Autorin: PetraErzieherin • Nanny • Mama • 20 Jahre Alltagserfahrung in und mit Familien

September 15, 2020

Zweifelst du manchmal, ob du eine schlechte Mutter bist, weil du in stressigen Momenten anders reagierst, als du es dir eigentlich wünschst?


In diesem Artikel lade ich dich ein, den Begriff „Rabenmutter“ einmal ganz anders zu betrachten – nicht als Urteil, sondern als mögliche Auszeichnung. (Natürlich kannst du als Papa den Begriff auf Rabenvater umwandeln, in der Gesellschaft hört man einfach Rabenmutter viel öfter, deshalb bleibe ich bei der weiblichen Form.)


Du erfährst, warum Raben gar keine schlechten Eltern sind, was das mit dir zu tun hat und wie aus vermeintlichen Schwächen Stärken werden können.

Bin ich eine schlechte Mutter, weil ich nicht immer so reagiere, wie ich es gerne möchte?

Ich weiß, dass ich viele Fehler in der Erziehung meiner Kinder begehe und begangen habe. Diese Fehler sind mir besonders bewusst, weil ich als Erzieherin gelernt habe, wie es "richtig" gewesen wäre.


Die gelernte Erzieherin in mir, meine Erfahrung im Umgang mit Kindern und mein theoretisches Wissen zum Thema Kinder und Kindererziehung sagen mir immer wieder, dass ich etwas falsch gemacht habe. Bin ich deswegen eine Rabenmutter oder eine schlechte Mutter?

Um diese Frage zu beantworten ist folgendes Wissen wichtig:

Ich bin nicht nur Erzieherin sondern auch Mutter. Eltern sind immer viel näher an ihren Kindern dran wie es eine Erzieherin je sein könnte.


Das hat zur Folge, dass Kinder zu Hause ihren Stress abreagieren und sich nicht so "gut" verhalten wie sie es in Kindergarten oder Schule tun.


Das wiederum trägt dazu bei, dass sich bei Eltern die Gemüter erhitzen und nicht mehr so reagieren, wie sie es eigentlich gerne tun möchten. (Wenn du daran etwas ändern möchtest, hilft dir das hier ungemein!)


Deswegen bist du jedoch keine schlechte Mutter. Es ist passiert und es ist menschlicht, nicht immer tiefenentspannt zu sein.


Wenn du das starke Bedürfnis verspürst, etwas an der Art und Weise, wie du dein Kind erziehst zu verändern, dann kannst du dem natürlich nachgehen und die beste Mama, (oder Papa) werden, die du sein sein kannst.

Ich fragte mich besonders in folgenden Situationen, ob ich eine schlechte Mutter oder Rabenmutter bin:

  • Wenn ich wegen äußeren Umständen in Stress gerate, dann kommt gerne der Oberbefehlshaber in mir zum Vorschein, der nur noch in kurzen Befehlen spricht: „Zieh jetzt sofort deine Jacke an!“ oder die „Wenn-Dann“-Falle schnappt zu: „Wenn du dich jetzt nicht fertig machst fürs Bett, dann ist die Zeit vorbei für ein Buch“.
  • Wenn am Abend – erschöpft nach einem langen Tag mit Arbeit, Kindern und Haushalt – mein Wunsch nach einem ruhigen Feierabend so groß wird, dass ich meiner Großen sage, dass ich ab 20 Uhr für mich sein will – auch wenn sie noch nicht schläft
  • Ich finde bedürfnisorientierte Erziehung super und mache das auch. Nur was passiert, wenn ein starkes Bedürfnis von mir im Gegensatz zu dem von meinem Kind ist? Als meine Kinder Babys und Kleinkinder waren, habe ich mich immer hintenangestellt – das Kind ging vor. Heute setze ich mich wieder mehr für meine Bedürfnisse ein. Da ich zuvor immer stillschweigend zurückgesteckt habe, ist das jetzt nicht so einfach, meine Bedürfnisse zu kommunizieren und einzufordern. Manchmal vergreife ich mich voll im Ton, wenn ich mich zum wiederholten Male für meine Bedürfnisse einsetzen muss.
  • Ich habe nicht immer Lust, das zu spielen, was meine Kinder gerade möchten. Und sage das dann auch.
  • Es passiert mir immer wieder, dass ich im Eifer des Gefechts vergesse, meine eigenen Tipps anzuwenden :-). Wenn es dann eskaliert, weiß ich immerhin, wer dafür verantwortlich ist – ich!

Bin ich deswegen wirklich eine schlechte Mutter oder Rabenmutter?

Bin ich eine schlechte Mutter, wenn ich mich von äußerem Stress anstecken lasse? Wenn ich erschöpft bin und Ruhe für mich haben möchte? Wenn ich auch auf meine eigene Bedürfnisse achte und diese durchsetze? Wenn ich manchmal lieber was für mich mache, als dieses eine bestimmte Spiel mit meinen Kindern zu spielen? Wenn ich manchmal einfach nur reagiere – wenn auch nicht gerade sehr pädagogisch wertvoll – und meine super Tipps selbst im Stress vergesse?


Ich fühle mich danach oft schlecht. Schuldgefühle und ein schlechtes Gewissen kenne ich nur zu gut.


Trotzdem bin ich davon überzeugt, dass ich keine schlechte Mutter bin. Ich bin ein Mensch, der manchmal von seinen eigenen Gefühlen überwältigt wird und nicht „pädagogisch richtig“ reagiert bzw. handelt.


Das ist aber nicht schlecht, sondern einfach nur menschlich! Und wenn ich an mir arbeiten will und eine noch bessere Mutter/Vater werden will, kann ich das natürlich tun.


Ich habe mir einen Leitfaden für die Begleitung meiner Kinder erstellt und mich viel mit meinen Gefühlen beschäftigt, damit ich die Gefühle meiner Kinder besser begleiten kann.

Warum Raben keine schlechte Eltern sind

Wenn man sich darüber informiert, wie Raben ihre Jungvögel aufziehen, dann merkt man schnell, dass der Begriff "Rabenmutter" gar nicht negativ ist.


Beide Eltern-Raben kümmern sich fürsorglich um die kleinen Vögel und sind immer in der Nähe, wenn sie ihre ersten eigenen tapsigen Versuche machen, das Nest zu verlassen.


Sie sind in der Nähe - nicht neben ihnen! - und beobachten die Versuche, um schnell bei der Stelle sein zu können, wenn etwas schief geht.

Warum du Rabenmutter als Auszeichung sehen solltest:

Schaust du jetzt als Außenstehende gerade zufällig - für einen kurzen Augenblick - auf diese Raben und ihre Jungvögel, wie sie tapsig und ohne Eltern aus dem Nest steigen, könntest du es schnell bewerten mit einem:


"Wo ist denn die Mutter, die kann ihre kleinen Vögel doch nicht alleine lassen, was für eine Rabenmutter!"


Erst bei längerem Beobachten würdest du als Außenstehende wahrnehmen, dass die Raben-Mutter einen Ast weiter weg sitzt und genau beobachtet, was ihre Kleinen da treiben, sodass sie gleich zur Stelle ist, wenn etwas gefährlich wird - ihnen aber ansonsten zugesteht, ihre eigenen Schritte zu gehen.

Sei selbst mehr wie eine Rabenmutter

Genauso solltest du nicht nur einen kleinen Auszug aus deinem Alltag mit Kind anschauen und dich dafür abwerten.


Anstatt dessen darfst du immer einen größeren Ausschnitt des Alltags ansehen.


Du wirst feststellen, dass du ganz oft die Raben-Mutter bist, die beobachtend in der Nähe ist, also eine großartige Mutter bist.


Klar, du weißt auch, dass es Situationen mit deinem Kind gibt, in denen du nicht angebracht reagiert hast, aber wenn du das große Ganze eures Miteinander anschaust, dann lässt du deinem Kind eine riesengroße Menge Gutes angedeihen - da bin ich mir ganz sicher! (Und wenn du in noch mehr Situationen so reagieren willst, wie du es gerne hättest, dann mache doch mit bei der 21-Tage-Challenge für mehr Wertschätzung im Umgang mit deinem Kind)

Deshalb: Wann immer du ab jetzt den Begriff Rabenmutter hörst oder denkst,

  • erinnere dich daran zurück, dass diese Bewertung nur einen ganz kleinen Ausschnitt des Tages einer Mutter mit ihrem Kind in Betracht zieht! Dieser kurze Moment gibt keine Rückschlüsse darauf, wie die Mutter in den anderen Minuten des Tages mit ihrem Kind umgeht.
  • erinnere dich daran, welch wunderbare Eltern Raben in Wirklichkeit sind und gehe bei dir selbst auf die Suche, warum auch du eine wundervolle Mutter bist! Finde am besten gleich nach dem Lesen des Artikels 20 Gründe, warum du eine gute Mutter - eine wahre Raben-Mutter - bist. Auch dieser Artikel kann dir dabei helfen, wieder mehr Vertrauen in dich als Mutter zu bekommen.

Schwächen können zu Stärken werden

Ich habe Schwächen - aber genauso habe ich auch ganz wundervolle Stärken, eine hilft mir beim Umgang mit meinen Schwächen ganz besonders:


Ich reflektiere mein Handeln und strebe immer danach, mein Verhalten zu verbessern – also meine Schwächen anzunehmen und nach neuen Lösungen zu suchen und diese auszuprobieren.


Aus dieser Suche nach Lösungen heraus, sind dann auch meine Bücher und Kurse entstanden, die anderen Eltern wiederum sehr geholfen haben, ihren Alltag mit Kind zu entspannen und zu erleichtern.


Allein für die positiven Feedbacks, die ich von den Lesern und Kunden bekommen habe, war es wert, Fehler in der Erziehung meiner Kinder gemacht zu haben, daraus zu lernen und nach Lösungen/verbessertem Verhalten zu suchen und dies weiterzugeben.


Auch meinen Kindern bin ich ein wertvolles Vorbild: Ich spreche Dinge an, die gerade nicht so gut laufen und lasse sie an der Lösungssuche teilhaben.


Welche deiner Schwächen kannst du in Stärken umwandeln?

Wann fühlst du dich als Rabenmutter bzw. Rabenvater? Magst du es mir in den Kommentaren verraten? Und vielleicht hast du auch schon festgestellt, dass du gerade an diesen Hürden, in denen du dich als schlechte Mutter, als schlechter Vater gefühlt hast, sehr gewachsen bist? Ich freue mich auf jeden Fall von deiner Erfahrung zum Thema Rabeneltern in den Kommentaren zu lesen!

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über

Hallo, ich bin Erzieherin, langjährige Nanny und zweifache Mutter. Seit über 20 Jahren begleite ich Familien durch den Alltag mit Kindern.

Auf „Klein wird GROSS“ zeige ich dir, wie du Wutanfälle, Geschwisterkonflikte, Routinen und all die anderen Herausforderungen im Familienalltag mit mehr Gelassenheit, Leichtigkeit und wertschätzender Verbindung meisterst. Meine Tipps verbinden eigene Mama-Erfahrung mit fundiertem Wissen aus Pädagogik und Selbstregulation.

Meine Mission: Gelassenheit und Freude im Familienalltag schaffen – damit Kinder Liebe und Wertschätzung in die Welt tragen und unsere Erde schöner wird.

Leserfeedback

„Danke für deine grossartige Arbeit. Ich fühle mich verstanden durch deine Texte. Ich fühle mich an die Hand genommen. Danke für deine grossartige Arbeit.“
Brigitte


„Deine Artikel über Selbstzweifel, Ärger, Stress und Wut waren sehr toll! Zu wissen, dass ich nicht alleine überfordert bin, ist eine grosse Hilfe. Ich hab deinen Blog bereits weiter empfohlen.“
Ines


„Ich muss Dir einfach mal eine grosse Umarmung schicken! Tausend Dank für Deine tollen Beiträge. Ich fühle mich verstanden und nicht alleine mit meinen Muttersorgen!“
Leserin von Klein wird GROSS


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  1. Liebe Petra,

    du hast so recht. Die Momente im Leben, in denen es nicht so gut läuft sind oft diejenigen, in denen wir über uns hinaus wachsen können.
    In der Verbindung zu meinen Kindern entsteht aus diesen Momenten oft tiefe Verbindung, wenn sie spüren, dass wir nicht perfekt sein müssen, um wundervoll, einzigartig und liebenswert zu sein.
    LG Silke

    1. Liebe Silke,
      genau so sehe ich das auch – Verbindung entsteht, wenn wir in unseren nicht perfekten Momenten auf unser Kind zugehen (oder danach) und über ein Gespräch oder Umarmung wieder in Kontakt treten.
      LG Petra

  2. Liebe Petra,
    danke Dir für diesen Beitrag über Schuldgefühle & schlechtes Gewissen.
    Seit meine Kinder auf der Welt sind, verfolgt mich das schlechte Gewissen, ich hätte mir das vorher nie vorstellen können. Für alles verantwortlich zu sein, und gleichzeitig so „hilflos“ vor den vielen selbst auferlegten und „umgehängten“ Aufgaben und Zuständigkeiten zu stehen, immer im Blickwinkel, was sich nicht alles wie auf die Entwicklung oder Zukunft der Kinder auswirkt. Uff.
    Danke für Deine Worte!
    Lieben Gruß
    Andrea

    1. Liebe Andrea,
      ich freue mich sehr, dass dir dieser Artikel geholfen hat, etwas von deiner „gefühlten“ Last abzunehmen. Kinder großzuziehen ist eine große Aufgabe und du darfst dir auch manchmal stolz auf deine Schultern klopfen! Vor lauter schlechtem Gewissen machen wir das nämlich viel zu selten! LG Petra

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