4. Oktober 2019

Was tun, wenn dein Kind dich in seiner Wut schlägt

Zuerst einmal möchte ich dir den Druck nehmen:

Dass ein ​Kind ​dich in seinem Frust einmal schlägt ist kein Weltuntergang und auch kein Zeichen dafür, dass du als Mutter versagt hast ​oder ​dein Kind härter rannehmen müsstest! ​

Von seinem Kind geschlagen zu werden ist nicht schön! Ist mir jedoch auch schon passiert und es fühlt sich komisch und emotional verletzend an.

Warum es jedoch vorkommen kann und wie du am besten reagierst erfährst du in diesem Artikel.

​Frustrationstoleranz und Impulskontrolle

​Bis in die Pubertät ​hinein ist das Erlangen von einer guten Frustrationstoleranz und das Kontrollieren der eigenen Gefühle und wie man darauf reagiert noch ​nicht abgeschlossen. 

(Seien wir doch mal ehrlich: Wer schafft es wirklich als Erwachsener, immer seine Gefühle von Ärger, Stress, Wut oder Frust unter Kontrolle zu halten? Haben ​wir noch nie ein ungerechtes Wort gesprochen? Sind ​wir noch nie in ​unserer Wut richtig laut oder unsanft im Umgang mit anderen geworden? Haben ​wir noch nie andere emotional verletzt, weil ​wir unter Strom standen?)

Wenn wir Erwachsene es nicht schaffen, immer angemessen auf Reize zu reagieren (=Impulskontrolle), wenn die Gefühlswogen hoch schlagen, dann können wir ​dies auch nicht von unseren Kindern erwarten.

Auch wenn Schlagen nochmal eine Stufe mehr ist als mit Worten zu verletzen: Dein Kind ist auch noch sehr viel jünger als ​wir Erwachsenen und braucht noch Zeit, um seine Impulskontrolle zu verbessern. Und das Schlagen ist ein Impuls, um seine eigenen Bedürfnisse oder Wünsche durchzusetzen.

Wie sollst du auf das Schlagen reagieren?

Ich weiß auch, dass dir ​dieses Wissen (um Frustrationstoleranz und Impulskontrolle lernen) in dem Moment, in dem ​dich dein Kind ​schlägt nur bedingt weiterhilft, weil ​das Geschlagen werden dich einfach auch verletzt und Gefühle in dir auslöst.

Und genau diese Gefühle der Trauer, Verletztheit, Schock... würde ich ​ empfehlen deutlich - mit Gefühl, also authentisch - auszusprechen, wenn dein ​Kind dich ​nocheinmal schlagen sollte. Es soll ganz klar merken, dass dich sein Schlagen verletzt hat - nicht nur körperlich, sondern auch deine Gefühle.

Dadurch zeigst du deinem Kind viel deutlicher, warum es dich nicht schlagen soll (weil es dich körperlich und emotional verletzt), als wenn du nur sagst "Man schlägt nicht" (oder einen ähnlich allgemeinen Satz).

Ich bin auch davon überzeugt, dass echte Gefühle als Reaktion auf das Schlagen viel mehr bewirken, als eine Entschuldigung einzufordern oder zu erzwingen.​ Viel zu oft wird eine Entschuldigung einfach nur so dahingesagt, ohne es ernst zu meinen - ​und das macht das Verhalten auch nicht wieder gut.

​Wie Kinder Impulskontrolle lernen

Kinder sind im Normalfall sehr empfänglich für ehrliche Gefühle. Somit speichert dein Kind seine Handlung (Schlagen) mit deinem Feedback (das macht ​sehr traurig) ab. Und über die ​Jahre speichert ​dein Kind immer mehr solcher Referenzsituationen ab.

Irgendwann (und das kann auch noch bis in die späte Grundschulzeit hinein reichen) schafft es ​ein Kind, seinen Schlagenimpuls zu kontrollieren, weil es sich zuvor an diese abgespeicherten Referenzsituationen zurück erinnert und dich nicht mehr körperlich oder emotional verletzen möchte.

Wie du deinem Kind hilfst, indem du sprichst, bevor die kindliche Wut oder der Frust zu groß geworden ist - dadurch verhinderst du ein Aufschaukeln eures Konflikts und mögliches Schlagen deines Kindes:

​Sei sofort authentisch ​und spreche von deinen Gefühlen, wenn ​eine Spannung auftritt. Zum Beispiel wenn ​dein Kind sich nicht an Regeln oder Aufforderungen hält:

Erinnere dein Kind kurz an die Regel oder Aufforderung und den Grund dahinter. Dieser Grund sollte authentisch - also vom tiefsten Inneren kommen. Wie z.B. "Wir haben besprochen, dass nur noch am Küchentisch gegessen wird. Ich gebe mir soviel Mühe, unser Zuhause ordentlich und sauber zu halten und nun isst du dein Brot auf dem Teppich! Ich will es jedoch sauber haben, damit ich mich wohl fühle, deshalb gehst du jetzt mit dem Brot sofort zum ​Tisch." (Anmerkung: Ich spreche von mir, warum ich es möchte, warum es mir wichtig ist!)

Kinder kooperieren

Im Normalfall versuchen Kinder mit ihren Eltern zu kooperieren, außer wenn ihre ​Wünsche an dem Tag zu oft übergangen worden sind oder sie an dem Tag schon zu oft kooperieren mussten. Dann ist ihr Kooperationslimit erreicht und es geht nichts mehr!

Wenn ​du ​also des Öfteren bemerkst, dass dein Kind nicht hört und somit nicht mit dir kooperiert, wenn du von dir und deinen Wünschen sprichst, dann

  • ​schaue ob du auf das hörst, was ​deinem Kind wichtig ist
  • ​schaue, ob der Aufmerksamkeitstank deines Kindes gefüllt ist oder du gerade weniger Zeit für dein Kind hattest
  • ​schaue, ob du Interesse zeigst an deinem Kind und was ihm wichtig ist und versuche, seine Wünsche und Interessen in den Alltag zu integrieren

Mit diesen "Maßnahmen" lebst du deinem Kind wieder Kooperation vor: Du hörst und schaust auf das, was dein Kind braucht. Dann kann dein Kind auch wieder darauf achten, was dir wichtig ist.

Hier habe ich noch ein paar Artikel von mir, die ​zu dem Thema passen:

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