Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

Juni 29, 2018

Manchmal hast du das Gefühl, dein Kind provoziert bis aufs Blut – ein Zustand, der dich natürlich nicht kaltlässt.


Du fühlst dich provoziert, verlierst die Kontrolle und steigst vielleicht in einen Machtkampf ein, der mit unschönen Worten und verletzten Gefühlen auf beiden Seiten endet.


Zudem weckt Provokation oft alte, ungeliebte Muster wie lautes Schimpfen, scharfe Kritik oder Sarkasmus, die danach Schuldgefühle hinterlassen.


In diesem Blogartikel erfährst du, wie du in solchen Situationen ruhig bleiben kannst und erhältst 4 Schritte, um mit Provokationen umzugehen. 

Wie ruhig bleiben wenn Kind provoziert

Wie ruhig bleiben, wenn Kind provoziert? Das ist die 100 Millionen Dollar Frage.


Meiner Erfahrung nach setzt diese Frage zum falschen Zeitpunkt an:


Wenn dein Kind schon provoziert und deine ärgerliche Reaktion bereits startete, dann ist es schwer, noch ruhig zu bleiben - weil alte Verhaltensmuster dich einfach überrollen. Aber du kannst es lernen auch in emotional herausfordernden Situationen ruhig zu bleiben - hier erfährst du mehr darüber.

Wo ich ansetze, wenn mein Kind provoziert:

Was kann ich tun, um mit diesen Provokationen anders umzugehen, bzw. solche Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen? 


Dafür nutze ich die nun folgenden 4 Schritte:

Mein Kind provoziert mich: Schritt 1 -  In welchen Situationen provoziert dich dein Kind?

Notiere dir zuerst einmal alle Situationen in Stichpunkten, in denen du dich von deinem Kind provoziert fühlst. Leg dir für die nächsten Tage einen Zettel und Stift bereit und fange an, dir Situationen zu notieren.

Mein Kind provoziert mich: Schritt 2 -  Situationen in denen dein Kind provoziert analysieren

Im zweiten Schritt analysierst du die notierten Situationen:

  • Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Situationen? Einen gemeinsamen Nenner? (Gleiche Tageszeit, bei den Hausaufgaben, Geschwisterkommunikation...)
  • Schau dir die notierten Situationen genau an: Was provoziert dich daran am meisten. (Lautes Schimpfen deines Kindes, Ausdrücke sagen...)
  • Was ist deiner Meinung nach der Auslöser, der das Provozieren deines Kindes in diesen notierten Situationen gestartet hat?

Mein Kind provoziert mich: Schritt 3 - Was brauchst du und dein Kind?

Im dritten Schritt überlegst du dir, was du in den von dir notierten Situationen brauchst - aber auch was dein Kind von dir braucht - damit die Anzahl der Situationen, in denen dein Kind dich provoziert abnehmen können:

  • Hast du z.B. als gemeinsamer Nenner der notierten Situationen festgestellst, dass das Provozieren immer direkt nach der Schule passiert und danach abnimmt. Dann überlegst du dir, was du brauchst (z.B. ein freundliches Hallo, wenn dein Kind zur Türe herein kommt), aber auch was dein Kind in diesem Moment brauchen könnte (z.B. erst mal ein paar ruhige Minuten, bevor irgendetwas von ihm erwartet wird). Du kannst dir auch überlegen, wie du die Situation selbst verändern könntest, damit es gar nicht mehr zu diesem Provozieren kommt.
  • Wenn du nicht genau weißt, was du in diesen Situationen brauchst: Du hast dir in Schritt 2 schon notiert, was dich an den Situationen provoziert. Jetzt kannst du es umformulieren (ins Gegenteil setzen) zu dem was dir wichtig ist: z.B. wertschätzende Sprache.
  • Und zuletzt hast du dir in Schritt zwei Gedanken zum Auslöser der Situation gemacht. Was könntest du an dem Auslöser der Situation vorab verändern - für dich aber auch für dein Kind - dass die gleiche Situation morgen nicht wieder so provozierend verläuft? 
  • Wenn du nicht genau weißt, was sich dein Kind in dieser Situation wünscht oder es von dir braucht, dann ist es der beste Weg, es zu fragen. Dieses Gespräch sollte jedoch fernab einer provozierenden Situation stattfinden - wenn alle Gemüter ruhig sind! 
  • Es könnte dir auch helfen, dir folgende Artikel durchzulesen: Verhaltensauffälliges Kind um hinter das Verhalten deines Kindes zu blicken. Und vielleicht steckt hinter dem provozierenden Verhalten auch ein Entwicklungsschub? Mehr darüber erfährst du hier.

Mein Kind provoziert mich: Schritt 4 - Umsetzung

Jetzt nimmst du dir deine Notizen aus Schritt 3 und probierst sie NACH UND NACH aus. Nur ja nicht alle auf einmal! Das übt nur Druck auf dich aus und ist kontraproduktiv zum ruhig bleiben.


Beispiele:


  • Du hast gemerkt, dass es immer eine Situation ist, die das provozierende Verhalten deines Kindes auslöst: Du veränderst etwas an dieser EINEN Situation und beobachtest ein paar Tage lang, ob sich dadurch etwas am provozierenden Verhalten verändert. Wenn nicht, nimmst du deine nächste Idee auf deinem Notizblatt, wie du die Situation noch verändern könntest.
  • Du könntest mit einem Grundschulkind ein Gespräch in einer ruhigen Minute beginnen und sachlich über die Situation sprechen. Auch darüber, was du dir in der Situation wünschst oder was du brauchst (das hast du dir ja in Schritt 3 notiert). Und dann kannst du deine Vermutungen (auch aus Schritt 3) äußern, was denn dein Kind von dir oder in der Situation braucht. Und dann könnt ihr euch austauschen - vielleicht liegst du auch falsch mit deinen Vermutungen und dein Kind braucht etwas ganz anderes? Im Gespräch könnt ihr dann gemeinsame Veränderungen der Situation oder auch eures Verhaltens festlegen.
  • Du hast beim Analysieren der Situationen bemerkt, dass der Auslöser in der provozierenden Situation häufig das kleine Geschwisterkind war, dass etwas vom Kind kaputt gemacht hat. Dann achtest du in der nächsten Woche stark darauf, dass du dein älteres Kind vor solchen Situationen schützt - z.B. krabbelndes Kind regelmäßig weg von Bauwerken des Kindes bringen und ihm anderes interessantes Spielzeug geben. Weitere Ideen, wie du Geschwisterkonflikte entspannst, findest du hier.

Leserfrage: Wenn mein größeres Kind das kleinere ärgert und ich eingreife, dann streckt mir mein Kind (4) die Zunge raus. Wie soll ich reagieren?

Dein Kind ist wahrscheinlich wütend auf dich, wenn du schützend für das jüngere Geschwisterkind eingreifst.


Den Ärger darüber will es irgendwie abreagieren und streckt dir deshalb vielleicht die Zunge raus.


Desweiteren will dein Kind wahrscheinlich mit dem Ärgern und Zunge rausstrecken auf sich aufmerksam machen. Jeder Mensch handelt, um sich Bedürfnisse zu befriedigen. Welches Bedürfnis mag sich dein Kind damit erfüllen?


Vielleicht möchte es mehr gesehen werden?


Deshalb empfehle ich dir, wenn dir dein Kind die Zunge herausstreckt, zuerst einmal die vermuteten Gefühle deines Kindes widerspiegeln.

So kann sich ein Gespräch entwickeln - Beispiele

Beispiel: "Streckst du mir deine Zunge raus, weil du dich über mich ärgerst?"


Dann beobachtest du die Reaktion deines Kindes, ob du mit deiner Vermutung richtig liegst. Oft nickt es oder dein Kind sagt dir etwas über seine wahren Gefühle und du kannst daran anknüpfen. Versuche im Gespräch herauszufinden, was die Ursache dieses Konfliktes ist.


Beispiel: "Was ärgert dich denn am meisten? Dass du nicht ärgern darfst oder dass ich deinen Bruder schützend auf den Arm nehme?"


Wenn du die Ursache entdeckt hast, kannst du im Gespräch darauf eingehen, was sich denn dein Kind wünschen würde, damit seine Bedürfnisse erfüllt werden.

Erst jetzt - wenn dein Kind sich verstanden und von dir angenommen fühlt, kannst du mit ihm über sein Verhalten sprechen:

Teile ihm mit, dass es für dich nicht in Ordnung ist, wenn es das Geschwisterkind ärgert und dir die Zunge rausstreckt und danach sucht ihr gemeinsam nach Lösungen.


Sammelt Ideen, wie dein Kind anders reagieren kann und es trotzdem seine Bedürfnisse erfüllt bekommt, aber auch Ideen, was du schon im Vorfeld tun könntest, damit es erst gar nicht zu dieser Situation kommt.

Was du vor dem Gespräch mit deinem Kind tun kannst, um dich vorzubereiten

Ein gutes Hilfsmittel für die Lösungsfindung ist die vorherige Beobachtung, in welchen Situationen dein Kind ärgert und die Zunge rausstreckt. Was ist diesem Moment vorrausgegangen? An diese Momente kannst du im Gespräch anknüpfen und fragen, was es sich denn in dem Moment gewünscht hätte oder du stellst Vermutungen an und schaust, wie dein Kind darauf reagiert. 

Bist du mit dabei?

Willst du auch herausfinden, was du tun kannst, damit die Situationen des Provozierens wieder abnehmen? Willst du dadurch dich und deinen Alltag mit Kindern um ein Vielfaches entspannen?


Dann mache doch mit! Nutze die nächsten Wochen und gehe durch die vier Schritte hindurch.


Oder willst du generell in allen Situationen mit Kind wertschätzender werden? Dann schaue jetzt hier vorbei.


Hinterlasse mir bitte einen Kommentar, dass du mitmachst.

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über

Hallo, ich bin Erzieherin, langjährige Nanny und zweifache Mutter. Seit über 20 Jahren begleite ich Familien durch den Alltag mit Kindern.

Auf „Klein wird GROSS“ zeige ich dir, wie du Wutanfälle, Geschwisterkonflikte, Routinen und all die anderen Herausforderungen im Familienalltag mit mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und wertschätzender Verbindung meisterst. Meine Tipps verbinden eigene Mama-Erfahrung mit fundiertem Wissen aus Pädagogik und Selbstregulation.

Meine Mission: Gelassenheit und Freude im Familienalltag schaffen – damit Kinder Liebe und Wertschätzung in die Welt tragen und unsere Erde schöner wird.

Leserfeedback

„Danke für deine grossartige Arbeit. Ich fühle mich verstanden durch deine Texte. Ich fühle mich an die Hand genommen. Danke für deine grossartige Arbeit.“
Brigitte


„Deine Artikel über Selbstzweifel, Ärger, Stress und Wut waren sehr toll! Zu wissen, dass ich nicht alleine überfordert bin, ist eine grosse Hilfe. Ich hab deinen Blog bereits weiter empfohlen.“
Ines


„Ich muss Dir einfach mal eine grosse Umarmung schicken! Tausend Dank für Deine tollen Beiträge. Ich fühle mich verstanden und nicht alleine mit meinen Muttersorgen!“
Leserin von Klein wird GROSS


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  1. Hallo Petra.
    Sehr aktuelles Thema bei uns. Meine Tochter denkt sich immer wieder neue Sachen aus nur um mit mir zu kämpfen.
    Mache also gerne mit. Bin aber auch neugierig was Du am Ende des Monats für Tipps noch gibst.
    LG. Ina

  2. Hallihallo
    Mega interessantes Thema…wie funktioniert das mitmachen?

    Liebe Grüße aus dem Burgenland
    Michelle

    1. Hallo Michelle,
      das freut mich sehr, dass du mitmachen willst. Das Mitmachen ist einfach: Du nutzt den gesamten Juli, um den Monatsfokus in deinem Familienalltag umzusetzen. Bei diesem Fokus könntest du auch jede Woche einen der 4 Schritte nacheinander machen. Wenn du willst kannst du am Ende des Monats gerne einen weiteren Kommentar hinterlassen, wie es dir ergangen ist. Für den August kommt dann wieder ein neues Thema…LG Petra

  3. Genau mein Thema. Ich mache mit. Meine Tochter liebt den Machtkampf. Ich will raus da.
    Jetzt sind auch noch Ferien. Eh schon eine große Herausforderung.
    Liebe Grüße

    1. Super, dass du mitmachst. Ich wünsche dir viel Erfolg damit und gute Ferien! Wir haben noch 4 Wochen bis zu den Sommerferien… LG Petra

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