestes Geben, um deine Fragen in einem der nächsten Frage-und-Antwort-Artikeln zu beantworten!

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Ilse - 27. Juni 2019 Kommentiere

Für mich widersprechen sich bedingungslose Liebe und Erziehung nicht.
Kleine Kinder tun das meiste was sie tun, aus Liebe zu den Eltern. Sie wollen so sein, wie die großen bewunderten Erwachsenen. Somit unterstützen sie mit ihrer Liebe auch die der Eltern – und umgekehrt.

Größere Kinder haben hoffentlich schon genug Achtung und Wertschätzung für die Eltern, dass sie die Meinung der Eltern anhören. Dann können sie die Argumente abwägen und überdenken.

Dass es im Laufe der Entwicklung zu Reibereien und Auseinandersetzungen kommt, ist nur natürlich.

Ob du dein Kind wirklich bedingungslos liebst, merkst du erst viel später.
Wir alle haben Vorstellungen über unsere Kinder im Kopf. Ob wir wollen oder nicht: Wir malen uns in irgendeiner Form den Lebensweg der Kinder aus.
Wenn dein Kind sich dann entschließt einen anderen Lebensweg zu wählen z. B. einen anderen Beruf, oder eine Partnerin oder einen Partner (mit der oder dem du vielleicht nicht ganz einverstanden bist), eine Lebensweise die vielleicht konträr zu deiner ist
… dann merkst du, ob du dein Kind freilassen und bedingungslos lieben kannst.
Gelingt es dir da, als Leitstern immer das Glück deines Kindes vor Augen zu haben und deinen Vorstellungen abzulegen … dann liebst du wirklich bedingungslos.

    Petra - 27. Juni 2019 Kommentiere

    Liebe Ilse, vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! LG Petra

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