Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

April 14, 2023

Fragst du dich: Trotzphase – wann beginnt sie eigentlich? Viele Eltern merken sie erstmals bei Kleinkindern durch plötzliche Rebellionen, Sturheit oder laute Nein-Phasen, die den Alltag durcheinanderwirbeln.


Diese Phase ist normal und dient der Entwicklung von Unabhängigkeit, doch sie kann emotional fordern.


In diesem Blogartikel erfährst du, woran du die Trotzphase erkennst, wie lange sie dauert und warum sie entsteht – inklusive sichere Zeichen und Gründe für Trotzreaktionen.

Autonomiephase oder Trotzphase?

Der Begriff Trotzphase wird zunehmend vom neutraleren Begriff Autonomiephase ersetzt. Dies ist vor allem in der psychologischen Fachwelt zu beobachten, da Trotzphase dem Kind unterstellt, dass es einfach nur trotzt, um des Trotzes Willen.


Wenn du den Artikel bis zum Ende gelesen hast, wirst du wissen, dass dem nicht so ist. Vielmehr ist der Trotz des Kindes eine Reaktion auf die Versuche, sein Selbstständigkeit einzuschränken.


Kinder folgen in der Trotzphase ihrem Drang nach Unabhängigkeit (Autonomie).

Trotzphase ab wann?

Die Frage "Trotzphase ab wann beginnt sie?" kann man nicht pauschal beantworten. Die Trotzphase beginnt nicht an einem Tag und ist von Kind zu Kind unterschiedlich.


Irgendwann zwischen dem 14. - 18. Lebensmonat - bei manchen Kindern noch später regt sich zum ersten Mal für die Eltern deutlich spür- oder sichtbar der eigene Wille des Kindes.


Es sträubt sich mit vollem Körpereinsatz gegen etwas, worauf es keine Lust hat. Oder es ist so frustriert von etwas, dass es sich auf den Boden wirft oder lauthals brüllt.


Klar, dein Säugling hat sich zuvor auch manchmal gesträubt oder gebrüllt - nur mit dem Start der Trotzphase tritt dieses Verhalten vermehrt auf und in Situationen, in denen dein Kind mehr selbst bestimmen mag (deshalb wird die Trotzphase auch Autonomiephase genannt - ein Streben nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.)

Trotzphase wie lange dauert sie?

Die Frage "Trotzphase wie lange dauert sie?" kann man in Zeitabschnitten beantworten. Die Dauer der Trotzphase kann in drei Abschnitte aufgeteilt werden.


Die Anfänge der Trotzphase:
Zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat zeigen die meisten Kinder erste Anzeichen der Trotzphase. Ich betreute Kinder, die sich schon mit 15 Monaten vor Wut auf den Boden warfen, aber auch andere, bei denen ich, bis sie 2,5 Jahre alt waren, kaum etwas von der Trotzphase merkte.


Die Hauptzeit der Trotzphase:
Die Zeit zwischen 18 Monaten und 3 Jahren gilt als die Hauptzeit der Trotzphase. Die Anzahl der Wutanfälle kann stark variieren: Zwischen einigen Malen pro Tag und nur ein Mal die Woche, vielen Wutanfällen für einige Wochen und dann wieder für längere Zeit nur wenige Wutanfälle oder wenigen Wutanfällen mit 2 Jahren, dafür viele tägliche Wutanfälle mit 4 Jahren (oder andersherum).


Wie viele Wutanfälle ein Kind in dieser Phase haben wird und wie stark diese ausgeprägt sind, hängt einerseits vom Temperament des Kindes und andererseits von der Art und Weise ab, wie du mit der Trotzphase umgehst.


Das Temperament deines Kindes kannst du nicht verändern. Du kannst jedoch mit der Art und Weise, wie du dich verhältst, Einfluss auf den Verlauf der Trotzphase nehmen.


In dieser Emailserie erfährst du, was du bei einem Wutanfall tun kannst, damit er sich nicht in die Länge zieht.


Und wenn du deine Gefühle sicher regulieren kannst und dadurch den Wutanfall ruhig begleitest, verliert die Trotzphase seine Schrecken. 


Das langsame Ende:
Es ist wirklich ein langsames Ende, welches sich bis zum Ausklingen der Kindergartenzeit erstrecken kann. Aber keine Angst, die Wutanfälle nehmen jetzt normalerweise immer weiter ab.

Was sich für die Trotzphase ab 3 Jahren ändert

Mit 3 Jahren steigen die Kompetenzen des Kindes enorm an und dies führt dazu, dass das Kind weniger Frustrationen verspürt, was in den meisten Fällen dazu führt, dass die Wutanfälle weniger werden.


Das Kind wird wieder „ruhiger“ und ausgeglichener, was aber nicht heißt, dass es keine Wutanfälle bzw. rebellisches Verhalten mehr gibt.


Wie du Wutanfälle deines Kindes wertschätzend begleitest und was du tun kannst, damit es generell weniger zu Wut führende Situationen gibt, erfährst du in dieser Emailserie.

Trotzphase Alter: Sichere Zeichen der Trotzphase

Nicht alle Autonomiephase Symptome müssen auftreten und auch nicht alle zur gleichen Zeit!

  • Die Frustrationstoleranz des Kindes ist allgemein gering.
  • Bei Frustration fängt das Kind zornig an zu weinen, zu schreien oder zu stampfen.
  • Kind lässt sich auf den Boden fallen, um seinem Ärger Ausdruck zu verleihen.
  • „Nein, ich will nicht“ und "Alleine machen" – dieser Satz tritt vermehrt auf. (Hier ein weiterführender Artikel, der dir dazu auch helfen könnte: Tobsuchtsanfall: Warum du dich dabei nicht auf einen Machtkampf einlassen solltest.)
  • Die Eltern haben das Gefühl, dass das Kind sie absichtlich ärgert. 
  • Das Kind wehrt sich mit Händen und Füßen gegen die Eltern bei vorher „normalen“ Dingen wie Anziehen, Windeln wechseln…
  • Es tut genau das Gegenteil von dem, was man sagt.
  • Vermehrte Wutanfälle (diese Emailserie hilft dir beim wertschätzenden Umgang mit kindlicher Wut).

Warum gibt es das Trotzphase Alter überhaupt?

Das Trotzphase Alter ist eine bedeutsame Zeit in der Entwicklung deines Kindes:

  • In dieser Zeit erkennt sich dein Kind als eigenständiges Individium und es beginnt sich von seinen Eltern abzugrenzen.
  • Es will selbstständig werden - aber die körperlichen Fähigkeiten des Kindes sind noch nicht so weit entwickelt wie die geistige Vorstellungskraft, was zu Frustrationen bei der Umsetzung führt.
  • Dein Kind lernt so viel jeden Tag - das kann auch mal zur inneren Anspannung führen, das sich als Trotzanfall entlädt.
  • In dieser Zeit lernen Kinder, mit ihren Gefühlen (z.B. Frust und Ärger) umzugehen, das lernt man auch nicht von heute auf morgen. Der Ärger und Frust entlädt sich dann im Wutanfall.

Was noch zum Autonomiephase Alter beiträgt:

  • Es gibt den Konflikt zwischen Wollen und Dürfen. Dein Kind will ganz viel alleine machen, überschätzt sich aber manchmal dabei und du greifst ein.
  • Es fällt Kindern in diesem Alter schwer, ihre Bedürfnisse aufzuschieben, weil sie kein Zeitgefühl haben und im Hier und Jetzt leben. Deshalb wollen sie auch, dass ihre Wünsche jetzt sofort erfüllt werden. Wenn dem nicht so ist, kann ein Wutanfall die Folge sein. Wie du die Anzahl der Wutanfälle trotzdem reduzieren kannst, erklärt dieser Artikel: Wutanfall Kleinkind
  • Kinder müssen lernen, dass es Regeln im Zusammenleben mit anderen Menschen gibt, an die sie sich halten müssen, was nicht immer einfach ist, weil man dafür auch eigene Erwartungen zurückstecken muss. (Anmerkung: Willst du dich ausführlich mit dem Thema Regeln, Konsequenzen und Grenzen auseinandersetzen, dann ist das hier vielleicht von Interesse für dich)

Autonomiephase: Warum entstehen Trotzreaktionen?

Die Trotzreaktionen entstehen, weil dem Streben nach Autonomie Einhalt geboten wird – entweder durch die Eltern oder durch noch nicht vollständig entwickelte Fertigkeiten.


Die typischen Verhaltensweisen in der Trotzphase sind Mittel zum Zweck: Zum einen kann das Kind damit seine starken Gefühle herauslassen und der innere Druck lässt dabei nach.


Zum anderen übt es sich darin, über sich selbst zu bestimmen und eigene Wünsche erfüllt zu bekommen, also eine gewisse Autonomie zu erlangen.


Nachdem das Kleinkind sich gerade erst als Individuum entdeckt, hat es natürlich noch keine Erfahrung damit, wie man Wünsche sozial angemessen ausdrückt. Deshalb setzen junge Kinder einfach ihren gesamten Körper ein, um mehr Selbstbestimmung zu erhalten. Sie winden sich bspw. aus festhaltenden Armen, schreien oder schlagen um sich.


Erst im Laufe der Jahre wird das Kind andere Strategien lernen, wie man über sich selbst bestimmen und seine Wünsche ausdrücken kann, ohne dabei seine ganze Körper- oder Stimmkraft einsetzen zu müssen.


Es wird mit der Zeit auch lernen, mit starken Gefühlen anders umzugehen und sie zu regulieren. Erst dann werden die Trotzreaktionen überflüssig sein. Dabei ist es äußerst wichtig, dass du bei der Co-Regulation des Nervensystems deines Kindes hilfst. Dafür ist es eine Grundvoraussetzung, dass du dich mit deinen Gefühlen selbst regulieren kannst. Wenn du eher schnell wütend, gestresst oder genervt wirst und deine Gefühlsregulation verbessern möchtest, dann empfehle ich dir den Videokurs GefühlsRaum.

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über

Hallo, ich bin Erzieherin, langjährige Nanny und zweifache Mutter. Seit über 20 Jahren begleite ich Familien durch den Alltag mit Kindern.

Auf „Klein wird GROSS“ zeige ich dir, wie du Wutanfälle, Geschwisterkonflikte, Routinen und all die anderen Herausforderungen im Familienalltag mit mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und wertschätzender Verbindung meisterst. Meine Tipps verbinden eigene Mama-Erfahrung mit fundiertem Wissen aus Pädagogik und Selbstregulation.

Meine Mission: Gelassenheit und Freude im Familienalltag schaffen – damit Kinder Liebe und Wertschätzung in die Welt tragen und unsere Erde schöner wird.

Leserfeedback

„Danke für deine grossartige Arbeit. Ich fühle mich verstanden durch deine Texte. Ich fühle mich an die Hand genommen. Danke für deine grossartige Arbeit.“
Brigitte


„Deine Artikel über Selbstzweifel, Ärger, Stress und Wut waren sehr toll! Zu wissen, dass ich nicht alleine überfordert bin, ist eine grosse Hilfe. Ich hab deinen Blog bereits weiter empfohlen.“
Ines


„Ich muss Dir einfach mal eine grosse Umarmung schicken! Tausend Dank für Deine tollen Beiträge. Ich fühle mich verstanden und nicht alleine mit meinen Muttersorgen!“
Leserin von Klein wird GROSS


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