Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

November 5, 2014

In diesem Blogartikel erfährst du, was Babyzeichensprache ist und wie man sie anwendet? Hier berichte ich von meinen Erfahrungen mit der Babyzeichensprache als Mutter und als Nanny.

Stell dir vor du sitzt mit deinem 10 Monate alten Baby beim Spielen und es verwendet folgende Sätze:

  • "Ich will mehr davon!"
  • "Ich habe Hunger!"
  • "Hilf mir!"

Unmöglich höre ich dich sagen. Stimmt. Aber wäre es nicht schön, wenn sich dein Baby genauer mitteilen könnte - mehr als Jammern, Weinen, darauf zeigen, wütend sein?


Es gibt eine Methode, mit der sich dein Baby effektiver und genauer mitteilen kann - die Babyzeichensprache. Das Baby zeigt dir, was es möchte bzw. was es gesehen oder gehört hat.

Wie ich zur Babyzeichensprache kam

Als Nanny besuchte ich einen Babyzeichensprache Kurs mit meinem Schützling und hatte anfangs so meine Zweifel, inwieweit diese Zeichensprache etwas bringen würde.


Wochen später waren diese Zweifel jedoch wie weggeblasen - von meinem Schützling (12 Monate alt), der mir mit ein paar wenigen Zeichen viel über seine Bedürfnisse sagte.


Bei meinen eigenen Kindern führte ich die Babyzeichensprache auch ein - ab dem Beikostalter. (Man kann auch noch früher anfangen - mit dem Zeichen "Milch" - aber da ganz junge Babys meistens viel länger brauchen, um die Zeichen nachmachen zu können, fing ich erst im 6. Monat an.)

Was ist Babyzeichensprache?

Die Babyzeichensprache nützt Hand- bzw. Fingerbewegungen, um ein Wort (z.B. Sonne, Blume, Flugzeug) bzw. eine Handlung ("ich bin fertig", "du musst noch warten", "ich brauche Hilfe" ) darzustellen.


Die Babyzeichensprache, die ich damals im Kurs lernte, ist von der deutschen Gebärdensprache abgeleitet. Man kann jedoch auch eigene Zeichen hernehmen, denn es müssen sich ja nur Elternteil und Kind verstehen.


Dieses Handzeichen verbindet das Baby nach VIELEN Wiederholungen mit dem Wort bzw. der Handlung. (Je nach Alter des Kindes, kann der Zeitraum der Verbindung stark variieren).


Und irgendwann überrascht dich dein Kind mit einem bekannten Zeichen. Dieses verstehst du. (Achtung: das Zeichen des Kindes kann deiner Handbewegung manchmal nur ähnlich sehen, weil es dieses Zeichen nicht ganz genau nachmachen kann, weil seine Fingerkoordination noch nicht so ausgereift ist wie deine.)


Wie schauen die Babyzeichen aus? Bilder, wie Kleinkinder die Zeichen machen findest du hier

Wie wendet man die Babyzeichensprache an?

  • Ich fing mit einem Wort an "essen" (Hand zum Mund führen). Als ich die Beikost einführte, machte ich immer (na gut, so oft ich dran dachte, was aber schon sehr oft war) vor dem Essen dieses Zeichen.
  • Der Trick ist, dass man das Zeichen immer und immer wieder wiederholt. Das Zeichen immer dann macht, wenn man das Wort benutzt.
  • Man fängt mit einem Wort über ein paar Tage an und steigert so langsam die Zeichen, die man macht - je nach Alter des Kindes. Bei einem 6 Monate alten Baby reichen "essen", "trinken", "mehr" und ein paar interessante Dinge für dein Baby aus wie "Licht", "Blume", "Flugzeug". Nach z.B. einem Monat kann man wieder neue Wörter einführen. Dabei aber trotzdem die "alten" Zeichen weiterhin machen! Danach kann man auch wöchentlich neue Zeichen einführen. Irgendwann kommt es ganz automatisch, dass man ein Babyzeichen zu einer Sache macht, die das eigene Kind fasziniert.
  • Wichtig ist, die Zeichen einfach konsequent in den Alltag einzubauen. Wenn du deinem Baby eine Blume zeigst, machst du das Zeichen immer dazu. Wenn das Kind staunend das Licht betrachtet, machst du das Zeichen für "Licht" während du über das Licht sprichst. Später kann man dann alles was man dem Baby zeigt auch mit einem Zeichen untermalen - muss man aber überhaupt nicht!

Wie lange dauert es, bis mein Baby die Babyzeichensprache kann?

Das kann wirklich stark variieren. Bei meinem Schützling damals (Nannyzeit) ging es recht flott. Wenn ich mich richtig erinnere, waren das so 4-6 Wochen. Bei Beginn war mein Schützling jedoch schon 12 Monate alt - was die Lernkurve anhob.


Bei meiner Tochter begann ich ab dem Beikostalter und sie hat mit 9 Monaten ihre ersten Zeichen gemacht und im Alter von einem Jahr hatte sie schon einen "Zeichen-Wortschatz" von über 15 Wörtern bzw. Handlungen und danach stieg ihr Babyzeichensprache Wortschatz sehr stark an.


Mein Sohn ließ sich etwas mehr Zeit. Bevor er 1 Jahr alt wurde hat er nur das "Zeichen" für essen gemacht. (Dieses hat er aber abgewandelt. Bei meinem "Hand zum Mund führen" habe ich automatisch Schmatzgeräusche dazu gemacht. Nur diese Schmatzgeräusche hat er übernommen :-).


Mit diesen Schmatzgeräuschen zeigte er mir, dass er Hunger hatte. Aber auch, dass er jemanden sah, der etwas aß.


Er hat erst im Alter von 12 Monaten sein erstes Zeichen gemacht (das Babyzeichensprache Wort für "mehr") und mit 14 Monaten benützte er 2 Zeichen sicher und mit sichtlicher Freude :-).


Nachdem er erst spät zum Sprechen begonnen hatte,  waren wir sehr froh, dass er sich so gut mitteilen konnte, da er sehr viele Babyzeichensprache Worte gelernt hatte und sie auch nutzte.


Jetzt fragst du dich bestimmt: Hindert dann die Babyzeichensprache das Kind nicht daran, sprechen zu lernen?

Hindert die Babyzeichensprache das Kind nicht daran, sprechen zu lernen?

Meiner Erfahrung nach unterstützt es das Sprechenlernen sogar. Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Schützling damals sein erstes Wort (außer Mama, Papa...)sagte (welches ich nicht verstanden hatte).


Zum Glück hat das Kind zusätzlich das Handzeichen gemacht, welches ich sofort verstanden hatte.


Ich nickte und wiederholte das Wort. Ein Strahlen ging über das Gesicht - das erste gesprochene Wort wurde verstanden! Das motivierte, um Wörter immer öfter zu gebrauchen - denke ich zumindest.

Babyzeichensprache Erfahrungen

Jetzt kommt noch eine Auflistung weiterer Babyzeichensprache Erfahrungen:

  • Kinder teilen sich gerne mit und freuen sich, wenn sie gleich verstanden werden
  • Die Babyzeichensprache gibt neue Möglichkeiten der Kommunikation. Oft machten die Kinder ein Zeichen wie z.B. "Flugzeug" und ich merkte erst dann, dass im Hintergrund eines zu hören war! Nun konnten wir über das Sprechen, was das Interesse des Kindes geweckt hatte
  • Das Mädchen machte beim Essen das Zeichen für "Sonne". Ich wunderte mich und bemerkte erst dann, dass die Sonne in ihr Gesicht schien! Ich zog den Vorhang zu, sodass sie nicht weiter geblendet wurde.
  • Immer wenn ich meiner Tochter Lieder vorsang, machte sie das Zeichen für "mehr", bis ich irgendwann das Zeichen für "noch ein letztes Mal" einführte :-)
  • Manchmal stand bei meinem Kind schon die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben, weil etwas nicht so funktionierte, wie sie es wollte. Zum Glück machte sie das Zeichen für "helfen" und die Situation war gerettet.
  • Wenn mein Sohn fertig mit dem Essen war, zeigte er "runter/raus" aus dem Hochstuhl, wenn er mehr essen wollte, machte er das Babyzeichensprache Wort für  "mehr" (bzw. quengelte erst, ich fragte ihn dann immer: "Magst Du mehr?" mit dem entsprechenden Zeichen dazu und er grinste mich an und machte das Mehr-Zeichen. Er freute sich riesig dabei, dass er das Zeichen jetzt kannte UND das er mehr bekam)
  • Mir blieben viele Wutanfälle erspart, weil ich das Bedürfnis des Kindes - mit Hilfe der Babyzeichensprache - schnell verstanden hatte
  • Meine Lieblingszeichen waren das Babyzeichensprache Wort für "mehr/noch einmal", "helfen" und "warten", weil sie außerordentlich hilfreich im Alltag mit meinen Kindern war.

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„Deine Artikel über Selbstzweifel, Ärger, Stress und Wut waren sehr toll! Zu wissen, dass ich nicht alleine überfordert bin, ist eine grosse Hilfe. Ich hab deinen Blog bereits weiter empfohlen.“
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Leserin von Klein wird GROSS


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  1. Ja, wir haben ein Buch darüber! Die Zeichen für Flugzeug und Hühner (Vogel) haben wir gelernt – die hat sie auch verwendet. Mittlerweile kann sie mit 17 Monaten schon eine Menge Wörter (die man auch versteht :-), so dass die Zeichen nicht mehr notwendig sind. Das Anlernen war aufwendig. Hier lohnen sich wirklich nur Zeichen für Dinge oder Aktivitäten, die mehrmals am Tag auftreten.

    1. Es empfiehlt sich auf jeden Fall, Dinge bzw. Handlungen zu nehmen, die man häufiger am Tag hat :-) Das beschleunigt auch den Lernprozess und hilft beim Sich-selbst-daran-erinnern-ein-Zeichen-dazu-zu-machen :-)

  2. Danke für deinen so ausführlichen Erfahrungsbericht! Genauso habe ich mit meinem Sohn die Welt der Babyzeichen erlebt. Kennst du meine Webseite zum Thema http://www.sprechende-haende.de? Ich stelle dort Gebärden, Spielideen und BUcher vor.
    Ich würde mich freuen, wenn du mal vorbeischaust.
    Liebe Grüsse
    Birgit Butz

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