Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

Mai 15, 2024

Präsent sein statt reagieren ist in schwierigen Momenten mit Kind nicht gerade leicht. Du kennst das bestimmt: Dein Kind tobt, weint oder provoziert und dein Impuls ist, sofort einzugreifen, die Situation zu verändern oder zu „helfen“ – doch das eskaliert oft nur.


Präsent sein bedeutet, im Moment da zu sein und das Tun loszulassen, das schenkt deinem Kind Raum, Gefühle durchzuleben, ohne steckenzubleiben.


In diesem Artikel erfährst du wie du ins Präsent sein kommst, was der Unterschied zu Aktionismus ist, die Vorteile des Präsent-Seins und wie das Präsent sein dir hilft, für die Gefühle deines Kindes da zu sein.

Präsent sein braucht ein Dasein im Moment

Ein Dasein im Moment gelingt dir am leichtesten mit einer Momentaufnahme:

Wie geht es dir gerade? Gut? Mittel? Nicht so gut?


Spür dem einmal etwas genauer nach. Geh mit deiner Aufmerksamkeit durch deinen Körper und spüre dem nach, was gerade da ist:

  • Wo spürst du es, wie es dir gerade geht?
  • Welche Körperempfindungen hast du dabei?

Gefühle dürfen da sein

Egal, wie du dich in diesem Moment fühlst - es darf da sein! Falls du dich nicht so gut fühlst, ist das okay - auch negative Gefühle dürfen da sein!


Nimm es für den Moment an, dass du dich so fühlst, wie du dich eben fühlst. Wenn dieses nicht so gute Gefühl da sein darf, wenn du aufhörst dagegen anzukämpfen, was ist dann anders als zuvor?


Im Präsent sein hört das Tun auf

Wenn ich meine Gefühle, die ich in einem Moment habe, annehmen kann und aufhöre, sie wegschieben zu wollen, dann stellt sich bei mir eine innere Ruhe ein, jedoch oft gepaart mit einem Gefühl der Hilflosigkeit.


Warum? Wenn ich aufhöre gegen etwas zu kämpfen, höre ich auf, etwas zu tun und gehe in die Annahme dessen, was gerade da ist.


Da hört das TUN auf. Und wenn ich nichts mehr TUE, um eine Situation zu verändern, fühlt sich der Denker in mir im ersten Moment ein bisschen hilflos „was soll ich jetzt anstatt Aktion machen, ich will doch, dass sich die Situation verändert?“

Präsent sein ist eine Entscheidung!

Wenn ich mich in diesem Moment dafür entscheide, einfach nur da zu sein in diesem Moment und die aufkommenden Gefühle durch mich sausen lasse (anstatt Widerstand dagegen zu haben oder sie wegdrücken zu wollen), dann ist das wie ein kurzer Sturm, der kommt und dann aber auch wieder geht. Ich kann es gut aushalten und dann bin ich ruhiger.

Präsent sein oder Aktionismus sind die zwei Möglichkeiten von Eltern

Als Mama erfahre ich täglich Situationen, in denen mich etwas stört oder es nicht so läuft wie ich es mir vorstelle – darüber hinaus bin ich vielen Gefühlen, bzw. Gefühlsausbrüchen meiner Kinder „ausgesetzt“, die wiederum Gefühle in mir auslösen.

Auch da habe ich immer zwei Möglichkeiten:

Ich kann in den Aktionismus verfallen und versuchen, mit meiner Autorität ein "besseres" Verhalten einzufordern oder mit meinem Helfen die Umstände zu verbessern oder ich kann aufhören, gegen die Situation anzukämpfen - sie verändern zu wollen. Sie darf einfach jetzt da sein. 

Eine Entscheidung ist fällig:

Ob ich ins Tun gehe (Schimpfen, Erklären, Helfen) oder die Situation annehme, wie sie gerade ist, braucht eine aktive Entscheidung von mir.


Die Entscheidung für das Präsent sein und das Annehmen der Situation fällt mir nicht immer leicht, weil es sich wie Kontrollverlust anfühlt, aufzuhören für eine Veränderung der Situation zu kämpfen.


Doch wenn ich mich weiter für die Veränderung einsetze (also in Aktion/Reaktion bleibe), dann kann es passieren, dass ich damit die Situation nur verschlimmere und das Verhalten, gegen das ich gerade noch angekämpft hatte und verändern wollte, sich noch verstärkt.

Ein Beispiel, wie ich ungewollt die Situation verschlimmerte

Zum Beispiel wenn mein Kind über sein Geschwisterkind schimpft und ich versuche zu erklären, warum das andere Kind vielleicht so gehandelt hat, dann erhalte ich nur Kampf und Vorwürde des ersten Kindes in die Richtung von: „Immer hältst du zum anderen.“

Eine Situation anzunehmen heißt nicht unbedingt, sie gut zu heißen!

Wenn ich hingegen aufhöre gegen die Situation anzukämpfen und sie für diesen Moment akzeptiere, das sie da ist (was nicht gleichzusetzen ist mit dieses Verhalten „gut heißen“), dann trete ich innerlich einen Schritt zurück, komme etwas zur Ruhe und heize die Situation nicht noch weiter auf.

Die Vorteile des Präsent seins

Das Aufhören, eine Situation verändern zu wollen, macht einen entscheidenden Unterschied. Ich steige aus der Bewertung der Situation aus und nehme sie an, wie sie ist.


Dadurch kann das Verhalten/ die Gefühle des anderen ihren Lauf nehmen, aber werden nicht noch durch meine Reaktionen „angeheizt“.


Deshalb machen meine Kinder jetzt nicht auf wundersame Weise eine Kehrtwendung und machen genau das, was ich vorher wollte :-), jedoch geht es mir besser mit der Gesamtsituation und sie geht schneller vorbei, weil ich sie nicht mit meinem „dagegen ankämpfen“ noch künstlich in die Länge ziehe.

Beispiel vom Verlängern einer Situation 

Erst vor Kurzem steigerte sich mein Teenager in ein Thema rein und mein erster Impuls war erst einmal Aktionismus und ich versuchte sie zu beruhigen und ihr zu erklären, dass das reinsteigern ihr jetzt mehr schadet als hilft. Aber anstatt sich zu beruhigen, versuchte sie mir ihren Standpunkt aufzuzeigen und steigerte sich daraufhin noch mehr hinein. (=ein Verlängern der Situation in der mein Teenager steckte mit all den dazugehörigen Gefühlen)


Als ich das bemerkte, erinnerte ich mich an meine zweite Möglichkeit – die ich immer habe – und hörte auf zu kämpfen gegen das was ist und entschloss mich, die Situation - wie sie jetzt gerade ist - anzunehmen: Ich atmete langsam ein, langsam aus und lies dabei meine Anspannung von den Schultern rollen.


Und ja: Das ist wirklich eine bewusste Entscheidung! Ein bewusstes „Ich höre jetzt auf damit, die Situation verbessern zu wollen, meinen Teenager überzeugen zu wollen“ und anstatt dessen entschloss ich mich, da zu sein für meinen Teenager: Mit meiner Präsenz, meiner Annahme der Situation und der damit verbundenen starken Gefühlen.

Was passierte als ich aufhörte, die Situation verändern zu wollen

Nachdem ich keinen „Gegenpart“ mehr lieferte und nur noch mit meiner Präsenz da war für meinen Teenager, nahmen die Gefühle meines Teenagers ihren Lauf und blieben nicht mehr im Reinsteigern stecken.


Der Lauf der Gefühle war ungefähr so: Von Verzweiflung über Hoffnungslosigkeit hin zu Akzeptanz, dass das gerade schwer ist und weiter zu „jetzt habe ich wieder Kraft, mich für die Situation einzusetzen“.


Magst du auch lernen, dein Kind so durch seine Gefühle zu begleiten? Und dich selbst auch?

Dann schaue im GefühlsRaum vorbei!

Präsent sein hilft deinem Kind durch seine Gefühle hindurchzukommen ohne steckenzubleiben

Gefühle von Kindern kannst du mit deinem da sein begleiten. Ich weiß, es ist schwer, nicht ins Tun zu verfallen, wenn es deinem Kind nicht gut geht. Jedoch ist ein da sein, während dein Kind durch seine Gefühle hindurchgeschwemmt wird, unendlich wertvoll.

Zwei Beispiele, wie du präsent Gefühle begleiten kannst:

  • Deine innere Ruhe, dein da sein mit z.B. einer Hand auf dem Rücken deines Kindes während es von Wut über Trauer hin zu mehr Ausgeglichenheit findet
  • Ein in den Arm nehmen ohne Worte nur mit deiner annehmenden/nicht bewertenden Präsenz, während dein Kind sich ausweint in dem sicheren Hafen, den du bietest.

Das einzige was es in dieser Art der Gefühlsbegleitung zu "tun" gibt:

Das einzige was du dafür „tun“ musst, ist dich zu entscheiden, mit dem „gegen die Situation anzukämpfen“ oder „eine Veränderung heraufzubeschwören“ aufzuhören. Ich weiß, dass ist in manchen Situationen leichter gesagt als getan. Es bedarf nämlich auch, dass du zuerst deine eigenen Gefühle loslässt, um dann für dein Kind da zu sein. (Wenn dir das schwer fällt und du schnell wütend oder genervt wirst, dann hilft dir der Videokurs Gefühlsraum, deine Gefühle - gerade auch in herausfordernden Situationen - loszulassen und zeigt dir dann, wie du dein Kind in seinen Gefühlen begleitest.)


Vielleicht erinnerst du dich in einer der nächsten Situationen, in der du dir plötzlich bewusst wirst, dass du im TUN bist, dass du die Situation mit Handeln verändern willst, an diesen Blogartikel und dass du immer zwei Möglichkeiten hast:

  • etwas gegen eine Situation zu tun
  • oder aufhören zu kämpfen (im Widerstand dagegen sein) und „nur“ da zu sein

Und dann triff deine Entscheidung. Du kannst dich auch jederzeit neu entscheiden! Wenn dein erster Impuls – wie bei mir – erst einmal Akionismus ist und du dann merkst, dass das die Situation nur in die Länge zieht (anstatt sie zu verbessern), kannst du dich auch dann noch dazu entscheiden auszusteigen und „nur noch“ da zu sein in der Situation – ohne dagegen anzukämpfen oder etwas verändern zu wollen.


Falls es dir gelingt und du die Zeit aufbringen kannst, zu diesem Blogartikel zurückzukehren und mir davon zu berichten, freue ich mich sehr darüber.

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Hallo, ich bin Erzieherin, langjährige Nanny und zweifache Mutter. Seit über 20 Jahren begleite ich Familien durch den Alltag mit Kindern.

Auf „Klein wird GROSS“ zeige ich dir, wie du Wutanfälle, Geschwisterkonflikte, Routinen und all die anderen Herausforderungen im Familienalltag mit mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und wertschätzender Verbindung meisterst. Meine Tipps verbinden eigene Mama-Erfahrung mit fundiertem Wissen aus Pädagogik und Selbstregulation.

Meine Mission: Gelassenheit und Freude im Familienalltag schaffen – damit Kinder Liebe und Wertschätzung in die Welt tragen und unsere Erde schöner wird.

Leserfeedback

„Danke für deine grossartige Arbeit. Ich fühle mich verstanden durch deine Texte. Ich fühle mich an die Hand genommen. Danke für deine grossartige Arbeit.“
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„Deine Artikel über Selbstzweifel, Ärger, Stress und Wut waren sehr toll! Zu wissen, dass ich nicht alleine überfordert bin, ist eine grosse Hilfe. Ich hab deinen Blog bereits weiter empfohlen.“
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„Ich muss Dir einfach mal eine grosse Umarmung schicken! Tausend Dank für Deine tollen Beiträge. Ich fühle mich verstanden und nicht alleine mit meinen Muttersorgen!“
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