In der Kleinkindentwicklung fragst du dich vielleicht des öfteren, ob dein Kind „altersgerecht“ vorankommt, warum es mal ganz klein und anhänglich sein will und mal so unendlich groß und selbstständig – und ob das überhaupt normal ist?
In diesem Artikel tauchen wir in das eigene Tempo der Kleinkindentwicklung ein, schauen auf meine Beobachtungen aus Jahren als Mutter und Erzieherin und lernen, wie du dein Kind ganz nebenbei durch deinen liebevollen Umgang förderst. Du erhältst das beste Mindset für diese spannende Phase und wie du mit Fehlern umgehst – für mehr Gelassenheit und Vertrauen in euren einzigartigen Weg.
Kleinkindentwicklung: Kinder haben ein eigenes Entwicklungstempo
Es gibt die unterschiedlichsten Tabellen für die Kleinkindentwicklung. Sie sagen aus, was ein Kind bis wann können sollte - du hast sie bestimmt schon einmal gesehen, oder?
Es gibt Monats- bzw. sogar Wochenrechner mit Beschreibungen was das Kleinkind bis dahin schon können sollte.
Doch die Kleinkindentwicklung schreitet nicht nach Tabellen voran – somit halten sich Kleinkinder in der Regel nicht an diesen Entwicklungsplan.
Meine Kinder zumindest taten das nicht :-). Krabbeln, Sitzen mit 8 Monaten? Weit gefehlt.
Ist es wirklich so wichtig, dass die Kleinkindentwicklung nach Plan voranschreitet? Oder darf jedes Kind doch sein eigenes Entwicklungstempo haben?
Langsame Kinder holen während der Kleinkindentwicklung wieder auf
Meiner Erfahrung nach entwickeln sich Kinder nicht nach Plan, sondern in ihrem eigenen Tempo und wenn sie “langsamer” sind, holen sie wieder auf – wenn nicht irgendwelche physischen/mentalen Einschränkungen bestehen.
Nach meiner Beobachtung konzentrieren sich Kinder oft auf einen Entwicklungsbereich und machen dort große Fortschritte und andere Bereiche bleiben weit hinter denen von gleichaltrigen Kleinkindern zurück (welche sich gerade auf diesen Bereich "fokussieren").
Die Kleinkindentwicklung hüpft also eher von einem Entwicklungsbereich zum nächsten. Solange eine Sache geübt wird (z.B. laufen lernen) bleiben die anderen Entwicklungsbereiche öfter „stehen“ (es tut sich z.B. nicht viel in der Sprachentwicklung - man hat das Gefühl, sie stagniert).
Je nach den Vorlieben und Anlagen deines Kleinkindes wird es einen Bereich schneller meistern als einen anderen. Dadurch erklärt sich auch, warum manche Kleinkinder schon mit 11 Monaten laufen aber erst mit 2 Jahren sprechen und andere mit 12 Monaten schon ganz viele Wörter sprechen, jedoch erst mit 18 Monaten laufen.
Meine Beobachtungen zur Entwicklung eines Kindes
Die Kleinkindentwicklung läuft also nicht nach Plan ab. Um dir dieses zu veranschaulichen kommen hier ein paar Beispiele dazu:
Physische Einschränkungen in der Entwicklung eines Kleinkindes
Ich denke als Mutter/Vater hat man oft eine Intuition, ob das eigene Kind Hilfe braucht oder einfach nur Zeit für seine ganz eigene Entwicklung braucht. Wenn du dir aber unsicher bist, sprich am besten mit deinem Kinderarzt.
Dein Kind nebenbei - durch deinen Umgang mit ihm - fördern:
Du kannst dein Kind in vielen Bereichen fördern - einfach nur durch die Art und Weise, wie du mit ihm umgehst.
Hier ein paar Inspirationen:
Lernanreize während der Beschäftigung
Schon in den alltäglichen Dingen - die du schon mit deinem Kleinkind machst - gibst du deinem Kind Lernanreize:
In der Entwicklung eines Kindes gibt es eine längere Übergangsphase
In dieser Übergangsphase zwischen Kleinkind und Kind kommt es immer wieder vor, dass dein Kleinkind zwischen groß und klein sein wollen hin und her schwankt.
Beispiele für groß sein wollen im Kleinkindalter meiner Tochter:
- Sie will die Große sein. Sie zeigte mir andauernd, was sie jetzt schon alles kann. Sie verglich sich mit anderen Kindern und mit ihrem Bruder.
Beispiele für klein sein wollen im Kleinkindalter meiner Tochter:
Aber dann kamen wieder Momente, in denen sie ganz klein sein wollte:
Es war ein ständiges Schwanken zwischen “Ich will groß sein” und “Ich will ein Kleinkind wie mein Bruder sein”
Nicht immer fiel es mir leicht mit diesem Groß und Klein sein wollen umzugehen:
- Gerade wenn es schnell gehen musste und sie von mir angezogen werden wollte (ich könnte in der Zeit doch schon ihren Bruder fertig anziehen)
- Wenn sie selbständig entscheidete, dass sie jetzt aber unbedingt noch etwas basteln musste und es wirklich nicht geht, dass sie jetzt ins Bett gehen solle – nein auf gar keinen Fall möglich – und ich eigentlich endlich meinen verdienten Feierabend machen wollte
- Wenn ich die Zähne zusammenpressen musste, um nicht laut aufzustöhnen, wenn sie anfing, in Babysprache zu sprechen (normalerweise spricht sie sehr deutlich und ist redegewandt…)
Trotzdem wusste ich, dass dieses Schwanken ganz normal ist. Mit diesem Zurückfallen in “ich will wieder klein” sein, holt sich ein Kind die Sicherheit, Geborgenheit und Liebe, die es braucht, um dann wieder als “Große” in die Welt hinaus zu gehen und die Welt im Sturm zu erobern.
Ich versuchte, diese Augenblicke des “ich will wieder klein seins” und “Mama soll helfen” zu genießen anstatt zu “verdammen”.
Denn seien wir mal ehrlich: wie lange wollen Kinder diese Nähe noch haben, bevor sie in die nächste Selbstständigkeitsphase gehen und sie nicht mehr klein sein wollen?
Und in Augenblicken, in denen sie “groß sein will”, versuchte ich mein bestes, ihr Freiräume zuzugestehen und sie immer mehr ihren Weg gehen zu lassen und trotzdem begleitend an ihrer Seite zu stehen.
Das beste Mindset für die Kleinkindentwicklung
Das beste Mindset, um gelassen mit der Entwicklung deines Kleinkindes umzugehen ist: Zu akzeptieren, dass das Lerntempo von Kindern unterschiedlich ist und nicht mit anderen Kindern oder Tabellen verglichen werden kann. Und: Darauf zu vertrauen, dass dein Kind einen "inneren Bauplan" hat und diesem folgt und es in genau der richtigen Reihenfolge lernt, was es zu lernen hat, um sich bestmöglich zu entwickeln.
Das ist manchmal gar nicht so einfach.
Eltern vergleichen ihre Kinder bewusst oder unbewusst mit anderen Kindern – bzw. Tabellen für die Kleinkindentwicklung. Manchmal können wir es gar nicht erwarten, dass ein Entwicklungssprung geschafft ist.
Oder es fällt schwer, nur beobachtend daneben zu stehen, wenn ein Kind sich abmüht, etwas zu schaffen (z.B. beim Steckspiel die richtige Öffnung zu finden).
Weil du als Erwachsene genau weißt, wie etwas am besten funktioniert, willst du deinem Kind das Wissen auch bereitstellen.
Für dein Kind ist es jedoch ein viel größerer Erfolg, wenn es etwas alleine geschafft hat. Die Freude und den Stolz über das Gemeisterte kannst du danach in seinem Gesicht ablesen.
Deshalb empfehle ich dir, dein Kind erst einmal in seinem Tun zu beobachten. Wenn es sehr frustriert ist von einer Sache, dann kannst du deine Hilfe immer noch anbieten ("soll ich dir helfen?"). Wenn das bejaht wird, dann ist die beste Hilfe die „Hilfe zur Selbsthilfe“.
Also einen Trick bzw. einen Hinweis geben, wie dein Kind etwas alleine meistern kann ("schau mal wie der Bauklotz wackelt, stell ihn so hin, dann steht er stabiler und dann kannst du den Turm noch höher bauen")
Durch dein Hinführen an die Lösung löst dein Kind sein Problem fast alleine. Weil dieses Erfolgserlebnis mit intensiven freudigen Gefühlen verbunden wird, speichert das Gehirn deines Kindes diese Erfahrung besser ab.
Dadurch wird die Lernerfahrung intensiviert und das Kind ist motiviert, weiterhin mit Ausdauer, Einfallsreichtum und Selbständigkeit zu lernen.
Umgang mit Fehlern in der Kleinkindentwicklung
Kinder haben keine Angst vor Fehlern.
Angst oder Unbehagen bei Fehlern lernen sie erst irgendwann von uns Erwachsenen.
Kleinkinder registrieren normalerweise Fehler, indem sie feststellen, dass etwas nicht funktioniert. Sie ärgern sich vielleicht darüber und versuchen es dann einfach erneut, es zu schaffen.
Denn Fehler zeigen deinem Kleinkind, dass ihm noch etwas „fehlt“, das es noch weiter üben muss, um erfolgreich zu sein.
Kinder wissen einfach, dass Fehler zum Lernen dazugehören und versuchen einfach mit einem neuen Weg erfolgreich zu sein.
Wie du dein Kleinkindentwicklung bzgl. Fehler unterstützen kannst:
Versuche diese ursprüngliche Fehlerkultur von "mir fehlt noch etwas, ich muss noch mehr üben" deines Kindes solange wie möglich aufrechtzuerhalten.
Das kannst du tun, indem du nicht von Fehlern sprichst, sondern darüber, dass es noch etwas Übung braucht, bevor es klappen wird.
Dies stärkt außerdem noch das Selbstbewusstsein deines Kindes. Wenn du in dieses Thema noch weiter einsteigen willst, empfehle ich dir, dass du dir diese PDF holst
