Spielen ist kein Zeitvertreib – es ist die natürliche Lernsprache deines Kindes. Dein Kind spielt nicht, um beschäftigt zu sein. Es spielt, weil es spielerisch lernt – ganz von sich aus, mit seinem ganzen Körper, seinen Gefühlen und seiner Neugier.
Vielleicht kennst du trotzdem diese Unsicherheit im Alltag: Ob dein Kind „genug lernt". Ob du es mehr fördern solltest. Ob andere Kinder schon weiter sind. Gerade dann, wenn dein Kind scheinbar „nur spielt", während um dich herum von Lernzielen, Förderung und Vorbereitung die Rede ist.
Dabei ist spielerisches Lernen die ursprünglichste und wirksamste Form des Lernens. Dein Kind braucht dafür keine Anleitung und kein Programm, sondern Raum, Zeit und Beziehung.
Im Spiel trainiert dein Kind ganz selbstverständlich Fähigkeiten, die für seine emotionale, soziale und kognitive Entwicklung grundlegend sind: Konzentration, Problemlösefähigkeit, Selbstwirksamkeit, Kreativität und innere Stabilität.
In diesem Artikel erfährst du, warum die Grundlagen für spielerisches Lernen deinem Kind bereits innewohnen, was dein Kind konkret braucht, um im Spiel wirklich lernen zu können, welche Fähigkeiten es ganz nebenbei durch Spielen entwickelt, und wie du spielerisches Lernen im Alltag konkret förderst – ohne extra Lernumgebung, einfach im gemeinsamen Alltag.
Spielerisch Lernen: Warum die Grundlagen für Entwicklung deinem Kind bereits innewohnen
Lernen durch spielen macht dein Kind ganz automatisch. Das muss ihm niemand zeigen oder beibringen.
Dein Kind besitzt alle Fähigkeiten, um zu lernen - von Geburt an.
Die wichtigsten Zutaten für eine erfolgreiche Entwicklung sind dem (gesunden) Kind innewohnend:
Was Kinder brauchen, um im Spiel lernen zu können
In den ersten sieben Jahren lernen Kinder vor allem dadurch, dass sie (vertraute) Menschen beobachten und sie im Spiel nachahmen.
Was Kinder brauchen um im Spiel lernen zu können:
(Anmerkung: Was Grundschulkinder brauchen, um erfolgreich Hausaufgaben zu machen, erfährst du hier)
Welche Fähigkeiten dein Kind in Alltagssituationen spielerisch entwickelt
Wenn dein Kind baut, rollenspielt, malt oder tobt – es trainiert dabei weit mehr, als du vielleicht auf den ersten Blick siehst.
Das lernt dein Kind im Spiel:
Emotionale und soziale Kompetenzen entstehen ganz nebenbei: Im Rollenspiel mit Geschwistern oder anderen Kindern übt dein Kind, Perspektiven zu wechseln, Konflikte auszutragen und sich wieder zu versöhnen.
Es lernt, Frustrationen auszuhalten – wenn der Turm umfällt oder das Spiel nicht so läuft, wie es sich das vorgestellt hat.
Es erlebt seine eigene Wirksamkeit und stärkt sein Selbstwertgefühl mit jedem „Ich habe das geschafft".
Kognitive Fähigkeiten wie Konzentration, Problemlösen und logisches Denken wachsen durch freies Spiel von selbst. Beim Bauen experimentiert dein Kind mit Gleichgewicht und Stabilität. Beim Versteckspiel trainiert es räumliche Vorstellung. Beim Erfinden neuer Spielregeln entwickelt es Kreativität und flexibles Denken.
Motorik und Wahrnehmung werden in jeder Spielform geschult: Greifen, Werfen, Balancieren, Hüpfen – dein Kind trainiert Fein- und Grobmotorik ganz spielerisch, ohne dass es sich wie Üben anfühlt.
Innere Stabilität und Selbstregulation entstehen, wenn dein Kind im Spiel Gefühle ausdrücken und verarbeiten darf. Ein Kind, das mit Bauklötzen aggressiv umgeht, weil es gerade wütend ist, versucht seine Gefühle zu regulieren. Je nach Stärke seiner Gefühle braucht es dich für die Co-Regulation. (Wie du deinem Kind dabei hilfst, lernst du im GefühlsRaum Videokurs.)
Wie du spielerisches Lernen im Alltag konkret förderst: 8 praktische Beispiele
Kinder beim Lernen zu unterstützen geschieht ganz nebenbei - ohne dafür eine extra Lernumgebung zu erschaffen. Nur indem du dich mit deinen Kindern beschäftigst oder sie an deinen Aufgaben teilhaben lässt, gibst du deinen Kindern jede Menge Lernimpulse und darüber hinaus stärkt es das Selbstwertgefühl deines Kindes.
Einige Lern-Beispiele aus Alltagssituationen
Wenn du dein Kind in deine Haushaltstätigkeiten miteinbeziehst, dann lernt dein Kind ganz wichtige Fertigkeiten:
Beim Vorlesen förderst du die sprachliche Entwicklung deines Kindes:
Draußen zu spielen und zu erkunden gibt deinem Kind einen perfekten Rahmen, um selbstständig folgendes zu lernen:
Beim Einkaufen bietet es sich an, ganz nebenbei das Zahlen- und Mengenverständnis zu "fördern" und ein Gefühl für Geld zu entwickeln
Beim Sprechen/Erzählen lernt dein Kind ganz nebenbei:
Beim Singen lernt dein Kind einiges:
Mit Tischspielen und Puzzles wird freudvoll (meistens zumindest) gelernt:
Du kannst Kinder beim Lernen unterstützen, wenn du ihnen vermittelst:
Malen, Basteln, Schneiden und andere kreative Beschäftigungen sind prima Lernerfahrungen:
(Das freie Spiel ist ein so wichtiger Punkt in der Unterstützung des Lernens, dass ich in einem eigenen Artikel detailliert darauf eingegangen bin!)

Liebe Petra, danke für die vielen wertvollen Tipps! Besonders wichtig ist mir auch, meinem Kind das Gefühl zu geben, dass er ALLES, was er sich im Leben vornimmt, schaffen kann. Das passt zu Deinem Punkt „Zutrauen“. Dass Freies Spiel wichtig ist, habe ich auch erst vor Kurzem erfahren. Bisher war ich der Meinung, dass ich mich intensiv mit ihm beschäftigen müsse, weil Zuwendung das allerwichtigste sei. Inzwischen machen wir es so: Mein Sohn spielt und ich schaue ihm zu, ohne ihn zu unterbrechen oder reinzureden. Wenn er hochschaut, nicke und lächel ich. So weiß er, dass ich für ihn da bin, wenn er mich braucht.
Liebe Jenniffer,
ich denke beide Punkte „freies Spiel“ und „gemeinsames Spielen“ sind superwichtig für unterschiedliche Entwicklungsbereiche. Deshalb darfst du weiterhin auch mit deinem Kind spielen und ihm Zuwendung schenken und danach dich zurückziehen zum Beobachten – oder auch mal um einen Kaffee zu trinken :-)
LG Petra