12. Mai 2017

Sind wir nicht alle ein bisschen Rabenmutter?

Kennst du das auch? Du willst dich deinen Kindern gegenüber anders verhalten, aber der äußere Reiz ist stärker als dein Wille und du reagierst einfach nur auf diese äußeren Umstände?

Vielleicht willst du dein Kind nicht mehr schimpfen, aber wenn du unter Zeitdruck gerätst, dann kannst du nicht mehr an dich halten und schimpfst los.

Vielleicht fragst du dich auch, ob du alles in der Erziehung deiner Kinder richtig machst?

Ich habe es aufgegeben, mir diese Frage zu stellen, weil ich sehr genau weiß, dass ich viele Fehler begehe. Die gelernte Erzieherin in mir, meine Erfahrung im Umgang mit Kindern und mein theoretisches Wissen zum Thema Kinder und Kindererziehung sagen mir immer wieder, dass ich etwas falsch gemacht habe. Nur in diesem Augenblick konnte ich einfach nicht anders reagieren oder handeln - der Reiz war stärker als mein Wille, mich „richtig“ zu verhalten.

Bin ich deshalb eine Rabenmutter? Also eine schlechte Mutter für meine Kinder?

Muttis Nähkästchen ruft auf zur Blogparade „Outing einer anonymen Rabenmutter“ – bei der ich gerne mitmache.

Gründe, warum ich eine Rabenmutter sein könnte:

1) Wenn ich wegen äußeren Umständen in Stress gerate, dann kommt gerne der Oberbefehlshaber in mir zum Vorschein, der nur noch in kurzen Befehlen spricht: „Zieh jetzt sofort deine Jacke an!“ oder die „Wenn-Dann“-Falle schnappt zu: „Wenn du dich jetzt nicht fertig machst fürs Bett, dann ist die Zeit vorbei für ein Buch“.

2) Wenn am Abend – erschöpft nach einem langen Tag mit Arbeit, Kindern und Haushalt – mein Wunsch nach einem ruhigen Feierabend so groß wird, dass ich meiner Großen sage, dass ich ab 20 Uhr für mich sein will – auch wenn sie noch nicht schläft (weil sie jetzt selbst bestimmen darf, wann sie ins Bett gehen will und das schon mal locker 21 Uhr werden kann).

3) Ich finde bedürfnisorientierte Erziehung super und mache das auch. Nur was passiert, wenn ein starkes Bedürfnis von mir im Gegensatz zu dem von meinem Kind ist? Als meine Kinder Babys und Kleinkinder waren, habe ich mich immer hintenangestellt – das Kind ging vor. Heute setze ich mich wieder mehr für meine Bedürfnisse ein. Da ich zuvor immer stillschweigend zurückgesteckt habe, ist das jetzt nicht so einfach, meine Bedürfnisse zu kommunizieren und einzufordern. Manchmal vergreife ich mich voll im Ton, wenn ich mich zum wiederholten Male für meine Bedürfnisse einsetzen muss.

4) Ich habe nicht immer Lust, das zu spielen, was meine Kinder gerade möchten. Und sage das dann auch.

5) Es passiert mir immer wieder, dass ich im Eifer des Gefechts vergesse, meine eigenen Tipps anzuwenden :-). Wenn es dann eskaliert, weiß ich immerhin, wer dafür verantwortlich ist – ich!

Bin ich deswegen wirklich eine Rabenmutter?

Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich mich von äußerem Stress anstecken lasse? Wenn ich erschöpft bin und Ruhe für mich haben möchte? Wenn ich auch auf meine eigene Bedürfnisse achte und diese durchsetze? Wenn ich manchmal lieber was für mich mache, als dieses eine bestimmte Spiel mit meinen Kindern zu spielen? Wenn ich manchmal einfach nur reagiere – wenn auch nicht gerade sehr pädagogisch – und meine super Tipps selbst im Stress vergesse?

Ich fühle mich danach oft schlecht. Schuldgefühle und schlechtes Gewissen kenne ich nur zu gut. Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass ich keine schlechte Mutter bin. Ich bin ein Mensch, der manchmal von seinen eigenen Gefühlen überwältigt wird und nicht „pädagogisch richtig“ reagiert bzw. handelt.

Ich habe Schwächen. Aber genauso habe ich auch ganz wundervolle Stärken: Ich reflektiere mein Handeln und strebe immer danach, mein Verhalten zu verbessern – also meine Schwächen anzunehmen und nach neuen Lösungen zu suchen und diese auszuprobieren.

Schwächen können zu Stärken werden​

Aus dieser Suche nach Lösungen heraus, sind dann auch meine Bücher entstanden, die anderen Eltern wiederum sehr geholfen haben, ihren Alltag mit Kind zu entspannen und zu erleichtern. Allein für diese Feedbacks, die ich von den Lesern bekommen habe, war es wert, Fehler in der Erziehung meiner Kinder zu machen, daraus zu lernen und nach Lösungen/verbessertem Verhalten zu suchen.

Auch meinen Kindern bin ich ein wertvolles Vorbild: Ich spreche Dinge an, die gerade nicht so gut laufen und lasse sie an der Lösungssuche teilhaben: Ich sage ihnen, dass ich an einer Situation gerne etwas ändern möchte und wir suchen gemeinsam nach Lösungen, sodass jeder das bekommt, was er braucht.

Bist du eine Rabenmutter?

Fühlst du dich manchmal schlecht als Mutter oder als Vater? Nicht gut genug? Oder hast Angst, deinen Kindern nicht gerecht zu werden?

Sind wir nicht alle ein bisschen Rabenmutter? Weil wir keine Roboter sind, die vorprogrammiert auf jeden Reiz angemessen reagieren – sondern Menschen, die hin und wieder von ihren starken Gefühlen überrollt werden.

Auch wenn wir hin und wieder Rabeneltern sind: Ich glaube fest daran, dass du – genau wie ich – aus deinen Fehlern lernst und mit und an deinem Kind wächst und dich dadurch beständig weiterentwickelst und zu einem noch besseren Menschen wirst.

Du zweifelst noch daran, dass du eine gute Mutter, ein guter Vater bist? Dann lies hier noch weiter!​

Wann fühlst du dich als Rabenmutter bzw. Rabenvater? Magst du es mir in den Kommentaren verraten? Und vielleicht hast du auch schon festgestellt, dass du gerade an diesen Hürden, in denen du dich als schlechte Mutter/schlechter Vater gefühlt hast, sehr gewachsen bist? Ich freue mich auf jeden Fall von deiner Erfahrung zum Thema Rabeneltern in den Kommentaren zu lesen!

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