Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

April 19, 2024

Die Selbstbestimmung bei Kindern fördern und sie einfühlsam begleiten, braucht ein Raum geben, um eigene Erfahrungen machen zu dürfen, ohne dein Leben auf das deiner Kinder zu übertragen


In diesem Blogartikel erfährst du, wie du deine Kinder einfühlsam begleiten und gleichzeitig die Selbstbestimmung bei Kindern fördern kannst. Anhand konkreter Beispiele aus der Schulwahl und Rückstellung meiner Kinder zeige ich dir, wie ich meinen Kindern einfühlsam zur Seite stand und ihre Selbstbestimmung förderte.

Kinder wollen ihre eigenen Erfahrungen machen

Kinder sind wundervolle Wesen - eigenständig und vollkommen.

Sie sind auf diese Erde gekommen, um Erfahrungen zu machen.


Es sind nicht immer Erfahrungen, die du als Mutter oder Vater für sie ausgewählt hättest.


Gerne würdest du ihnen manchmal ihre Erfahrungen abnehmen wollen und es ihnen leichter machen, oder?


Dafür brauchst du dich nicht zu verurteilen, das ist Teil deines fürsorglichen Elterngerüsts - ein Gerüst, das sicherstellt, dass für das Baby und Kind gut gesorgt wird.


Jedes Gerüst wird jedoch irgendwann wieder abgebaut, wenn eine bestimmte Bauphase abgeschlossen ist. Und so darf auch das Elterngerüst - ab einem bestimmten Reifegrad deines Kindes - so nach und nach abgebaut werden.

Selbstbestimmung des Kindes fördern - auf sanfte Weise:

Das Elterngerüst musst du überhaupt nicht von heute auf morgen abbauen, das würde eher zu eine Destabilisierung führen.


Es darf ein Übergang sein - je älter dein Kind wird: 

  • indem du die Meinung deines Kindes, wie es sein Leben leben möchte, immer ernster nimmst,

  • indem du immer weniger in das Leben und die Entscheidungen deines Kindes eingreifst

  • und es immer mehr selbst bestimmen und seine daraus entstehenden Erfahrungen machen lässt.

Das bedeutet nicht unbedingt,

  • dass du nur daneben stehst und zuschaust, was passiert,

  • sondern das kann sehr wohl zuerst auch ein darüber sprechen sein – ein Prozess des Austausches, was dein Kind machen oder erfahren möchte und ein Mitteilen deiner Lebenserfahrung.

Eines ist dabei jedoch wichtig:

Verwechsle dein Leben nicht mit dem Leben deines Kindes

Denke nicht, dass deine Erfahrungen gleichzusetzen sind mit denen deines Kindes.


Selbst wenn dein Kind die gleiche Entscheidung treffen würde, wie du z.B. als Jugendliche, heißt das nicht, dass es die selben Erfahrunge wie du machen würde.


Jeder Mensch ist innerlich anders „aufgebaut“, hat andere Werte, Muster, Verhaltensweisen und Strategien entwickelt. Somit wird dein Kind anders auf gleiche oder ähnliche Situationen reagieren als du es damals tatest und somit andere Erfahrungen machen als du.


Deshalb ist es wichtig, dass du, wenn du von deiner Lebenserfahrung berichtest, immer auch betonst, dass es für dich so gewesen ist, es aber nicht bedeutet, dass es für dein Kind so sein muss.


Du kannst sagen, dass es dir trotzdem wichtig ist, dies ausgesprochen zu haben,

so dass es in die Entscheidung deines Kindes mit einfließen kann.

Ob dein Kind deine Lebenserfahrung dann für sich berücksichtigt oder nicht ist ihm überlassen – soweit du ihm das zugestehen kannst

Je jünger dein Kind ist, desto öfter wird es Situationen geben, in denen du ihm es nicht zugestehen wirst, seine eigenen Erfahrungen zu machen, um es einfach vor (körperlichem) Schaden zu schützen.


Je älter dein Kind jedoch wird und je mehr eigene Erfahrungen es schon gemacht hat, desto besser wird dein Kind darin werden, Situationen für sich selbst einzuschätzen und zu erkennen, ob es diesen Weg gehen möchte oder nicht.


Du als Elternteil kannst dein Kind während seines Entscheidungsprozesses sehr gut begleiten.


Zwei Beispiele aus meinem Leben, die die Schulwahl betreffen:

Beispiel 1: Realschule oder Gymnasium

Als es für eines meiner Kinder darum ging, die weiterführende Schule zu wählen – Realschule oder Gymnasium standen für mein Kind im Raum – war das nicht so klar wie für manch andere Kinder. Die Noten waren gut, ein klarer Hinweis auf das Gymnasium. Dass es jedoch etwas länger brauchte, um neuen Lernstoff selbstständig anzuwenden, deutete eher auf die Realschule hin.


Ich zeigte meinem Kind beide Optionen, wir sprachen sehr viel über die Vor- und auch Nachteile der jeweiligen Schulwahl und ich brachte auch meine Lebenserfahrung ein, da ich wusste, dass es in der Realschule mehr Freizeit am Nachmittag geben wird als im Gymnasium. Mein Kind hingegen brachte irgendwann den Wunsch ein, dass sie gerne mit den Freunden ins Gymnasium gehen möchte.

So war es für uns beide eine Zeitlang ein hin- und her.

Nachdem wir beide Optionen angeschaut hatten, darüber gesprochen hatten, was die möglichen Folgen einer jeweiligen Schulartwahl sein könnten, ich ein Gespräch mit der Grundschullehrerin führte und meinem Kind von der Einschätzung der Lehrerin berichtete, meine Lebenserfahrung eingebracht hatte und Wünsche ausgesprochen wurden, habe ich mein Kind frei entscheiden lassen und gesagt:


„Ich möchte nicht für dich entscheiden, denn du wirst dann jeden Tag in diese Schule gehen. Ich weiß, dass du auf beiden Schulen klar kommen würdest – bei der einen mit mehr Einsatz bei der anderen mit weniger. Egal für welche Schulart du dich entscheidest, ich bin an deiner Seite und unterstütze dich, wenn du das brauchst und möchtest."

Es gab Zweifel und auch wieder nicht:

Mein Kind hat sich dann für das Gymnasium entschieden. Auch wenn die ersten beiden Jahre überhaupt nicht einfach für mein Kind waren, was den Lernstoff angeht (und ich manchmal doch an der Wahl der Schule zweifelte) war sie immer sehr glücklich in der Klassengemeinschaft.


Mir wurde irgendwann klar, dass ich als Mutter es natürlich gerne hätte, wenn mein Kind ohne Kampf und Tränen und mit einer Leichtigkeit durch die Schulzeit gleiten würde – es aber nicht unbedingt dem Weg entspricht, der der richtige für mein Kind ist.


Was weiß ich, was mein Kind einmal werden möchte, welche Herausforderungen es haben wird und für was es gut war, dass es sich durch die ersten beiden Jahre des Gymnasiums durchkämpfen musste?

Das wichtigste: Für das Kind da sein

Ich war für mein Kind da, unterstützte es bei Lernschwierigkeiten oder Verständnisproblemen, wenn das gewünscht war und hielt auch immer die Tür für einen Wechsel auf die Realschule offen – ohne dorthin zu „drängen“.


Ich war auch emotional da - so gut ich das konnte, wenn der Druck zu sehr auf den jungen Schultern lastete.


Auch wenn es nicht immer leicht war, mein Kind phasenweise leiden zu sehen, sehe ich jetzt auch die "positiven Auswirkungen":

  • eine innere Stärke
  • eine „Life-School-Balance“
  • neue Freundschaften

Beispiel 2: Rückstellung – ja oder nein?

Mein anderes Kind ist im späten Sommer geboren und wäre ein sehr junges Kind gewesen bei regulärer Einschulung. Die Erzieherinnen im Kindergarten meinten, dass er soweit fit wäre, in die Schule zu gehen.


Ich sprach erst einmal offen mit meinem Kind und erzählte ihm mit noch nicht ganz 5 Jahren, dass es ab dem nächsten Kindergartenjahr ein Vorschulkind sein könnte. Ich erklärte, dass es für Kinder mit Sommergeburtstagen keinen klaren Einschulungstermin gibt, wie z.B. für seinen Freund, der im Frühjahr geboren war.

Die klare Meinung meines Kindes:

Mein Kind überraschte mich mit einer ganz klaren Meinung und einer starken inneren Haltung, die ich bei diesem ersten Gespräch darüber überhaupt nicht erwartet hatte: „Mama, wenn du mich in die Schule schickst, bin ich jeden Tag krank!“


Bumms, das hatte gesessen – das kam wie aus dem Nichts. Mein Kind wusste so klar, was es wollte und setzte sich dafür ein. Ich hätte mir beide Optionen Einschulung und Rückstellung vorstellen können.

Konsequenzen dieser Entscheidung besprechen:

Ich machte meinem Kind klar, dass sein bester Freund auf jeden Fall in die Schule gehen wird und es die Vorschule mitmachen könnte, um es sich anzuschauen – ohne unbedingt danach in die Schule gehen zu müssen. Mein Kind blieb klar bei seiner Meinung: keine Schule, keine Vorschule.

Meine Lebenserfahrung mitteilen:

In einem weiteren Gespräch „holte ich meine Lebenserfahrung heraus“ und sagte meinem Kind, dass es eine gute Idee wäre, wenn dann seine Freunde in der Vorschule wären, es sich umschauen solle, welche Kinder als mögliche Freunde für das kommende Kindergartenjahr in Frage kämen.


Schon im Winter hatte mein Kind einen neuen Freund gefunden und hatte somit keine Probleme alle seine anderen Freunde in die Schule gehen zu lassen.

Wie es weiter ging:

Mein Kind hat seine Entscheidung nie bereut, hat diesen neu gefundenen Freund immer noch, passte viel besser in die Klasse rein als er es je im Jahrgang zuvor getan hätte und war rundum glücklich in seiner Grundschulzeit und tat sich auch mit dem Lernen leicht.

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Hallo, ich bin Erzieherin, langjährige Nanny und zweifache Mutter. Seit über 20 Jahren begleite ich Familien durch den Alltag mit Kindern.

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„Ich muss Dir einfach mal eine grosse Umarmung schicken! Tausend Dank für Deine tollen Beiträge. Ich fühle mich verstanden und nicht alleine mit meinen Muttersorgen!“
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