Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

Dezember 3, 2025

Konflikte mit Kindern gehören zum Familienalltag – doch oft versuchen wir sie mit Bewertungen, Schuldzuweisungen oder „Wer hat recht?“-Diskussionen zu lösen, und genau das verstrickt uns noch tiefer.


Statt Verbindung entsteht schnell Abstand, obwohl du dir eigentlich mehr Nähe und gegenseitiges Verständnis wünschst.


In diesem Blogartikel erfährst du, was Konflikte mit Be- und Verurteilung zu tun haben, wie du auf eine andere, urteilsärmere Weise Konflikte mit deinem Kind lösen kannst, was genau ein Urteil oder eine Bewertung ist und wie du sie Schritt für Schritt loslässt – inklusive einer kleinen Warnung, worauf du dabei achten solltest.

Was Konflikte mit Be- oder Verurteilung zu tun haben

Konflikte lösen mit Kindern klingt so als gäbe es ein Problem beim Kind. Schauen wir jedoch genau hin, liegt das Problem nicht beim Kind, sondern es hat viel mehr mit einer gewissen Haltung, Meinung oder Überzeugung zu tun. Einen Konflikt haben wir nur, wenn wir etwas, was andere tun oder sagen, be- oder verurteilen und wollen, dass sich die Person ändert.

Nehmen wir diese Meinung, das Urteil weg, was bleibt dann übrig?

Es bleiben 2 Personen übrig, die verschiedene Erfahrungen gemacht haben und in unterschiedlichen Umständen aufgewachsen sind und auch von ihrer Persönlickeitsstruktur unterschiedlich sind.


Auf diese nüchterne Art und Weise betrachtchtet, ist es nur nachvollziehbar, dass diese beiden Personen nicht identisch sein können, sondern Dinge unterschiedlich tun oder sich anders verbal ausdrücken.


Wenn dies nicht be- oder verurteilt wird, dann bleibt es dabei, dass es einfach nur 2 unterschiedliche Wege sind, die ein Mensch gehen kann.


Kommt jedoch Be- oder Verurteilung des Verhaltens hinzu, erleben wir einen Konflikt.

Die etwas andere Art und Weise, Konflikte mit Kindern zu lösen

Eine Art und Weise, Konflikte mit Kindern zu lösen ist es, seine eigenen Meinungen, Urteile, Bewertungen bzgl. des Verhaltens des Kindes zu bemerken und sie dann loszulassen.


Ohne diese bleibt „nur das Kind mit einer anderen Herangehensweise als ich“ übrig und man selbst als Beobachter dessen.


Dadurch kommst du aus der (unbewussten) Reaktion heraus.


Was es aber NICHT heißt und wie du es richtig machst:

Das heißt nun aber nicht, dass du still das Verhalten anderer erleiden sollst (denn dann hättest du sehr wohl noch eine Bewertung auf das Verhalten deines Gegenübers), sondern du lässt erst die Be- oder Verurteilung los und kommunizierst dann.


Also übertrieben gesagt:

Anstatt zu verurteilen "Dieses Verhalten vom ihm oder was sie da gesagt hat, ist total respektlos und sollte Konsequenzen haben..."

Und mit dieser Meinung stürmst du zu deinem Teenager und sagst ihm gehörig deine Meinung.


Anstatt dessen:

Beobachtest du wertfrei: Du siehst, hörst, nimmst wahr, was die andere Person jetzt gerade tut oder sagt. Und ja – dein innerer Kommentator oder Richter wird anspringen und das, was du da wahrnimmst kommentieren oder gar verurteilen.


Und du kommst immer wieder zurück zu dem, was du wirklich wahrnehmen (sehen, hören...) kannst und bemerkst das, was du angehängt hast (Interpretationen des Verhaltens, Bewertung des Verhaltens). Dieses Anhängsel lässt du immer wieder los und schaust erneut auf dein Kind und sein Verhalten.


Das verändert erst einmal nichts am Verhalten des Kindes – aber vielleicht bemerkst du eine Veränderung bei dir?


Wenn ich meine Bewertungen, Urteile... loslasse, dann wird auch mein Ärger über das Verhalten kleiner oder verschwindet ganz.


Klar, du wirst – genau wie ich – immer wieder in die Bewertung oder Verurteilung „abrutschen“ – und auch das bewertest du NICHT, sondern nimmst es nur wahr und gehst zurück in die wertfreie Beobachtung.

Was ist denn eigentlich ein Urteil, eine Bewertung und wie lasse ich sie los?

Schauen wir nochmal genauer hin: Was ist denn eigentlich ein Urteil, eine Bewertung? Es ist ein Versuch des Verstandes sich selbst zu erhöhen als die Person, die alles richtig macht und auf die Person herniederzublicken, die etwas in deinen Augen falsch macht.


Und was ist die Folge?


Dieses Ungleichgewicht wiederum spürt das Gegenüber und wehrt sich dagegen. Er/sie verteidigt sich, rechtfertigt sich, kämpf dagegen an (Machtkampf) oder zieht sich zurück.


Was also ist nötig um wieder in ein Gleichgewicht mit deinem Kind zu kommen?


Der erste Schritt ist dir erst einmal in Alltagssituationen bewusst zu werden, dass du gerade urteilst oder bewertest.


Ich kenne das nur zu gut: Der Tag rennt an mir vorbei und meine Gedanken kommen und gehen und die meiste Zeit ist mir gar nicht bewusst, was ich da alles denke und innerlich kommentiere und auch bewerte.


Nur manchmal, wenn sich eine Situation anspannt und irgendwie komisch wird, ist es wie ein Signal für mich, jetzt nicht mehr in dem Fahrwasser der unbewussten Gedanken und Reaktionen mitzufahren und anstatt dessen innerlich einen Schrit zurückzugehen oder vom Kopf ins Herz zu rutschen.


Früher habe ich mich dann gefragt: Was würde die Liebe jetzt machen?

Heute ist es eher so, dass dadurch, dass ich raus aus meinem Kopf gehe und sozusagen eine Etage tiefer in mein Herz rutsche, eine Ruhe in mich zurückkehrt, die vorher nicht da war, weil mich da die bewertenden Gedanken angetrieben haben, die Situation schnellstmöglich zu verändern. (Damit machte ich die Situation nur noch schlimmer und habe sie als noch negativer bewertet und so spannte sich die Situation immer mehr an).


Aus dieser Ruhe heraus fällt es mir viel leichter, wertfrei zu beobachten und das Gegenüber sein zu lassen, wie sie/er ist. Ohne meine Bewertungen und vor allem der Interpretation des Verhaltens von anderen Personen ("die macht das nur, um mich zu ärgern") ist es so viel leichter, andere Personen mit ihren Herangehensweisen anzunehmen und nicht zu verurteilen. (Wenn du auch in dir selbst zur Ruhe kommen möchtest, empfehle ich dir den Videokurs zum Gefühle durchfühlen und loslassen.)


Im zweiten Schritt kannst du nun viel ruhiger mitteilen, was du gerne möchtest. Erkennst du den Unterschied?


Erinnere dich an eine Situation zurück, in der jemand etwas von dir wollte, aber die Anschuldigung/Bewertung mitschwang?


Beispiel:
Verbal ausgedrückt: Könntest du bitte den Müll aus deinem Zimmer holen?

Was mitschwingt: So ein Saustall, wie kann man dort überhaupt noch leben? Wäre mein Kind nur ordentlicher und nicht so ein Chaot.


Wie gerne würdest du in der Situation den Müll aus deinem Zimmer holen wollen – für jemand anderen, der dich als „Sau oder Chaot“ sieht – und dich selbst stört der Müll momentan gar nicht? (Sehr wahrscheinlich würdest du den Müll überhaupt nicht gerne rausbringen, oder?)


Warum ist das so?


Auch das Nicht-Ausgesprochene schwingt in den verbal ausgesprochenen Worten und deiner Körpersprache mit.


Watzlawick sagte dazu: Du kannst nicht NICHT kommunizieren.


Wenn du nun diese Bewertungen, Urteile über das Verhalten deines Kindes für einen Moment loslässt und auch die Erwartungen an dein Kind, dann hast du die Möglichkeit, wirklich nur deine Bitte zu äußern in Bezug auf etwas, was DU möchtest:


Beispiel:
Könntest du bitte den Müll aus deinem Zimmer holen? Ich möchte heute noch zum Wertstoffhof fahren und alles mitnehmen.


Fühl mal hinein: Würdest du dieser Bitte lieber nachkommen als im ersten Beispiel?


Ja? 


Dann probiere es gerne einmal in einer nur leicht angespannten Situation aus und schaue, was sich verändert.


Kleine Warnung - worauf du achten solltest

Diese Schritte bergen die Gefahr, dass du sie durchgehst, um ein Ergebnis zu erlangen – also dass dein Kind das tut, was du willst. Da ist der Sprung zum Bewerten, Erwarten und baldiges Verurteilen nicht mehr weit.

Deshalb:


Mache die Schritte nicht, um dein Kind „zu verändern“, sondern gehe sie für dich und beobachte wertfrei, was passiert.


Es könnte nämlich auch sein, dass sich nicht dein Kind ändert, aber sich etwas in dir verändert und dadurch dein Erleben in dieser Situation.

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über

Hallo, ich bin Erzieherin, langjährige Nanny und zweifache Mutter. Seit über 20 Jahren begleite ich Familien durch den Alltag mit Kindern.

Auf „Klein wird GROSS“ zeige ich dir, wie du Wutanfälle, Geschwisterkonflikte, Routinen und all die anderen Herausforderungen im Familienalltag mit mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und wertschätzender Verbindung meisterst. Meine Tipps verbinden eigene Mama-Erfahrung mit fundiertem Wissen aus Pädagogik und Selbstregulation.

Meine Mission: Gelassenheit und Freude im Familienalltag schaffen – damit Kinder Liebe und Wertschätzung in die Welt tragen und unsere Erde schöner wird.

Leserfeedback

„Danke für deine grossartige Arbeit. Ich fühle mich verstanden durch deine Texte. Ich fühle mich an die Hand genommen. Danke für deine grossartige Arbeit.“
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„Deine Artikel über Selbstzweifel, Ärger, Stress und Wut waren sehr toll! Zu wissen, dass ich nicht alleine überfordert bin, ist eine grosse Hilfe. Ich hab deinen Blog bereits weiter empfohlen.“
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„Ich muss Dir einfach mal eine grosse Umarmung schicken! Tausend Dank für Deine tollen Beiträge. Ich fühle mich verstanden und nicht alleine mit meinen Muttersorgen!“
Leserin von Klein wird GROSS


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