6. September 2016

Baby schläft nicht alleine ein ohne Stillen

Kennst du das? Dein Säugling ist abends unruhig und schafft es nicht zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen? Dann fängst du an zu Stillen und dein Baby entspannt sich augenblicklich und bald schon fallen ihm die Augen zu und es schläft.

Perfekt, oder?

Warum erreichen mich dann Emails von Leserinnen mit der Frage: „Wie kann ich mein Kind zum Schlafen bringen, ohne zu stillen?“

Nach meinem ersten Kind hätte ich diese Frage nicht gut beantworten können – weil ich es genau so gemacht habe und es super funktioniert hat. Mein Baby schlief schnell ein, ich legte es in ihr Bettchen und die Stillabstände wurden immer länger, bis sie dann irgendwann durchschlief.

Das verlief alles unproblematisch und ohne mein Zutun.

Baby schläft nicht alleine ein

Dadurch war ich nicht darauf vorbereitet, dass es bei Kind 2 anders sein könnte:

Auch ihn stillte ich zum Einschlafen, legte ihn in sein Bettchen – jedoch anstatt dass er mit zunehmendem Alter mehrere Stunden am Stück schlief, wurden seine Stillabstände immer kürzer. Darüber hinaus wachte er auf, wenn ich ihn in sein Bettchen legte und ich konnte von Neuem mit dem Stillen beginnen. (Zu dieser Zeit konnte ich noch nicht gut mit Kindern in meinem Bett schlafen, weil mich die Bewegungen im Schlaf des Kindes entweder aufweckten oder nicht einschlafen ließen – somit war es keine Option für mich, mein Baby nach dem Einschlafstillen in meinem Bett liegen zu lassen – und das Familienbett zu praktizieren)

Es entstand ein erschöpfender Nacht-Kreislauf für mich:

  1. Stillen bis das Baby schläft
  2. Zurück in sein Bett legen
  3. Hoffen dass es dabei nicht aufwacht, denn sonst musste ich wieder bei 1. anfangen
  4. Versuchen, selbst wieder einzuschlafen – was mir häufig nicht mehr gelang, weil ich genau wusste, dass wenn ich nicht sofort einschlafen würde, ich schon bald wieder für die nächste Stillmahlzeit aufstehen müsste. Ich hatte jede Nacht noch ca. 4 zerstückelte Stunden Schlaf.

Eine Veränderung war Nötig!

Nach vielen Monaten mit wenig Schlaf war ich erschöpft. Ich wusste, es musste sich etwas verändern.

Zu diesem Zeitpunkt fiel mir das berühmt-berüchtigte Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth in die Hände.

Nein, keine Angst, ich habe mein Kind nicht alleine nach Minutenangaben schreien lassen!

Ich habe etwas anderes – und für mich lebenswichtiges – mitgenommen:

Das Wissen über die Schlafphasen von Babys

Jedes Baby hat Schlafphasen: Tiefe Schlafphasen und auch solche, die nah an das Wachbewusstsein heranreichen. Beide Schlafphasen wechseln sich ab. In der fast-wach-Phase versichern sich die Sinne des Babys, dass seine Umgebung noch genauso ist wie vor bzw. beim Einschlafen.

Das hat mit der Evolutionsgeschichte zu tun. In der Steinzeit hat diese Umgebungsprüfung Leben gerettet, wenn Gefahren drohten.
Wenn beim Baby seine Umgebung genauso ist wie beim Einschlafen und es keinen Hunger oder Schmerz verspürt, taucht es nach dieser Schlafphase normalerweise wieder in eine Tiefschlafphase ein.

Ist die Umgebung jedoch anders als beim Einschlafen kann es passieren, dass das Baby vollständig aufwacht und weint (wie im Falle meines 2. Kindes), weil es sich „bedroht“ fühlt. Das Baby braucht oft Unterstützung, um sich wieder sicher und geborgen zu fühlen und einschlafen zu können.

Beispiel: Mein Kleiner schlief in meinem Bett beim Stillen ein und wachte in seinem Bettchen ohne mich (ich war zwar nur 1 Meter weg im anderen Bett) auf. Er wachte regelmäßig auf und wollte wieder die gleiche Situation wie vor dem Einschlafen herstellen - nämlich Stillen in meinem Bett.

Nachdem ich das Verstanden hatte, war mir klar, was ich verändern konnte, um den Kreislauf zu unterbrechen:

Den Ablauf der Bett-geh-Routine.

Der erschöpfende Kreislauf ist durchbrochen

Ab sofort war das Stillen der erste Punkt der Bett-geh-Routine. Danach kamen Wickeln, Zahnpflege, Schlafanzug anziehen, Lied singen und kuscheln. Beim ausgiebigen Kuscheln wurde er ruhig und schläfrig und ich legte ihn noch halbwach in sein Bettchen. Sodass er schon in der Umgebung liegt, in der er in der fast-wach-Schlafphase liegen würde.

Der neue Ablauf und das halbwache ins Bett legen ohne Stillen war ungewohnt für mein Baby und es protestierte. Ich redete ruhig mit ihm und sagte ihm auch, dass er ab jetzt in seinem Bett einschlafen darf und dass ich bei ihm bin. Dabei streichelte ich ihm über den Bauch. Wenn aus protestieren schluchzen wurde, nahm ich ihn nochmals auf meinen Arm zum Kuscheln und Beruhigen.

Einige Abende war das unsere Bett-geh-Routine.

Nach ungefähr einer Woche lag er zufrieden (halb)wach in seinem Bett, solange ich seinen Bauch streichelte. Und nach mehreren Wochen konnte ich ihn in sein Bett legen und das Zimmer verlassen und er schlief oft selbständig ein, ansonsten ging ich nochmal zu ihm ins Zimmer.

Und das allerbeste: Die Stunden zwischen den Stillmahlzeiten in der Nacht verlängerten sich wieder und meine Schlafstörungen legten sich dadurch wieder.

Fazit:

Das war meine Geschichte des abendlichen Stillens. Ich benutzte das Stillen als Einschlafhilfe und fand es wunderschön, weil es dem Baby Geborgenheit schenkt. Deshalb habe ich das bei meinen Kindern gemacht.

Bei meinem ersten Kind ging es uns beiden gut damit und bei meinem zweiten Kind leider nicht. Deshalb habe ich das abendliche Stillen vor der Bett-geh-Routine gemacht.

Anmerkung: Dieser Artikel soll dich auf keinen Fall beeinflussen, das Stillen als Einschlafhilfe abzusetzen, wenn es dir und deinem Baby gut damit geht! Denn dann ist alles in bester Ordnung! Falls du dich jedoch in meinem Artikel wiederfindest, dann hast du jetzt eine Orientierung, wie du es verändern könntest.

Welche Erfahrungen hast du mit dem abendlichen Stillen gemacht?​

Weiterführende Aritkel zum Thema Bett-geh-Routine:

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