Kinder streiten – ein natürlicher Teil des Miteinanders. Besonders bei Geschwistern oder auf dem Spielplatz entsteht ein Streit unter Kindern ganz schnell, etwa beim Teilen, bzw. nicht teilen von Spielzeug.
Deine ruhige Präsenz hilft deinen Kindern, Konflikte selbst zu meistern und ihre Emotionen zu regulieren.
In diesem Blogartikel erfährst du, warum Streiten für Kinder wichtig ist und sie deine Unterstützung brauchen, die 3 Schritte zum Beruhigen, wie du in einer Eskalation reagieren kannst und ich beantworte 3 Fragen von Eltern zum Thema "Kinder streiten".
Dieser Artikel gehört zur Ebene 3 - gelebtes Außen - und zum Themenbereich "Konflikte mit Kindern entspannen".
Streit Kinder: Warum er so wichtig ist
„Die Kinder streiten schon wieder“ schoss es mir durch den Kopf, als ich das Geschrei aus dem Kinderzimmer hörte.
Das war nun Geschwisterstreit Nummer 8 heute und gefühlt reiht sich ein Geschwisterstreit an den anderen. Es gab diese Tage, an denen meine Kinder einfach nicht mit- oder nebeneinander spielen konnten, ohne sich zu streiten.
Diese Rangeleien um ein Spielzeug, ein Buch, meine Aufmerksamkeit, auf meinem Schoß zu sitzen, etwas zu essen usw. raubten mir an manchen Tagen meine letzten Reserven – nicht zuletzt, weil Geschwisterstreit so unglaublich laut war (zumindest bei uns!).
Streit unter Kindern fördert die Entwicklung sozialer Fähigkeiten
"Streiten gehört zur kindlichen Entwicklung“ meldete sich dann meine Vernunft immer zu Wort.
Ich weiß auch, dass Kinder unglaublich viel während eines Geschwisterstreits lernen – z.B. Streiten, Ausdiskutieren, Lösungen finden und Kompromisse eingehen (auch wenn das Momentan noch nicht ausgereift ist und es hoch hergehen kann).
Trotzdem sind streitende Kinder anstrengend für die Eltern, weil das Erlernen dieser soziale Fähigkeiten ganz viel Übung benötigt.
Das heißt für die Eltern: Sie werden den Geschwisterstreit nicht so schnell wieder los und sie brauchen Zeit, um ihren Kindern bei der Lösung des Konflikts zur Seite zu stehen. Wie du dafür konkret vorgehen kannst, Schritt für Schritt, lernst du im E-Buch: Weniger Konflikte unter Geschwistern.
Warum streitende Kinder deine Unterstützung beim Streiten brauchen
Im Streit stehen Kinder so unter Strom, dass sie oft gar nicht dazu in der Lage sind, in dem Moment noch nach Lösungen zu suchen (zumindest die jüngeren Kinder). Sie werden von ihren Gefühlen überrollt und können ihre Gefühle nur noch ausleben.
Deshalb bin ich so glücklich, mit den 3 Schritten zum Beruhigen, meinen Kindern beim Geschwisterstreit zu helfen, aus dieser verzweifelten, wütenden Gefühlslage herauszukommen - sich wieder zu beruhigen.
Das Beruhigen hilft meinen Kindern, sich bei Streitigkeiten schneller auf den konstruktiven Teil – das Finden einer Lösung – einzulassen.
Kinder streiten nur: Die 3 Schritte zum Beruhigen deiner Kinder
Deine Kinder streiten nur und es wird dir zu viel? Diese 3 Schritte sind einfach, schnell anwendbar und beruhigt die Gemüter deiner Kinder:
Kinder streiten -Schritt 1 - Gefühle benennen
Wenn der Geschwisterstreit bei uns ausgebrochen ist und Weinen, Verzweiflung oder Wut die Folge ist, dann konzentriere ich mich zuallererst darauf, meine Gefühle zu regulieren und selbst ruhig zu bleiben.
Das ist die Grundlage, dass ich meine Kinder durch ihre Gefühle begleiten kann. (Wenn dir das schwer fällt, hilft dir dieser Videokurs, dies mit einfachen Schritten zu erlernen.)
Erst danach geht es um die Gefühle meiner Kinder.
Ich gebe das Gefühl jedes Kindes wieder (welches ich erspüre oder vermute)
Kinder streiten -Schritt 2 - Streitende Kinder wollen verstanden werden
Wenn das Wiederspiegeln der Gefühle angekommen ist (Kind nickt dazu oder sagt selbst, was es fühlt), gebe ich meinem Kind die Bestätigung, dass es o.k. ist, diese Gefühle zu haben und dass ich es verstehen kann: „Ja, das kann ich verstehen, dass du wütend bist“
Dadurch fühlt sich das Kind angenommen mit seinen Gefühlen und verstanden. Außerdem fühlt es, dass es nun nicht mehr alleine ist mit seinen starken Gefühlen.
Kinder streiten -Schritt 3 - Kinder beruhigen
Danach schaue ich, ob Körperkontakt (über Kopf streicheln, Rücken streicheln, Kuscheln) erwünscht ist und tröste entweder mit einer Umarmung, Kuscheln, Streicheln oder mit leisem Sprechen und halte den Raum für die Gefühle meiner Kinder ("den Raum halten für Gefühle der Kinder" würdest du hier lernen) – so lange, bis die Emotionen draußen sind und das Kind/die Kinder sich vollständig beruhigt haben.
Danach fällt es allen Beteiligten wieder leichter, nach einer Lösung zu suchen, die für alle passt - weil die erhitzten Gemüter sich beruhigt haben.
Geschwisterstreit ist erträglich geworden
Mit diesen 3 Schritten sind die lauten Geschwisterstreitigkeiten meiner Kinder erträglich geworden. Weil die Lautstärke nur eine kurze Zeit bestehen bleibt und wir danach zum Lösungen suchen übergehen können.
Das Lösung finden kann zwar auch seine Zeit in Anspruch nehmen – bis eine Lösung gefunden wird, die für beide annehmbar ist – aber das ist für mich nicht mehr schwierig, weil die Lautstärke weg ist.
Wenn du wissen willst, wie ich bei der Lösungsfindung mit den Kindern Schritt für Schritt vorgehe, dann schaue hier vorbei: Geschwister streiten
Kinder streiten ständig - Eskalation vorprogrammiert
Deine Kinder streiten ständig? Dann ist es nur eine Frage der Zeit, dass du es nicht mehr schaffst, deine Kinder rechtzeitig mit dem 3-Schritte-Plan zu beruhigen, weil du einfach zu spät dazu gekommen bist.
Wenn der Streit schneller in Schlagen oder Schubsen eskaliert als du Beruhigen kannst, dann versuche Folgendes:
Geschwisterstreit: Was du bei Schlagen oder Schubsen tun kannst
Erklärung dazu:
"Hör sofort auf...":
evtl. mit sanftem aber bestimmten Festhalten des Armes darauf bestehen, dass es aufhört zu schlagen.
"...das tut weh":
Das sage ich deshalb, dass das Kind nicht nur eine Aufforderung bekommt zum Aufhören des Schlagens, sondern auch einen Grund, weshalb es nicht schlagen darf. Kurz und knackig - das es auch bei erhitzten Gemütern ankommt.
Jetzt kannst du wie zuvor beschrieben weiter gehen und den Raum für die Gefühle deiner Kinder halten.
Erklärung dazu:
Das machte ich, um meinen Kindern einen Einblick in die Gefühlswelt des anderen zu gewähren. Erst im Alter zwischen dem sechsten und siebten Lebensjahr schaffen es Kinder, sich wirklich in einen anderen hineinzuversetzen.
Durch das Wahrnehmen der Mimik des Gegenübers jedoch haben meine Kinder für kurze Zeit mit dem anderen mitgefühlt (nicht jedes Mal) und haben kurz erkannt, dass es nicht schön ist für den anderen, Geschlagen zu werden.
Anmerkung: Wie du mit deinen Kindern Lösungen findest, die Konfliktanzahl verringerst und die Geschwisterbeziehung stärkst, findest du hier.
Leserfrage: Mein Kind (6) kann/will sich nicht entschuldigen. Die Regeln des Zusammenlebens in der Gesellschaft beinhalten jedoch das Entschuldigen. Hast du eine Idee, wie ich mein Kind dafür sensibilisieren kann?
Im ersten Schritt - also nach unangebrachtem Verhalten - würde ich dem Kind folgendes sagen: „Ich finde es jetzt angebracht, dass du dich für (das Verhalten benennen) entschuldigst!“
Dadurch hast du Stellung bezogen, dass sein Verhalten für dich nicht akzeptabel ist und trotzdem baust du keinen Zwang auf, dass sich dein Kind unter Druck entschuldigen muss.
Auch wenn sich dein Kind dagegen entscheidet und sich nicht entschuldigt (was sehr wahrscheinlich ist), ist deine Botschaft angekommen.
Danach wendest du dich "dem Geschädigten" zu und sagst, dass dir das leid tut, was gerade passiert ist und gehst dann sofort dazu über, wie du dem Geschädigten helfen bzw. etwas wieder gutmachen kannst.
Beispiel:
Hat dein Kind jemanden umgeschubst, dann hilfst du ihm auf, fragst, ob bzw. was ihm weh tut. Bietest ihm ein Pflaster an…
Das tust du, damit die Aufmerksamkeit weg geht von deinem Kind und hin zum Geschädigten geht.
Dafür habe ich zwei Gründe:
Am Abend oder einige Zeit später kannst du versuchen, ein Gespräch über diese Situation zu führen und zu schauen, ob du herausfindest, warum dein Kind das gemacht hat.
Welches seiner Bedürfnisse ist unerfüllt geblieben und hat ihn veranlasst, sich so zu verhalten?
Wenn du fündig wirst, dann könnt ihr darüber sprechen, welche alternativen Handlungsweisen es noch gibt, um sich dieses Bedürfnis zu erfüllen.
Frage: Mein Großer (3) nimmt dem Kleinen ständig das Spielzeug weg. Wie soll ich damit umgehen, wenn Kinder um Spielzeug streiten?
Für die Kleinkinder dreht sich die Welt nur um sie. Das heißt, wenn sie mit dem Auto des Geschwisterchens spielen möchten, nehmen sie es einfach weg.
Gerade bei jüngeren Geschwistern, die es noch nicht verteidigen können, sind sie mit dieser Strategie sehr erfolgreich.
Es ist keine böswillige Absicht, sondern nur ein Beachten der eigenen Bedürfnisse. ("Ich will mit dem Auto spielen").
Manchmal kann noch ein wenig Konkurrenz dahinter stecken, wenn das Geschwisterkind für das Spielen mit einem Gegenstand gelobt wurde z.B. "dein Becherturm ist ganz schön hoch geworden!"
Es könnte sein, dass dann das große Kind auch zeigen möchte, dass es einen ebenso hohen oder noch höheren Turm bauen kann.
Auf die Reaktion des Gegenübers aufmerksam machen:
Wenn Kinder Spielsachen wegnehmen, versuche ich, sie auf die Reaktion des anderen Kindes aufmerksam zu machen - es für die Gefühle des Gegenübers zu sensibilisieren.
Je nach Alter des Kindes muss das Einfühlungsvermögen in einen anderen erst noch reifen.
Reaktionen wie Weinen, Gesicht verziehen, trauriger Blick werden jedoch sofort verstanden - auch von Kleinkindern - wenn sie wahrgenommen werden. Dabei helfe ich:
Wenn es schon zum richtigen Geschwisterstreit kommt - also der Kleine sich zu wehren beginnt und die Gefühle überlaufen, dann kann dir Geschwister streiten weiterhelfen.
Frage: Wie soll ich reagieren, wenn Kinder z.B. auf dem Spielplatz in einen Konflikt geraten, weil sie streiten um Spielzeug?
Wenn du die Mutter des anderen Kindes kennst, dann würde ich Blickkontakt aufnehmen und schauen, ob ihr beide erst mal nur beobachtet und den Kindern somit die Chance gebt, den Konflikt selbst zu lösen.
Je nachdem, wie groß der Altersabstand zwischen den beiden ist, muss abgewägt werden, ob nicht die Mutter des jüngeren Kindes zumindest nahe zum Kind hin geht und von dort aus beobachtet.
Kennst du die andere Mutter nicht, dann musst du für dich abwägen, ob du erst mal nur beobachtest und in Kauf nimmst, dass die andere Mutter evtl. gleich einschreitet oder ob du diejenige sein willst, die dem Konflikt beisteht.
Beispiele, wenn ich eingreife:
Werden die Grenzen meiner Kinder überschritten und merke ich an deren Reaktion, dass sie sich jetzt mit dieser Situation überfordert fühlen, dann greife ich ein.
Z.B. bei mutwilliger Zerstörung eines Sandbauwerkes durch ältere Kinder.
Sollte ein Kind auf dem Spielplatz dein Kind schlagen, dann würde ich eine klare Ansage machen "Stop, hör auf zu schlagen!" und mich dabei zwischen die beiden stellen und dann könntest du je nach Situation (z.B. dein Kind hat zuvor das andere Kind geärgert) bei der Vermittlung helfen.
Zum Thema Entschuldigen:
Eine Entschuldigung des "Angreifer-Kindes" oder eine generelle Entschuldigung beider würde ich nicht einfordern, denn oft tut es dem Kind in dem Moment nicht leid, dass es sich gewehrt hat und dabei dem anderen Kind mit der Sandschaufel weh getan hat.
Mit einer Entschuldigung zwingst du dein Kind zu lügen. Jedoch könntest du zum anderen Kind sagen: "Es tut mir leid, dass du die Schaufel auf die Finger bekommen hast! Tut es noch weh?" und zeigst damit deinem Kind, wie man damit umgehen kann, wenn man im Streit einem anderen weh getan hat.
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Weil man ja nicht immer sofort in Reichweite ist, wenn die Kids zu Hauen und Schubsen beginnen, gabs bei uns noch ein paar „Kampfregeln“ wie nicht ins Gesicht schlagen oder nicht auf jemanden schlagen, der eh schon auf dem Boden liegt. Manchmal war das, was für mich ganz schrecklich nach Schlägerei ausgesehen hat, für die Mädels nur Spaß. Da musste aber klar sein, aufhören, wenn einer nicht mehr mag.
lg, Vera
„Kampfregeln“ – das ist eine gute Idee! Mal schauen, wie ich das für meine beiden umsetzen könnte :-)
Diese Tipps hätte ich gerne gehabt, als meine Kinder klein waren. Ich hab sie mir auch erarbeitet, weil meine große Schubser waren ;-)
LG
Ilse
Hallo Ilse,
„waren“ klingt gut, dann ist diese Phase für dich schon abgeschlossen :-)
LG
Petra