25. März 2020

Wie du Routinen mit Kindern einführst

​Kennst du das auch, dass du jeden Tag irgendwie immer wieder das gleich sagst? Zumindest in den sich täglich wiederholenden Situationen wie Morgen- und Abendroutine und all die anderen sich wiederholenden Abläufe.

Das wäre eigentlich nicht weiter schlimm, wenn du ein Kind hast, dass sofort beim 1. Mal auf dich hört.

Hast du das aber nicht - so wie wahrscheinlich 99% aller Eltern - dann fühlst du dich in manchen Situationen bestimmt wie ein Papagei der immer wieder die gleichen Sätze ​sprechen muss.

Das ist auf Dauer anstrengend und raubt dir Kraft.

Um dem entgegenzuwirken, kannst du deine Kinder an immer gleich bleibende Routinen heranführen, sodass der Ablauf für diese Situation immer gleich ist und sich dein Kind daran gewöhnt und es nach einer (manchmal auch längeren) Zeit auch selbständig durchführt - ohne ermahnt zu werden oder nur mit einem Hinweis auf seine Routineabläufe.

Mit welcher Routine solltest du anfangen?


Beobachte einmal deinen Alltag mit Kind. In welchen Situationen kommt es regelmäßig zu Wutanfällen? Oder ist es eine bestimmte Tageszeit? Um die regelmäßigen Wutanfälle zu bestimmten Situationen oder Tageszeiten zu reduzieren, empfehle ich dir, eine neue Routine einzuführen.

Fange also mit der ​Situation / Tageszeit an, die ​zwischen dir und deinem Kind am meisten Unfrieden stiftet und entwerfe dafür eine Routine.

​Eine Routine gibt deinem Kind Sicherheit, weil sie jeden Tag gleich abläuft. Dein Kind kann sich daran orientieren und sich darauf einstellen. Aus diesem Grund wird dein Kind weniger zu Wutanfällen neigen.

Es weiß nun, was auf es zukommt und was du von ihm erwartest - und wenn das einfach jeden Tag so ist, dann wird es irgendwann merken, dass es sich nicht mehr lohnt, sich gegen diese Sache zu sträuben, weil es einfach zu viel Kraft erfordert, sich jeden Tag erneut zu widersetzen.

​​Führe eine neue Routine ein, damit sie zur Gewohnheit wird


Wie du eine neue Routine einführst, damit sie zur Gewohnheit wird:

​Bei Kindern, die unter 2,5 Jahre alt sind, reicht es, die Einführung zu machen und bei Phase eins zu bleiben.

Erst wenn dein Kind die Routine mit seiner Fertigkeit selbständig machen könnte, dann kannst du versuchen, dich ein wenig zurückzuziehen (Phase Zwei). Das Verinnerlichen der Routine schafft das eine Kind früher und das andere später. Meiner Erfahrung nach meistert es erst ein 3-4jähriges Kind, die neue Gewohnheit selbstständig durchzuführen (Phase Drei) - wenn es gute Laune hat.

Einführung:
Werde dir klar darüber, was du verändern willst und mach dir bewusst, dass du dafür erst einmal Zeit investieren musst, bevor die Routine gut läuft. Nimm dir eine Veränderung vor bzw. verändere einen Ablauf (z.B. Bettgehroutine).

​Sprich mit deinem Kind über die Situation, die du verändern möchtest. Erkläre deine Gründe, warum du es anders machen magst. Das kannst du schon mit kleinen Kindern in kurzer einfacher Sprache machen.

Darüber hinaus überlegst du dir ein Hilfsmittel, das als Erinnerungsstütze für dein Kind dienen soll. Das kann ein Gegenstand, ein Glöckchen, ein Lied oder das Zeichnen eines Plans sein, das die neue Gewohnheit repräsentieren soll bzw. den Ablauf der Gewohnheit bildhaft darstellt.

Dieses Hilfsmittel hilft deinem Kind, den Übergang von einer (Spiel)Situation in die nächste (Routinesituation) zu schaffen. Der Vorteil daran ist, dass nicht du immer die Person bist, die sagt: „Mache dies und mache das“, sondern der Plan, das Glöckchen oder ein anderes Hilfsmittel „sagen“ es.

Erste Phase:
Dein Kind, du und das Hilfsmittel führen die veränderte Situation gemeinsam durch.

Wenn du die Bettgehroutine mit einem Plan verändern möchtest: Gehe mit deinem Kind zum Plan und zeige auf das erste Bild und frage es: „Weißt du noch, was du als erstes machen sollst?“ Und so immer ein Bild anschauen, die Handlung dazu gemeinsam durchführen, dann das nächste Bild anschauen usw.

Wenn du ein Glöckchen verwendest, dann sieht die erste Phase so aus: Du benutzt das Glöckchen (um z.B. die Mittagsruhe einzuläuten). Gemeinsam mit deinem Kind gehst du in das Zimmer und fragst dein Kind, was es während der Mittagsruhe machen will. Dann richtet ihr alle Sachen her, die es dafür benötigt.

Wenn du ein Lied verwendest, um z.B. die Aufräumzeit anzukündigen, dann singst du das Aufräumlied und fängst dabei das Aufräumen an. Wenn du mit Singen fertig bist und dein Kind noch nicht begonnen hat, aufzuräumen, dann sage genau, was es tun soll: „Räume die Autos in die Autokiste.“

​Du willst schnell ein Routine-Hilfsmittel kreieren?

Diese Karten helfen dir dabei​, ein für dein Kind optisch aufbereitetes Hilfsmittel zu machen:

Zweite Phase:
Wenn dein Kind in der ersten Phase gut mitmacht und das Hilfsmittel kennt, ist es an der Zeit, dich immer mehr zurückzuziehen.

Beim Bett-Geh-Plan kannst du dein Kind eine Weile alleine weitermachen lassen und dann wieder dazu kommen, wenn du siehst, dass dein Kind abgelenkt wurde. Dann wieder aktiv mithelfen, bis das Kind wieder bei der „Sache“ ist.

Beim Mittagsruhe-Beispiel lässt du dein Kind schon mal vorgehen und eine Beschäftigung herrichten und dann kommst du dazu und ihr redet darüber und schaut, ob noch etwas fehlt.

Du hilfst z.B. beim anfänglichen Aufräumen und lässt dein Kind eine Sache, wie Bauklötze aufräumen​ machen und hilfst danach erst wieder mit.

Die 21-Tage-Regel
Diese Regel besagt, dass wenn man 21 Tage hintereinander an einer neuen Gewohnheit dran bleibt, dass es danach leichter ist, diese anzunehmen und durchzuführen. Laut dieser Regel sinkt der Widerstand gegen die neue Gewohnheit nach 21 Tagen.

Gestehe deinem Kind diesen Zeitraum zu, um sich an eine Veränderung zu gewöhnen. Denke nur an dich selbst, wenn du plötzlich mit etwas Neuem anfangen willst, z.B. jeden Tag zum Joggen zu gehen. Das braucht Durchhaltevermögen bis es zur Gewohnheit geworden ist. Wenn jemand dich in dieser Zeit motiviert bzw. mit dir Joggen gehen würde, ginge es viel einfacher, stimmt´s?

Achtung

Eine Gewohnheit wird bei Kindern nie ein Selbstläufer werden, denn Kinder sind immer für kleine und große Überraschungen gut. Erst geht es wochenlang super und plötzlich funktioniert es überhaupt nicht mehr – das kann dir mit Kindern sehr schnell passieren. Das Kind macht einen Entwicklungssprung oder tritt in eine neue Phase ein und schon sind die Gewohnheiten, die zuvor funktioniert haben, wieder vergessen oder „abgelegt“ worden. Dann musst du wieder zur ersten Phase zurückgehen bzw. die Routine verändern, wenn dein Kind einen Entwicklungssprung gemacht hat.

Dritte Phase:
Dein Kind akzeptiert die neue Gewohnheit und es setzt diese öfters selbstständig um. Du erinnerst es nur noch kurz an seine Routine. Es gibt trotzdem Tage, an denen dein Kind schlecht gelaunt ist und keine Lust auf die Routine hat. Dann gehst du zurück zu Phase eins oder zwei. Auch in der dritten Phase sind Rückschläge ganz normal! Weder du noch dein Kind „tragen die Schuld“! Es gehört einfach dazu.

Wenn die Gewohnheit eingeführt ist und dein Kind gut mitmacht, dann schätze es mit einem „Ich freue mich, dass d​as Aufräumen  so gut klappt“ oder „Ich freue mich, dass die Bettgehzeit so gut läuft und wir dadurch mehr Zeit haben, ein Buch zu lesen“.

Wenn es gerade wieder mal nicht so gut läuft, dann bleibe trotzdem dran. ​Hilf mit und begleite dein Kind wie in Phase eins. Sage dir selbst, dass Rückschläge ganz normal sind und zum Alltag mit Kindern dazugehören.

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Ida - 28. April 2020 Kommentiere

Hallo, danke für diese tollen Ideen. Ich bin gerade dabei meiner Kleinen eine zu-Bett-geh-Routine zu geben und werde mich an deine Tipps halten.

Grüße
Ida

    Petra - 29. April 2020 Kommentiere

    Danke dir für dein Feedback. LG Petra

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