12. Juni 2014

Warum man sich bei einem Trotzanfall nicht (immer) auf einen Machtkampf einlassen sollte

„Ich will aber ein Kleidchen anziehen“
„Es regnet heute, ich möchte, dass du eine Hose anziehst“
„Wäh, wäh, schluchz, ich will ein Kleidchen anziehen“
„Zieh bitte dein Hose an“
„Wäh,SCHREI,wäh,SCHREI“…

Ihr könnt Euch bestimmt in diese Situation hineinfühlen und Euch vorstellen, wie die Szene weitergehen wird. (Es entwickelt sich ein voller Trotzanfall mit weinen, schreien und irgendwie die Wut rauslassen). Wenn ich meine Meinung der Hose-anziehen durchsetzen will, dann betrete ich den Ring. Der Ring der Machtkampf heißt.

Eine Mutter hat vor Jahren (als ich noch keine Kinder hatte) gesagt: „Man muss sich die Kämpfe aussuchen, die man mit seinen Kindern ausfechten mag“. Diese Aussage begleitet mich jetzt. Obwohl ich als Erzieherin und langjährige Nanny gerne konsequent bin und es auch möchte, dass meine Anweisungen respektiert werden – sehe ich nun die Weisheit in diesem Satz.

Kinder testen ihre Grenzen und probieren sich aus – am meisten aber dort, wo sie sich sicher und geliebt fühlen (also zu Hause, bei den Eltern). Somit habe ich mit meinen eigenen Kindern auf jeden Fall andere Voraussetzungen als mit den Kindern, die ich schon betreut habe. Und ich merke den Unterschied sehr! Ich hatte zwar früher auch Machtkämpfe – aber meistens wurde meine (positive, geduldige, freundliche) Autorität von den anderen Kindern schnell anerkannt. Das passiert mir nicht so oft bei meinem eigenen Kind.

Ich bin auch zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht immer meine Meinung durchsetzen muss (und auch nicht will) und mir somit die „Kämpfe“ aussuche, die mir wirklich wichtig sind.

Die Lösungen für alle anderen Machtkämpfe (alle Situationen, die mir nicht überlebenswichtig erscheinen) sind:

  • das Kind gewähren lassen („ist es dir so wichtig?“ Das Kind nickt. „Na, dann machen wir es diesmal so“)
  • im Vorfeld überlegen, ob ich überhaupt etwas sage, ob es mir so wichtig ist, dass ich einen möglichen Machtkampf durchstehen mag
  • einen Kompromiss vorschlagen bzw. einfordern

In der Beispielszene oben habe ich als Kompromiss vorgeschlagen, dass sie sobald wir wieder von draußen rein kommen (also wieder zu Hause im Trockenen sind) ihr Kleid anziehen darf. Das wurde ganz schnell akzeptiert. Sie konnte es wahrscheinlich so gut annehmen, weil sie ihren Wunsch (wenn auch verzögert) durchsetzen konnte und dieser auch von mir resperktiert wurde. Meine Anweisung, eine Hose anzuziehen, wurde auch respektiert. Somit hatten wir eine Win-Win-Situation geschaffen und beide waren glücklich.

Als Antwort auf meine Überschrift:

Warum man sich nicht (immer) auf einen Machtkampf einlassen sollte:

  • weil ein Machtkampf den Trotzanfall ins Unermessliche verlängern kann
  • weil man einen Machtkampf mit seinem Kind oft verliert, weil Kinder da oft ausdauernder sind als wir
  • weil ein Machtkampf an meiner Kraft zehrt
  • weil ein Machtkampf eine missmutige Stimmung bei beiden hervorruft

Eine Lösungsmöglichkeit ist der Kompromiss:

  • dabei können beide ihr Gesicht wahren
  • beide fühlen sich in ihren Wünschen verstanden
  • die Stimmung hebt sich fast augenblicklich

Und wenn man dann wirklich einen Machtkampf ausfechten will, dann stehen die Karten wahrscheinlich besser, weil beide Parteien vom Kämpfen noch nicht so abgestumpft bzw. entmutigt sind, dass es dann evtl. auch vom Kind leichter angenommen wird, weil es nicht so oft vorkommt.

Wenn du noch viele praktische Tipps für die Trotzphase suchst, dann könnte das für dich interessant sein.

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